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Samstag den 28. Juni
1879.
Anzeige- uni) AmisM für hea Kreis Eießen.
Redaettonsbureaur 1 n
GxpeditisnSbureaur / Schulstraße B. 18.
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auf den
Gießener Anzeiger.
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Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im III. Quartal 1879 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen.
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politischer Hheil.
Deutschland.
Berlin, 25. Juni. Wie verlautet, beantragt die Budget-Commission die Berücksichtigung der vom geschäftsführenden Ausschüsse des Comitss zur Errichtung des Nationaldenkmals auf dem Niederwald eingeretchten Petition aus Gewährung einer Subvention von 400,000 Mk. und Uebernahme des Denkmals Seitens des deutschen Reiches. Die Centrumsfraclion hat dagegen den (Windthorst und Genossen unterzeichneten) Antrag eingebracht, die Petition „wegen noch nicht genügender Instruction der Sache" an die Budget- Commission zurückzuverwetjen.
— Es wird bestätigt, daß, nachdem der Khedive sich an den Sultan gewandt, dieser mit Berufung auf seine Rechte, welche der frühere deutsche Protest vollkommen gewahrt habe, den Vicekönig anwies, die Mächte zu veranlassen, sich zunächst an den Sultan zu wenden. Nachdem dies geschehen, habe der Sultan die Westmächte eingeladen, ihm die Gründe ihres an den Khedive wegen dessen Abdankung gerichteten Verlangens darzulegen. Dies wird seitdem erfolgt sein.
Kossand.
Haag, 26. Juni. Das feierliche Leichenbegängniß de! Prinzen von Orcnien hat heute unter Thetlnahme des Königs und der Prtizen Alexander und Friedrich stattgefunden.
Arankreich.
Paris, 24. Juni. Eine D-pesche des „Temps" aus dem Lager von Medina vom 21. Juni bezeichnet den Ausstand als tatsächlich ntedergeworsen. Derselbe hatte den Charakter eines heiligen Krieges, und de Ausbruch des Fanatismus, der schon seit langer Zeit von einem ehrgeizigen nd intelligenten Führer vorbereitet wurde, hätte sich rasch verbreitet, wenn >er Erfolg des ersten Angriffs bei Kebau den Erwartungen der Aufständihen entsprochen hätte. Der Schnelligkeit der Concentration der Truppen undder Energie der Ossiciere beim ersten Kampfe hat man es zu verdanken, daß er Ausstand mit ;o geringem Verlust — zehn Todten und einigen Verwunden — nieberge- worsen wurde.
Paris, 25. Juni. Noch immer stehen die Betrachmgen über das unerwartete Ereigniß aus Südafrika im Vordergründe. Paul Cassagnac schreit zur Rettung der kaiserlichen Partei nach einem Mann und verkündigt prophetisch, es werde sich schon ein solcher finden. Dem „Jirn. des Debats" erscheint die Vererbung der politischen Bedeutung des Namen auf den Prinzen Victor geradezu albern: man begreife die Vererbung des jöttlichen Rechts, aber die Vererbung des Rechts von Volkes Gnaden sei eirWidersinn. Die kaiserliche Legitimität, was man auch vorbringen mag, ist uf Sand gebaut. Aber ganz davon abgesehen, lauten die Senatsbeschlüsse des zeiten Kaisenhums ganz ausdrücklich dahin : „Die Adoptirung ist den Nachfolgn Napoleons III. und ihrer Nachkommenschaft verboten." Cassagnac, meinewie „Debüts", ist freilich kein Nachkomme Napoleons, ihm ist die Adoptiruj nicht verboten, aber, meinen die „Debats", Frankreich ist noch nicht das ne Rom, wo, wenn ein Kaiser gefallen oder ermordet war, der Erste Bef in den nächsten fünf Minuten zugriff und dem Reich einen neuen Herrscher ab. So oder so, der Tod im Zululande ist das Ende der Bonapartisten alPartei; die Waffe eines Zulukaffers zerbrach das einzige und letzte Band, dadie einzelnen Glieder zusammen hielt.
England.
London, 24. Juni. Die Osficiere des ArtiüerCorps kamen am Samstag in Woolwich zusammen, um über ein Denkmaür ihren in Afrika gefallenen „Kameraden aus Courtoisie" zu beratheu. fr Beschluß mußte indessen vertagt werden. Prinz Ludwig Napoleon ist n englischer Osficier gewesen, ein Osficierspatent hat er nicht besessen, den Fahietd nicht geleistet. Er hat in Woolwich als Cadet den Cursus durchgemacht,in Examen bestan- |
den, den gewöhnlichen Lohn dafür indessen nicht erhalten, und das Heer im Zululande begleitete er nur als Freiwilliger, der aus besonderer Rücksicht als Osficier behandelt wurde. Daher die Bedenken, die dem Beschlüsse entgegenstehen.
London, 24. Juni. Die Königin Victoria zollte gestern der Kaiserin Eugenie den Tribut des Beileids, welchen ein Mutterherz dem andern schuldet. Die Kaiserin war noch so schwach, doß sie den hohen Gast allein in ihrem Boudoir empfangen mußte; Prinzessin Beatrice und Prinz Leopold wurden nicht zugelassen. Die beiden Damen blieben über eine halbe Stunde beisammen und die Königin erschien bei ihrer Abfahrt merklich gerührt. Auch der Kronps.nz von ^Da-weven und Norwegen machte gestern in Chislehurst Besuch, wurde indessen nicht persönlich empfangen. Die Leiche des Prinzen kann schwerlich vor der zweiten Wocbe des Juli hier eintreffen, vermuthlich wird es noch später. Es sind noch keinerlei Anordnungen über die Bestattung getroffen. Wahrscheinlich wird die Garnison von Woolwich die Ehrenwache iu der Bestattungsfeier stellen.
London, 25. Juni. Graf Münster gab am Montag zu Ehren des Erbgroßberzogs von Baden ein Diner. Zugegen waren Graf Schuwaloff und Lord Duffertn. — Lord Salisbury conferirte gestern mit den Botschaftern von Rußland, Italien und der Türkei.
Italien.
Verona, 25. Juni. Gestern fand die feierliche Einweihung des Bein- bauses von Custozza tm Beisein deS Prinzen Amadeus, der Deputationen deS Parlaments, der Armee, des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Thun und des Obersten Ripp statt. Nach der Einsegnung der Kapelle wurden mehrere Reden gehalten. Der Deputirte Villa sagte im Namen der Kammer: Bei Custozza fanden hundertjährige Kämpfe ihren Abschluß. Den ehemaligen Feinden fallt nunmehr die Aufgabe zu, sich zu vereinigen zum Kampfe für Ctvilisation, Wissen und Freiheit. Die Erinnerung an ein gemeinsames Grab wird genügen, etwa auisteigende Wolken zu zerstreuen. General Pianelli sandte einen Gruß der österreichisch-ungarischen Armee. Graf Thun dankte und sagte: Die gemeinsame Bestattung der Gebeine der Tapferen beider Armeen ist ein Beweis der zwischen beiden Völkern und Negierungen herrschenden Freundschaft. Diese Rede wurde sehr beifällig ausgenommen. Nach der Vertheilung von Orden durch den Prinzen Amadeus schloß die Feier unter den Zurufen der Versammelten. Zwischen den italienischen Behörden und den Vertretern Oesterreichs wurden Fieuudschaftsbezeugungen ausgetauscht.
Rußland.
Petersburg, 25. Juni. Tifliser Blättern zufolge wandert die ge« sammte mohamedantsche grusische Bevölkerung von Nieder- und Ober-Adscharien nach Armenien aus. Die Zahl der Emigranten soll 60,000 Familien übersteigen. Denselben würden Grundstücke in den Vilajets, Erzerum, Wan und Diarbekr angewiesen werden.
Telegraphische Depeschen.
Magner's telegr. Korrespondenz-Bureav.
Berlin, 26. Juni. Reichstag. Der Gesetzentwurf, betreffend den Bau der Eisenbahnlinie Teterchen-Diedenhofen, wird in erster und zweiter Berathung genehmigt. Betreffs der allgemeinen Rechnung über den Reichshaushalts-Etat von 1874 wird in zweiter Lesung Decharge ertheilt und der Etat der Reichsdruckerei ohne Debatte in dritter Berathung genehmigt. Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Feststellung des dritten Nachtrages zum Reichshaushaltsetat für 1879/80 zAusgaben- Bewilligung für das Reichstagsgebäude) Minister Hofmann begründet den Entwurf kurz an der Hand der Motive und bittet, falls der Reichstag die Vorlage nicht annehmen sollte, Beschluß darüber zu fassen, ob der Gedanke der Errichtung des Reichstagsgebäudes für die Zukunft festgehalten oder aufgegeben werden sollte. Der Minister weist auf die Vortheile des Terrains und der Kaufbedingungen hin und empfiehlt behufs der ferneren Behandlung des Projects die Einsetzung einer Zwischen-Commission aus Reichstags- und Bundestags-Mitgliedern, die zur nächsten Aufgabe haben würde, das Programm von 1871 zu revidiren. Lucius ist im Wesentlichen mit dem Entwurf einverstanden, glaubt jedoch, daß eine erhebliche Reduction der vorgesehenen Kosten durch Veränderung des Bauplanes möglich sein würde. Redner beantragt Verweisung an


