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der Opposition beschlossen haben, die egyptische Frage zum Gegenstand der Discussion im Unterhause zu machen.

Kairo, 24. Juni, Vorm. Dos Gerücht, daß der Khedive bereits ab­gedankt habe, bestätigt sich nicht.

Paris, 24. Juni. Rouher hat seine Abreise von London auf­geschoben und wird erst Donnerstag in Paris erwartet. Von der Existenz eines Testaments des Prinzen Louis Napoleon ist bis jetzt nichts bekannt; .man glaubt, daß, falls ein solches vorliegen sollte, es keinen politischen Cha­rakter habe.

Petersburg, 24. Juni. Eine Depesche des Tifliser Boten aus Tsckukischlar vom 20. d. meldet: Die ausgerückte Avantgarde besteht aus 3 Bataillonen Infanterie. 500 Mann Cavallerte, einem Zug Sapeure rrnd 4 Geschützen unter dem Oberbefehl des Commandeurs des Kabardinischen Regi­ments Fürsten Dolgorukoff- Am 17. Juni wurden 6 Sotnien Cavallerte in das Dorf Wodjatadschi am Atrek vorgeschoben.

Madrid, 24. Juni. DieEpoca" meldet: Von einer in Catalonien aufgetauchten Bande tödteten Gensdarmen sechs und verwundeten mehrere. Die Bande hatte in den Dörfern Contributionen beizetrieben.

Köln, 24. Juni. DerKöln. Ztg." wird aus London vom Heutigen gemeldet: Der Khedive hat in vertraulicher Unterredung erklärt, er sei bereit, abzudanken, wenn England und Frankreich ihm sichere Bürgschaft für die Cioilltste böten. e

Berlin, 24. Juni. Der Bericht der Commission für Vorberathung des Stumm'schen Antrags beantragt, den Reichskanzler aufzufordern, dem Reichstage thunlichst bald einen Gesetzentwurf, betr. Errichtung von Jnvaltden- und Alterversorgungs-Kasien für Fabrikarbeiter auf folgender Grundlage.vor­zulegen : Die Kassen haben neben Pensionirung der Arbeiter anch deren Wittwen und Waisen entsprechend zu unterstützen. Die Arbeiter und Arbeit­geber tragen gemeinschaftlich zu den Kasten bei und führen gemeinschaftlich die Verwaltung. Das durch die gezahlten Beiträge erworbene Recht des Arbeiters an die Kaste ist namentlich durch Uebertragbarkeit seiner Ansprüche von einer auf andere Kassen zu schützen. Normativ-Bestimmungen für die Errichtung von Küstenverbänden unter besonderer Berücksichtigung der Forderung des Zu- sammenschlustes verwandter Industriezweige sind zu erlösten. Die Controle über die Kasten ist den Landesbehörden Vorbehalten.

Lokales.

Gießen, 25. Juni Nach einem Inserat, welches die Directton der Main-Weser-Bahn zu Cassel in derDarmstädter Zeitung" einrücken ließ, ersehen wir, daß den Besuchern der Landes-Gewerbe-Ausstcllung in Offenbach eine Fahrpreisermäßigung dahin gewährt worden ist, daß die von denselben für gewöhnliche Züge im Local- und directen Verkehr gelösten Billets II. und III. Classe zu dem einfachen Fahrpreis verausgabt werden, zwei Tage Gültigkeit behalten und nachdem solche beim Betreten der Ausstellung durch das Ausstellungs-Comitä auf der Rückseite abgestempclt worden, zur taxfreien Rückfahrt berechtigen. Wenn wir hier einerseits diese Erleichterung Seitens der Direction der Main-Weser-Bahn begrüßen ist es uns auf der anderen Sette äußerst befremdlich, warum die Bekanntmachung nur allein in der Darmstädter Zeitung und nicht in den Localblättern der Provinz Oberhessen erschien, für welche es doch in erster Linie zu wissen nothwendig ist.

Höherer Bestimmung zufolge sollen alle Zeitungen und Zeitschriften, welche zur Jubel­feier der goldenen Hochzeit des Kaiserpaares Festartikel, Festgedichte, sowie Berichte über statt­gehabte Festlichkeiten gebracht haben, zu einer besonderen Sammlung für das Postmuseum in Berlin vereinigt werden. Die Postbehörde hat deßhalb an die Zeitungsexpeditionen das

Ersuchen gerichtet, ihr zu diesem Zwecke je ein Exemplar der Nummer, in welcher ein derartiger Artikel, Gedicht oder ein solcher Bericht ausgenommen ist, zukommen zu laffen.

In der Woche vom 15. bis 21. Juni ereigneten sich in Gießen im Ganzen 5 Todes­fälle. Von zwei bald nach der Geburt verstorbenen Kindern erlag das eine an Starrkrampf, das andere an allgemeiner Lebensschwäche. Von den drei erwachsenen Personen starb eine an organischer Herzkrankheit, eine an den Folgen eines Schlaganfalles und eine an acutem Rheumatismus. q

..... I. .........!! II . ______^=====____

Vermischtes.

Biedenkopf, 19. Juni. In Folge der neuen Gerichtsorganisatton werden die in 1866 von Heffen-Darmstadt an Preußen abgetretenen vier Aemter Vöhl, Battenberg, Bieden­kopf, Gladenbach mit Rodheim, von denen das erstere seither zum Bezirke des Appelations­gerichts Kassel, die übrigen zu Wiesbaden gehörten, vom 1. October d. I. ab in Landgerichts­sachen wieder unter einer und derselben Jurisdiction, nämlich in erster Instanz unter der des Landgerichts Marburg, in zweirer unter der des Oberlandesgerichts Kaffel stehen. Aus Rück­sicht hierauf wohl hat man zwei ehemals hesstn-darmstädtische Juristen vom 1. October ab als Mitglieder jener Gerichtscollegien in Aussicht genommen, indem Herr App.-Rarh Suppes, dermalen in Posen, an das Obenandesgericht Kaffel, Oberamlsrichter Bork an das Landgericht Marburg versetzt werden wird. Herr Amtsrichter Hatzfeld in Gladenbach wird dann die vacante Amtsrichterstelle in Biedenkopf einnehmen. Gleichzeitig werden unsere beiden Rechts­anwälte den Kreis verlaffen, indem sowohl Herr Rechtsanwalt Welcker hier, als auch Herr Rechtsanwalt Krug in Gladenbach ihren Wohnsitz nach Marburg verlegen werden. Herr Kreisgerichtsrath Heß in Dillenburg tritt mit der neuen Organisation als Richter bei dem Amtsgericht Dillenburg ein, während Herr Ob.-Amtsrichter Willich daselbst zur Disposition gestellt wird. Die beiden letztgenannten Herren waren bekanntlich bis zum 1. September 1867 Richter an dem ehemaligen Landgerichte hier.

Das Wiener Landesgericht hatte kürzlich über eine erheiternde Klage wegen 40 Kreuzern zu verhandeln.Löbliches Gericht! Ich war Vorleser bei Herrn Joachim Löbl und habe zu fordern für eine Vorlesung 40 Kreuzer, ich kann diesen Betrag aber in Güte nicht hereinbekommen, im Gegentheil Herr Löbl nennt mich einen unverschämten Schnorrer und will mich htnauswerfen, wenn ich komme ihn zu bitten um mein ehrlich verdientes Geld, daher muß ich bitten, daß das löbliche Gericht verhalte den Herrn Löbl mir zu bezahlen diese 40 Kreuzer und 24 Kreuzer für die Stempel dieser Klage und 2 Kreuzer für zwei Bogen Papier." Ueber diese Klage, welche Moritz Breitenstein wieder Herrn Joachim Löbl beim Bezirksgerichte Leopoldstadt angestrengt hatte, wurde verhandelt. Richter lzum Geklagten): Sie werden doch wegen einer Bagatelle von 40 Kreuzern es zu einer Verhandlung nicht kommen laffen. Löbl: Wenn Sie werden sich machen lassen, Kaiserlicher Herr Rath, e Rock und man wird Ihnen bringen e Hosen, werben Sie bezahlen? Nein. Ganz so verhält es sich bei mir. Der Breitenstein ist gekommen alle Woch' zu mir schnorren, hab' ich gehabt Mitleid mit ihm und hab' ihm gegeben zu essen und zwei Scchscrln. Dann hab' ich mir gedacht, was sollst du ihm geben alles umsonst? Und hab' mir gedacht, der Breitenstein is ein Schnorrer, er kommt in noble Häuser, einmal zum Baron Königswarter und dann zu verschiedene andere hohe Herr­schaften und täglich geht er auf der Börs. Aber glauben Sic, er spielt? Schnorren thut er dort! So ein Mensch, was doch allerhand Neuigkeiten hört, hab' ich mir gedenkt, gibst ihm 40 Kreuzer die Woch', wird er dir vorlesen die Zeitung und wird vir erzählen Neuig­keiten. Vier Wochen hat er gut gethan, auf einmal hat er mir erzählt lauter Lügen. Der Herr Baron Königswarter, hat er mir erzählt,- hat contreminirt 4000 Credtt, et ist dabei gestanden, hat er gesagt, wie man is gelaufen gekommen und hat geschrien:Kömgswarter contreminirt!" Und vorgelesen hat er mer nix als Lügen. Für Lügen zahl' ich nix, so wie ich nix hab zu bezahlen für e Hosen, wenn ich hab' bestellt e Rock. Breitenstein: Halten zu Gnaden, Kaiserlicher Herr Rath, daß ich jetzt reden darf. Daß ich hab erzählt, der Herr Baron Königswarter hat contreminirt, is wahr, daß er hat contreminirt, is auch wahr, aber hab ich erzählt, wann er hat contreminirt? Einmal hat er contreminirt, das ist doch gewiß. Nun hab ich mer gemacht c Witz, weil ich hab gewußt, der Herr v. Löbl hört auch gern emol e Witz. Der Herrn v. Löbl hat aber nix verstanden c Spaß und hat mich 'nausgeworfcn und hat mer nix bezahlt für die Vorlesung aus der Zeitung. Löbl (zufrieden lächelnd): Daß Sie nur eingestehen, daß Sie haben gelogen, is schon gut. (Zum Richter gewendet.) Wissen Sic was, Kaiserlicher Herr Rath, bemühen Sie sich nix mehr, daß er gesteht, will ich ihm verzeihen und will ihm bezahlen. (Zum Kläger.) Da haben Se e Gulden und kommen Se wieder zu mir, aber lügen derfen Se nix mehr. Breitenstein nimmt den Gulden in Empfang und entfernt sich zufrieden schmunzelnd aus dem Gerichtssaale.

Allgemeiner Anzeiger.

Bekanntmachung.

4283) Wegen Ueberbrückung des Stadtbaches bleibt mehrere Tage dessen Wasserzufluß, sowie auch der Durchgang von der Neustadt nach dem Reichensand abgestellt.

Gießen, den 25. Juni 1879.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

A. Bramm.

Bekanntmachung.

4273) Heute ist in das hiesige Firmenregister eingetragen worden:

Der Grubenbfsitzer Heinrich Stahl- schrnidt von Siegen; der Kaufmann Philipp Braun von Siegen; der Grubenbesitzer Heinrich Krämer von Kirchen; der Grubenoerwalter Wilhelm Nöh zu Grube Vereinigung bet Wissen und der Kaufmann Otto Christian Behn zu Witten betreiben mit dem Sitze in Gießen seit 1. No- -vember 1878 eine offene Handels­gesellschaft unter der FirmaOber­hessische Basaltgewerkschaft Stahl- schmidt, Braun & Comp." Zur Zeichnung sind berechtigt die Gesell­schaftsmitglieder Heinrich Stahl- schmidt, Philipp Braun und Hein­rich Krämer. Jeder für sich.

Gießen, am 19. Juni 1879. Großhlrzogltches Stadtgericht Gießen. ______ Langsdorfs.________

Grasversteigerung.

Montag den 30. Juni d. I., Vormiitags 8 Ubr anfangend, soll das diesjährige Heugras von den dem Marienstift Lich zustehenden circa 100 Morgen Wiesen in den Gemar­kungen Lich, Ober- u. Nieder-Bessingen versteigert werden.

Der Anfang ist hinter dem Kirch­hof an der Straße nach Grünberg.

Lich, 23. Juni 1879.

4280) Minheim.

Heu- u. Grummetgras Verfteigerung

von den Wiesen d. Stadt Kailbach. Mittwoch den 2. Juli 1. I. soll das diesjährige Heu- u. Grummet- graS von den städtischen Wiesen, circa 200 Morgen haltend, an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden.

Die Zusammenkunft ist des Morgens 9 Uhr am Ramsberg beim Obersee.

Laubach, am 20. Juni 1879.

Großherzogl. Bürgermeisterei Laubach. 4226) Ritter.__________

Samstag den 28. Juni l. I.,

Vormittags 11 Uhr, wird neben dem neuen Iustiz- gebäude eine große Bauhütte versteigert. (4284

Ieikgeöotenes.

4277) Mehrere gut erhaltene Fenster zu verkaufen bei Wernhardt Brück, Flügelsgasse.

Heugras

am Wallborn und am Philosopben- wald zu verkaufen. (4278

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