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Mittwoch, den 21. Mai
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Meßmer 'Anzeiger
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Redaelionsbureau r
Expeditionsbureau:
Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Amtlicher Hheit. Bekanntmachung.
Die diesjährige regelmäßige Versammlung des Kreistages wird
Mittwoch den 28. dsv. Mts., Vormittags 11 Uhr,
im Rathhaussaale (alte Realschule) dahier abgehallen.
Tagesordnung:
1) Wahl der Mitglieder zur Regulirung der Einkommensteuer sür 1880.
2) Prüfung der Kretskasserechnung für 1878.
3) Erstattung des Verwaltungsberichtes für 1878.
4) Ausstellung des Voranschlags für 1880.
5) Wahl eines Mitgliedes der Pferdemusterungs - Commission.
6) Wahl eines Mitgliedes des Kreisausschuffes.
7) Wahl eines Mitgliedes des Provinzialtages.
8) Regulirung der Diäten der Mitglieder des Kreisausschuffes.
Gießen, den 17. Mai 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Lehrer-Conferenz
der Conferenz-Bezirke Gießen, Groß-Linden, Lollar: Samstag den 24. Mai, Morgens 10 Uhr, zu Gießen (Cafe Ebel).
Gießen, den 19. Mai 1879. Büchner, Kreisschulinspecwr.
Aotitisch
Die Branntweinsteuer.
Der dem Reichstag vorliegend- Steuertarif will eine höhere Besteuerung des Biers, nicht aber des Branntweins. Jems der Herstellung einer Gleichförmigkeit zwischen Nord- und Süddeutschland zu Liebe, dies nicht, um nicht dem gemeinen Mann ein „nothwendiges Stärkungsmittel" zu vertheuern. Der hausbackene Verstand des nüchternen Theiles des Volkes fragt mehr und mehr verwundert: weshalb nicht lieber eine höhere Besteuerung des Branntweins statt des Bieres? Die Armencommission von Lingen hat eine Petition an den Reichstag gerichtet, in welcher noch mehr Werth auf solche Steuererhöhung, wie aus Verminderung der Schankstätten gelegt wird. Der Magistrat von Minden hat gleichfalls das hohe Haus ersucht, bei der Steuerreform auf eine erhebliche Erhöhung der Branntweinsteuer an erster Stelle Bedacht zu nehmen, um so mehr, da die bisherige in keinem richtigen Verhältnisie mehr zu den gestiegenen Etnkommensverhältntsien stehe, so daß der Verzehr an Branntwein gegen frühere Zeit sehr erleichtert sei und naturgemäß bet dem vielfachen Mangel an moralischem Halt in den unteren Klaffen der Bevölkerung zu übermäßigem Genuffe geführt habe.
Weit bedeutsamer und hoch erfreulich aber ist es, wie im Reichstag selbst am 10. d. Mts. und schon vorher wesentlich gleiche Forderungen durch von Bennigsen, auf das Nachdrücklichste von Richter-Hagen und selbst von con- ' servativer Seite unter Zustimmung der Mehrheit des Plenums gestellt worden i find. Denn in der That spielt bet diesem Titel der Steuerliste in die Frage, wie den Staatssäckel füllen, wesentlich die andere nach der socialen Hebung oder Schädigung der Bevölkerung, in einem Grade, daß letztere bei der Entscheidung den Vortritt haben sollie. Mit keinem anderen alkoholischen Getränk sind so weitreichende mannigfache Gefahren nicht blos, sondern unausbleibliche Schäden verbunden, wie mit dem Branntwein, und diese Nachtheile legen der Oeffentlichkeit so bedeutende materielle Lasten auf, daß es mindestens als eine ■ sehr zweifelhafte Rechnung erscheinen muß, ob mit einer tndtrecten Beförderung des Branntweinconsums unserm Land gedient wird.
An maßgebender Stelle scheint man aus die Verwüstungen, die der Branntwein als Volksgetränk in Norddeutschland notorisch in erschreckendem Maß ungestört anrichtet, aus die enormen Ersparniffe und die Wahrung nationalen Vermögens, Wohlstandes und geistigen wie sittlichen Wohlseins, welche mit einer ernstlichen Bekämpfung und kräftigen Umlenkung der Volkssitte erreicht werden könnten, noch nicht das gebührende Gewicht zu legen. Preußen vertrinkt Jahr für Jahr rund 150 Mill. Mk. in Schnaps. Sollte das unabänderliches Bedürfniß sein?
Ein Ja wäre ein Armuthszeugntß, das man unserm Volke ausstellt, und ein Vorwurf, den der Antwortende sich selbst macht. Denn es ist ein Beweis, daß den unteren Ständen unschädliche und wirklich kräftigende Genußmittel noch nicht genügend zugänglich und zu einem Preise käuflich gemacht worden sind, welches sie dem Branntwein vorüehen heißt. Der Mensch, namentlich der angestrengt oder in angreifender Witterung arbeitende, bedarf Belebungs- und Reizmittel; daß es gerade der Branntwein sein müsse, hat noch Niemand erwiesen. Wenn die Grenzwächter sich durch Branntwein statt Kaffee gegen die Unbilden der Natur schützten, so würde der Staat binnen Kurzem ein Heer höchst unzuverlässiger Hüter seiner tndirecten Steuern haben. Für die Schiffer nach den Etsregionen ist bekanntlich nichts so verderblich, daher nichts so verpönt, wie der tägliche Branntweingenuß als vermeintliches Erwärmungsmittel. Dem, welcher buchstäblich im Schweiß seines Angesichts sein Brot
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erwirbt, könnte ebensowohl ein befferes Getränk dargeboten werden. Trotzdem will die Steucrvorlage die ungefährlichen Reizmittel, wie Kaffee und Thee, erhöhens anstatt sie womöglich herabzusetzen und so erschwinglicher und, wie m England und Rußland, noch populärer zu machen.
Der Branntwein ist der Adnb des BierS und des Weins. Der Biergenuß ist gegenwärtig in allmähliger Zunahme begriffen. Dieser lobenswerthe Tausch tu der Wahl des Getränks wird eine rückgängige Bewegung erfahren, wenn man das Bier vertheuert. Die entgegnende Hinweisung deö Präsidenten Hofmann auf Bayern, wo die Biersteuer so hoch sei, als sie in Norddcutsch- land erst werden solle und doch der Branntweingenuß wett geringer geblieben sei, läßt außer Acht, daß dort nun einmal das Bier Volksgetränk und zugleich eine bedeutende solide Einnahmequelle ist, in Norddeutschland aber der viel mehr seffelnde und jedenfalls bedenkliche Schnaps zu Hanse ist. Bromberg producirte 1874: 35,7 Liter pro Kopf der Bevölkerung, Bayern 3% Liter. In Norddeutschland handelt es sich erst darum, das Bier bei der Land- und Fabrikbevölkerung mehr einzubürgern, und das soll geschehen, indem man seinen Preis erhöht (?)! Richter wird ohne Frage für uns Recht behalten: eine Ec- höhung der Biersteuer ohne die des Branntweins heißt eine Prämie auf de Bcanntweingenuß setzen. Und wir fügen hinzu : die Ntchterhöhung der Branntweinsteuer wird, wie die Abschaffung der sog. Gestndesteuer, nicht den unteren Klaffen, sondern den großen Herren, meist ländlichen Brauereibesitzern, zu Gute kommen.
Möge die Gelegenheit, bei der Steuerreform zugl-ich die sociale und sittliche Hebung des Volks in dieser Hinsicht anzubahnen, nicht ungenützt ver- streichen ! Sie würde sich in Jahren nicht wieder so leicht und günstig bieten.
Deutschland.
Darmstadt, 19. Mai. Seine Königliche Hobett der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 17. d. Mts. den Oberregiffeur Theoder Wünzer zum Director des Hostheaters, sowie der Hosmusik aller- gnädigst zu ernennen geruht.
Berlin, 16. Mai. Am gestrigen Tage sind folgende Eisenbahnstrecken beziehentlich Eisenbahnen eröffnet worden: die Strecke Groß-Strelitz-Tost (Oberschlesien), die Eisenbahn zwischen Coblenz (Stcwtsbahnhos) und Niederlahnstein, bte Eisenbahn zwischen Coblenz und Ehrang (Trier), die Eisenbahn Neustettin-Posen über Schneidemühl und endlich die wichtige Eisenbahn zwischen Berlin und Sangerhausen-Nordhausen, der Tdeil von Berlin-Wetzlar, der nun von Eydtkuhnen nach Metz eine Staatsbahn herstellt.
Berlin, 17. Mai. Auf der russischen Botschaft herrscht ehie gewisse Freudigkeit der Stimmung. Man erhielt dort Nachrichten aus Petersburg, aus denen hervorgeht, daß man in der Person des verhafteten Advocaten Staffow einen der Hauptführer der nihilistischen Verschwörungen in Händen zu haben glaubt. Man hat die Beweise gefunden, daß Staffow der Redacteur und die eigentliche Seele der gehetmnißvoll erscheinenden revolutionären Zeitung „Lantz und Freiheit" gewesen sei. Seit seiner Verhaftung ist in der ..that keine weitere Nummer dieses geheimnißvollen Blattes er|id)ieneii.
Berlin, 18. Mai. Das gestrige Diner von Mitgliedern des Reichsund Städtetages im Zoologischen Garten brachte einen fast feierlichen Moment, der so recht den Ernst der politischen Lage kennzeichnete, nichts mehr und nichts weniger als eine Art Pronunciamento v. Forckenbeck s. Als ihn nämlich ein Redner als Präsident des Reichstages gefeiert hatte, erhob sich Herr


