der Handelskammer, Herr M. Homberger, Veranlassung genommen habe, den Handclsverein zu Lauterbach mit den einschlägigen allgemeinen Fragen bekannt zu machen und zu ersuchen, ihm die Ansichten und Wünsche der Interessenten dortiger Gegend mitzutheilen, um auch diese, wenn es wünschenswert!) erscheinen sollte, bei den stattfindenden Vernehmungen zur Geltung zu bringen. Der Vorstand des Handelsvcreins habe diese Fragen beantwortet und zugleich darauf hingewiesen, daß in den betreffenden Bezirken die Letnenweberei von größerer Bedeutung sei, als die Baumwollenwcbcrei, auch dabei die hauptsächlichen Momente hervorgehoben, welche geeignet wären, die Lage dieser Industrie, sowie der ihr angehörcnven Arbeiter zu verbessern und ersucht, im Interesse der Betheiligten nach Möglichkeit auch für den dortigen Bezirk einzutreten. Wenn -es sich nun auch bei der Lachverständigengruppe, welcher der hiesige Vertreter angehört hatte, in der Hauptsache nur um reine und gemischte Baumwollenindustrie gehandelt habe, so seien Don ibm dennock die bcregten Wünsche in Bezug auf die Leinenindustrie bei seiner Vernehmung erörtert und von der Commission zur geeigneten Berücksichtigung für die Leinen Enquete, welche bezüglich der Sachvcrständlgenveruehmüng am 5. December begonnen hatte, bercitwilligst ent- gegengenommen worden.
Man schritt sodann zur Präsidentenwahl für das Jahr 1879, bei welcher Herr M. Homberger zum Vorsitzenden und Herr Adolph Noll zum Stellvertreter
Mit je 5 Stimmen wiedererwäblt wurden.
Das Coneert vom 26. Januar zu Gießen.
Man kann das vorgestrige Coneert, welches in Gießen's Mauern stattgefunden hat, cm wahrhaft glänzendes nennen, da es uns wieder einmal vergönnt war, auch einen Künstler ersten Ranges, einen Zauberer im holden Reiche der Töne zu bewundern. Ich hatte mir vorgenommen, diesen Abend kritisch-nüchtern zu beurthcilen, nun aber sehe ich daß ich bereits in meinem ersten Satze von „Gießens Mauern" von dem „Zauberer" und „von dem Reiche der Töne" rede, was auf eine romantische Stimmung, also auch auf ein pathologisches Behaftet- und Gesangensein schließen läßt. Nun gut, es sei' so, reden wir im ersten Erinnern noch im Rausche! Denn was eine so große, nicht grade an geringe musikalische Kost gewöhnte Zuhörerschaft so in Aufregung bringen konnte, das muß etwas Würdiges, etwas Schönes gewesen sein, und ein Rausch der Art, wie er sich am 26. Januar über viele edle, männliche und weibliche, Herzen ergossen, bat sicher seine Berechtigung und lobt er auch die Trinker nicht, so lobt er doch den Wein. — Ouvertüre und Scherzo von Schumann waren brav von unserem Musikdirektor, Herrn Felchner, dirigirt, der überhaupt für die Schumann'schen Sacken ein besonderes Verstandniß zu haben scheint. Die „Penelope" von Fräulein Hoffmann, welcher eine herrliche, klangvolle Alt- Stimme eigen ist, ist zwar eine hochpathetische Erscheinung, allein ihr getragenes tief elegisch empfundenes Lied scheint mir doch nur auf der Bühne mit dem geeigneten Relief seine ihm gebührende Würdigung finden zu können und eignet sich weniger für isolirte Darstellung. Schade war es, daß neben dem griechischen Modell nicht die ursprünglich in Aussicht genommene Sextus-Arie aus Titus, als passendes römisches Gegenbild, von Fräulein H. gesungen wurde. Händel's „Semele" mußte so einigen Ersatz bieten. Der Diolin-Held, Herr Emile Säuret, verstand es aber, die hochansehnliche Hörerschaft einmal systematisch, d h vom Kleinen zum Großen aufsteigend, in innere seelische Erregung zu setzen. Wie Odysseus, vor den Freiern auf
tretend, zuerst nur unbedeutend an dem verhängnißbringenden Bogen klimperte, um dann hernach Alles zu überwältigen, so bot uns Herr Säuret erst das weniger m das Gewicht fallende Violin-Concert von Ernst, um hernach immer überwältigender und in Fesseln schlagender durch sein Beethoven und Vieuxlemps-Conecrt zu wirken, bis er zuletzt auf wiederholtes stürmisches Andrängen der Gießener, die cs nicht anders thaten, wie ein zum Vaticiniren endlich bezwungener Proteus, vortrat und eine Bravour-Fantasie über eine bekannte Opern-Arie in den seelenvollsten Accorden meisterhaft zum Besten gab. Die Wirkung war eine durchschlagende, enorme. War cs den Lauschern vorder schon „wohlig wie dem Fischlein auf dem Grunde", so steigerte sich die Lust, das Entzücken gegen das Ende hin aufs Aeußerste. Da wurden Feinde Brüder, „schwere Philologen machten leichte Gedichte," das fühlende Herze „verlernte jeglichen Spott" und Alles war berauscht. Bankier und Geschäftsleute sonst sollen derart ergriffen gewesen sein, daß man nicht wußte, als sie am folgenden Tage von Quarten und Achteln sprachen, ob sie Musiktakte oder Procente meinten. Zweckmäßig muß man, unter so bewandten Umständen, den Schluß nennen, der dürch die Hayden'sche Symphonie Nr. 13, die so ausgezeichnet ist durch liebliche Einfachheit und Würde, dem aufregenden Abende gegeben wurde. Dank aber sei d n Männern, die solche Wunder von Zeit zu Zeit durch ein frisches Unternehmen zu verleihen verstehen, und möchten sie nicht allzu lange anstehen, uns ähnliche hohen Genüsse zu bereiten und zu ermöglichen. G.
Handel und Verkehr.
Gießen, 28. Januar. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter, per Pfd. 75—80 H, Hühnereier, per Stück 7—8 Enteneier, per Stück 8 Käse, per Stück 5 bis
8 Käsematte, per Stück 3 H, Erbsen, 1 Liter 20 Linsen, 1 Liter 22 Tauben, das Paar 80 H, Hübner, per Stück X 1ch<>, Habnen, per Stück X 1.70, Enten, per Stück X 2 50 Gänse, per Pfd. Kartoffeln, per 100 Kilo X 5—6.—, Zwiebeln, per Ctr. X 8.—
Ocksenfleisch 70—72 H per Pfd., Kuh. und Rindfleisch 56—60 Schweinefleisch 57—60 H,
Kalbfletsck 5"—60 H, Hammelfleisch 60 65
Frankfurt, 27. Januar. (Fruchtbericht.) Der heutige Markt behielt den Standpunkt vorsichtiger Beobachtung inne und vermochte demzufolge die geschäftliche Entwickelung größere Dimensionen nicht anzunehmen. Die Berichte von auswärts lauteten nicht freundlich. Die Geschäftslosigkeit ist überall eine hochgradige.
Mehl Nr. 1 X 39, Nr. 2 X 35, Nr. 3 X 31, Nr. 4 X 27, Nr. 5 <X 21. Roggenmehl % ; Berliner Marke) <x 22, do. II (Berliner Marke) X 19. Weizen, effektiv hiesiger ab Bahnhof hier <X 19.—, ab unserer Umgegend X 18.25—18.50, do. fremder je nach Qualität x 18—19, Roggen, je nach Qualität X 13—15. , Gerste X 15—17.50, Hafer X 12.50—14, Kohlsamen X 27—28, Erbsen X 19—23, Wicken X 15—16, Linsen -X 17—23. Rüböl, detail -X 68. Stimmung ruhig. (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht — Wo Kilo )
Frankfurt, 27 Januar. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Angetrieben waren ca. 400 Ochsen, 220 Kühe und Rinder, 180 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. -X 69—70, 2. Qual. X 64—66, Kühe 1. Qual. X 60 bis 62, 2. Qual. X 52—54, Kälber 1 Qual. X 66—6*, 2 Qual. 54—60, Hämmel 1. Qual. X 60—62, 2. Qual. «X 55 60 per 100 Pfund Fleischgewicht. Schweine das Pfund 55 H.
Atlgem einer Anzeiger.
Hoizversteigernng
in der Oberförsterei Schiffenberg.
596) In den Domanialwalddistrtcten Rehhecke und Schinderkopf sollen versteigert werden:
Dienstag den Februar l. I.:
Scheiter R a
Knüppel u m m e t
Stöcke e r
Reisig Wellen
Buchen
18
8
54
2710
B rfen
13
7
—
—
Eichen
60
60
327
9690
Nadelholz
41
14
31
840
Wetchlaubholz
—
—
—
1050
Mittwoch den 5. Februar:
202 Eichenstämme von 24 bis 38 Ctm. Durch nesser und 6 bis 10 Meter Länge — 102,02 Festm.,
35 Nadelholzstämme von 26 bis 40 Cm. Durchmesser und 8 bis 12 Meter Länge — 27,26 Festm., meist zu Schnittholz geeignet,
10 Raummeter Eichen-Werkscheitholz.
Die Zusammenkunft ist an beiden Tagen Vormittag- 9 Uhr am Günthersgrab.
Gießen, den 27. Januar 1879.
Großherzogliche Oberförstern Schiffenberg.
I. V. d. O.: Joseph, Forstaccessist.
Oeffenlliche Mor&mnig.
589) Alle Diejenigen, welche An- sprücsie irgend einer Art an die
Georg Klos Eheleute in Albuch zu machen haben, werden aufqefordert, solche bei unterzeichnetem Gericht so gewiß binnen 8 Tagen mündlich oder schriftlich anzumelden, als sonst auf solche bei Aufnahme des Status keine Rücksicht werde genommen werden.
Gießen, 23. Januar 1879.
Großh. Landgericht Gießen.
Erdmann, Dr. Trapp, Landrichter. Landg.-Affesior.
Vergeörnifl von Weißbinder- u. Stuckatur- Arbeiten.
Für den N-ubau d-s Gerichtsgebäudes und GefängUtffeS zu Giesten sollen nachstedenoe Arbeiten durch Submission vergeben werden: 1. Loos: Weißbinderarbeüen am Gerichtsgebäude, veranschl. zu -X. 15123,09 2. Loos: Stuckaturarbeiten an demselben, veranschl. zu X. 7030,81 3. Loos: Weißbinderarbeit am Ge- sängniß, veranschl. zu </#. 3712,50 Pläne, Voranschläge u. Bedingungen liegen in unserem Büreau zur Einsicht offen.
Offerten, die für einzelne Loose, wie für sämmtliche Arbeiten gestellt werden könnet, sind versiegelt und mit gc- böriger Aufschrift verschon, bis
Montag den 3. Februar,
Vormittags 10 Uhr,
-ei uns einzureichen, in welchem Termin die Submtsflonseröffnung in Gegenwart der etwa erschienenen Interessenten stattfinden wird.
Abdrücke des Voranschlages werden gegen Erstattung von 1 eX verabfolgt. Großh. Kreisbauamt Gießen. 466) Holzapfel.
Bettwerk äS'ti*“ 286) Louis Kothenberger.
Neuenweg 193.
Bekanntmachung.
591) Der städtische Walddistrtct Erlenwäl'chen, links der Grünberger Straße soll abgeholzt und zu Wiese angelegt werden.
Die hierzu erforderlichen A' beiten, bestehend im Fällen des darauf befindlichen Holzes U'ib im Umroben der 13714 □TOr. haltenden Fläche sollen
Dienstag den 4. Februar d. I., Vormittags 11 Ubr, im Saale des alten Rathhauses vergeben werden. Die Bedingungen, welche hierbei ut Grunde gelegt werden, liegen vorher auf unserem Büreau zur Einsicht offen.
Gießen, den 27. Jinuar 1879. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. 591) A Bramm.
Mersteigerungcn.
Mittwoch den 29. Januar,
Nachmittags 2 Uhr, sollen im Pfandlocal dahier Maurer-Rüstzeug, Bohlen, Stangen, 1 Wagen, Tisch, Küchenschrank u. s. w. öffentlich versteigert werden.
Gießen, 28 Januar 1879.
Großh. Ortsgericht Gießen.
597)______Müller._________
Arbeitsversteigerung.
Freitag den 31. Januar l. I.,
Vormittags 10 Ubr, sollen auf hies. Ratbbause die an den Victnalwegen erforderlichen Unterhal tungsarbeiten, als:
Brechen, Anfahren, Aufsetzen, Zerschlagen und Eindecken der Unter- haltungsstetne,
veranschl. zu -X. 670.— öffentlich in Accord gegeben weiden.
Dorfgill, den 25. Januar 1879.
Großh Bürgermeisterei Dorfgill.
I- A.:
584) K. S ch ö n.
Aeil'geöotenes.
585) Kanarienvögel abzugeben. Teufelslustgärtchen C. 167.
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587) Frisch gefangene, ungesalzene Heringe (BraMcklinge) welche gebraten delicat schmecken, pr. 10-Pfd.- Kiste, ca. 45-50 Stück große Heringe enth., 2 <X 50 4, 3 Kisten 6 -X 60 Große goldgelb geräucherte
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CSebr. Adami.
Z Iimmerspäne zu verlaufen. L. Petri 11, Ludwigsstr.
Stets frisch gebr.
KafiFee (reinschm.), per Pfd. JL 1,65, JL 1,80, X 2, rohe Kaffee.
per Pfd. JL 1,48, X 1,54, X 1,60, empfiehlt (445
Philipp Bauer 11^
______ Bahnhofstraße.
577) Gutes Heu, Stroh u. Kartoffel» verkauft
B a l t h. M a l ko m es i u s, 9reustadt-


