Ausgabe 
21.12.1879 Erstes Blatt
 
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Nr. 28L. Erstes Blatr. Sonntag den 21. December iss$5,

Abriße- md A«!Ä fir dei Kreis Gießen.

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Amtlicher tzhei L

Gießen, den 19. December 1879.

Betreffend: Die standesamtlichen Formularien.

An die Herren Standesbeamten des Amtsgerichts-Bezirks Gießen.

Ich ersuche Sie, die dahier eingetroffenen Formularien für das Jahr 1880 von Montag den 21. bis Mittwoch den 24. December bei mir abhole» zu lassen. Die Gerichtsschreiberer Großherzoglichey' Attsgertchts.

____________________ _____________ R euning.*'

politischer H heil.

Kerttschlaud.

Berlin, 17. December. DerKreuz-Zeitung" wird unterm 18. ds. aus Potsdam in folgender Weise über den schon erwähnten Unfall berichtet: Se. König!. Hoheit der Prinz Wilhelm hat gestern nach einer Schlittenfahrt Lei einem Tanzvergnügen im Regimentshause des 1. Garde-Regiments zu Fuß sich eine Kniesche.be ausgefallen. Der Geheimrath Wilms ist aus Berlin hierher berufen worden.

Berlin, 17. December. Eine Anzahl schlesischer Abgeordneten der nationalliberalen und freiconservativen Partei trat zu einer Berathung in Sachen des oberschlesischen Nothstandes zusammen, um sich über diejenigen Maßnahmen schlüssig zu machen, welche zu ergreifen wären, damit die Regie­rung auch ihrerseits zur Abhülfe des Nothstandes beiträgt. Es wird von dem Anträge auf Einbringung einer Interpellation vorläufig Abstand genom­men, weil ein Abgeordneter versicherte, daß er in seiner Unterredung mit einem der Minister die positive Zusage erhalten habe, daß in der nächsten Zett die Regierung selbst mit Vorschlägen an den Landtag berantreten werde. Man glaubte aus dieser Zusage entnehmen zu können, daß die Regierung von dem Landtage einen Credtt von derselben Höhe (3 Mill. Mk.) für allgemeine Nothstandszwecke verlangen werde, wie ihn der oberschlesische Provinzial-Landtag aus seinen Fonds für specielle Bedürfmffe der Nothstandsbezirke volirt hat. Es wurde in der betr. Versammlung von Abgeordneten betont, daß die bewilligten Mittel der Provinzialregterung jedenfalls bis zumWiederzusammentritte des Abge­ordnetenhauses nach den Ferien ansrerchen würden, um die Bedürfniffe des Noth­standes zu decken und daß nach densabgegebenen E'.klärungen des Ministers darauf gerechnet werden kann, daß die Regierung zu diesem Zeitpunkte ihre Vorlage im Hause etngebracht haben wird. Von anderer und namentlich von liberaler Seile glaubt man sich indeffen auf Grund privater Erklärungen eines oder des anderen Mitgliedes des Staatsmin.steriums nicht beruhigen zu dürfen, weil es sich nicht blos um die Höhe der Staatsunterstützung, sondern um die Art der Verwendung, namentlich ;n Bezug auf Fonds für Darlehen handle. Man bestreitet, daß die umfangreichen und langwierigen Dispositionen in solchen Angelegenheiten auf die Z-it nach dem 8. Januar hinausgeschoben roeri-en können, bis das Staatsministrrium und die beiden Häuser des Land­tages sich schlüssig gemacht haben. Wer schnell gibt, der gibt doppelt und es hieße ein unzemgks Vertrauen predigen zu wollen, wenn man gegenüber einem Krankheits- und Hungerherd von 150,000 Menschen nicht rechtzeitig helfend cinschreiten, sondern die Hülfe von bureaukratischen und legislatorischen Er­wägungen abhängig erklären wollte. Gutem Vernehmen nach wird heute Abend in den Fraktions-Versammlungen des Abgeordnetenhauses die Anregung zur Stellung einer Interpellation an die Staarsreg'.erung erfolgen und mög­licher Weise' vor den Ferien (20. t. Mts.) eingebracht werden. Es sollte uns nicht Wunder nehmen, wenn das Centrum, des Schlesien zu seinen stärk­sten Provinzen zählt, den Liberalen einen Vorsprung abgewmnen und mit einer Interpellation ein populäres Capital aus der Nothstandsfrage zu schlagen versuchen würde. Um so mehr dürfte es am Platze sein, wenn eine der beiden liberalen Parteien die Frage wegen der Staatshülfe für Oberschlesien, welche die polnische Fraktion wieder fallen ließ, zur Discussion stellte.

Berlin, 18. Dccbr. Gestern Abend spät ist folgende, von sämmt- lichen Fraktionen des Abgeordnetinhausis unterstützte Interpellation in Betreff des Noihstandes in Oberschlesien eingebracht worden;

Die Unterzeichneten richten an die kömgl. Staatsregierung folgende Fragen: 1) Welche Resultate haben die amtlichen Ermittlungen über den

Umfang des in Oberschlesien eingetreteuen Nothstandes ergrben? 2) Welche Maßregeln hat die königl. Staatsregierung getroffen, um dem Nothstande zu begegnen? 3) Beabsichtigt die königl. Staatsregierung event. mit einer For« derung an die Landesvertretung heranzutretln behufs Beschaffung außerordent­licher Mittel zur Beseitigung des Nothstandes?

! Berlin, den 17. Decbr. 1879.

^rhr. v. Huene. v. Chlapowski (Buk). Graf Clairon d'Hausionville. Stengel. Dr. Miquel. Dr. Virchow.

Kassel, 16. December. Heber die in der vorigen Wocbe in Bulin gefi >rten Vergleichsoerhanvlungen cer kurhessischen Agnaten mit Commisjarieu der preußischen Krone verlautet, daß den vier Agnaten 12,500 Thlr. Rente und einige Schlösier angeboten worden sind, dieses Anerbieten jedoch von ihnen abgeschlagen worden ist. Drei Agnaten beanspruchen eine erheblich höhere

Rente; Prinz Wilhelm von Heffen-Philippsthal-Barchfeld hat durch seinen Commiffar ein für alle Mal erklärt, daß er sich auf eine Rentenabfindung nicht einlassc, sondern eine Capitalsobfindung verlange. Da sich die Verhand­lungen somit zerschlagen haben, wird der Prozeß seinen Fortgang nehmen. Es steht zu erwarten, daß das zweitinstanzliche Erkenntniß, welches die Krone, nebenbei bemerkt, nicht zu fürchten haben soll, bald publicirt werden wird.

Telegraphische Depeschen.

Waguer'S telegr. Correspondenz - Bureaa.

Berlin, 19. Decbr. Die Nachricht, -wonach Oesterreich die deutschen Präpositionen abgelchnt und einen Meistbegünstigungs-Vertrag auf 6 Monate vorgeschlagen haben soll, wird von bestunterrichteter Seite als unbegründet bezeichnet.

Der deutsch-italienische Handels- und Schifffahrts-Vertrag ist auf 1 Jahr, bis Eidr 1880, der deutsch-schweizerische Handelsvertrag vorläufig auf 6 Monate, b's Ende Juni 1880 verlängert.

Münöyeu, 19. Decbr. Der König ernannte den bisherigen Regie- ruugspräsidrnten von Oberbayern, v. Herman, zum Regierungspräsidenten von Mittetsrcwken, den bisherigen Polizeipräsidenten v. Feilitsch zum Regierungs. Präsidenten von Oberbayern und den Regierungsrath Pechmann zum Polizei- director von München.

München, 19. December. Die Session des Landtages wurde durch eine Königl. Botschaft bis zum 31. Januar verlängert. Der Finanzminister brachte folgende Gesetzentwürfe ein: 1) einen Gesetzentwurf, betr. die provi­sorische Steuererhebung im Jahre 1880, 2) einen Gesetzentwurf zur Wahl des nach dem Schluffe der Session einzuberufenden AuSschuffes, 3) einen Ge­setzentwurf, betr. die Behandlung der dicecten Steuern, wobei die Einbringung von Modificationsanträgen unbeschränkt ist, 4) einen Gesetzentwurf, betr. die Abänderunq einiger Bestimmungen der Gewerbe- und Kapitalreuten-Steuer, 5) einen Gesetzentwurf, belr. den Branntweinaufschlag. Riedel beantragt, die letztere Vorlage sofort einem Ausschüsse zu überweisen.

In der heutigen Schlußberathung des Justizetats tadelte Pfarrer Schäffler (ex'.rcm klerikal) die Kostspieligkeit des Nürnberger Zellen-Gefäng- msses ouid) zu sorgfältige Behandlung der Verbrecher. Er wünscht, unter Berufung auf die Brochüre von Mittelstädt, Verschärfung des allzu milden Strafsystems. Juftizminister Fäustle erklärt, das Nürnberger Zellen-Gefängniß gilt als Musteranftalt für ganz Deutschland. Die Regierung verfolge bei Handhabung der Freiheitsstrafen Befferungs-, nicht Abschreckungs-Zwecke. Auch Völk und v. Stauffenbcrg treten Schäfflers Ausführungen entgegen, v. Stauffen­berg bemerkt unter allgemeinem Bravo, daß er Zeit seines Lebens mit aller Energie gegen die Prügelstrafe protestiren werde.

London, 19. Decbr. Meldung desReuter'schen Bureaus" auS Kal­kutta ; General Gough ist am 17. ds. von Jagdallak aufgebrochen und mar- schirt auf Kabul. Die Verbindung mit Gough ist am 18. ds. hergestellt worden. Die dortigen Stämme leisteten keinen ernstlichen Widerstand.

Paris, 19. Decbr. Drr Senat hat, nachdem die Deputirtenkammer ihre früheren Beschlüsse bezüglich des Budgets aufrechterhalten hat, letzteres nunmehr der Fiuanzcommiision überwiesen; die Berathung und Abstimmung im Plenum findet morgen statt. Alsdann erfolgt der Schluß der Session.

London, 19. December. Heute tritt der Cabinetsrath zusammen, um die Situation in Afghanistan zu erörtern. Die Geographische Gesell- sctwft erhalt die Nachricht, daß das Expeditions-TchiffVega" auf der Rück­kehr von der Nordpolfahrt am 16. ds. wohlbehalten in Point de Galle an­gekommen ist.

Madrid, 19. Decbr. Die Kammern vertagen sich nach der Abstim- mung des Senats über das Gesetz in Betreff der Abschaffung der Sclaverei. Der Minister des Innern eitläite auf eine Interpellation, den Kammer-Mit- aluberu der Minorität sei keine Beleidigung zugefügt werten. Dieselben batten besser ^ethan, in die Kammer zu kommen und dort das Verfahre:', der Regierung zur Sprache zu bringen, als der Vertretung der Nation den Rücken zu kihren.

Berlin, 19. December. Abgeordnetenhaus. Nach Erledigung von Petttwnen folgt die Interpellation v. Huene betreffend den Nothstand in Oberschlesien. Der Finanzminister erklärt sich zur sofortigen Beantwortung bereit. v. Huene weijt bet Begründung der Interpellation darauf hin, day sammtliche Parteien dieselbe unterstützt haben und konstatirt, daß der Nothstand in den letzten vier Wochen an Hmrnno g-won.