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Ein hiesiges Comit6 ladet die Tabaksinteresienten Deutschlands zu dem am 3. und 4. März in B»rlm abzuhalienden Cougreffe ein. Die Vor­versammlung findet am 2. März in bcii Reichshallen start.

Berlin, 21. Februar. DieBavaua" in Würzburg will wißen, daß auch der Verweser des Mamzer BtschurnS, Domcapnular Dr. Moufang, zum Cardinal ernannt werden soll.

München, 22. Februar. Sitzung der Retchsrathskammer- Der Minister deS Innern verliest eine königliche Botschaft, wodurch die Wahl eines AuSjchusfis zur Vorberathung der Gebührenordnung und des Erbschasls- steuergesetzes angeordnet wird. Das Gesetz über Besteuerung deS Gewerbe- betritbes im Umherztehen wird in der Fasiung der Abgeordnetenkammer mit einer kleinen Abänderung des $ 4 (Ermäßigung der Wanderlagersteuer) ein­stimmig angenommen.

Oesterreich.

Wie«, 22. Februar. Das Abgeordnetenhaus nahm den Gesetzentwurf, betr. die Desinfection der Vtehtransporte, an und beschloß nach längerer Debatte unter Verwerfung des Antrags auf Uebergang zur Tagtsordnung in die Specialdebatte über die Grundsteuer - Regultrungs Novelle etnzugehen. Kinanzmimster de Pretts theilt in Beantwortung einer bezüglichen Interpella­tion den Thatbestand des Waffereinbruchs in das Salzwerk WiUiczka mit und eonstatirt, daß Niemanden ein Verschulden trifft. Die Arbeiten im Saiz- werk seien nicht unterbrochen worden. Abg. Zschok tnterpellirt wegen einer wünschenswerthen Zoüetnigung mit Serbien und wegen Einbeziehung Bosniens und der Herzegowina in diese Einigung.

Wien, 22. Februar. DiePoltt. Corresp." meldet: Laut einem Telegramm Dr. Biesjadeckis aus Zartztn hat sich die internationale ärztliche Commission in drei Gruppen getheilt. Die eine geht nach Wetltanka, die zweite (welcher österreichische Aerzte angehören) besucht die Ortschaften des rechten und die dritte (mit den ungarischen Delegirten) die Ortschaften des linken Wolga Ufers. Der Zusammenkunftsort der drei Gruppen ist Zamja- noffkaja, woselbst die Aerzte eittt lOrägige Observation bestehen werden. DiePoltt. Corresp." meldet aus Bukarest: Die Rumänen haben Arab-Tabta vollständig geräumt, wiewohl von russischer Seite keine Erklärung vorliegt, bis­her die Position nicht besetzen zu lassen. In rumänischen Kreisen hofft man, die Ruffen würden Arab Tabia insolange neutral betrachten, als nicht eine Ent­scheidung der Mächte erfloffen ist. Fürst Dolgorucki wurde in Ttrnowa enthusiastisch empfangen. Die bulgarischen Truppen erwiesm ihm und der Notabeln-Versammlung militärische Ehren. DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: General Stolypin ließ der internationalen Commission in Phtltppopel Mittheilen, daß nach seinen Informationen zahlreiche weitere Demon­strationen, wie jene in Tschirpan, in verschiedenen Orten Ostrumeltens zu ge­wärtigen seien. Gleichzeitig wurde die Commission von den getroffenen Reptessiv- maßregeln verständigt. Auf der Pforte finden neuerdings Beratungen über die an Mukhtar Paicha in Prevesa zu erlaffenden Instructionen statt. Mehrere wegen des Verdachtes der Conspiration gegen die Sicherheit des türkischen Staates vor einigen Tagen tnhaftirte Serben wurden auf die Intervention Cvristics fretgelaffen. Der türkische Sanitätsrath hat auf telegraphischem Wege ein Circular an alle Sanitäts-Administrationen der Mtttelmeer - Staaten, speciell an Egypten gerichtet, worin er ausführlich über die Gesundheitsverhältniffe der Türket die befriedigendste Auskunft gibt, die gegen Rußland getroffenen Maßregeln aufzählt und sein Befremden über die strengen Maßregeln gegen die Türket ausdrückt.

AranLreich.

Pari-, 22. Februar. Das Zuchtpoltzeigericht von Parts hat den wegen verschiedener Bank- und Eisenbahn-Angelegenheiten angeklagten belgischen Ftnanzmann Phtlippart freigesprochen. Der Amnestie-Entwurf wurde heute tm Senat etngebracht und die Dringlichkeit anerkannt.

England.

Loudon, 21. Februar. Nach einer Mttthetlung imGolos" befan­den sich Schir Alt und die russische Gesandtschaft am 11. Januar in Khultn, tm nördlichen Afghanistan. Vor seiner Abreise soll der Emir mit seinem Sohne Iakub Khan Frieden geschloffen und dadurch den Mohmand-Stamm für die Sache des Thrones gewonnen haben. Seitdem haben allerdings die Engländer erlebt, daß die Mohmands den Khyper Paß zu sperren versackten.

London, 22. Februar. Nachrichten aus Capstadt vom 4. Febr. zufolge befinden sich die englischen Truppen noch in der Defensive. Die Zulus haben keine wetteren Angriffe gemacht. Die Colonne deS Obersten Pearson hat ihre verschanzten Positionen bet Ekowe noch inne. General Chelmsfoid mit dem Generalstab sucht die Verbindung mit Oberst Pearson herzustellen.

Italien.

Row, 22. Februar. Der Ministerpräsident de Pretts versprach beim Empfange des Comiiös italienischer Besitzer türkischer Werthpapiere, die Rechte der ttaltentschen Gläubiger nicht nur in Konstantinopel, sondern auch bet den übrigen Stguatarmächten des Berliner Vertrages zu unterstützen.

Nußland.

Petersburg, 22. Februar. General Toileben telegraphirt unterm Gestrigen: Die russischen Truppen haben am 18. d. begonnen, die vor Adria- nopel besetzt gehaltenen Punkte zu räumen. Visa, Luleburgas und Airabol, welche zuerst geräumt waren, find alsbald von türkischen Truppen besetzt wor­den. Die sehr schlechten Wege und das Austreten der Flüffe erichweren die Bewegung des Trains.

General Graf Loris-Melckoff meldet aus Zarizin von gestern: Laut Bericht aus Astrachan sind tm bukajew'ichen Districte und den übrigen tnficir- ten Ortschaften weder neue Erkrankungen vorgekommen, noch früher Erkrankte an der Epidemie verstorben. Auf Beschluß des berathenden Sanitäts-Comitvs ist gestern die Quarantäne-Absperrung des Dorfes Prisckibinsky aufgehoben und dies von der Bevölkerung mit lebhafter Freude begrüßt worden. Es ist ferner verordnet worden, die für Nikolskaseked und Staritzkoje angeordnete Quarantäne ebenfalls aufzuheben. Die Aufhebung soll allmälig auf die übri­gen Punkte ausgedehnt werden, wo die gesetzliche Quarantäne-Frist abläuft. Die allgemeine Absperrungs-Linie bleibt tndeffen noch in Kraft. Außerdem bleiben Prisch'binsky. Nikolskoje und Staritzkoje, sowie einzelne Häuser, wo früher Eikrankungssälle vorgekommen, abgesperrt bis zur Ankunft der aus

Zartztn und Astrachan entsendeten Commissionen zur Abschätzung des zu ver- brennenoen E'genthums, zur Desinfection der Gräben und aller tnstcirten Punkte.

Charkow, 22. Februar. Gestern Abend 11 Uhr feuerte ein Uabe- kannter auf oen von et mm Bulle heimkehrenven Gouverneur von Charkow, Fürsten Krapoikin, einen Revoloerfchuß ab. Der Fürst ist sehr schwer ver­wundet. Aus den Mörder wird gefahndet.

Rumänien.

Bukarest, 22. Februar. Fort Arab'Tabia wurde gestern von rumä­nischer Seite vollständig geräumt.

Serbien.

Belgrad, 22. Februar. Berichte aus Ttrnowa behaupten, die Mehr­heit der bulgarischen Deputirten sei entschlossen, den Verwandten des Fürsten von Montenegro, Petrowitsch, zum Fürsten von Bulgarien zu wählen, da Rußland diese Candidatur warm empfohlen habe; Petrowitsch habe dieselbe auf den Rath des Fürsten von Montenegro angenommen.

Türkei.

Tirnowa, 22. Februar. Fütst Dondukoff-Sorsakvff ist heute früh zur Esöffnung de«- bulgarischen Notablen Versammlung hier etngetroffen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Corresponbenz-Vurea«.

Berlin, 23. Februar. General-Feldrnarschall v. Roon ist heute Nach­mittag um 1 Uhr gestorben.

London, 23. F bruar. Der Gouverneur des Caplandes, Sir Bärtle Frere, meldet daß wegen der Lage des Obersten Pearson keine Besorgntß bestehe, da derselbe eine starke Position inne habe.

Warschau, 23. Febr. Der Stand der Weichsel oberhalb Warschau ist unverändert. Die Dammsprengung findet heute statt. Die Ausführung derselben ist erschwert, weil sich Eisschollen auf dem Grunde des Fluffes befinden.

Petersburg, 23. Februar. General Graf Lorts-Melikoff telegraphirt aus Zarizin von gestern: Im Gouvernement Astrachan, im bukejew'schen Di- stricte, sowie in den übrigm O tschaften des infictrten Gebietes sind keine neuen Erkrankungen und Sterbefälle vorgekommen. Der gestern in Wet- lianka eingetroffene Graf Orloff und der Bevollmächtigte des Rothen Kreuzes, Pesaleff, wurden von den Einwohnern jubelnd empfangen. Heute find es 31 Tige, seit der letzte durch die Epidemie verursachte Sterbefall in Wetltanka vorgekommen ist. Der vor einem Monat hierher delegirte Odeffaer Arzt Woinatowitsch ist gestern gestorben. Wie die Aerzte constatiren, erfolgte der Tod in Folge einer durch chronische Nierenentzündung bedingten Entkräftung.

Tiruowa, 22. Februar. Heute wurde die bulgarische Notabeln-Ver- sarnrnlung durch den Fürsten Dondutoff - Korsakoff eröffnet. Letzteres verlaS eine Eröffnungsrede, worin es heißt: Es gehört zu den Aufgaben bar Ver­sammlung, dem Lande befinitive Institutionen zu geben, das organische Statut zu berathen und, wenn nöthig, abzuändern. Die Versammlung solle sich frei aussprechen. Der Fürst kündigte an, daß Drinoff und Lucianoff delegtrt seien, um die Fragen zu beantworten, welche die Versammlung zu stellen habe. Rach der ersten Sitzung sand ein Banket der Notabeln statt, bei welchem mehrere Toaste ausg^bracht wurden. Der englische Commiffar beantwortete einen Toast, indem er sagte, er rufe Bulgarien, dem jüngst Geborenen unter den Staaten Europas, dem wenigstens für den Augenblick jüngst Geborenen, ein Willkommen zu. Diese Anspielung wurde von den rumelischen Delegirten mit lebhaftem Beifall aufgenommen.

Kalkutta, 23. Febiuar. Eine große Versammlung MollahS in Djellalabad sprach fich gegen eine Kundgebung zu Gunsten Schir AliS aus.

Melbourne, 22. Februar. Heute ist hier der Grundstein zu dem Ausstellungs-Gebäude für die im nächsten Jahre dahier stattfindende Welt- Au ssiellung gelegt worden.

Lokales.

Gießen, 24. Februar. Gestern wurden dahier 5 Diebstähle zur Anzeige gebracht; zwei der Diebe wurden verhaftet, nachdem ihnen die Gegenstände, 1 goloene Uhr und 1 Paar Schaftensttefel, abgenommen worven.

_______ Confiscirt wurde in einer hiesigen Kohlenhandlung eine unrichtige Decimalwaage.

Die Neuvermählten von lljörnstjerne BJörnSon.

Theateraufführung vom 21. Februar.

Die norwegische Literatur hat für die Deutschen von AiterS her ein besondere- Jnteresie gehabt, vielleicht, weil gerade das, was jene so anziehend macht, für uns selbst characteristijch ist; weiter ist es die wunderbare Melancholie, die durch Lied und Dtchtuna zieht, und auf uns einen eigenen Zauber ausübt! Björnson hat unerachtet seiner noch kurzen schriftstellerischen Laufbahn sich einen bedeutenden Namen erworben, seine Dichtungen, durch die trefflichen Uebersetzungen Wilhelm Lange'« bei uns eingeführt, sind überaus be­liebt und gehören unstreitig zu dem Besten, was die neueste Literatur aufzuweisen hat. (58 ist um deßwillen von der Tbeaterdirection anerkennenswerth, daß sie dem Publikum ein hervor­ragendes Werk des Dichters vorgeführt. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die Neuvermählten" als einFamiltengemalde" annoncirt wurden, während der Verfasser selbst im Original - Text sein Srück Lustspiel nennt Möglicherweise liegt dem Versehen nur ein lapsutj calami zu Grunde, im anderen Falle dürfte es sich doch empfehlen, die ursprüngliche Bezeichnung eines Theaterstückes beizubehalten, weil sie mit der Beurtheilung und Auffaffung desselben in Zusammenhang steht. Die Intentionen, die für die Wahl des WortesFamilien- gemälde" bestimmend gewesen sein mögen, sind in gewisser Beziehung richtig, weil dasLust­spiel", die Neuvermählten, Manchen, der eine Reihe von angenehmen Verwicklungen und komischen Scenen erwartet, getäuscht hätte. Allein es blecht doch zu berücksichtigen, daß ein norwegisches Lustspiel kein deutsche« ist, und daß beide Gattungen dem Volkscharakter angepaßt, in Folge desien in keine Beziehung zu bringen sind.

Die Aufführung der Neuvermählten war eine recht gute zu nennen; Herr Alberti faßte seine Rolle mit bekannter Begabung auf und hat auf« neue bestätigt, daß sein geistig durchdachtes Spiel al« eine künstleriiche Leistung gerühmt werden kann Eine ungleich wichtigere Rrlle war Fräulein Häser zugetheilt; der Dichter zeichnet dieMathilde" mit großem Ge­schick, sie ist bei ihm der gute Engel, der durch die Handlung schwebt und überallhin Liebe und Versöhnung bringt Fräulein Häser hat ihre Rolle mit seltenem Derftändniß durch geführt und trug so wesentlich zu dem Gelingen des Ganzen bei.

Die Leistungen der übrigen Mitwirkendcn waren recht befriedigend und bleibt nur za wünscken, daß die Direktion in ihren Unternehmungen wirksame UnterKützung find«. B.

Theater.

Die vergangene Woche brachte viel Gutes an unserem Theater und können wir nament­lich die Auffübrungen: Die Hochzeitsreise, Der Zigeuner, Epidemisch, Waise von Lowoob, Die Neuvermählten und Die Dienstboten, tm Sinne des anwesenden Publikums, alsvor­züglich" bezeichnen und sämmtlicheu Mitgliedern unsere öffentliche und wärmste Anerkennung aussprccken. Wenn wir uns in die Vorstellungen der legten Jahre zurückversetzen, so müssen wir der Wahrheit gemäß zugestchen, daß derartige Vorstellungen nicht geboten wurden. Möge