die Budget-Commission. Reichensperger (Crefeld) bemängelt gleichfalls den Bauplan, dringt seinerseits auf Herabminderung der Kosten und wünscht ebenfalls commissarische Berathung. Schließlich wird die Vorlage an die Budget-Commission gewiesen.
Die Liquidationen aus der französischen Kriegs-Contribution werden in dritter Berathung ohne Debatte genehmigt. Es folgt hierauf der Bericht der Budget-Com- mission über die Petition wegen Gewährung eines Zuschusses von 400,000 wegen Fertigstellung des Niederwald-Denkmals. Die Budget-Commission empfiehlt die Ueber- weisung an den Reichskanzler zur Berücksichtigung bet der Aufstellung des nächsten Etats. Windthorst erklärt sich dagegen und beantragt die Petition wegen noch nicht genügender Instruction an die Commission zurückzuverweisen. Der Redner befürwortet seinen Antrag in erster Linie mit Sparsamkeitsrücksichten. Es müsse alles aufgeboten werden, daß die Vollendung nach Möglichkeit aus freiwilligen Beiträgen geschehe. Präsident Hofmann ersucht dem Anträge der Commission zuzustimmen. Schorlemer- Alst spricht gegen den Antrag der Commission. Im Hinblick auf die gegenwärtige wirthschaftliche Lage könne er die geforderte Summe nicht bewilligen. Nachdem Rickert und Richter (Hagen) für die Bewilligung gesprochen, wird der Antrag Windthorst's abgelehnt und der Antrag der Commission angenommen. Der Gesetzentwurf, betreffend die Consulargerichtsbarkeit, wird nach unerheblicher Debatte in zweiter Lesung en bloc angenommen.
Hierauf folgt die Fortsetzung der Berathung des Zolltarifs. Bei Nr. 34 (Steinkohlen, Braunkohlen rc. zollfrei) beantragte Ackermann einen Zoll von 20 H pro 100 Kilogramm auf Braunkohlen. Der Antrag wird abgelehnt und Nr. 34 unverändert genehmigt. Nr. 36 (Theer rc.) wird gleichfalls nach der Vorlage genehmigt. Zu Nr. 37 (Thiere rc.) wird der Antrag Delbrück's angenommen, frische Fische zollfrei zu lassen. Der Antrag auf Zollfreiheit für Eier wird abgelehnt. Es folgt Nr. 39 (Vieh). Simpson (Georgenburg) befürwortet den Antrag, den Zoll auf Pferde mit 20 JL statt mit 10 X zu normiren. Richter (Hagen) bekämpft den Antrag.
Bundes-Commissär Tiedemann rechtfertigt die Zollsätze. Der Antrag Simpsons wird abgelehnt und Nr. 39 a (Pferde rc.) unverändert angenommen, ebenso Nr. 39 b (Stiere rc.). Der Antrag Richter (Meißen), den Zoll für Ochsen auf 25 «X zu erhöhen, wird gleichfalls abgelehnt und 39c (Ochsen) unverändert angenommen. 39 d (Jungvieh) wird nach der Vorlage angenommen, doch die Bezeichnung (Jungvieh) auf Vieh bis 21/2 Jahre festgesetzt, im Uebrigen bleiben die Viehzollsätze völlig unverändert. — Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr.
Ems, 26. Juni. Der Kaiser hat gestern der Theater-Vorstellung betgewohnt. Heute Morgen nahm derselbe die Trinkkur im Zimmer und ein Bad.
London, 26. Juni. „Reuter's Bureau" meldet aus Kairo von heute: Der Khedive erhielt heute Morgen einen Befehl des Sultans, zu Gunsten Tewfiks abzudanken. Er ist bereit, diesem Befehle nachzukommen.
— Ueber die Verhandlungen mit dem Khedive erfährt die „Times" aus Kairo von gestern. Die Generalconsuln theilten dem Khedive mit, die Pforte habe gestern seine Absetzung zu Gunsten Halim's beschlossen, empfahlen ihm dringend zu Gunsten Tewfik's abzudanken und versprachen schriftlich gewisse Garantien. Der Khedive machte die Versorgung seiner Familie, wie vor der Abtretung der Domänen, und die Abdankung in die Hände des Sultans zur Bedingung. Die Generalconsuln erwiderten, letztere Bedingung führe den Abbruch der Verhandlungen herbei. Die Dinge müßten unter solchen Umständen ihren Lauf nehmen. — „Daily News" meldet aus Alexandrien: Der Khedive geht nach Konstantinopel und läßt Tewfik als Regenten zurück. Die Vorbereitungen zu seiner Abreise sind getroffen.
— „Reuters Bureau" meldet aus Konstantinopel von heute: Der Sultan unterzeichnete einen Jrade, welcher den Khedive absetzt und Tewfik Pascha zu seinem Nachfolger ernennt.
Paris, 26. Juni. Heute Mittag wurde in der. St. Aug-sti» der Trauergoltesdienst für den Prinzen Louis Napoleon gehalten, welchem Prinz Jerome, der das große Band der Ehrenlegion trug, begleitet von fernen Söhnen, ferner Prinzessin Mathilde, die Königin Isabella, der Erzbischof von Paris, das diplomatische Corps, sämmtliche bonapartisttsche Notabilitäten und ein äußerst zahlreiches Publikum beiwohnten.
Berlin, 26. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." kommt aus die Bestrebungen zurück, welche in Betreff der Ueberlaffung des Magdeburg-Halberstädter Unternehmens an den Staat wettergehende Forderungen stellen, als zwischen dem Gesellschaftsvorstand und dem Staat vereinbart worden sei. Durch solche Versuche werde das Zustandekommen des Geschäfts ernstlich gefährdet. Es sei davor zu warnen und aus den Mtnisterial-Erlaß vom 3. Juni zu verweisen, wonach weitergehende Forderungen, wie namentlich die angeregte Erhöhung der Abfindung der Actien ßit. B. nicht zugestanden werden können.
Wien, 26. Juni. Die „Polit. Corr." meldet aus Bukarest: Der Senat sprach sich dafür aus, daß die Initiative zur Vorbereitung des Gesetzentwurfs in Betreff der Lösung der Judenfrage von den Kammern ergriffen werden solle. Der Senat setzte ferner eine Commission ein, welche sich im Einverständniß mit der Regierung dieser Arbeit unterziehen soll.
Berlin, 26. Juni. Gegenüber den Bemühungen der deutschen Post- und Telegraphen-Verwaltung auf der Londoner Telegraphen-Conferenz, eine Tarisreduction herbetzuführen, weist die „Nordd. Allg. Ztg." auf die H.iltung einiger deutscher Blätter hin, welche die ablehnende Haltung einiger ausländischen Verwaltungen mit spöttischen und hämischen Bemerkungen gegen unsere eigene Telegraphen-Verwaltung begleiteten. Anstatt dem Auslande gegenüber durch die heimische Preffe unterstützt zu werden, sehen die deutschen Unterhändler die ablehnende Haltung jener fremden Verwaltungen noch durch deutsche Blätter gefördert. Derartiges sei in England oder Frankreich nicht möglich.
London, 26. Juni. Prinz und Prinzessin von Wales besuchten heute die Kaiserin Eugente.
— Im Oberhause antwortete Lord Salisbury auf Anfrage Airlie's, es sei bisher keine amtliche Bestätigung eingelaufen, daß Bolivia Kaperbriefe auszugeben beabsichtige. — Lord Cairns (Lordkanzler) kündigt an, er werde erst am Montag die irische Uutversitatsbill einbringen. — Salisbury antwortet Delewar, der Khedive sei heute Morgen auf Befehl des Sultans abgesetzt und Tewfik Pascha eingesetzt.
Rom, 26. Juni. Der König und die Königin begrüßten den Fürsten von Bulgarien, welcher in eurem Hofwagen in den Quiriual fuhr, woselbst er mit fürstlichen Ehren empfangen wurde. Morgen Abend wird zu Ehren des Fürsten ein Diner im Quirinal stattfinden, zu welchem die Minister, das diplo- matische Corps und das Gefolge des Fürsten geladen sind, de Pretis und Tornielli besuchten den Fürsten, welcher hierauf den bei dem Quirinal beglaubigten Botschaftern der fünf Großmächte Besuche abstattete.
Kairo, 26. Juni, 4 Uhr Nachm. Prinz Tewsik wird heute Abend 5 Uhr in der Citadelle zum Khedive unter dem Namen Tewfik I. proklamtrt werden.
Kairo, 26. Juni, Abends. Tewfik Pascha begab sich heute Nachmittag 5 Uhr, begleitet von den diplotuatischen Vertretern der Mächte, nach der Cita- delle und wurde dort unter Lösung von 101 Kanonenschüssen zum Khedive ausgerufen. Die Proklamirung Tewfiks zum Khedive wird von Eingeborenen
und Europäern mit großer Befriedigung ausgenommen. Der bisherige Khedive Ismail Pascha geht demnächst nach Konstantinopel.
— Das Consular-Corps beglückwünschte den neuen Khedive Tewfik und sicherte ihm die Unterstützung der Consuln zu. Der Khedive dankte und sagte, er werde alle Anstrengungen machen und alle seine Energie einsetzen, um dem Lande gute Dienste zu leisten; er hoffe auf die wohlwollende Unterstützung des Consular-Corps. — Das Ministerium hat seine Demission gegeben; der Prinz daffelbe aber gebeten, zu bleiben.
Berlin, 27. Juni. Eine Notiz verschiedener Blätter, die Regierung gehe nunmehr auch mit dem Erwerb der Rheinischen Eisenbahn für den Staat vor, entbehrt, wie die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, der Begründung. Ob die Regierung aber nicht wohl thun würde, die unter Zinsgarantie stehende Eifelbahn in Staatsverwaltung zu nehmen, wozu sie berechtigt sei, und damit zugleich einer weitereu Entwickelung deS Eisenbahnwesens in der Eifel Vorschub zu leisten, sei eine andere Frage. — Den Informationen der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge dürften die von den Actionären der Cöln-Mindener Eisenbahn für die Generalversammlung am 30. Juni beabsichtigten Anträge, welche darauf abzielen, für die Abtretung des Unternehmens an den Staat neben der von der Regierung offeririen festen sechsprocentigen Rente noch eine nicht unerhebliche Couvertirungsprämie, vielleicht sogar vorläustz in illimitirter Höhe, zu verlangen, auf Erfolg nicht zu rechnen b'ben.
Vermischtes.
— Landes-Goerbe-Ausstellung in Offenbach a. M. Allmählich nahen die Vorarbeiten sich ihrem Ende, nochvenige Tage und unsere Ausstellung wird dem Publikum zugänglicy jein Die Veränderungen, ie sich in der letzten Zett auf dem Ausstellungsplatze vollzogen haben' sind nicht anders a großartig zu nennen. Trat bisher bei den einzelnen Baulichkeiten daS constructive Element i den Vordergrund und ließen sich über die äußere Gestaltung der verschiedenen Hallen, Pillons und Binnenhöfe nur Muthmaßungen anstellen, so tritt iegt vaS Ornament von Tag zTag mehr in sein Recht und macht sich mit der ganzen Gewalt geltend die dem Ebenmaße unter Formschönheit beiwohnt. In den verschiedenen Räumen des Aus- stellungsgebäudes, wirings auf dem weiten Plane, der sich in reizenden Gartenanlaaen bis zu den dichten Theil, des Parkes ausbehnt, regen sich emsig und geschäftig die Hände, um das begonnene Werk zvollcnden. Zwischen der Stadt und der Anlage herrscht regster Verkehr Karawanenartig nahcifich die Fuhrwerke, welche das Zurichtung«- und AusstellungSmaterial herbeifübren. Auch fü-ie Verbindung mit auswärts wird gesorgt, so ist in den letzten Tagen ein kleiner Muster Sciuben-Dampfer hier eingetroffen, mittels deffen während der ganzen Ausstellungszeit ein filmäßiger Localverkehr mit Frankfurt Unterbalten werden soll. Es ist nicht daran zu zweifel. daß der Besuch aus den Nachbarstädten sich zu einem sehr lebhaften gestalten wird, allein ar den aus der Ferne Kommenden dürfte die Reiserast in unserer Ausstellung eine durchaus chnende werden. Das Bild des Gewerbfleißes wie er sich innerhalb der Schranken unseresiroßherzogthums documentirt, verspricht nicht nur ein interessantes sondern auch ein in fr Weise lehrreiches zu werden. Wir wollen beispielsweise nur auf die Möbclfabrikation vcMainz verweisen, die nicht nur, wie gewöhnlich angenommen wtrd . für Mittel- und Süddeuiland von höchster Bedeutung ist, sondern die mit lhrem Absatzgebiete weit in den Norden lvngreift und im Auslande sich längst Würdigung und Anerkennung errungen hat. Für die Mutung der Lederindustrie genügt es mit Uebergebung der zahlreichen Spccialitäten dieser Brhe auf die Firma Cornelius Heyl in Worms zu verweisen. AuS dem Gebiete der Maschttechnik sei nur der Firma L. Neureuther gedacht, die u. A. auf der Ausstellung mit eine^llständig eingerichteten Muster-Brauerei vertreten sein wird. Hinsichtlich der Möbelfabribn wird es für alle diejenigen, welche die Berliner Ausstellung besucht haben, von hohestnteresie sein, Vergleichungen zwischen dem dort und hier Gebotenen anzustellen, zumal die Ader Ausstellung an beiden Orten die gleiche ist. Die einzelnm Firmen richten vollstand Zimmer ein, deren tm Ganzen 23 vorhanden sind. Augenblicklich
Lokales.
Gießen, 26. Juni. Heute fand in öffentlicher Sitzung Gr. Hofgerichts die Ausloosung der Geschworenen für die am 4. August d. I beginnenden Schwurgerichtssitzungen des 1H. Quartal l. I. statt. Es wurden folgende Personen durch Loos als Geschworene bestimmt.
a. Hauptgeschworene.
1. Karl Bertram, Polizei-Commissär a. D. von Gießen.
2. Jacob Blecher III., Landwirth von Nieder-Rosbach.
3. Friedrich Diehm II., Fabrikant von Lauterbach.
4. Dr. Otto Dieffenbach, Ingenieur von Gießen.
5. Ludwig Bingel, Müller von Mainzlar.
6. Friedrich Habenicht, Fabrikant von Gießen.
7. Casimir Kalkhof, Bürgermeister von Mittel-Gründau.
8. Heinrich Winter IV., Bürgermeister von Glauberg.
9. Hirsch Goldschmidt, Fruchthändler von Vilbet.
10. Andreas K'.iem III., Bürgermeister von Kloppenheim
11 Friedrich Groos, Landwirth von Reichelsheim.
12. Heinrich (Sterling, Buchhändler von Büdingen.
13. Heinrich Simon, Landwtrth von Fleschenbach.
14. Heinrich Kraft II., Pachter von Düdelsheim.
15. Heinrich Frank, Landwirth von Rimlos.
16. Heinrich Käß, Ellenwaarenhändler von Gießen.
17. Meyer Hornberger, Fabrikant von Gießen.
18. Dr. Wilhelm Clemm, Profesior von Gießen.
19. Moses Rothschild, Fruchthändler von Friedberg.
20. August Heß, Gasfabrikant von Gießen.
21. Eduard Schillinger, Müller von Münster.
‘22 . David Meyer, Fruchthändler von Ortenberg.
23. Karl Schaaf, Landwirth von Altenschlirf.
24. Dr. Heinrich Hainebach, Profesior von Gießen.
25. Wilhelm Semm, Buchhändler von Lauterbach.
26. Johannes Alter. Landwirth von Berstadt.
Xn. jrari Garets, Prvsepör von
28. Konrad Schmalz, Landwirth von Wetd-MooS (Bannenrod).
29. Johannes Viehl, Bürgermeister von Rainrod.
30. August Matthesius II., Müller von Hirzenhain.
b. EcgänzungSgeschworene.
1. Heinrich Jacob Vogt, Metzger.
2. Dr. August Laubenheimer, Profesior.
3. Wilhelm Stamm, Gymnasiallehrer.
4. Dr. Dax Perls, Profesior.
5. Gustav Pilger, Assessor i. P.
6. Dr. Theodor Tasche, Reallehrer.
7. Ferdinmd August Wehn, Commissionär.
8. Philips Schlatter, Kaufmann.
9 Wilhem Reiber, Tapezier.
10. Dr. Enil Rausch, Gymnasiallehrer.
11. Karl Los, Ellenwaarenhändler.
12. Louis labroisse, Advokat.
Sämmtlich von Gießen.
Gießen, 7. Juni. Die Einnahmen der Künstler auf dem Brandplake am gestrigen Abend aussen einen der Herren „Directoren" nicht befriedigt haben denn übelgelaunt ergln er sich am Schlüsse der Vorstellung in nicht gut wiederzugebenden Ausdrücken über en Kunstsinn des Publikums, resp. darüber, daß so viele Zuschauer beim Herannahen)es Tellers sich sachte drückten. Um y2l Uhr de§ Nachts mußte sodann noch in einer der Wagen, in welchem die Gesellschaft wohnt, Seitens der Volirei Ruhe gestiftet weren.
— Ein arg'ieduselter Mensch, welcher die Thüre der Herberge in der Wolken- gasse nicht finden )nnte, gerieth nebenan in eine andere Hausthüre und insulttrte die entgegentretenden Uden alten Hausbewohner, indem er denselben mit dem Hute in's Gesicht schlug. Zr Beruhigung wurde er nach Nummer Sicher verbracht


