Ausgabe 
21.9.1879 Zweites Blatt
 
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Nach Schluß der Debatte kam noch eine schriftliche Erklärung des in der Sitzung als Gast anwesenden Herrn Dr. Gilbert-London, dessen Pointe jedoch durchaus un­klar war, sowie ein Schreiben des Antiv'viscctionsvereins in London, welcher den deutschen Vereinen ein Spionir- und Denunciationssystem gegen die Vivisectwn empfiehlt, zur Verlesung, welche einfach ad acta genommen wurden.

ES folgte hierauf die Abstimmung zuerst über Pos. 2 a. b. c. des Compromiß- antrages, welche einstimmig angenommen wurde.

Bei der Abstimmung über Pos. 1 dieses Antrages wurde zugleich über die Pos. 1 der Antrages Zürn votirt, indem alle Diejenigen mitja* stimmten, welche für den Compromißantraa waren, mitnein", welche dem Anträge Zürn zustimmten.

Auf Antrag Dr. Sch äfer's-Darmstadt wurde hierbei namentlich abgestimmt und ergaben sich bei dem Aufrufe der einzelnen Vereine 57 Stimmen für den Antrag der Commission, 28 Stimmen für den Antray Zürn, womit letzterer fiel.

Nachdem nun noch daS Bureau mit der Einreichung einer Eingabe, deren Motivirung den beiden Referenten übertragen wurde, an die Regierung beauftragt worden war, wurde auf Antrag Dr. Sch aefer's-Darmstadt die Berathung der beiden noch nicht erledigten Punkte der Tagesordnung zunächst der freien Besprechung am Abend überwiesen.

Einem Anträge des Schuldirectors Callin-Hannover, dem Reichseisenbahnamt die Einführung des von ihm im Modell gestern vorgezeigten Hundebehälters für Eisen­bahnwagen von Seiten des Congresses zu empfehlen, wurde ohne Discussion zu­gestimmt.

Nachdem hiermit die Tagesordnung erledigt war, schloß der Vorsitzende Mar- quart die amtliche Arbeit des 1. deutschen Thierschutz-Congresses mit Worten der Anerkennung für die Thätigkeit der Mitglieder und hoher Befriedigung für die vollendeten Arbeiten desselben, indem er dem Wunsche AuSvruck gab, daß in allen Vereinen auf Grund der gefaßten Beschlüsse die friedliche Arbeit des Thierschutzes energisch weiter gefördert werden möge.

Der Nachmittag war der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Gothas gewidmet, von welchen namentlich das Herzogliche Museum mit seinen reichhaltigen historischen, naturwissenschaftlichen, ethnographischen und Gemälde-Sammlungen und der Leichen- verbrennungSofen auf dem Friedhöfe, welchen Herr Bürgermeister Hünersdorf die Freundlichkeit hatte, den Congreßmitgliedern eingehend zu zeigen und zu erklären, her­vorzuheben sind.

Für den Abend war noch eine freie Besprechung über thierschützerische Avgelegen- heiten vorgesehen, an welcher jedoch nur verhältnißmäßig wenig Abgeordnete Theil nahmen, da eineStheils schon am Abend eine Anzahl derselben wieder in die Heimath zurückgekehrt war, eine andere, von den Anstrengungen beider Tage ermüdet, sich zurück­gezogen hatte, oder drittens bei Frau v. Schwarz (Elpis Melena) hinter einer Tasse Thee die Gründung eines internationalen Vereins gegen Vivisection berieth. Es wurde deßhalb auch keiner der noch zu berathcnden beiden Gegenstände der Tagesordnung besprochen, sondern die Organisationsirage eingehend erörtert und die Kooptation ge­eigneter Persönlichkeiten zu der eingesetzten Commission vorgenommen.

So verfloß der rweite Tag des 1. deutschen Thierschutz-Congresses.

Betrachten wir oie Thätigkeit der Delegirten und den Erfolg derselben, so können wir mit Stolz auf den Congreß zurückblicken. Mit Ernst und Eifer war Jeder be­fleißigt, alles Ueberflüssige aus den Verhandlungen wegzulassen und ein gedeihliches Resultat zu erreichen. Entgegen dem auf internationalen Kongressen meistens herrschen­den Brauche waren alle Fragen gründlich durch eingehende Referate, welche dieselben von allen Setten beleuchteten, zur Berathung vorbereitet, und dienten als Grundlage wohlerwogener Anttäge. Da war nichts von hohlem Wortgeklinyel und Phrasen zu hören, sondern zu ernster That hatten sich ernste Männer vereinigt, um das Veste zu erstreben. Nicht in Form leerer Wünsche waren die Beschlüsse des Kongresses gefaßt, sondern als genaue Vorschriften für das Vorgehen der Vereine, welche geeignet sind, als Richtschnur für die Thätigkeit derselben zu dienen. So sehen wir also als einen günstigen, beftiedigenden Erfolg des Konyresses, daß die deutschen Vereine einen Schritt weiter auf dem Wege des praktischen Wirkens gethan, indem sie wesentlich praktische Tagesfragen beriethen und in einer Weise erörterten, daß sich daraus ein positives Resultat und nicht unfruchtbare Resolutionen, wie solche auf den internationalen Kongressen meist gefaßt wurden, ergaben. Aber noch einen weiteren Vortheil hatte diese Zusammenkunft in Gotha. Die hervorragendsten Gesimrungsgenoffen aus Deutsch­land trafen dort zusammen und lernten sich persönlich kennen, wodurch ein erleichterter Meinung?- und Ideenaustausch erzielt wurde und Gelegenheit gegeben war zu so- forttgen Aufklärungen und Belehrungen über so mancherlei Verhältnisse und Eigen- thümlichkeiten der einzelnen Vereine und Verbände.

Mochte dieser Kongreß aber nun auch Veranlassung zu immer weiterer Ausbreitung der Thierschutzidee und der sie verfechtenden Vereine, deren eigenthümlicher Vorzug es ist, daß sie von einem ^pecifisch humanen Zug erfüllt und getragen werden, daß sie weder durch confessionelle noch politische oder sociale Rücksichten und Verhältnisse ge­bunden sind, Veranlassung geben. Während sie den Schutz der Thiere auf ihre Fahne schreiben, arbeiten sie mit Eifer und Erfolg an der fortschreitenden Kioilisation und höheren Gesittung des Menschengeschlechts. Möchten darum ihre Bestrebungen in den weitesten Kreisen des Volkes immer größeren Anklang und lebendigeres Verständniß finden, möchte in unserem Vaterlande jeder wohlmeinende deutsche Mann, jede warm empfindende deutsche Frau denselben werkthätige Unterstützung und Forderung nach besten Kräften zu Theil werden lassen, in Beherzigung der schönen Mahnung unseres größten Dichters: Edel sei der Mensch, hülfreich und gut, denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen.________________________

Vermischtes.

Frankfurt, 15. Septbr. Die hiesige Stadtverordnetenversammlung fordert durch Bekanntmachung zu Bewerbungen um die Aemter des ersten und zweiten Bürgermeisters und zweier besoldeter Stadträthe auf. Die Jahresgehalte betragen für den ersten Bürgermeister 12,000 JL, für den zweiten Bürgermeister 8400 jK, für die Stadträthe muOO JL Außerdem beziehen der erste Bürgermeister 3000 und der zweite Bürgermeister 1000 JL Funkttons- zulagen, welche bei Bemeffung der Ruhegehalte nicht in Anrechnung kommen. Die Amtsdauer beträgt vom 27. Februar 1880 ab zwölf Jahre.

Nordenstadt, 15. September. Ein gräßliches Unglück ereignete sich am verfloffenen Freitag dahier. Der 14jährige Sohn des Georg Deul fiel bei einem Sprung von einer Mauer in einen Wcinbergspfahl; derselbe drang ihm in den Unterleib und veranlaßte noch an dem» selben Tage den Tod des jungen Mannes. Die Leiche des Unglücklichen wurde gestern unter zahlreicher Bethetligung zur Erde bestattet.

Ein amerikanisches Journal bringt folgendes Inserat:Gesucht wird ein Redacteur, der es einem Jeden recht zu machen versteht, auch ein Setzer, der daS Papier so arrangiren kann, daß das Inserat eines jeden Einzelnen an die Spitze des Blattes zu stehen kommt."

Paris. (Immer vorsichtig.) Bet einem Zahnarzt erscheint ein Patient und erfährt zu seinem Leidwesen, daß er nur durch Ausziehen des kranken Zahnes von seinen Schmerzen erlöst werden kann.Ader ich fürchte, ich werde es nicht aushalten", jammert der Leidende. Nun", beruhigte ihn der Dentist,so kann ich Sie chloroformtren." Der Patient giebt es zu, zieht aber, während der Arzt seine Vorbereitungen machte, seine Börse hervor.O bitt das Honorar hat Zeit bis nachher."Darum ist es nicht," erwiderte der vorsichtige Patient, ich will nur vor dem Chloroformiren genau nachsehen, wie viel ich bei mir habe."

Man weiß, daß die Schildkröten ein ungemein zähes Leben haben; es werden Bet­spiele cittrt, daß einige dieser Thiere zweihundert Jahre alt geworden sein sollen. Eine inter- esiante Bestätigung dieser Thatsache wird nun aus Florida gemeldet. Im Monat Juli fing ein dortiger Pflanzer in dem Saint-Jean-Flusse eine große Schildkröte, deren Alter gewiß zu 200 Jahren angenommen werden kann. Auf ihrem Rückenpanzer fand man zur allgemeinen Bewunderung folgende Inschrift:Gefangen im Jahre 1700 von Hernando Gomez im Se- bastianfluße; später durch Indianer nach Matanzas und von da in den Großen Wekiwa ge­bracht," Der Große Wekiwa ist der alte Name des Saint-Jean-FlusieS. Ueber bet Inschrift konnte man ganz deutlich das Wappen von Spanien und die Jahreszahl 1700 wahrnehmen. Zu dieser Zeit besaßen die Spanier noch Florida, welches sic erst 1821 an die Vereinigten Staaten abtraten. Nachdem der erwähnte Pflanzer seinen Fund mehreren Personen gezeigt hatte, schenkte er dem Thiere die Freiheit wieder, jedoch nicht ohne vorher zu der alten Jnschr,ft eine neue und die JahreSzahl 1879 hinzugefügt zu haben.

Einer jungen heirathslustigen Wittwe stellten sich zwei junge und bildschöne Herren al8 Freiwerber vor. Sie gefielen der Wittwe beide und nur die Wahl war schwer, bis der eine Freiwerber zu Gunsten des anderen verzichtete. Die angebotenen Cigarren lehnten die jungen Herren lächelnd ab und baten sich einen Kuß aus, der eine alS Bräutigam, der andere für seinen edlen Verzicht und man wurde ziemlich Handelseins Leider wurde doch nichts aus der Partie; denn die Herrchen waren kaum auS dem Hause, so wurden sie als zwei muthwillige Mädchen entpuppt, die sich verkleidet hatten. Die Geschichte soll in Nordhausen passirt sein.

Sehlffaberleht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd W. Dietz in Gießen.

Southampton, 27. Sept. Der Postdampfer Mosel, Capt. H A. F. Neynaber, vom Nord­deutschen Lloyd in Bremen, welcher am 6. d. Mts. von Newyork abgegangen war, ist heute 7 Uhr Morgens wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung 9 Uhr Mittag- die Reise nach Bremen fortgesetzt. Die Mosel überbringt 149 Passagiere und volle Ladung.

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