Konstantinopel, 25. Juni. Der heute im Palais des Sultans stattgehabte außerordentliche Mintsterrath berteth die egypttsche Frage. Die Entscheidung wird voraussichtlich den Botschaftern noch heute Abend mitgetheilt. In diplomatischen Kreisen ist die Ansicht verbreitet, daß der Sultan die Zu- stimmung zur Absetzung des Kbedive geben werde.
Lokales,
Gießen, 26. Juni. Unruhige müssen absolut nächtlichen Zeitvertreib haben! Zu diesem Zwecke wurden wieder in der Anlage und am Friedhof Ruhebänke zerstört, auch in -verflossener Nacht am sogen. Schipkapaß Maurerrüstzeuge tn den Stadtbach geworfen, Wasser- Abdämmungen zerstört :c.
— Außer den oben angeführten Rohheiten, welche die verflossene Nacht verübt wurden, ist noch Folgendes zu verzeichnen: Auf dem Seltersweg und Seltersbcrg wurden die Laternen <iusgelöscht und vom Felsenkellcr ein Mirthstisch vor das Birnbaum'iche Haus in der Univer- sttatsstraße transportirt, bei welcher Gelegenheit die Nemesis in Gestalt von 2 Schutzleuten die Uebelthäter erreichte und drei der Herren stellte, während der vierte das Hasenpanier "ergriff.
— Von der vorletzten Nacht ist noch eine Keilerei auf dem Bahnhof nachzutragen, welche zwischen diversen Herren ausgefochten wurde und bei welcher einer der Haupr-Matadore arg mitgenommen worden sein soll.
- Kommenden Monat am 25. und 26. führt der Akademische Gesangverein zur Feier seines 60jährigen Jubiläums am ersteren Tage das Oratorium „Paulus" in der Stadtkirche auf. Für den zweiten Tag ist ein Künstlerconcert in Wenzels Garten vorgesehen. Von auswärtigen Künstlern haben ihre Theilnahme zugesagt: Frl. Kufferath und Herr Hill, während für den vorgesehenen Herrn Dr. Gunz, welcher durch Erkrankung eines Familiengliedes an der Theilnahme verhinoert ist, Ersatz aus den ersten Kräften gesucht wird.
Vermischtes.
Offenbach, 24. Juni. Zu der nächsten Sonntag in Ems zur Feier der Anwesenheit Seiner Majestät des Kaisers stattfindenden Regatta hatte auch die hiesige Rudergesellschaft ihr inrigged Raceboot „Libelle", dasselbe Boot, das gegen den Frankfurter und Mannheimer Ruderverein kürzlich Sieger blieb, angemeldet. Indessen hat der ihr gestellte Gegner, der Deutsche Ruderverein in Rotterdam, nach jener Anmeldung Sie seinige aus uns unbekannten Gründen zurückgezogen. Eine Herausforderung an den Cölner Ruderclub seitens der Rudergesellschast wurde ebenfalls abgelehnt und so ist Letzterem die Gelegenheit, sich bei der Kaiser-Regatta betheiligen zu können, genommen.
Kiel, 18. Juni. Wie die „Kieler Zeitung" meldet, sind gestern Nachmittag beim Vertäuen sechs Mann an Bord der Panzercorvette „Sachsen • verunglückt. Nachdem die Kette im Ring der Boje eingeschäkelt und die Mannschaften am Deck beim Gangspill hierbei beschädigt waren, soll das Commando „H»rl Back" abgegeben worden sein und das Schiff dann so arg eingestoßen haben, daß die am Gangspill beschäftigten Matrosen dieses fliegen lassen mußten und die Spaten ausflogen, wodurch die Mannschaften theils so schwer verwundet wurden, daß sie per Krankenkorb in's Marinelazareth überführt werden mußten.
Berlin, 20. Juni. In vielen Haushaltungen ist es leider eine stehende Einrichtung geworden, daß lediglich zur Bequemlichkeit der Dienstmädchen als Putzmittel für Metallgegenstände Zuckersäure verwendet wird. So ost auch schon durch die Presse in Bezug auf derartige gefährliche Reinigungsmittel zur äußersten Vorsicht gemahnt worden ist, immer wieder tragen sich Fälle zu, die in trauriger Weise bekunden, daß diese Warnungen keine Beachtung finden. Am vergangenen Sonntag ist die jugendliche Gattin eines hiesigen geachteten Lehrers dadurch dem Tode erlegen. Von einem leichten Unwohlsein befallen, hatte sie sich in die Küche begeben, um sich ein niederschlagendes Getränk zu bereiten. In der Eile erfaßte sie statt der Büchse mit dem bekannten cremor tartari die Büchse mit Zuckersäure. Auflösen und Trinken war das Werk eines Augenblicks. Aber in demselben Augenblick empfindet sie auch schon heftige Schmerzen und ahnt ihren Mißgriff. Sie stürzt in das Zimmer zu ihrem Gatten, kann aber diesem nur noch ihre Vermuthung mittheilen, und bevor irgend ein Hülssmittel angewendet werden kann, ist sie eine Leiche. Wahrlich, solche Vorgänge mahnen dringend flenug daran, dergleichen Stoffe in der Haushaltung überhaupt nicht zu halten.
Wesel, 19. Juni. Zu dem Leichenbegängniß des Ofsictcrs Scheidt, der sich in einem Anfall von Geistesstörung vor drei Tagen das Leben genommen, batte der hiesige Garnisonpfarrer seine Begleitung versagt, da er der Leiche eines Selbstmörders nicht folgen könne. Das Brigade-tzommando dachte darüber anders und erfbcilte dem betreffenden Geistlichen den Befehl, sich zur Abholung der Leiche aus dem Lazaretb uns zur Begleitung derselben nach dem Babnhof um 7 Uhr Abends zu stellen. So wurde denn die Leiche des Offieiers unter allen militärischen Ehren und unter Musikbegleitung zur Bahn gebracht, von wo sie der Heimath des Offieiers (Kettwig) zugeführt werden sollte. ____________
Allgemeine
r ca 23 ^r die Post-Unterbeamten, legt die „B. B. Z." ein, indem sie schreibt: Man weist dem Generalpostmeister Stephan so überaus viel Verdienste zu und die Reklame ,st so thätig, das Lob dieses Hochgestellen Beamten zu singen, daß es vielleicht ganz zweckmäßig ist, auch einmal auf die Kehrseite der Medaille hinzuweisen. Und dazu «siebt ein Proceß Anlaß, der dieser Tage in Hamburg verhandelt worden ifl. Ein Hilfs-Unterbeamter der Hamburger Postanstalt Namens Altmann war angeklagt mehrere Hundert Briefe unterschlagen, die Marken abgelöst und die Marken verwerthet zu haben resp durch seine Frau haben verwerthen laffen. Altmann gestand seine That ein. Er erklärte, er habe sie beganoen, weil er mit 70 Mark monatlichem Gehalt ganz unmögich mit Frau und Kind hätte leben können. Er habe nur Briefe von Hamburger Lotterie Colleeteuren, die zu Tausenden in die Welt hinausgingen, unterschlagen. Seine Frau ist ihm bet der Verwerthung von Marken behilflich gewesen. Er erklärt ferner, nur aus bitterster Roth hätte er so gehandelt Es wäre ganz unmöglich, mit einem Betrage von etwas über 2 Mark in einer Stadt wie Hamburg sein Dasein zu fristen. Mit Rücksicht auf diese Verhältniffe erklärten selbst die Richter sich nicht bereit, Dem Anträge des Staatsanwalts nackzukommen, den Angeklagten zu 18 Monaten Gefängniß zu verurtheilen. Sie erkannten auf 9 Monate Strafe und für die Frau auf 3 Monate. Vielleicht veranlaßt ein solcher Fall, der laut genug an das menschliche Gefühl appellirt, auch den Herrn Generalpostmeister, der sich so viel loben und preisen läßt, einmal sich mit dem Loose der viel geplagten Unterbeamten der Post zu beschäftigen.
— Die Urania, jenes altrenommirte Privattheater am Leipziger Platz in Berlin ist in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag ein Raub der Flammen geworden. Die Brandstätte bietet ein Bilo völliger Verwüstung dar. Zum letzten Mal war im Theater am vorigen Sonntag gespielt worden. Die Gesellschaft Urania hat durch den Brand 'einen gar nicht wieder zu ersetzenden Verlust erlitten. Die gesammten Theater-Requisiten sind vernichtet Für immer verloren sind die Urkunden der Urania, unter ihnen das Oelbild des Gründers der Gesellschaft, Bock, das aus dem Jahre 1792 stammte, ferner das Urania-Album, das die Mitglieder der Gesellschaft seit dem genannten Jahre aufführte. Einen grausig schönen Anblick bot der Augenblick dar, als der große Mittelkronleuchter prasselnd und zischend aus seinem luftigen Standpunkte niederstürzte und sich tief in den Erdboden eingrub. Eine nur etwa 50cm hohe Stange, die aus dem Schutt heraussieht, zeigt die Stelle an, wo die Krone versenkt liegt. Von den übrigen Kronen ist eine Spur überhaupt nicht mehr zu sehen. Das Dach, das erst vor Kurzem vollständig neu mit Zink gedeckt war, ist ganz geschmolzen, die beiden eisernen Oefen des Saales waren noch lange rothglühcnd. (Boss. Ztg.)
Würzburg, 20. Juni. Ein grauenvoller Raubmord ist in der Kaiserstraße verübt worden Gestern Abend um 9 Uhr ertönte aus dem ersten Stocke eines starkbesuchlen Handlungshauses ein furchtbarer Hülfeschrei. Vorübergehende und der Ladenbesitzer eilten sofort hinauf und fanden den daselbst wohnenden Rentner G. nebst Frau und Kind in einer großen Blutlache am Boden liegend; daneben stand ein erbrochener Seeretär. G. hatte bereits den Geist aufgegeben, seine Frau und sein Kind athmeten noch schwach; es ist wenig Hoffnung für ihr Aufkommen vorhanden. Wenige Sckläge mit einem schweren, stumpfen Instrumente hatten die drei Personen zu Boden gestreckt. G-'s Schädel war vollständig zerschmettert, Frau und Kind haben schwere Wunden am Kopfe. Der Mörder war spurlos verschwunden. Die Un- that ist um so unbegreiflicher und sckreckenerregender, da sie am frühen Abende (9 Uhr) in Dem belebtesten Theile der Stadt und in einem besonders zu dieser Zeit sehr besuchten Geschäftshause verübt wurde.
Handel und Verkehr.
Am 25. Juni er. wird in Hamm eine ReiüTsbankncbenstelle mit Kasseneinrichtung eröffnet. Die auf Hamm anzukaufenden Wechsel sind an die Reichsbankstelle zu Münster zu gtriren.
Limburg, 25. Juni. (Fruchtmarkt.) Rother Weizen 18.10, Weißer Weizen <X , Korn Jl. 11, Gerste JL 9.10, Hafer JL 7.05, Erbsen Jl, —, Kartoffeln JL. — (Durchschnittspreis pro Malter.)
Frankfurt, 25. Juni, lMarktbericht.> Butter wurde beute je nach Qualität bezahl' von 70 bis JL. 1,15. Handkäse das Pfund 50 H. Eier das HunDert deutsche 4 italienische JL 5,50. Der Gemüsemarkt mit schöner Zufuhr brachte folgende Preise: Kernerbsen das Pfd. 25 Blumenkohl 60 H bis JL 1, ausländische Spargeln 50 80 H, Erdbeeren das Pfd. 1 Ltt,., römischer Salat das Stück 15 neue Weisrüben das Bündel 30 H, Kohlrabi per Stück 5—8 neues Wirsing per Stück 25 H, Schneidbohnen 100 Stück JL 2, gewogen das Pfo. 50 Gelbrüben das Bündel 8—10
Die Dankbarkeit
ist eine ziemlich seltene Tugend. Dessenungeachtet und wohl nur in Folge der ganz enormen Verbreitung von Dr. Airy's Naturheilmethode laufen täglich zahlreiche anerkennende Schreiben aus allen Gegenden ein. Leider verbittet oft der specielle Wunsch der Aussteller die Veröffentlichung vieler Atteste. Trotzdem finden sich in dem Gratis- auszuye, welcher Jedermann von dem Werthe des obigen Buches überzeugen wird, zahlreiche Atteste. Der Auszug wird auf Verlangen gratis und franco von Nichter's Verlags-Anstalt, Leipzig, versendet.
r Anzeiger.
Bekanntmachung.
4293) Die Versteigerung der diesjährigen Grassamenerndte in den Waldungen des Groß. Hauses der Ober- förstereien Hainbach und Nieder-Ohmen vom 11. d. Mts. ist nicht genehmigt worden, weßbalb die Nutzung nochmals
Mittwoch den 2. k. Mts.,
Morgens 9 Uhr, im Gemeindehause dahier versteigert werden soll.
Grünberg, den 25. Juni 1879. Großh. Obersörsteret Nieder - Ohmen.
Hüter.__________
Grasversteigerung.
Montag den 30. Juni d. I.,
Vormtltags 8 Uhr anfangend, soll das diesjährige Heugras von den dem Martensttst Lich zustehenden circa 100 Morgen Wiesen in den Gemarkungen Lich, Ober- u. Nieder-Besstngen versteigert werden.
Der Anfang ist hinter dem Kirchhof an der Straße nach Grünberg.
Lich, 23. Juni 1879.
4280) Winhetm.
Uchtenflockholz aus dem städtischen Wald, wird gehen RfÄK »SÄ«. 3-1 >”’■ Großherzogliche Bürgermeisterei Lich. 4142) Walz.
Samstag den 28. Juni l. I., Vormittags 11 Uhr, wird neben dem neuen Iustiz- gebäude eine große Bauhütte versteigert.(4284
Keilgeöotenes.
4290) Eine neue Hobelbank ist zu verkaufen. Wo? sagt die Exped. d. Bl. Hannoversche Pferde-Loose,
Ziehung den 30. Juni.
Die letzten Loose sind noch ä. 3 zu haben bis zum 28. Juni bei (4296
Tb. Roloff, Wallthor u. C. Roloff, Brandgasse. _________________________
4300) Zwei große Gummibäume und zwei Oleander sind wegen mangelnden Raumes zu verkaufen.
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