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zum Regierungsrath und ständigen Hülfsarbeiter im Reichsschatzamte; ferner ist demReichs-Anz." zufolge der Minister Maybach mit der Vertretung des Reichskanzlers in Angelegenheiten der Verwaltung der Reichs-Eisenbahnen beauftragt.

Rom, 22. Juli. Die Kammer genehmigte den Gesetzentwurf über den Rückkauf der römischen Bahnen.

Berlin, 22. Juli. Das Reichs-Gesetzblatt publictrt eine kaiserliche Verord­nung, welche die elsaß-lothringischen Kreistage zu einer außerordentlichen am 4. August beginnenden und am nämlichen Tage wieder zu schließenden Sitzung einberuft.

Gastein, 22. Juli. Se. Majestät der deutsche Kaiser ist heute Abend 6 Uhr in bestem Wohlsein hier eingetroffen und von den sehr zahlreich ver­sammelten Kurgästen in wärmster Weise begrüßt worden. Se. Majestät, drffen Aussehen vortresstich ist, sprach auf der Freitreppe des Badeschlofles mit dem Prinzen August von Württemberg, dem Statthalter Graf Thun, dem Bot­schafter Grafen Beust und dem Landeshauptmann Grafen Lamberg. Von den Damen waren zahlreiche Blumcnbouquets gespendet worden. Der Ort ist reich beflaggt. Am Eingänge desselben, sowie auf dem Kaiserwege stnd Ehren­pforten errichtet worden.

Wien, 22. Juli. DiePolit. Corresp." meldet in Betreff der gerücht­weise verlautenden Ordnungsstörungen in Bosnien als authentisch: Am 16. ds. gerieth die Einwohnerschaft von Hum mit der dortigen Gensdarmerte in Con- flict. Letztere mußte zur Feuerwaffe greifen. Ein Aufwiegler blieb todt, einer wurde schwer, mehrere leicht verwundet. Die Gensdarmerie hatte keinen Ver­lust. Oberst Gröller entsendete eine Compagnie Infanterie nach Hum. Der dortige Militärposten erhielt eine geringe Verstärkung. Am 18. Juli ging General Kiltc nach Hum, um die nöthigen Maßregeln zu ergreifen. Seitdem ist die Ordnung nicht mehr gestört worben. Aus Konstantinopel meldet die Polit. Corresp.": Karatheodory Pascha theilte noch gestern den westmächt- lichen Vertretern halbamtlich den Text des Jnvestiturfermans des neuen Khedive mit. Der Ferman soll jenen von 1873 theilweise wieder Herstellen.

Aus Bukarest wird derPolit. Corresp." gemeldet: Nachdem De­meter Ghika und der Senatspräsident Bostanu die Bildung des Cabinets ab­gelehnt haben, berief der Fürst hervorragende Politiker nach Bukarest und be­schloß in Folge dieser Conferenzen, Brattano mit der Bildung des Cabinets aus Elementen der verschiedenen Parteien zu betrauen. In einer geheimen Sitzung beider Kammern erklärte Bratiano, er hoffe, das Cabinet werde bis Mittwoch gebildet sein. Boeresco und Cogalniceano werden als Mitglieder des neuen Cabinets bezeichnet.

London, 22. Juli. Die gestrigen Nachrichten derPall Mall Gazette" werden durch eine amtliche Depesche aus Pietermaritzburg vom 4. Juli nicht bestätigt. Chelmsford telegraphirte unterm 30. Juni an Wolseley, die Boten Cetewayo's seien abgereist und überbrächten dem König die Anzeige, daß die britischen Truppen am 1. Juli den Umvolosi überschreiten und am 3. Juli in Erwartung der Unterhändler Ceteweyo's, sowie der Auslieferung von Vieh und Geschützen die Feindseligkeiten einstellen, aber sofort weiter vormarschiren würden, wenn Cetewayo den britischen Forderungen nicht nachkomme. Wol­seley ist die Ausschiffung bei Port Durnford nicht gelungen.

DieTimes" meldet: Die Telegraphen-Conferenz beschloß gestern, die Zahl der Ziffern, welche ein Wort bilden, auf drei festzusetzen. Die Sprachen für Depeschen wurden auf englisch, französisch, deutsch, italienisch, holländisch, spanisch, portugiesisch und lateinisch beschränkt.

London, 22. Juli. Im Unterhause beantwortete Unterstaatssecretär Bourke eine Anfrage Simons, indem er sagte: Der britische Consul remon- strirte bet den türkischen Behörden wegen Gewaltsamkeiten, die gegen jüdische Flüchtlinge zu Carlowa verübt worden. Die türkischen Behörden leiteten eine Untersuchung ein. Es sind Maßregeln zum Schutze der Flüchtlinge ergriffen und ein türkischer Beamter ist wegen seines Verhaltens bei diesem Vorgänge abgesetzt.

Druffel, 22. Juli. Bet Berathung des neuen Zollgesetzes betonte Kervyn die Nothwendigkett, der Landwtrthschast des Landes einen Schuh zu gewähren. Er verwies auf das Beispiel Englands, das die Nothwendigkett des Schutzes für seine Landwtrthschast erkannt habe. Der Minister des Aus­wärtigen erklärte, es liege überhaupt kein Grund vor, einen solchen Schutz wiederherzustellen.

Die Nubier.

Wie aus der heutigen Nummer unseres Blattes ersichtlich, hatHerr Wenzel die Nubische Caravane der Herren Rice & Hagenbeck für Gießen engagirt. lieber diese Caravane und ein Nubier-Fest im Verein für Erdkunde zu Halle schreibt Herr Prof. Dr. Kirchhoff in derSaale-Zeitung" Folgendes:

Am 7. Juli veranstaltete der hiesige geographische Verein sein Nubier-Fest. In dem festlich geschmückten Saale vonFreyberg's Garten" fand sich eine außerordentlich zahlreiche Versammlung von Vereinsmitgliedern und deren Damen, sowie einigen ge­ladenen Gästen bald nach 8 Uhr Abends ein. Vorläufig erinnerte noch nichts an die Nubier als die interessante Ausstellung ihrer Waffen und häuslichen Geräthe, welche zusammen mit einer mannigfaltigen Jagdbeute an prächtig gehörnten Antilopenschädeln, Schädeln riesiger Nilpferde rc. die lange Tafel vor der etwas erhöhten Bühne deckte. Alsbald aber erschienen die braunen Söhne Afrikas in ihren kleidsamen weißen Gewändern und nahmen auf der Bühne Platz.

Der Vorsitzende des Vereins, Herr Prof. Dr. Kirchhoff, ergriff sodann das Wort, um zunächst auch öffentlich den Herren Rice (spr. Reis) und Hagenbeck den Dank dafür auszusprechen, daß sie diesmal und hoffentlich auch in Zukunft Halle nicht mit ihrenwilden Männern" umgangen, deren Vorführung behufs genauen Kennenlernens fremder Racen eine so viel höhere Bedeutung habe als das bisher allein üblich gewesene, meist nur der Kurzweil dienende Zeigen von Repräsentanten der Thierwelt ferner Lande. Dem folgte die nähere Begründung des Urtheils, daß ins­besondere unsere 14 Nubier eine sogar außergewöhnliche Bedeutung für die Völkerkunde in Anspruch nehmen dürfen.

Sie sind sämmtlick aus dem südlichsten Nubien, aus dem Vorlande des herr­lichen Alpenlandes von Habesch gebürtig und gehören mit Ausnahme des im weißen Mützchen schon städtischer aussehenden OmaLr Müdeni (eines Djalin aus der Gegend von Machvrif am weißen Nil) nomadischen Hirtenstämmen, den Halenga und Beni Amer an, welche mit ihren Kameelen und Rindern, Schafen und Ziegen aus den glühenden, fast völlig regenlosen Wüsten des ostnilotischen Nubien allmählich in die von befruchtenden Sommerregen bereits begünstigte abessinische Nachbarschaft allmählich vorgedrungen sind. Noch wechseln sie in geringeren Entfernungen ihren Wohnsitz: ihre Zelte aus Palmblattmatten, umhegt von einem Wall aus unnahbarem Dorngezweig (gegen den nächtlichen Uebersall der Löwen) errichten sie zur Sommerzeit auf den Höhen, im Winter, wenn die Ströme in ihr engeres Bett zurücktreten, in den Thalungen. Gewöhnt an ein heißtrockenes Klima, ist ihnen das Wasser höchstens in der heißesten Zeit zur Erfrischung genehm, hier waschen sie sich nie. Trotzdem ist ihre schweißfreie, nicht im Mindesten negerhaft riechende Haut nicht unrein, ihre fast beständig mit dünnen Stäbchen eines afrikanischen Holzes gereinigten Zähne erglänzen zwischen den auch dunkelfarbigen Lippen in blendendem Weiß, und vor Allem verwenden sie auf

ihr Haupthaar die größte Pflege: mit der über fußlangen hölzernen Haarnadel, die stets im langen, schwarzen, glanzlosen, jedoch keineswegs wolligen Haar steckt, bearbeiten sie dasselbe, um es meist in einen kreisförmig auf dem Scheitel aufrecht stehenden Theil und einen unteren zu scheiden, der aus dicht gereihten kurzen Zöpfchen besteht und die Ohren bedeckend einen abwärts breit abstehenden Kranz um den Unterkopf bildet. Schlank und zart ist der ganze dunkelbraune Leib gebaut; die Gesichtszüge von edel­stolzem Ausdruck, die wohlgebildete Nase, das milde Feuer der dunklen Augen verleiht den hohen ritterlichen Gestalten eigenthümliche Schönheit. Ein im Profil unverkenn­bares, wenn auch nur mäßiges Hervortreten des Untergesichts (also leichter Prog- nathismus) gemahnt an die Verwandtschaft mit den alten Egyptern, ähnlich das Zurück­stehen der großen Zehe an Länge hmter der zweiten und vielleicht auch ihre höchst merkwürdige, wohlklingende und uralte Sprache, das Gebaute.

Nachdem der Vortragende noch über die Sinnesschärfe (namentlich das feine Unterfcheidungsvermögen von Farbennüancen bei auffallender Unfähigkeit Blau, Grün, Gelb, Grau und Violett im sprachlichen Ausdruck zu sondern), ferner über die In­telligenz und freundliche Umgänglichkeit dieser so vielseitig interessirenden Menschen seine eigenen Beobachtungen mitgetheilt, begann der zweite Theil des Festabends: die Production im Circus des Garten.

Wir sahen den eleganten Kameelritt der dunklen schlanken Männer, die, sobald sie mit ihren Thieren bei heimathlichem Treiben zusammen waren, den fröhlichsten Humor entwickelten; dann den Algaden-Tanz, ein Waffenspiel mit ledernem Rundschild, blitzen­den Schwertern und Speeren, eine Todtenseier, bei welcher der luftige Saleh und Adam den Todtentanz mit nicht zu großer Wchmuth vor dem die monotone Todten- klage anstimmenden Chor aufführt, zum Schluß den Caravanenritt durch die Wüste und den Besuchsritt eines Häuptlings auf prächtigem weißen Esel mit kopfreicher Geleitsschaar. Beim Aufbruch der vor unseren Augen organifirten Caravane unter der Akaziengruppe bei fackelartigem Flammenschein Giraffen, Elephanten, Buckelochsen im Gefolge der bepackten Kameele fühlte man sich lebensvoll in das ferne Südland versetzt, aber im gemächlichsten Deutsch ertönte es aus dem lächelnden Munde der Reiter und Führer in die Runde der ZuschauerGut Morgen", ja im echtesten Sächsisch Adje!" Mancher Dame schrieb der weise Omar seinen Namen mit arabischen Schrift­zügen in das dargereichte Büchlein und auch ohne solch sichtliches Andenken wird jedem Theilnehmer an diesen seltenen Schauspielen die Erinnerung an sie verbleiben als an eine ebenso lehrreiche als fröhlich genußvolle Stunde.____________________________

Derzei chniß

der monatlichen Nachweisungen über die Mittelpreise der gewöhnlichsten Ver- brauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom 1. Januar dis

30. Juni 1879.

Namen der Gegen-

Januar.

Februar.

März.

April.

Mai.

Juni.

stände.

H 1

JL

A

JL

4

JL\

Weizen

per Ctr.

9

39

9

42

10

_

10

25

10

64

10

45

Korn, Roggen

8

8

8

24

8

25

8

29

8

20

Gerste

8

36

8

50

8

54

8

50

8

50

8

18

Hafer

6

61

6

81

7

15

6

80

7

54

7

66

Heu

2

17

2

2

14

2

20

2

20

2

7

Stroh

1

85

1

75

1

80

1

90

1

85

1

85

Kartoffeln

2

82

2

88

3

3

36

3

87

4

1

Erbsen

12

56

12

13

12

12

25

11

40

12

Bohnen

12

72

12

12

11

75

12

50

12

65

Linsen

13

12

13

36

13

75

14

13

71

Reis

23

23

21

21

22

20

Graupen, ord.

22

22

21

21

22

20

Hafer-Grütze

26

25

25

25

26

26

Gersten-Grütze,,

22

24

21

21

22

22

Zwiebeln

7-8

8-9

10

11

12

30

36

Steinkohlen

85

85

85

85

85

85

Braunkohlen

80

78

80

78

76

75

Butter

perSBf.

82

78

82

87

97

85

Ochsenfleisch

70-72

70

70

70

70

70

Kalbfleisch

5060

5056

50

4450

40-48

4650

Schweinefleisch,,

57-60

5860

58-60

58-60

58-60

56-60

Hammelfleisch Kuh- u. Rind-

60-65

60-66

60-70

60-70

60-70

60-70

fleisch

56-60

56-60

5060

56-60

56-60

56-60

Weißmehl

20-26

20-25

18-25

18-25

20-26

2026

Roggenmehl Kaffee, gehr-,

16-18

1617

16-18

80

17-18

17-18

1719

in Bohnen

1

70

1

70

1

1

70

1

70

1

70

Salz

9

9

9

.....

9

9

9

Roggenbrod

912

911

1011

9-11

10-11

.

10-11

Bier

IHect.

20

20

.

20

20

20

120

Branntwein

31

30

30

30

30

30

Milch

1 Liter

16-18

1618

16-18

1618

1618

16-18

Petroleum ,,

19

20

20

20

20

20

Eier

10 Stück

r

70

66

50

46

42V-

45

Vermischtes.

Bingen, 17. Juli. Heute Nachmittag 5 Uhr verkündeten Böllerschüsse die Einsetzung des Schlußsteines an dem architektonischen Aufbau des Nationaloenkmals auf dem Niederwalde, das mit Fahnen und Laubwerk festlich geschmückt ist. Der Sockel hat eine Länge von 23, eine Breite von 17 Mtr.; die Höhe bis jetzt, also blos des architectonischen Theils, beträgt 25 Mtr. Die Figur der Germania, welche schon im nächsten Jahre fertig und aufgestellt werden soll, hat eine Höhe von 13 Mtr. Erft später werden die anderen Figuren und in zwei Jahren die Reliefs vollendet sein. In der Zwischenzeit ist die Thatigkeit darauf gerichtet, für das Denkmal eine feiner und des Punktes, worauf es steht, würdige Umgebung zu schaffen. Vor Allem gehört dazu eine dem Monument auf der Höhe des Berges nach dem Rheine hin vorzubauende Terasse von etwa 45 Mtr, Breite bei einer Länge von je 25 Mtr. zu beiden Seiten des Denkmals, so daß deren Ges ammtlänge 73 Mtr. beträgt. Nach dem Walde hinter dem Denkmal wird nach Beseitigung der Bäume bis zum Wege noch ein freier Platz von etwa 40 Mtr. Breite geschaffen. Das Monument wird sich demnach auf erhabener Bergeshöhe mit der wundervollsten Aussicht auf grünen Waldeshintergrund inmitten eines freien Platzes von etwa 102 Mtr. Breite und 73 Mtr. Länge, also auf einem Raum von etwa 7500 Q -Mtr. Flächeninhalt, erheben, ein Raum, genügend, um einstens, was ja wohl häufig ftattfinden wird, große Volksfeste auf ihm abhalten zu können.

Darmstadt, 22. Juli. In Darmstadt wird am 18. August ein für das ganze Hessenland bedeutungsvolles Fest gefeiert werden.

Seit der Enthüllung des Ludwig«-Monumentes gab es keine Feier, die so geeignet ist, die Gesammtbevölkerung Hessens in Darmstadt vertreten zu sehen, als die

EnthüllungSfeier dcS Landesdenkmals.

Soll dieses Denkmal doch feierliche Kunde geben von dem opferbereiten Eintreten deS Großherzogthums zur Dertheidigung deutscher Interessen, soll cs doch Zeugniß ablegen von den harten Kämpfen, welche die hessische Division zum Segen unseres geeinigten Vaterlandes hat bestehen müssen.

Das Denkmal wird, davon haben wir uns überzeugt, seine Aufgabe in durchaus be­friedigender und würdiger Weise lösen.

Unter den vielen gleichen ehernen Zeichen der Dankbarkeit dürfte cs eine der ersten Stellen einnehmen. Die Composition sowohl wie das Material werden allgemeinen Beifall finden.

Es wird sich hier das Sprichwort bewähren:Was lange währt, wird gut."

Der Sockel ist bereits vollendet. Die Figuren selbst treffen am 30 ds. biet ein und werden sofort aufgestellt. Nach Mittheilungen von gutunterrichteter Seite dürfte bis zum 15. August bas Ganze vollendet sein und ver Enthüllung harren.

Das Festcomite, welches von dem Centralcomite berufen wurde, das Fest vorzubereiten, hat das Programm wesentlich in Rücksicht auf die auswärtigen Theilnehmer festgestellt.