kaufen, wenn ihre regelmäßigen Abnehmer finanziell lahm gelegt, auf ihr^n Vorräthen sitzen? . . . .
Hat Jemand eine schlimmere Stellung wie der Eigarrenreisende und wo sind da- Risiko und die Verluste größer wie bei der Cigarrenbranche? In welchem anderen Geschäft ist von vornherein das feststehende Ziel schon sechs Monate, ohne das unfreiwillige? - - -
Es gibt Eisen-Barone und Baumwoll Könige, beim Tabak gibt es beide nicht, auch keine Acttengesellschaften, und selbst die Gründer haben ihn verschont, da anderwärts mehr zu holen gewesen.....
Warum hat man diesen Leuten aber nicht schon bet Zetten das Handwerk gelegt und nicht schon bet den früheren Steuervorlagen von Nachsteuer gesprochen? Soll, damit emzelne Wenige nichts verdienen, die große Masse ruinirt werden, wollen Sie die Armee verhungern lasten, damit die Armee- Lieferanten nicht zu viel verdienen? . . . .
Die Verbreitung des Glaubens an die Nachversteuerung war als Schreckmittel gut und würdig eines Staatsmannes, die Nachsteuer selbst aber wäre, wie in Vorstehendem erwiesen, der reine Ftnanzmord.
Kesternich.
Wien, 23. April, Nachts. Die Residenz prangte bereits heute Abend im Festschmucke; besonders die Straßen, durch welche der Festzug zu gehen bestimmt ist, enthüllten die lebhafteste Farbenpracht. Auf den Straßen herrscht überall bewegtes Leben. Aus den Provinzen werden zahlreiche patriotische Kundgebungen, Wohlthätigkeitsakte, Schulfeste rc. gemeldet.
Die „Wiener Ztg." vom Donnerstag, 24. d. Mts., veröffentlicht einen Allerhöchsten Gnadenakt, durch welchen 377 Verurtheilte, darunter 48 wegen Majestätsbeleidigung und Beleidigung von Mitgliedern des kaiserlichen Hauses verurtheilte, begnadigt werden und denselben theilweise oder gänzliche Stras- nachficht gewährt wird. — Die amtliche Zeitung veröffentlicht ferner zahlreiche Auszeichnungen anläßlich der Vollendung der Votiv-Kirche, darunter die Verleihung der eisernen Krone 2. Klaffe an den Oberbaurath Ferstel. — Graf Schuwaloff ist heute Nachmittag 4 Uhr hier angekommen und besuchte alsbald den russischen Botschafter.
Arankreich.
Paris, 23. April. Die „Agenee Havas" meldet aus Konstantinopel: Fünf Bataillone türkischer Truppen werden morgen von hier abgehen, um gleichzeitig mit den österreichischen Truppen in das Gebiet von Novibazar einzurücken. — Zwei türkische Truppen Commandanten in Adrianopel haben ihre Entlastung gegeben in Folge von Beleidigungen, die ihnen von Bulgaren zugefügt wurden, die dafür nicht bestraft werden konnten. — Die Pforte wird ihren Vertretern im Auslande eine Note zugehen lasten, worin sie die Aufmerksamkeit der Mächte auf die Auswanderung der Bulgaren aus der Türkei nach Rumelien lenkt.
Kngkand.
London, 23. April. Die Erfahrungen der englischen Heere in Afgha- mstan und im Zululand scheinen das Kriegsamt in der Ansicht bestärkt zu haben, daß die Verwendung von Luftballons zu militärischen Zwecken eine Zukunft har. In Woolwich ist einer Anzahl von Unterosficieren und Mannschaften vom Jngenieurcorps Anweisung in der Handhabung von Ballons er- theilt und sodann eine regelrechte Ballonabthetlung eingerichtet worden. Eine erste größere Probefahrt wurde in vergangener Woche ausgeführt. Zwei mit gewöhnlichem Kohlengas gefüllte Ballons stiegen ziemlich zu gleicher Zeit auf und unterhielten in der Luft Verkehr durch Signale.
— Die Arbeiter der Kohlenbergwerke im Bezirk Durham haben den von den Besitzern ihnen angebotenen Vergleich mit der gewaltigen Ueberzahl von 21,278 gegen 222 Stimmen ausgeschlagen. Der Kampf scheint also zu beiderseitigem Verderben fortdauern zu sollen. Das Verhalten der Arbeiter, sagt die „Pall Mall Gazette", ist als selbstmörderisch zu bezeichnen, denn ihr Verband ist ohne Mittel. Freilich erinnert man daran, daß vor 35 Jahren die Väter dieser Leute, gleichfalls ohne jede Unterstützung, vier Monate lang den Kampf sortsetzten. Möglich ist es, daß die Söhne daffelbe ausrichten; aber was gewinnen sie dabet? Schwerlich ihr Ziel, wohl aber Elend und Mangel für sich und die Ihrigen, großen Nachtheil für ihre Arbeitgeber, Gefährdung der Zukunft der nordengltschen Eisenindustrie und daher steigende Verschlechterung ihrer Lohnverhältntffe.
Nußland.
Moskau, 23. April. Das Hochwasser ist hier im Abnehmen begriffen , dagegen laufen aus anderen Gegenden Rußlands Nachrichten von Überschwemmungen ein; der dadurch verursachte Schaden soll ein recht erheblicher sein.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. Eorrespondenz - Bureau.
Wien, 24. April. Der Kardinal Kutschker vollzog heute früh nach üblichem Ceremoniell die Einweihung der Votiv-Kirche. Mittags wurde die erste Meste celebrirt, welcher die Majestäten, die Mitglieds des Kaiserhauses und alle Notabtlitäten beiwohnten. Das Kaiserpaar und der Kronprinz wurden bei ihrer Ankunft und Abfahrt mit stürmischen Zurufen des zahllosen Publikums begrüßt.
Pesth, 24. April. Das Amtsblatt publicirt eine kaiserliche Amnestie, welche sich auf 212 Verurtheilte erstreckt.
Petersburg, 24. April. Der Kaiser und die Kaiserin mit großem Gefolge sind heute Vormittag 10 Uhr nach Livadia abgereist. Ein Detachement des Leibgarde-Regiments zu Pferde geleitete die Majestäten nach dem Bahnhof. Geheimerath Giers und drei andere Beamte vom Ministerium des Auswärtigen begleiten den Kaiser. — Der Güterverkehr auf der Eisenbahnlmie Orel- Witebsk und über Orel hinaus ist wieder eröffnet.
— Im Anschlüsse an die gestrige Mitteilung über die Zusammensetzung de- obersten Gerichts zur Aburtheilung Solowjeff's meldet die „Neue Zeit", die Vertretung der Anklage Namens der Regierung übernehme der Justtzmini- ster Nabokoff.
Pari-, 24. April. Die „Agence Havas" läßt sich aus Konstantinopel von einer Aufregung melden, welche sich in Bosnien und im Bezirke Novt- bazar kundgebe und auf Anstiftung von Serbien und Montenegro zurückzu
führen sei. Die Pforte habe eine Commission zur Berathung über etwa dieSfalls zu ergreifende Maßreaeln ernannt.
— Das „Journal de- Debats" sagt: Die Regierung wird die Initiative ergreifen, um von der Kamm r die Ungültigerkiärung der Wahl Blanqui's zu verlanaen. Die Regierung beab ichtigt keineswegs Blanqut zu amnestiren.
Bukarest, 24. April. Morgen erfolgt der Austausch der Rattfica- tionen bezüglich der Convention zwischen Rumänien und der Türkei über die Entschädigung für den Unterhalt der türkischen Kriegsgefangenen. Die erste Entschädigungs-Rate von 500,000 F es. ist in 3 Monaten nach der Ratification zahlbar.
London, 24. April, Abends. Unterhaus. Schatzkanzler Northcote theilt auf Befragen Golosmid's mit: Rwers Wilson werde, da derselbe in Egypten entlassen sei, bald nach England zurückkehren und in den britischen Dienst wieder eintreten; wann, könne er nicht sagen. Rylands beantragt eine Resolution, durch welche die große Vermehrung der Staatsausgaben getadelt und sofortige Reduction derselben befürwortet wird.
London, 25. April, früh. Unterhaus. (Fortsetzung.) Bei Berathung der Resolution Ryland's veriheidigt der erste Lord der Admiralität, Smith, die Regierung, indem er hervorhebt, daß dieselbe für die Zustände der letzten Jahre nicht verantwortlich gemacht werden könne. Die einzige Vermehrung der Ausgaben, für welche sie verantwortlich sei, wäre die von 1,730,000 Pf. St. für Armee und Flotte gewesen. Die Opposition könne diese nicht reduciren. Ferner vertheidigt Smith die Bestrebungen für die Ausrechthaltung von Englands Großmachtstellung. Die Debatte wird schließlich auf Montag vertagt.
Lokales.
Gießen, 25. April. Mehrere Rekruten aus hiesiger Stadt prügelten sich gestern Nachmittag zur Feier des Musterungstages auf der Neuen Anlage gründlich durch. Einer der Excedcnten, in Berlin gebürtig, mußte hinter Schloß und Riegel verbracht werden. Mit Ausnahme der obigen sechs, benabmen sich gestern die übrigen jungen Leute von hier ganz musterhaft, wie man nicht anders erwarten konnte.
— Auf der Herberge bei Netter fingen gestern Abend gegen 8 Ubr zwei eintretende Handwerksburschen ohne alle Veranlassung Skandal an. Zur Ruhe aufgefordert riß der eine ein Tischbein ab und verletzte damit die Frau und Tochter des Herbergsvater, sowie einen zur Hülfe beispringenden Handwerksburschen. Die Verletzungen der Tochter und des Handwerks- burschcn sind nicht unbedeutend. Beide Excedcnten, welche sich sehr frech und ungezogen benahmen, wurden verhaftet und heute Morgen dem Gericht überliefert.
Gießen, 24. April. Die „Deutsche Gesellschaft der Stadt New-Port", eine der segensreichsten Wohlthätigkeits - Anstalten der Welt, hat für das Jahr 1878 den Jahresbericht ihres 95. Geschäftsjahres ' berausgegeben. Die Gesellschaft besteht aus 616 edlen Deutschen in Ncw-Iork und der Umgegend, die armen oder unglücklichen Landsleuten bei ihrer Ankunft in Nordamerika mit Rath und That beisteben. — Von den deutschen Fürsten bethriligen sich an den Beiträgen außer dem deutschen Kaiser nur noch die Könige von Baiern und Sachsen, sowie die Großherzoge von Hefien und Mecklenburg, außer diesen auch die Städte Bremen und New Port. — Die Einnahmen betrugen für 1878 22,776 Dollars, die Ausgaben 16,743. — Die Auswanderunq nach Nordamerika beginnt wieder zuzunehmen, die totale um 20,811 Köpfe, die deutsche um 5,298, darunter 878 Hessen-Darmstädter Außer Unterstützungen an Geld, der Sorge für die Kranken im eigenen Hospital, dem Rechtsschutz in 212 Fällen, der Anweisung zu Verdiensten durch ein eigenes Bureau leistete der Verein einer größeren Anzahl deutscher Familien auch Vorschüsse, wodurch es ihnen möglich wurde, ihre Weiterreise nack dem Innern des Landes ohne Aufenthalt und Geldverlust fortzusetzen.
Unter den Mitgliedern des Vereins sind viele ehemaligen studiosi Gießen's. So z. B. im Finanzausschuß W. A. Schmitthenner, im Revisions-Ausschuß Pagenstecher, unter den angcstellten Beamten Julius Hofmann aus Worms, ehemals stud. med. dahier.
Verwischtes.
Darmstadt, 24. April. Die Jnspicirung der Truppentheile de« 11. Armee-Corps durch den commandirenden General v. Bose findet in der Zeit vom 30. April bis 29. Mai statt. Die einzelnen Truppentheile der Großh. 25. Division werden wie folgt besichtigt: Am 9. Mai das Füsilier-Bataillon 118. Regiments zu Offenbach. Ain 12 und 13. Mai das Infanterie-Regiment Nr. 115, das Feld Artillerie Regiment Nr. 25, die in Darmstadt garni- sonirendcn Escadrons des Dragoner-Regiments Nr. 23 und 24 und die Großh. Train-Compagnie. Am 14. Mai die 3 Escadrons des Dragoner-Regiments Nr. 23 in Babenhausen. Am 15. Mai, Vormittags, das 2. Bataillon 118 Infanterie-Regiments in Worms. Am 15. Mai, Nachmittags, unb am 16., 17. und 19 Mai die in der Festung Mainz liegenden sämmtlichen Truppentheile' Am 20. Mai die 3. und 4. Escadron des Dragoner-Regiments Nr. 24 in Butzbach. Am 21. Mai das Infanterie-Regiment Nr 116 in Gießen
Frankfurt, 21. April. Am Donnerstag Abend wurde ein Mädchen in einem schwer verbrannten Zustand in das Hospital zum hl. Geist verbracht, woselbst es bald verstarb. Das- selbe hatte, um die Flamme im Herd anzufachen, Petroleum aus einer Kanne ins Feuer gegoffen, wodurch das Gefäß sofort explodirtc. Das brennende Petroleum setzte die Kleider in Brand und kam die Hilfe zu spät. — Vor dem Friedberger Tbor ging eine gleiche Affaire gestern glücklicher ab, indem dem Hausfräulein, welches die gleiche Unvorsichtigkeit beging, nur die Augenbrauen und Kopfhaare verbrannt wurden.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 24. April. (Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1 39, Nr. 2 X 37,
Nr. 3 X 31, Nr. 4 X 27, Nr. 5 X 21. Roggenmebl % (Berliner Marke) X 21 50, bo. I (Berliner Marke) «X 19.50—20, do. II (Berliner Marke) X 14.50—15 50. Weizen, effektiv hiesiger ab Bahnhof hier X 20—20.25, ab unserer Umgegend X 19.75—20.75, oo. fremder je nach Qualität 31 19.75—20.25, Roggen, je nach Qualität X 13.25—15.25, Gerste X 17 — 18.50, Hafer X 13.50—14.50, Kohlsamen X 27—29, Erbsen X 19 bis 27, Wicken X 14 — 16, Linsen X 17—36, Bohnen, weiße, X 19.50, Roggenkleie X 10, Weizenkleie, grobe und feine X 8—9, Rüböl, detail, X 6«. Stimmung fest. Dringend offerirt Mais, amerikanischer stark weichend zu 12 X käuflich. (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht — 100 Kilo )
Limburg, 24. April. (Fruchtmarkt.) Rotber Weizen X 18.05, Weißer Wetzen X 18.—, Korn X 11.80, Gerste X 9.—, Hafer 6.35, Erbsen —, Kartoffeln X —- (Durchschnittspreis pro Malter.) ______
Frischbäcker in Gießen.
Sonntag den 27. April. Wilhelm Hartmann, Neustadt. Emil Noll, Löwengaffe. Üufrtoin Keil, Neuenbäuen.___
Kirchliche Anzeigen
der evangelischenGemeinde zuGießen.
Gottesdienst:
Sonntag den 27. April:
Morgens: Pfarrer Schlosser.
(Feier des heil. Abendmahls.)
Nachmittags: Pfarrvicar Schöner.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 27. April bis 3. Mai besorgt Pfarrer Schlosser.


