Absicht, die Schankstätten erheblich höher zu besteuern, werde practlsch bethätigt werden, sobald die Reichssteuerreform ab-
„Nordd. Allg. Ztg." zufolge hat das Reichsgesundheitsamt in
Gewerbesteuer, schieden. Die preußischerseits geschlossen sei.
— Der
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 20. Januar. Durch eine im „Retchsanzeiger" veröffentlichte
Bekanntmachung wird der Elsaß-Lothringische Landesausschuß aus den 23. Jan.
Folge der Fortdauer der Pest-Erkrankungen in Südrußland die Maßregeln in Vorbereitung genommen, welche 6ei weiterem Vorrücken der Seuche zur Ab Wendung der Gefahr von den Grenzen erforderlich sind. Um diesen Mrß- regeln durch gemeinsames Vorgehen mit Oesterreich die möglichste Wirksamkeit zu sichern, habe sich im Auftrage des Reichskanzlers der Geh. Regterungsrath Finkelsburg nach Wien begeben, wo er die erforderlichen Verabredungen mit den österreichischen Sanitätsbehörden treffen wird.
Pesth, 20. Januar. Unterhaus. Apponyi meldet eine Interpellation an, ob der publtcirte Entwurf eines Organisattons- und Verwaltungs-Statutes für Bosnien und die Herzegowina authentisch sei und ob die Regierung die erwähnte oder eine andere Verwaltungs-Organisation ohne Rücksicht auf die gesetzgebenden Organe sestzuftellen und einzusühren gedenke. — Stmonyi in- terpellirt wegen der orientalischen Pest. TiSza erwidert, die Regierung werde die nothwendigen Maßregeln ergreifen, um das Uebel von den Landesgrenzen fernzuhalten. — Der Handelsminister legt den Handelsvertrag mit Italien vor.
Bern, 20. Januar. Die Gotthardbahn-Subvention ist mit überwältigender Majorität angenommen; dagegen stimmten nur die Cantone Waadt und Graubünden.
— Für die Gotthardbahn - Subvention sind im Ganzen circa 263,000 und gegen dieselbe circa 107,000 Stimmen abgegeben worden.
Frankreich.
Paris, 17. Januar. Das Amtsblatt bringt heute die Mittheilung, daß ein präsidentschaftliches Decret 2245 Mai'Aufständischen ihre Strafe er- leffen hat. Eine wettere Mittheilung des Amtsblattes über die Sache besagt, daß von den 4023 Aufständischen, die vom Kriegsgericht zur Deportation oder Zwangsarbeit verurtheilt worden, nach Ausführung des Decrets vom 15. d. noch 1067 Verurtheilte in Neu-Caledonien bleiben werden, nämlich 891, denen bis jetzt noch keine Strafmilderung bewilligt worden, und 176, die unter der Bedingung begnadigt sind, daß sie ihren Aufenthalt in der Colonie nehmen, weil man ihre Rückkehr nach Frankreich für gefährlich bält. Von betten, welche das Decret vom 15. d. begnadigt, waren verurtheilt 69 zu Zwangs- arbeit, 12 zu Zuchthausstrafe, 258 zur Deportation in einen befestigten Ort, 1164 zur einfachen Deportation, 400 zur Gefangenschaft, 17 zu einfachem Ge- fängntß, 41 zur Verbannung, 264 zur I ternirung; die Strafe von 19 Ver- urtheilten wurde in einfache Deportation umgewandelt.
Amerika.
New-Aork, 15. Januar. Die Indianer, die jüngst auö dem Fort Robinson geflüchtet waren und einen zeitweiligen Schlupfwinkel in den Black Buffs gesunden hatten, sind dort während mehrerer Tage von den verfolgenden Bundestruppen belagert worden. Schließlich schaffte man sogar Ka "vnen herbei; trotzdem sind 28 Indianer entwischt, 70 wurden abermals gefangen genommen und der Rest getödtet.
Lokales.
Gießen, 21. Januar. Veranlaßt durch verdächtige, auf den letzten Brand Bezug habende, Redensarten wurde gestern ein Einwohner von Heuchelheim verhaftet und hierher verbracht.
Vermischtes.
Darmstadt, 20. Januar. Das Großh. Kreisamt Darmstadt hat dem Commandanten der freiwilligen Turner-Feuerwehr Carl Justus die Funktionen eines Feuerwehr- Jnspectors (Beaufsichtigung der Feuerwehren und Löscheinrichtungen) in den Landgemeinden des Kreises Darmstadt übertragen.
Deutz. (Ein gefährlicher Fund.) Kürzlich bemerkte einer der Arbeiter, welche auf dem Köln Mmoener Bahnhöfe in Deutz beschäftigt waren, Kohlen von einem Eisenbahnwagen in Körbe zu schaufeln, in demselben Augenblicke, als er die gehäufte Schaufel in den Korb entleeren wollte, einen sackähnlichen Gegenstand. Nachdem er denselben unter den Kohlen bervorgezogen batte, gewahrte man mir Schrecken, daß es ein mit einer Blechkapsel versehener Sack war,' welcher mehrere Pfund Sprengpulver enthielt, wie solches in den Kohlenbergwerken benutzt wird. Der so gefährliche Fundgegenstand wurde sofort der Bahnbofs-Jnspektion übergeben und von dieser die Untersuchung, auf welche Art und Weise dieser Pulversack unter die Kohlen gerathen, etngelettet. Da dieselben zum Heizen der Lokomotiven bestimmt waren, so ist kaum abzuseben, mit welch gräßlichem Eisenbahnunglück das neue Jahr begonnen hätte, wenn man einem Dampfroß — „dieses Pulver eingab." (Verk. Ztg.)
— Mit dem Nachlaß des Prinzen Heinrich der Niederlande beschäftigt sich jetzt auch die ausländische Presse in eingehendster Weise. So bemerkt ein Wiener Blatt, daß Prinz Heinrich einer der reichsten Fürsten unseres Weltthetls gewesen sei, und seine Gattin Prinzessin Marie — zwar eine Prinzen-Tochter, aber doch in pekuniär nicht gerade verhältniß- mäßig sehr glänzenden Umständen — dadurch vermuthlich eine der reichsten Wittwen deS Kontinents werven dürfte. Der Heiraths-Konrrakt, dessen Bestimmungen seiner Zeit natürlich geheim geblieben waren, jetzt aber nach dem Tove des Prinzen kaum werden geheim gehalten werden können, soll bestimmen, daß ihr ein sehr großer Theil des Vermögens des Prinzen zufällt. Die Hinterlassenschaft aber ist eine außerordentlich bedeutende. So besaß der Prinz eine Silber-Mine in Amerika, die ihm jährlich eine fürstliche Revenue abwarf, die seinen Gebrauch vollständig deckte. Er hinterläßt große Summen an holländischen und russischen Staats- papieren, ferner 'bedeutende Beträge in Aktien von holländischen Schifffahrts- und Bank-Unternehmungen und endlich neunundneunzig Güter und städtische Grundstücke in £oUanb — neunundneunzig, denn hundert und mein: zu besitzen gestattet ein altes holländisches Gesetz nur dem König der Ntev-rlande. Welchen Theil von all den Schätzen dieser Welt die Prinzessin Marie erben wird, mag dahin gestellt bleiben. Die Familie des Prinzen Friedrich Karl von Preußen aber, so meint das österreichische Blatt, erlebt bas merkwürdige Schicksal, im Zeitraum von einem Jahre zwei Töchter verheirathet, eine Tochter verlobt zu haben und nun bereits eine Tochter verwittwet zu sehen.
— Der „Germania" zufolge gibt es zur Zeit 10,033 Jesuiten, darunter 4660 Priester.
Vilbel, 19. Januar. In Okarben hat die Nidda zwei weitere Opfer gefordert. Vater und Sohn wurden vermißt; nachdem man das Handwerkszeug des Letzteren am Ufer des Flusses gefunden batte, wurde gestern der Leichnam des Unglücklichen aus den Fluthen gezogen. Wahrscheinlich hat der Sobn dem vorher ins Wasser gerathenen Vater zu Hilfe eilen wollen und hierbei sein Leben ebenfalls lassen müssen. (Die Ertrunkenen waren zwei Metzger, £ ater und Sohn, aus Großkarben.)
Während des Unterrichts in der Fortbildungsschule in Kleinkarben wurde ein Knistern an den Wänden des Saales hörbar; die unternommene Jagd auf Mäuse lieferte zwar keine Ausbeute, dagegen wurde entdeckt, daß im oberen Raum durch die dort aufgehäufte Asche sich die Balken entzündet hatten. Also — Vorsicht. (D- N.)
Essen, 16 Januar. Das städtische Gas- und Wasserwerk macht bekannt, daß der Gaspreis vom 1 Januar ab von 18 H auf 15 H für den Cubikmeter unter Beibehaltung der bisherigen Rabattsätze herabgesetzt worden ist.
als Beschützer der Freiheit, indem es den Antrag gestellt hat, Preußen möge ferne Vertreter bei dem Bundesrathe instruiren gegen das Reichsrags-Dis- ciplinargesetz zu stimmen. Von hoher Bedeutung ist ferner die Abfertigung, welche der Cultusminifter Falk in anderchalbstündiger Rede den Ultramontanen zu Theil werden ließ. Der Minister rechtfertigte glänzend die erziehlichen Grundsätze seiner Thätigkeit aus dem Gebiete deö öffentlichen Unterrichts.
— In Oesterreich haben die Debatten über den Berliner Vertrag und den Handelsvertrag mit Italien im Abgeordnetenhause begonnen. Das gegenwärtige Ministerium vertritt diese Verträge noch und tritt bann zurück. Ueber ferne Nachfolger gehen bie Muthmaßungen noch sehr weit auseinander.
— Die langjährigen Streitigkeiten zwischen der Schweiz und dem Vatikan stehen auf dem Punkte, erledigt zu werben. Es hanbelt sich hauptsächlich um eine Verständigung mit ben Bischöfen in Basel unb Genf. Der Friedensstifter ist Leo XIII. unb, wenn es auf bes neuen Papstes biplomatische Begabung allein ankäme, würbe auch ber kirchliche Friebe mit Deutschland bald geschloffen sein.
— Aus der Türkei werben große Ueberschwemmungen burch bas Austreten der Maritza gemeldet. Nach den neuesten Nachrichten soll Adrianopel von den Russen sofort geräumt unb bas Hauptquartier nach Barna verlegt werden.
Stettin, 18. Januar. Aus Melbourne wird unterm 28. November v. Js. von einem Beamten des deutschen Consulats geschrieben: „In der letzten Zeit sind hier eine Menge Deutsche angekommen, um hier, da es zu Hause nach ihren Schilderungen so überaus traurig fein soll, ihr Heil zu versuchen. Die meisten dieser jungen Leute sind Handlungsgehülfen; bie armen Teufel thun mir immer leib, benn es bietet sich hier auch gar keine Aussicht, in chrem Fache ein Unterkommen zu finden Sie werden bald gezwungen fein, als Kellner, Hausknechte, Stiefelputzer rc. ein erbärmliches Dasein zu fristen. Der Arbeitsmarkt ist hier überfüllt. Handwerker können allerdings immer mehr oder weniger lohnende Beschäftigung finden, aber für andere Leute, wie Clerks rc., ist es reiner Selbstmord, nach hier zu kommen. Wir werden täglich überlaufen mit persönlichen Gesuchen um Stellen, unb es thut mir immer i. ber Seele weh, wenn ich ben Leuten so jegliche Aussicht benehmen unb ihnen rathen muß, irgend etwas anderes zu ergreifen, um sich vor dem Verhungern zu schützen." (Osts.-Ztg)
nach Straßburg einberufen.
— Betreffs der im Auftrage des Kaisers erfolgten Einbringung ber Vorlage über die Strafgewalt bes Reichstags in ben Bunbesrath hebt bie „Nordd. Allg. Ztg." hervor, baß tiefer Modus ber Einbringung von Vorlagen beim Bunbesrath bie Regel bilbe unb in weitaus ben meisten Fällen beobachtet sei. — Bezüglich ber Besteuerung ber Branntweinschänken erfährt dasselbe Blatt, man habe sich für eine burch bie Landesregierungen aufzulegende nicht für eine vom Reich ausgehende Branntweinsteuer ent»
Versailles, 20. Januar. Deputirtcnkammer. Senard (gemäßigte Linke) äußrrt ferne Anerkennung über die bisherige Haltung ves Ministeriums, erachtet aber dessen Programm für ungenügend, namentlich bezüglich der Beamten. Dufaure erwidert: er nehme gern die von Senard ausgesprochenen Gesinnungen an. Der Minister werft sodann auf den Anrheil, den er an der Gründung und Befestigung der Republik genommen habe, hin und erklärt, er werve sich künftig strenger hinsichtlich der Beamten zeigen, ohne inveß die für geleistete Dienste gebübrende Anerkennung vorzuentyalten. Madier de Montjau (Radikaler) ergreift das Wort. Der Schluß der Rede Dufaure's wurde von gegen 250 Mitgliedern mit Beifall begleitet. Madier de Montjau und Floquet (Radikale) kritisiren darauf das Programm des Ministeriums. Floquet verlangt den Rücktritt des Cabinets und ein neues Ministerium, welches die Vereinigung der Linken'vertrete. Aus Ersuchen des Ministers des Innern wird die Sitzung auf kurze Zett suspendirt.
Ferry beantragt folgende motivirte Tagesordnung: die Kammer, im Vertrauen auf die Erklärungen des Ministeriums und darauf rechnend, daß das Ministerium im Vollbesitz [feiner Actionsfreiheit nicht zögern wird, den Wünschen der Kammer Genugthuung zu geben, namentlich bezüglich ves Verwaltungs- und Gerichtspersonals, geht zur Tagesordnung über. — Die Regierung erklärt sich mit dieser Tagesordnung einverstanden. Floquet beantragt die einfache Tagesordnung, lieber letztere wird zur Abstimmung geschritten.
Die von Floquet vorgeschlagene einfache Tagesordnung wird mit 222 gegen 168 Stimmen verworfen; gegen dieselbe stimmen die republikanische Linke und das flinke Centrum, für dieselbe die Union republieaine und die äußerste Linke; die Rechte enthält sich der Abstimmung. Daraus wird die von Ferry vorgeschlagenc motivirte Tagesordnung mit 223 gegen 121 Stimmen angenommen.
Petersburg, 20. Jmuar. Verschiedene Zeitungen durchläuft die Nach licht, daß nach dem Abzüge der russischen Truppen eine europäische gemischte Occupation Rumel'ens stattfinden falle, wobei vorzugsweise Belgien unb Schweden beteiligt sein und bie Großmächte ein kleines Kontingent stellen würden. In Bezug hieraus wird von unterrichteten Personen mitgetheilt: 1) die Frage der gemischten militärischen Besetzung nick Abzug der russischen Truppen aus Ostrumelien regte Andrnffy zur Zeit des Berliner Congreffes an; 2) die angegebenen Special's (Ziffern und Nitionalität des Eontingents) sind durchweg ohne thatsächliche Unterlage; 3) es fand in der Frage ein Ideenaustausch statt, der nicht zum Abschluß führte; 4) gegenwärtig hat es nicht den Anschein, daß das Project ber g-mischten Occupation zur Ausführung gelangt.
Wien, 20. Jmuar. Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel oom 19. b.: Bei Redact'vn bes russisch-türkischen Friedensvertrages ergaben sich unerwarteter Weise Sch oierigkeiten erheblicher Natur, welche den Abschluß der Verhandlungen und die Unterzeichnung des Vertrages zu ver. zögern drohen; bie russischen Bevollmäch igten bestehen auf Aufnahme eines Artikels in ben Friedensvertrag, der die Pforte zur Durchführung aller im Berliner Vertrag nicht berührten Bestimmungen des Vertrages von San Stefano verpflichtet. Dir türkischen Beoollmächtigten hingegen wollen die Nothwendigkeit dieser neuerlichen Stpulirung nicht anerkennen, indem ste darauf Hinweisen, baß die Pforte die Anerkennung der vom Berliner Vertrag nicht berührten Verpflichtungen aus dem Vertrage von San Stefano nie verweigert habe. Trotzdem hofft man binnen Kurzem eine Verständigung. — M'ckdtar Pascha zeigte der Pforte an, daß er das Dorf Amino bei Arta als Ort des Zusammentretens der türkisch-griechischen Grenzregulirungs-Commisston gewählt habe.
Kalkutta, 20. Januar. (Olsiciell.) Die turkestanischen Truppen sind sehr unzufrieden. Das ganze Hazarch'Reiterregiment ist aus Kabul de- fertirt. Die Mangals sammeln sich wieder an. Der Achakzais-Stamm hat seine Unterwerfung ang-zeigt. Die Bergstämme bereiten einen neuen Angriff auf Tank vor; dieser Poften ist verstärkt.


