Städte». Der vauiemninister hat heute in MMKmmer einen außerordentlichen Kredit von 10 Millionen verlangt, um K^N^thstande durch öffentliche Arbeiten einigermaßen abzuhelfen. Die AbgeoMeten sind seinem Wunsche vorläufig dadurch entgegengekommen, daß sie seinem Anträge die Dringlichkeit bewilligt haben.
Rußland.
Petersburg, 20. Decmber. Amtlicher Bericht aus Cannes vom 18. dS.: In der Nacht zum 16. ds. empfand die Kaiserin auf der rechten Brustseite von Entzündung der Lungenhaut herrühretche stechende Schmerzen. Seit dem 17. dL. hörte die Entwicklung der Pleuritis auf. Der allgemeine Gesundheitszustand der Kaiserin ist fortdauernd besotgntßerregend.
Türkei.
Konstantinopel, 20. Decbr. In Beantwortung des am 17. ds. gemeldeten gritchischen Memorandums richiete Sawas Pascha gestern an die griechischen Commtssäre eine Note, worin auSeinandergesetzt wird, daß die vor- hergegangenen Vertagungen durch die Norhwendigkeit, das seit Langem vorbe- reitete griechische Memorandum zu prüfen, gerechtfertigt seien. Auch die Prüfung der letzten griechischen Vorschläge in Betreff einer neuen Grenzlinie würde längere Zeit beanspruchen. Daher fei es unmöglich, den nächsten Sttzungstaq zu bestimmen. Sawas werde jedoch sorgen, daß der Zusammen- tritt der Commission baldmöglichst erfolge. Er bedauere die Drohung mit dem Abbruch der Verhandlungen, rechne auf das Entgege kommen der C'M» mtfiäre und bitte sie, auf weder gerechtfertigte noch im Jntereffe der beiden Läider liegende äußerste Maßregeln zu verzichten.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correspondeuz - Bureau.
Kalkutta, 21. Decbr. Nach einer amtlichen Mittheilung verfügt General Roberts, abgesehen von 23 englischen Kanonen, über viele Geschütze verschiedenen Kalibers, welche während des Krieges erbeutet wurden und über große Vorräthe an Munitton. 2500 Mann können leicht die verschanzte Stellung vertheidigen und würden alsdann 5000 Mann für die Offensio- Actton frei. Die Streitkräfte des General Bright zwischen Jamrud und Jagdulak bestehen aus 12,000 Mann und 30 Kanonen. Der General hat Lebensmittel für 2 Monat. General Stewart in Kandahar bat über 9000 Mann und 20 Kanonen zur Verfügung. Die gesammle im Felde stehende Streitmacht beträgt 45,000 Mann mit 160 Kanonen. Die Regierung hält diese ÄnSfte unter den gegenwäitigen Umständen für vollkommen ausreichend.
Konstantinopel, 21. Decbr. Nachdem Serbien geringe Geneigtheit zur Ausführung des An. 39 des Berliner Vertrags (tr. ©.treff der Behandlung der Staatsgüter und Vakufgüter in den an Serbien abgetretenen Gebieten) gezeigt, wendete sich die Pforte in dieser Angelegenheit an die Mächte, deren Mehrzahl hierauf Serbien die Notbwendigkeit vorstellte, die Ernennung eines Commtsiärs für die in Aussicht genommene Commission nt beschleunigen.
Paris, 20. Decbr. Morgen hält die Linke des Senats eine Parteiversammlung, um über die Lage zu berathen und demjenigen, der mit der Bildung des neuen Cabinets beauftragt ist, die Ansichten dieser Skngtor^n kund- jugeben. — Diesen Morgen rechten sämmtliche Minister dem Präsidenten der Republik ihr Entlossungsgesuch ein. Morgen wird das Amtsblatt diese Nachricht mittheilen. — In Cannes wird heute Dr. Botkm aus Petersburg ctu- treffen, welcher entscheiden wird, ob die kranke Zarin nach Sicilien gebracht werden soll. Der Herzog und die Herzogin von Ed'.nburg und Prinz Ludwig von Bittenberg werden in Cannes erwartet.
Lokales.
Gießen, 20. December. In der heutigen öffentlichen Sitzung ves Krcis - Ausschusses kamen folgende Sachen zur Verhandlung:
1. Die Revision des Voranschlags der Gemeinde Reiskirchen für 1880, hier die Berechtigung der Ortsbürger daselbst an dem Gemeindenutzen.
Auf den Antrag Großh. Krcisamts, die zur Vertheilung unter die Ortsbürger vorgesehene Summe um den gesetzeswtvrig zu hoch angesetzten Betrag von 257 JL zu ermäßigen, entschied der Kreisausschuß, daß dem Anträge Großh. Kreisamts stattzugeben, die Gemeinde Reiskirchen in die Kosten des Verfahrens zu verurtheilen, dagegen von Ansatz eines Aversionalbetrages abzusehen sei.
2. Grenzstrettigkeiten bezüglich der Gemarkungen Inheiden und Feldheim.
Der von dem Vorstande der Gemarkung Feldheim an die Gemarkung Inheiden erhobene Anspruch auf Herausgabe einer Anzahl Grundstücke, als zu ersterer Gemarkung gehörig, wurde auf Grund der in 1848/49 unbeanstandet erfolgten Grcnzbeschretbung der Gemeinde Jnbeiden als unbegründet abgewiesen und Kläger in die Kosten des Verfahrens, sowie zur Zahlung eines Aversionalbetrages von 10 JL verurthetlt.
Der dritte Gegenstand, die Beschwerde mehrerer Bewohner der Schulstraße wegen ihrer Verpflichtung zur Reinigung derselben betreffend, wurde vertagt.
Gießen, 22. Decbr. Im Jahr 1878 wurden im Gioßherzogthum Hessen 1,656,135 Sempelbogen. Stempelmarken und Spielkartenstempel verkauft und dafür 1,239,461 68 3
vereinnahmt. Bet der Vergleichung gegen die Einnahme des Vorjahres ergiebt dies eine Mehreinnahme, welche hauptsächlich durch die in Folge der fortdauernden schlechten Geschäftslage verursachten bedeutenden Schuldbeitreibungen entstanden sein mögen. So wurden im Jahr 1878 <m Zahlbefehlcn ca 12,000 und an Mahnzetteln ca. 14,000 Stück mehr als in 1877 debitirt. Die schlechten Zeiten scheinen auch ihren Einfluß bei dem Stempel Nr 25 zu 12 JL igrößten- ch'tls Lanzerlaubntßschetnc und Jagdwaffenpässe) im Jahr 1878 geäußert zu haben, da hier ein | Weniger von über 3000 JL zu verzeichnen ist. — Die Einnahme aus dem Kartenstempel bat ! in Folge dessen Erhöhung abgenommen.
, . “ ^gen das Erkenntniß des Provinzial - Ausschusses in Sacken des OrtSarmenvn. bandcs Hamburg gegen den Ortsarmcnvcrband Gießen wegen Unterstützuna des ^ob
e"“ M *lä8,tS für ffXtÄ «X
v« L Gasten, 22. December. Der Winter macht« neuerdings immer schöner. In der Nackt vom Samstag auf Sonntag hatte» wir 20 o und in der vom Sonntag auf Montag 21'<> kalt w ~ Volksküche vertheilte gestern 535 Portionen Gerstensuppe. Hiervon wurden 70* toetfauft, die übrigen 465 an Arme, Kinder und 44 Handwrrksbur,chen verkheilt - Leute toutDcn ^rabrelcht 654 Portionen. Verkauft 201, an Arme. K.nder und Handwerksburschen 453
Vermischte S.
ilnJ' ,9i ®Cnmbcr-c3n Tolge der strengen Kälte, sowie der durch den starken Schneefall hervorgerufenen Unebenheiten der Gelcise gehören die Radrctfenbrüche an dem ßifen“ 5^nfa^7Qt”,.ale gegenwärtig nicht zur Seltenheit. Auch die Hessische Ludwigsbahn ist von dieser Kalamität nicht verschont geblieben; denn nach einer zuverlässigen Mittheilung sind im ^°ufe der letzten Tage n cht weniger als vier solcher Brüche von Bandagen und zwar aus- schließlich an Lokomotiven konstattrt worden. Glücklicherweise wurden die einzelnen Fälle sofort von dem betreffenden Personal wahrgenommen und verursachten dadurch, einige Verspätünaen der Zuge abgerechnet, keinerlei Unfall. 8 *"r,pamngm
ry, . 18« December. (Vom Rhein.) Nachdem sich gestern Mittag >/,2 Uhr der
Rhein vor der Stadt gestellt hatte, kam gegen 3 Uhr die ganze Eisfläche in Bewegung und trieb langsam rhemabwarts, erst nach 4 Uhr hatte sich das Eis wieder vollständig gestellt Voch J® dlbkNb wurde durch die Polizei mit der Schelle bekannt gemacht, baß Niemand sich über den Rhein begeben soll. Heute Morgen in aller Frühe herrschte aber am Rhein schon wieder
2? Unb ber^ um 7tu£?x kamen drei Leute von Kastel mit dem Nationalgebäck den Bubensckenkel" in ein« Schnur gefaßt nach Mainz und betraten ganz in der Nähe der Brücke "das Ufer. Wie wir erfuhren, kamen die Leute zu einigen hier wodnenden Stammgästen des Gast Hauses zum Anker; die Wirthtn des Gasthauses harte nämlich denselben das Versprechen ge- Rhein sich mit einet Eisdecke überzogen habe, man ihnen die ersten „Bubenschenkel schicken werde. Die Frau hat Wort gehalten. Sobald eS aber vollständig Tag wurde kamen schon sehr viele Leute und zwar in allen Richtungen nach Mainz. Von Seiten der Z^leute am Ufer aufgestellt, welche die Leute abhalten sollten, jetzt schon die Eisfläche zu pa siren, aber trotzdem gingen in der Nähe des Raimundithores Hunderte? sogar Frauen und Mädchen, über den Rhein. Das Abdecken der Schiffbrücke wird durch über 80 Personen ebenfalls soeben vorgenommen, ob auch die Pontons, die festgefroren sind, weqaebrackt werden sollen, wissen wir mcht. Es wird behauptet, es solle eine Wasserstraße durck da« Eis gehauen und die Pontons auf diesem Weg in den Hafen von Kastel gebracht werden. (M A) , . ..Mainz 19. December. Der Verkehr auf dem Rhein ist heute ein viel lebhafterer und ist die Polizei gar nickt im Stande, den Leuten den Uebergang über das Eis zu vei wehren. Es besteht nämlich noch eine Verordnung aus dem Jahre 1841, nach welcher erst dann die Eisdecke begangen werden darf, wenn die Rheinbrückenbehörve die Untersuchung über die nöthige Festigkeit des Eises vorgenommen hat. BiS jetzt, (Mittags 12 Ul>r) hat daS Kreisbauamt als Vertreter der Rheinbrückenbehörde, trotz Aufforderung von der Bürgermeisterei noch nicht die Erklärung abgegeben, daß der Rhein gefahrlos zu passiren sei. Heute Vormittag wurden bereits Viehtransporte über den Rhein bewerkstelligt, auch große Schlitten mit Bier fassern beladen, versuchten den Uebergang, doch hat dies die Polizeibehörde verboten Nack MittheUung aus Worms ist dort die Eisdecke so stark, daß der Rhein mit beladenen Wauen befahren werden darf. (Mzr. «nz)
Lauterbach, 16. December. Wie allerwärts ist auch der Winter bei uns mit all seinen Schrecken eingekehrt. Seit 14 Tagen ist der Schneefall, wenige Tage ausgenommen, stetig fortgeschritten, und mit ihm eine ganz ungewöhnlich fest anhaltende Kälte Die Hohl wege sind tief verschneit, d»e Verbindungen von Ort zu Ort oft sehr armselig, ja taqllang Än0™r' Ue0t ber Schnee überall. Vorige Wocke ist die Kälte bet unS am
10. d. M. bis auf 22 unter Null gestiegen Durchschnittlich 12 — 15 ober 18 Grad haben wir des Morgens. In den höher gelegenen Orten indeß hört man nicht dergestalt klagen Auf s Niue bewahrheitet sich die Beobachtung, daß die höchsten Wohnplätze gelindere Tempera tur aufweisen wie diejenigen der Ebene. Wild und Vögel leiden sehr von dem Unwetter dessen Fortsetzung große Besorgnisse wachruft. An geschützten Hegen läßt das Forstpersonal ersteres Ystematisch futtern. Erkrankungen und Unfälle sind an der Tagesordnung. Ein Gottesglück sst nur, daß seither die scharfen Winde nicht so empfindlich gewesen sind, sonst würden du- Kellervorrathe und das Vieh im Stalle noch mehr von Frost zu leiden haben. Im Vogels berg ist noch kein Winter verfault,- dieses landläufige Volkssprüchwo.t ist jetzt zu einem bittere.. Wahrwort auf s Neue geworden. Solch einen „grausamen Winter" haben wir jedoch seit langen Jahren nicht gehabt.' Und dazu der Mangel, die Verdienstlosigkeit, der wirthschastl ck Rückgang! Es sind traurige Zeiten. pj $
Eingesandt.
m ..Die Nr. 298 des „Gießener Anzeiger" erwähnt im zweiten Blatte an der Spitze ber „Politischen Übersicht die traurige Thatsache, daß, trotzdem der durchschnittliche Arbeitsloh> in Deut chland bedeutend niedriger ist wie ber Frankreichs, Englanbs und Amerikas, dennoch «rca 300,000 Arbeiter in Deutschland keine Arbeit finden und hungernd und frierend sich durch Betteln ernähren müssen. Fragen wir uns nach der Ursache einer derartigen traurigen Er- schemung, so müssen wir uns gestehen, daß ein großer Theil der Schuld an solchen Uebelständen
« Umstand tragt, daß wir Deutsche immer noch einen großen Theil unseres Bedarfes beim Auslande decken, während wir doch das Meiste hier bei uns besser und billiger kaufe, können. Es ist endlich einmal an der Zeit, daß ber Nimbus, den das Auswärtige noch bet fielen hat, und der in den meisten Fällen ganz ungerechifertigr ist, fällt. Es ist endlich ein
mal an der Zeit, daß wir, wo irgend möglich, unsere heimische Industrie durch Fuwenvuna unseres Bedarfes unterstützen. Wir nützen dadurch dem armen Arbeiter, der bettelnd vor unsere Tbure tritt, mehr, als wir durch die wenigen Pfennige, die er hier und da ge.chenkt erhält. Gleichzeitig gleichen wie dadurch auch manche Ungerechtigkeit der bestehenden ^ollverhältnissc aus, Die c6 beispielsweise ermöglichen, daß ein Staat einem bestimmten Artikel durch einen sehr hohen Werthzoll seinen Markt verschließt, während er denselben Artikel hier fast frei einführ und dadurch eine heimische Industrie schädigt, ohne daß dieselbe, eben durch diesen hoben Soll gehindert, sich zu revanchiren im Stande wäre. ' x
Aandei und Verkehr.
. Fr an kfur t, 20. December. lMarktbericht. > Der heutige Heu- und Strvhmarkt war sehr gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Gentner JL 2.50-4, Stroh JC. 2.50—3.00 Butter das Pfund hn Großen 1. Qual, at 1.10-0.0, 2. Qual .M. 1, im Detail das Pfund Ner das Hundert JL 6.00—8.80. Ganze Erbsen bas ^fob'£8r;32 geschalte Erbsen 32—38 H, Bohnen 27—30^, Linsen 34—50 H Weißkraut das Stuck 10-12,3, 100 Stück - JL, Rothkraut, 1 Stück 15-20 3 Kohlrabi 10-15 «0^^1^ 6—10 3, Blumenkohl 1 Stück — Wirsing 8-12 3, Kartoffeln 100 Kilo JL 6^- 7.00, Zwiebeln 25 Bund - jtL, Merrettige Stück — 1 Stück -3. Ochsensiettch
p» Pkund 65-70 3, Rindfleisch 50-60 3, Kuhfletsch 50-60 3, Kalbfleisch 48-55 3, Hammelfleisch 40—60 Schweinefleisch 65—70 3, ein Hahn <X 0.90—1.50, ein Huhn JL. 1 -2, eine Ente JL 2.50-0.00, Gans da« Pfund 70 eine Taubc 45—50
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