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v. Forckenbeck und erklärte, da man ihn in dieser Eigenschaft genannt habe, zieme sich für ihn, ein freies Wort zu freien Männern zu sprechen. Selbstverständlich werde jeder der Anwesenden noch ferner die Beschlüsse des Reichstages achten, so hart sie ihn persönlich auch angingen. Aber anderer- ic^ er, da er die Mehrheit nicht mehr hinter sich habe, seines Amtes als Präsident der gesetzgebenden Körperschaft nicht mehr lange walten können. Unter allgemeinem Beifall proclamirte hierauf Ludwig Löwe Herr v. Forcken­beck zum Führer der sich bildenden liberalen Vereinigung, der deutschen Anti- Korn-Liga. Der Ernst des Augenblicks aber zitterte in Aller Gemüther noch lange nach. (®erl. Tagebl.)

«... Lokales.

Ä' flRftt; 2n der gestern Abend von 126 Mitgliedern besuchten General­versammlung der Gewerbebank (bie,elbe zählt im Ganzen 77« Mitglieder) wurden die fünf auszuscheidenden «ufsichtsrathe wiedergewählt und erhielten von 126 abgegebenen ©timmcn die Herren Dr Gutfictsch 117, Adolf Noll 106, Chr Leo 103, Chr. iLchopbach und PH. Walther je 98. Wir werden auf die Verhandlungen selbst noch naher zuruckkommen. 11

Heute Mittag um 12 Uhr fiel der Tonnenwagen deS Herrn Broel hinter der Kirche um und wurde die Gegend durch den nicht gerade nach mille fleur duftenden Inhalt verpestet.

Oesterreich.

Wien, 17. Mai. Die Session des Rcichsraths wurde heut- mit folgender Thron- rede geschlossen: '

Geehrte Herren von beiden Häusern des Reichsraths! Als Ich Sie vor nahezu 6 Jahren zur Erfüllung Ihrer staatsbürgerlichen Pflicht um Meinen Thron ver- sammelte, bezeichnete Ich ^hnen die großen und schwierigen Aufgaben, deren Lösung Sie Hand in Hand mit Meiner Regierung zu unternehmen hatten. Es wurden Ihnen Vorlagen gemacht, welche umfassende Reformen auf den Gebieten des St-uerwcsens der Justizgesetzgcbung und der consessionellen Verhältnisse bezweckten. Im Laufe der Session traten noch andere wichtig-Angelegenheiten hinzu, welche ihr- volle patriotische Hingebung und staatsmännische Einsicht in gleichem Maße in Anspruch nahmen.

Ist nun auch Vieles unvollendet geblieben, so haben doch unter Ihrer Mit­wirkung große und schwierige Aufgaben ihre Lösung gesunden. Sie haben der ein- getretenen Erschütterung der wirthschastlichen Verhältnisse Ihre volle Ausmerksamkeit Mgewendet und waren tm Verein mit Meiner Regierung bemüht, durch eine Reihe von Maßregeln die folgen der über beide Hemisphären verbreiteten Krisis zu mildern War diese auch von ungewöhnlicher Hestigkeit und Dauer, so mehren sich doch endlich d,,e Zeichen der wlederk-hrend-n Belebung der Erwerbsthätigkeit. Mit gerechtem Stolz dürfen d,e Eriolge bezeichnet werden, welche die durch die Kunst veredelte heimische Arbeit auf den Ausstellungen sich zu erringen wußte. Dank dem von Ihnen im Ver­eine mit Meiner Regierung geübten Bestreben zur Ordnung des Staatshaushaltes und Dank der zunehmenden Erkenntniß unserer wirthschasllichcn Krask ist der Kredit des Staates unversehrt erhalten geblieben. Wenn die Verhältnisse eine raschere Ergänzung unseres Verkehrsnetzes auch nicht g-stattet-n, so sind doch durch Ihre Mitwirkung die Voroussetzungen geschaffen worden, um dem Eisenbahnwesen eine neue, den allae- eUI<.n ^",»"d?l^"^^bche>ide Gestaltung zu geben. Der allgemeine Zolltarif hat eine Handelspolitische, den Verhältnissen des Reichs angemessene f-sle Güundlagc ae schaffen von welcher aus die Verkehrsbeziehungen zum Ausland durch eine Reihe von H^stdblsveitragen geregelt werden konnten. Die Ordnung der äußeren Rechisverhält- mf)e der katholischen Kirche Ist ohne Störung des eonsessionellen Friedens auf dem Wege der Gesetzgebung erfolgt.

Durch das Gesetz über den Verwaltungsgerichtshos hat die wichtige Frage der administrativen Justiz ihren wunschenswerthen Abschluß gesunden und ist ein ver­sa,sungsmaßiges Organ zur Sicherung der Rechte der Parteien auch aus diesem Gebiete geschaffen worden Mit patnot, cher Willsährigkeit haben Sie für bie gedeihlichl En- Wickelung der Landwehr und snr die Verbesserung des Looses der dienstunsähig^e- wordenen Angehörigen der bewaffneten Macht gesorgt und durch eine Re onn der Gensdarmerle die öffentliche Sicherheit im Innern gefördert. - Neuerdings spreche 2^ Ihnen meine volle Anerkennung aus für die Mitwirkung an den Vereinbarungen mit den Landern Meiner ungarischen Krone, durch welche zahlreiche Fragen materiellen Interesses inr Geiste gegenseitiger Billigkeit geregelt und die Beziehungen zwischen beiden Th-ilen des Reiches neu gefestigt wurden. - Angesichts der Ereignisse im Orient war e§ -m Gebot der N°thwend,gke,t, die Interessen der Machtstellung und das Ansehen del Monarchie nachdrücklichst zu wahren. Obwohl die zu diesem Zwecke getroffene Matzregeln schwere Opfer mit sich brachten, haben Sie in patriotisch^ SBüibiaunn her eincr R-Si-rung Ihre Unterstützung nicht versagt und es berfdben et t**r b'e Consolidirung ber durch die europäischen Bc- schkuss- geschaffenen Zustande -n, Oriente einzusetze», damit der Friede, der im Interisse aller Machte gelegen ist, erhalten und gesichert werde. n

Qn Es gereicht Mir zur hohen B-stiedignng, uns diesem Ziele nahe zu sehen. Die Monarchie steht, geachtet und machtvoll nach Außen, in freundlichsten Be i-hungen J11 aUen 2Rad)ten, im 3nnern geeinigt und gehoben durch die Gefühle der «aterlands- llebe und treuen, Anhänglichkeit der Bevölkerung für Mich und Mein Haus, wovon Mir erst jungft jo schone und erhebende Beweise geworden sind. Indem ich dasür auch Ihnen, geehrt-Herren von beiden Hausern des R-ichsrathes, als den gesetzlichen $er= bWeibÄ«? w"Ä*en®antnCCrb,nB' aU§fprC(6e erHäre »i7Session

Rußland.

, . 'peteröburg. Aus dem Innern des Reiches laufen fortgesetzt betrü­bende Nachrichten cm. Außer dem Orenburger Unglück wird jetzt noch gemel- det daß die Gebietsstadt Uralsk, welche über 17,500 Einwohner zählt zum großen Theil niedergebrannt ist. Der Militärgouverneur des Gebiets telegra- vbirt über den Brand,Heute, am 29. April, 2 Uhr Nachmittags, hat ein bei starkem Sturm entstandenes Feuer einen bedeutenden Theil von Uralsk zerstört. Die Anstrengungen des Löschcommandos und der Bevölkerung waren nicht im Stande, dem zerstörenden Element Halt zu gebieten, der Brand dauert fort; die Zahl der Abgebrannten festzustellen, ist noch unmöglich. Die Tel-. graphen-Station ist niedergebrannt und die Telegramme werden daher durch Eilboten bis zur nächsten Eisenbahn-Stativn gesandt. Sobald das Feuer ge­löscht ist, berichte ich über die Einzelheiten. Ich treffe nach Möglichkeit Maß- um die Geschädigten unterzubringen und mit Nahrungsmitteln zu ver- sehen. Da nun auch fast gleichzeitig der große Brand in Irbit stattfand, so 2 diese sich so häufig wiederholenden Riesenbrändc

durch Brandst ftung entstanden sind, und es sind deshalb auch in Orenburg S» ^e1°nC^eüba!tet S°rbem Es wäre ja nicht unmöglich, daß die Nihilisten in der Weise den Versuch machen, möglichst viel durch Roth und Elend zur -llerzweiflung gerächte Untcrthanen zu schaffen. Zndeffen gibt es für die Entstehung dieser Feuer auch noch eine andere wahrscheinlichere Erklä- $ruknt6nbel und grobe Fahrlässigkeit. Wie oft allein ist nicht Rischnei-Nowgorod zur Zeit der Meffe durch große Brände heimze- suckt worden, und fast jedesmal war Trunkenheit die unmittelbare Ursache derselben! '

Rumänien.

Bukarest, 17. Mai. In einer gestern stattgehabten Wahlversamm- lung beantragte Costmascu, einer der anerkannten Führer der liberalen Partei folgende Lösung der Judenfrage: Es sollen die Rechte eines rumänischen Bür­gers und volle Gleichberechtigung allen in Rumänien geborenen Israeliten zuerkannt werden, die niemals unter ausländischem Schutze gestanden und sich der Militär-Loosung unterzogen haben. Costinascu erachtet die Betheiliauna an der Milttär-Auöloosung als Option für die rumänische Nationalität. Alle Juden, welche rumänische Untertanen seien, müßten in diese Kategorie gehören. Die übrigen Juden sind fremdländische Untertanen und den allgemeinen Rechts­normen unterworfen. Sie werden demnach, um ihre Naturalisation zu erlan­gen, sich wie alle übrigen Ausländer den vorgeschriebenen Formalitäten unter- 1 Men müssen. Die Versammlung, an der über 2000 Personen theilnahmen, ,

SelegraWsche Depeschen.

Wagner'S relegr. G-rrespoudeuj-Bureau. Geschäfw^us"'bFR^sger?ch^ w°?b in^bdÄraS L u-b-rgang der desgleichen das Uebereinkommen mit Großbritannien betr^ ben^^r^s genehmigt, folgt ber Bericht ber Wahlprüfnngs-Commi üon über die Atabt^^

8. Wahlkreis beS Regierungsbezirks Frauksuri a b D lm

Ungültigkeitserklärung, Geß beantragt dagegen die Wahl für aüItia^iT lrf°r ÖeanSalt l-bhaft-r Debatte wirb ber Antrag Geß tnnamenttXKZ "tlarai. Nach 84 Stimmen abgelehnt. Die Wahl ist somit für ungültig ertlärt 8 9 6e8en

Es folgt nunmehr die erste Berathung des Sverraeienes Minis^n

rechtfertigt die Vorlage unter Hinweis auf die überaus g?? ^Dc:clHatlDnt hS?Lmunn fang die Gesammtwirtung des Zolltarifs zu paralnfuen0 bxob- P

Gefahren auf die Dauer begegnen, so konnte man bei tfntrourf ^li^^t2fü^X einT'beftimmte Dauer erla sen, onbern mußte em Gesetz schaffen welches auch Sr S SmnJ!e Listen konnte Er hoffe das Gesetz 'werde Kimmung f nÄn da L Lu?niL wünschen werde die Beschlüße der zweiten Lefung des Tarifs durch die Sveculatwn ausbeuten zu sehen. Die vorgeschlagenen Aenderungen der Gefchaftsordnuna feien un­abweisbar nothwendig, wenn das Gesetz mit der erforderlichen werden solle. - p, Bennigsen erklärt: L

unannehmbar. Die Wahrnehmung bedrohter siscalifcher ^ntereffen Widerspruch. Indessen würde" man" sich nur

burfnine Rechnung zu tragen, den Entwurf allenfalls für einen Üftomt n ub auf bestimmte Artikel, wie Tabak, zu beschränken' Ohm No h aber Set verfassungsmäßige Gerechtsame. _ Vor drei Wochen sei die naftonal-

liberale Fiaetion bereit gewesen, einem ü.adaks-L>perrgesetz zuzustimmen ,, ber vorgetegte, ,° weitgehenbe Entwurs überall bifgrögi-lleberio chuna b-rvoroe' Die i-tzigen fristen zwischen b-n Lesungen ber Entivuife bis zu bei^n Publckation stim 10 gegriffen, baß ohne Schädigung irgend welcher Interessen Oie Publikation zeitig ge­nug erfolgen könne. Für Tabak,e, bas Sperrgesetz auch jetzt noch notbwenbm unh ?mgegenm®mmeu. |Qm; bi Sract,on heS Redners berat, der Regwrnng

* kappen) findet das Gesetz IN dem geforderten Umfange bedenklich. au kfelnzu ^"gerecht, jedes Mittel, ihr zu begegnen will' kommen, allem an der Hand dieses Gesetzes werde man dies nicht erreichen Mißstände seien gegenüber den geplanten Zollanderungen unvermeidlich. Durch ein Gesetz w^ das ^rlre^ende werde nichts geändert. Ein generelles Gesetz würde den Handel für alle ^danderung der Verfassung, wie sie der Entwurf wolle, werde er nie zustimmen. L-eine Partei habe mit Revisionen der Verfassung und Geschäfts authtrQUn6e (5f»f^lU,I0eJ1r 9em* . Schließlich wünscht Redner com- millarliche Vorbeiathung Vraun (Glogau) spricht gegen die Vorlage und erklärt er sei allenfalls für bie Sperre auf Tabak, jeboch nur g^egen Erlaß ber ^Nachsteuer' Der Entwurf verffotze gegen die Verfassung, indem er die Zollerhebung durch den r?*lCf^ranfcr C^ anorbl!c unb 1,1 dw Autonomie des Reichstages emgreife. Redner erklärt sich schließlich gegen den ganzen Entwurf, vorbehaltlich einer Verständigung über einzelne Speit maßregeln. Juister Hofmann wendet sich gegen einzelne Ausführungen der ^orredner und betont die Rothwendigkeit der raschen Einführung des Zolltarifs, ftors ö .Forderungen der Gesammtheit zurücktretem

Aen empffehlt fedoch commissarische Vorberathung

kämpft die Vlag7? Special-Commif iion von 28 Mitgliedern. - Richter (Hagen- be- rc Harnmacher befürwortet den Entwurf und dessen Verweisung an die Tarifs Commission, eventuell an eine Commission von 14 Mitgliedern. Schröder (Lipv- ttadt) erklärt sich für Commisffonsberathung Hierauf wird die Ueberwelsung der hlrrI>jn(Cffantbie ^t-Commission beschlossen. Bei Fortsetzung der zweiten Lesung bel AEarifvoUage wtrd bie PositionErden, Erze, edle Metalle" unoerändert ge- nehmigt. Zu der PofttionFlachs rc." beantragt v. Ow den Zollsatz von 1 Mark, o. Ludwig ftellt den nämlichen Antrag. Beide Anträge werden abgelehnt und die 11 Uhr" unüeranbert angenommen. Hierauf vertagt sich das Haus auf morgen

Wien, 19. Mai. Meldungen derPolit. Corresp." Aus Konstan- tmopel vom 18. b.: Die Pforte machte den Mächten die officielle Mltthei- lung^ daß das organische Statut für Ostrumelien durch Jrade des Sultans die Sancnon erhielt. Nachdem auch die rujsisch-türkischen Verhandlungen wegen Ueberganges der Verwaltung Ostrumeliens an das neue General-Gouoernement zu einem befriedigenden Abschluffe geführt haben, dürfte Aleko Pascha dem. nächst die Verwaltung übernehmen. General Stolypin ist nach Philippopel ^^^kchrt. Rußland gab Der Pforte die Zusage, Stolypin werde nach v e m-f Philippopel sein Hauptquartier an einen anderen Ort in

ber Nahe der Hauptstadt Ostrumeltens verlegen. Aus Belgrad, 19 d Die Grenz-Commission, welche den französischen Consul Aubaret zum Präsi. deisten wählte, tr«f g-st-m tn Vranja ein. Sobald die serbisch-bulzarische Grrnze f-stgestellt ist, wirb Serbien die zu Bulgarien gehörigen Orte Tern und Breznik räumen. Morgen trifft der türkisch-Gesandt-Sermet ein. Eine serbische Bürgerdeputation ist ihm bis Bastasch entgegengereist. Die Stabt Bel­grad bereitet ihm einen festlichen Empfang.

Paris, 19. Mat. Beim Empfang von Delegtrteu der äußersten Linke« erklärte der Justtzmimster, die Regierung habe beschloffen, Mitglieder der Com­mune nicht zu amnestiren, sondern nur nach dem 5. Juni Rochefort. Ballös, Blanqui und Andere zu begnadigen, welche sonach an der Wohllhat der Am.' nestie nicht werden theilnehmen können.

London, 19. Mat. Meldung desReuter'schen Bureaus" aus Stmla: ^akub Khan stimmte den Unterlagen des Frtedensvertrages zu, wodurch die Hauptpunkte ber britischen Politik betreffs Afghanistan sichergestellt sind.

London, 19. Mat, Abenbs. Unterhaus. Auf Befragen Balfour's theilt Northcoie mit: Der britische Gesandte in Persien ist zurück^etreten, sein Nachfolger ist noch nicht besignirt. Auf eine Anftage von Mills er­klärt Unterstaatssecretär BourkeEnglanb bot Chile und Peru seine guten Dienste an. Northcote theilt ferner mit: Die Friedensgrundlagen mit Jakub Khan sind vereinbart. (Lauter Beifall).

Oberhaus. Auf Anregung Morley's erklärt Salisbury: Die Schrift­stücke betreffs der griechischen Frage mit dem Rundschreiben Waddington'- werden heute vorgelegt.

Berlin, 20. Mat. Reichstag. Der Vicepräsident Lucius theilt ein ^reiben Fo.ckenbeck'ö mit, worin derselbe erklärt, daß er aus Gesundheit-- ruck.tchtkn und wegen des Gegensatzes, tn welchem er sich zur Majorität be­findet, ras Präsidium niederlege. Der Vicepräsident erklärt, nach Erledigung der Dagesordnuna auf diese Frage z'-rückzakommei.