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Kaufes beschloß in ihrer heutigen ersten Sitzung, vor Erörterung der Garantie- frage auf die materielle Prüfung der Vortage einzugehen. Von Seiten der fortschrittlichen und Centrumsmttglieder der Commission waren hiergegen Be­denken erhoben worden, welche von Seiten der übrigen Mitglieder als richtig anerkannt wurden- Gleichwohl glaubte die Majorität, den praktischen Erwä­gungen das größere Gewicht einräumeu zu sollen, welche sich namentlich darauf stützten, daß die einzelnen Fractionen selbst über die Garanttefragen sich noch nicht hinreichend klar gemacht haben- Von Conservativen war für heute bereits ein Garantie-Entwurf in Aussicht gestellt worden, doch ist derselbe nicht elngebracht worden. Letzteres ist um so mehr bedauerlich, als der con- feivattoe Garantie-Entwurf wohl das Minimum der vom Äbgeordnetenhause zu erhebenden Forderungen dargestelll hätte und damit ein Fingerzeig für das schließliche Ergebniß vorhanden gewesen wäre. Man vermuthet übrigens, daß der conservative Garantie-Entwurf mit der Regierung zuvor vereinbart sein wirdbestellte Arbeit", wie der Kunstausdruck lautet.

Das Präsidium des deutschen Handelstages hat auf die Tagesord­nung der nächsten Ausschußsitzung die Frage gestellt, ob der Handelstag Schritte thun wolle, um zu bewirken, daß die siebente europäische Weltaus­stellung im Jahre 1886 in Berlin abgehalten werde. Neben dem Gedanken einer Weltausstellung ist in der letzten Zeit auch der einer deutsch-österreichi­schen Ausstellung in den Vordergrund getreten.

DieNation.-Liber. Corresp." erhebt am 10. ds. ihre Stimme für die Stellung der Universitäten und für die Freiheit der Wissenschaft,die beide durch Beschlüsse der preußischen Generalsynode mit Vergewaltigung be­droht find." An dem Geburtstage Luther's und Schillerns thue sie dies mit erhöhter Zuversicht, trotz der Ungunst des Augenblicks.Soll man es in Deutschland je vergessen können, daß eine Universität die Wiege der Refor­mation war, daß zwei ausgezeichnete und gelehrte Professoren, Luther und Melanchthon, im tapferen Gebrauch der Freiheit der Wissenschaft an der Spitze dieser Weltbewegung stehen?"' Auf die Synodalbeschlüfle übergehend, sagt das Blatt:Was würde denn die Welt dazu sagen, wenn nach genauer Analogie dieses Vorgangs künftig auch die Besetzung der juristischen, histori­schen und philosophischen Lehrstühle nach dem Votum der jeweiligen Landtags- Majorität sich richten müßte? Sie würde, so vermuthen wir, die so besetzten Lehrstühle nicht mehr als wirklich akademisch gelten lassen, sondern sie würde darin nur noch staatliche Fachschulen (Seminarien) erblicken, nach der Art jener französischen Fachschulen, die mir der Akademie ganz und gar nichts gemein habe», da es sich in ihnen nicht um Pflege der Wissenschaft, sondern um technische Einübung eines staatlich vorgeschriebenen Lehrstoffes handelt. Den unschätzbaren Vorzug der deutschen Universttätsbildung will die kirchliche Gesetzgebung den jungen Theologen thatsächltch verkümmern. Denn darf man sich feiner Täuschung hingeben: wenn die theologischen Fakultäten unter die Botmäßigkeit der wechselnden kirchlichen Majoritäten gestellt werden, so wird man auf preußischen Universitäten die wissenschaftlichen Theologen aussterben sehen; jüngere Talente, die zugleich Charakter haben, werden sich bald gar nicht mehr zu einer Laufbahn entschließen, die ihnen nur die Wahl läßt zwi­schen Zurücksetzung oder Verleugnung der Ueberzeugungen. Dazu kommt das demüthigende Gefühl, daß sie von den Collegen anderer Fakultäten kaum oder gar nicht mehr für gleichstehende unabhängige Pfleger der Wissenschaft ange­sehen werden werden. Ebenso werden die Theologie Studirenden vor ihren Commilitonen und am Ende auch vor sich selbst als die Unfreien erscheinen, welche allein unter den Musensöhnen des goldenen Rechtes der Hochschule entbehren müssen, unbeirrt von den Absichten und Rücksichten des praktischen Lebens, dem Ideale des freien Forschens, selbständigen Prüfens und eigenen E' kennens nachzustrebeu. . . . Von dem uferlosen Meer der Humanität hat der Cultnsminister in der Generalsynode gesprochen, der Conststorial-Prästdent für Brandenburg defiuirte dort die Wissenschaft als eine Sammlung von subjektiven Meinungen, für welche das Strafgesetzbuch die Grenze bilde. Das Urtheil über solche Anschauungen aber hat der Dichter gefällt, wenn er dem Princtp des Bösen die höhnischen Worte in den Mund legt:

Verachte nur Vernunft und Wissenschaft, Des Menschen allerhöchste Kraft."

Arankreich.

Paris, 16. Noobr. Gestern Abend fanden hier zwei deutsche Feste statt. Der deutsche Turnverein feierte den 120. Jahrestag der Geburt Schiller's und der deutsche Quartett-Verein seinen ersten Stiftungstag. Das letztere Fest sand statt in demselben großen Hotel, in welchem bis 1870 die Bälle des deutschen Wohlthätigkeitsoereins gegeben wurden. Seit 1870 war das Fest des Quarteit-Ver-eins das erste in Paris, bet welchem die Mitglieder der deutschen und österreichischen Colonie vereint auftraten. Fürst Hohenlohe mit der ganzen deutichen Botschaft und Graf Beust mit mehreren Mitgliedern der österreichischen Bor schäft und desgleichen Kern, der schweizerische Gesandte, nahmen an dem Feste Theil. Das Fest bestand aus Concert, Ball und Abend­essen ; eS nahm einen glänzenden Verlauf und endete erst um 6 Uhr Morgens. Man darf in chm ein vollgültiges Zeugniß sehen, daß, soweit von dem die diesige Color ie beselenden Geiste die Rede, das deutsch-österreichische Bündniß kein leeres Wort ist. Das Fest des Turnvereins war nicht mmder glänzend; es wurden fast ausschließlich Schiller'sche Dichtungen zum Vortrag gebracht.

(Köln. Ztg.)

England.

London, 18. Novbr. DemReuter'schen Bureau" wird aus Kon­stantinopel von heute telegraphirt: Der Sultan ernannte General Baker zu seinem Vertreter bei Überwachung der Einführung der Reformen in ganz Kleinasien. Baker reist binnen einer Woche auf seinen Posten ab.

Telegraphische Depeschen.

Wagnrr'S telegr. Correspondenr»Bureau.

Berlin, 19. Novbr. DerReichs-Anz." schreibt: Bet Besprechung unseres gestrigen Artikels über die von dem Aeltesten-Collegium der Berliner Kaufmannschaft abgegebene Erklärung äußert die heutigeBerl. Börsen-Ztg.", daß jener Artikel als Antwort des Ministers Maybach zu betrachten sei. Diese Annahme ist unrichtig. Der Artikel stammt zwar aus amtlicher Quelle; diese ist jedoch nicht im Ministerium der öffentlichen Arbeiten zu suchen. Ebenso hinfällig wie jene Vermuthung selbst sind die Folgerungen, welche die Börsen-Ztg." daran knüpft.

München 19. November. Abgeordnetenkammer. Der Präsident verliest eine Botschaft des Königs in Betreff der Verlängerung der Session bis zum 3t. December. Die Interpellation L-wels rangen Mißhandlung von Soldaten beantwortet der Kriegs- Minister dahin, daß ihm gegen den Wahrspeuch der Geschworenen und gegen Frei­sprechung feine Maßregeln zustehen. Er bedauert die Vorkommnisse und betont, daß solchen Ueberschi eitungen des Gesetzes möglichst oorgedeugt werde, aber deren Ver­hinderung sei unmöglich. L-chels' Bemerkung, daß solche Überschreitungen der bayerischen Armee eigenartig seien, müsse er zurückweisen. In Folge verschiedener Nachweisungen bei dem Etat der Oeconomien und G'werbe motivirt L>chels in längerer Rede den Antrag, der PositionMiethertrag aus Gebäuden" die Anerkennung zu ver­sagen. Der Minister des Innern erklärt, hierfür die vollste Verantwortlichkeit zu über­nehmen. Die Frage sei eine sachliche und principieUe. Die Behandlung der Minister in der Wohnungsfrage sei ungleich und unbillig und deßhalb dem König vorgetragen worden, welcher befohlen habe, daß für die Wohnung eines Ministers keine Ent­schädigung zu zahlen sei. Dieselben Vorgänge seien seit 60 Jahren vor den Augen der Landesvertretung anstandlos vorgekommen. Die Regierung sei laut Verordnung vom Jahre 1854 berechtigt, einzelnen Kategorien von Staatsdienern Freiwohnungen zu ge­währen. Diese Verordnung sei nie beanstandet worden. Der Minister habe den König, zufolge der letzten Vorgänge, gebeten, ihn unter Wahrung seines principieüen Rechtes von der Vergünstigung der Freiwohnung zu entheben. Der Bescheid habe ge­lautet, daß die getroffene Aenderung verbleibe. Nach längerer Debatte zieht Schels seinen Antrag zurück, worauf die verschiedenen Etatspositionen genehmigt werden. Morgen gelangt der Antrag, die Classen-Lotterie betreffend, zur Berathung.

Paris, 19. Novbr. Finanz.ni.uster S iy hat dem Staatsrathe einen Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des Decrets von 1855 über die Zulassung ausländischer Werthe zur Börsennotirung. vorgelegt; danach würde künftig nicht die Regierung diese Zulassung aussprechen, sondern den Wechselmaklern würde die Bcfugniß zu derselben übertragen.

Rom, 19. Novbr. Deputirtenkammer. Mehrere Interpellationen sind angemeldet. Cairoli zeigt an, daß das Ministerium seine Entlassung einge­reicht und der König Cairoli mit der Neubildung des Cabinets beauftragt habe. Letzterer ersucht die Kammer, ihre Sitzungen bis zum 37. November zu vertagen.

London, 19. November. DieTim's" meldet aus Konstantinopel von gestern: Es ist Grund vorhanden zu glauben, daß die russische R gie- rung dem Sultan empfohlen hahe, die Reformen unverzüglich auszuführen, zum Zwecke der Vermeidung ernster europäischer Verwickelungen.

Brüssel, 19. Nwbr. Unter der der Kammer vorgelegten Carrelpon- denz befindet sich eine Depesche des belgischen Geschäftsträgers bei der Curie vom 17. März 1879, woraus heroorgeht, daß der Cardinal-Staatssecretär Nina anfangs erklärte, die Bischöfe seien unabhängig, der Papst könne d.«sel­be» nur in Ausnahmefällen Bemerkungen machen. Es könne keine Interven­tion des Papstes stattfinden, wo es sich um Colleetioschritte des Episcopats gegen das Gesetz handele, dessen Folgen der Kirche höhst nichtheilig sein könnten. Später sei Nna, Dank den Rathschlägen des Papstes, von seiner ersten Auffassung zurückgekommen und hibe die Nothwendigkeil des Vor­gehens des heiligen Stuhles anerkannt, um die Geister zu beruhigen und den­selben Mäßigung einzuflößen; nur über den Modus des Vorgehens sei Nma noch unentidneben gewesen.

Berlin, 19. November. Die von Wiener Blättern aus Rom gebrachte Meldung, wonach der Nuntius Jacobini dem Papste die glückliche Beendigung der mit Deutschland geführten Verhandlungen angezeigt hätte, wird von der Germania" als auf Sensation berechnet und unrichtig bezeichnet.

DerReichsanzeiger" pnblicirt die Ernennung des Geh. Oberjustiz­raths Oehlsckläger zum General-Auditeur der Armee und des Unter-Staats- secretärs v. Schelling zum Staatssecretär im Reichsjustizamte.

Lokales.

Gießen, 20. November. Eine Frau von Garbenteich, welche gestern in einem Laden in der Neustadt ein Shawltuch annectiren wollte, dies jedoch ungeschickt anfing, wurde dabei vom Ladeninhaber ertappt und der Polizei Übergeben, welche sie nach der Bachgasse verbrachte.

Vor einem Laden in der Bismarckstraße ist gestern Abend ein Fäßchen Bier gestohlen worden.

Gestern Mittag wurde in einer Wirtschaft der Wallthorstraße eine luftige Keilerei ausgefochten.

Vermischtes.

Frankfurt, 16. November. Das Comite des fünften allgemeinen deutschen Turn­festes hat bereits einen Aufruf an die Bewohner unserer Stabt erlassen und aufgeforoert, sich durch namhafte Zeichnungen an dem zu bildenden Garantiefonds beteiligen zu wollen. Bis heute beziffert sich die Höhe desselben bereits auf 60,000 X, so daß es nicht schwer fallen durfte, ihn auf Die Höhe von über luu 000 zu bringen. Verschiedene Commissionen, z B. die Turn-Commission, die Platz Commission, die Bau-Commission, die Finanz-Commission u. f. w. haben ihre Tbätigkeit schon begonnen. Als Festplatz ist jetzt ziemlich bestimmt das große Ge^ lande des Herrn v. Rothschild am Affensteiner Felsenkeller in einiger Entfernung vom Eichen Heimer Thor in Aussicht genommen, das dem Comite wohl unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden dürfte. Es ist höchst erfreulich, daß die Bürgerschaft, worunter die ersten Männer, Alles aufbieten wird, damit das Fest ein wohlgelungenes werde.

Eine heitere Soldatengeschichte wird in der LeipzigerV-Ztg." erzählt: Seit einigen Jahren ist bei einigen Waffengattungen des deutschen Heeres die Anordnung getroffen, daß jeder Rekrut eine kurze Lebensbeschreibung eigenhändig und ohne fremde Hülfe unfertigen und bei seinem Hauptmann ober Rittmeister einzureichen hat. In den Lebensabussen Der wenig mit schriftlichen Arbeiten vertrauten Leute kommen natürlich manche beiteten Stellen vor, welche theils wirklich Erlebtes in eigener Art schildern, theils durch merkwürdige Stylfehler auffallen. Unter Anderem schrieb ein junger Rekrut ungefähr Folgendes:Nachdem meine Lehre alle war, gink ich nach Amerika, wos for mich Arbeet genunk gab, bis se mich bei die Suldaten holden." Der Compagnie-Chef fragt den Mann:Sie sind in Amerika gewesen?" Soldat: Zu Befehl, Herr Hauptmann." Hauptmann:Hatten Sie denn behördliche Genehmigung?" Soldat:In Amerika han se mer nischt darüber gesaht." Hauptmann:Ach, ich meine, ob sie Urlaub von hier hatten?" Soldat:Nee, Herr Hauptmann, abber" Hauptmann: Mit welchem Schiff sind Sie denn dann hinübergekommen?" Soldat:Nee, mel Herr Haupt« mann, mit gar Fernen, von Wortzen bis Penig bin ich geloofcn, un von Penig kusts mit der Eisenbahn een Neigroschen." Der Rekrut meinte das Fabrikoorf Amerika bei Penig._______

Under und Derkedr.

Gießen, 20. November. Auf dem am 18. und 19. d. M. abgehaltenen Markte waren aufgetrieben 595 Stück Rindvieh und 464 Stück Schweine, die Preise stellten sich höher als auf dem letzten Markte, gutes und schönes Vieh sehr gesucht, und war am ersten Tage bis Mittag 12 Uhr alles Vieh schon abgetrieben. Nächster Markt Dienstag den 2. und Mittwoch den 3. December d. I., am letzteren Tage Krämer­markt (letzter in 1879).

Frankfurt, 19. November. (Marktbericht i Der heutige Heu- und Strohmarkt war ziemlich befaßten. Heu kostete je nach Qualität der Centner X 2.50 -4, Stroh j( 2.503.00. Butter das Pfund im Großen 1. Qual. X 0.90, 2. Qual. X 0.80, im Detail 1. Qual. X 1.2000, 2. Qual. «X I W00. Eier das Hundert deutsche X 6.80 bis 8.40, ital X > 00. Ganze Erbsen das Pfd. 2832 geschälte Erbsen 3036 Bohnen 242* Linsen 3450 H Weißkraut das Stück 100 Stück 57 X, Rothkraut,

1 Stück 1025H Kohlrabi Kohlkraut 3 4 Blumenkohl 1 Stück 2070 Wirsing 412.9), Kartoffeln 100 Kilo X 7 8, Zwiebeln 25 Bund - X. Merrettige 100Stuck 14 X, 1 Smck H. Ochsenstency per Pfund 65 70 Rindfleisch 6000 H, Kuh- fleisch 6000 H, Kalbfleisch 50 55 Stier- und Farrenfleisch Hammelfleisch 45-65 H, Schweinefleisch 6070 H, ein Hahn X 1 1.70, ein Huhn X 0.70-1.50, eine Ente X 1.301 50, eine Gans X 4.509, eine Taube, 3545 H, Aepfel 100 St. X-