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Berlin, 18. Januar. DiePost" hört, daß von dem Reichskanzler ein Antrag an den Bundesrath vorbereitet werde, welcher Die Regaluung der Eisenbabntarrse aus dem Wege der Gesetzgebung nach Analoga Dtr Post' tartse bezwecke.

DieNordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß die dritte Sitzung der Zoll- tarij-Commrssion noch nicht stattgesunden habe. Umfangreiche Voraibciten ließen noch nicht übersehen, wann das Plenum der Commission zusammenrre- ten werde. Dasselbe Blatt erklärt die Meldung mehrerer Blätter, es sei von deutscher Seile die Contentrarion einer größeren Flotlenmacht bei den Samoa-Inseln behuss der Erzwingung einer Genugthuung und Entichulorgung für die dortigen deutschen Unterthanen beabsichtigt, für unbegründet. Die . Ariadne" habe zwei kleine Häfen der Insel UpoLu als Unierpsand dafür in Beschlag genommen, daß die Samoa-Regierung das Deutschland zusteyende Recht der meistbegünstigten Nation einräume. Damit ohne Lernachläisigung a perer durch dieAriadne" in der Südsee wahrzunehmenden Interessen dre Beschlagnahme der beiden Häsen effectiv erhalten werde und zu feinem anderen Zweck sei derAlbatros" von der ostasiatischen Station nach Apia beordert worden und werde binnen Kurzem dort eintr.ffen. Das KanonenbootNau­tilus" befinde sich noch in der Heimath und solle erst im Laufe des Sommers zur Ablösung desAlbatros" nach der Südsee gehen.

Berlin, 18. Januar. Das Abgeordnetenhaus nahm in dritter Lesung den Antrag Krech über das Ergänzungsgesetz bett, die Ablösung der Realberechttgungen von geistlichen und Schul-Instituten an und setzte sodann die Berathung des Cultus-Etats fort. Nach im Ganzen wenig erheblicher Debatte wurden Cap. 126 (Kunst und Wissenschaft) und 126a (gewerbliches Unterrtchtswesen) genehmigt. Bet Cap. 127 (Cultus und Unterricht gemeinsam) wiederholte Franßen die Beschwerden über altkatholische Professoren in Bonn und bringt namentlich einen Vorgang zur Sprache, bei welchem das Conclave und der Papst verhöhnt worden sein soll. Der Kultusminister weist durch Schriftstücke, die verlesen werden, nach, daß der ganze angebliche Vorgang überhaupt nicht stattgefunden hat. Die Abgg Bachem, Dauzenberg und Windthorst (Meppen) bringen weitere Beschwerden vor, welche der Regierungs-Commissar Stauder beant­wortet. Um 43/4 Uhr wurde die Debatte bis heute Abend 8 Uhr vertagt.

Biedenkopf, 18. Januar. Utber die Biedenkopfer Etsenbahnangk- legenheit wird demHinter!. Anz." mttgethetlt, daß der preuß. Handelsrntnister, wie er überhaupt in dieser Session keine Vorlage über Secundäibahnen mehr in das Haus bringen wird, auch bezüglich des Projects Köibe-Biedenkopf- Laasphe von einer Vorlage an das Abgeordnetenhaus Abstand genommen hat. Es geschieht dies lediglich aus tactischen Gründen, denn die Absicht der Regie­rung durch Bahnen minderer Ordnung dem Handel und Geweibe wie der Landwirthschast aufzuhelsen, b.stcht nach wie vor fort, und gerade unser Projrct erfreut sich des allerbesten Rufs, seine Ausführung liegt in der be­stimmten Absicht der Regierung und nachdem sich im Kreise eine ungewöhnliche Theilnahme gezeigt, um den Anforderungen der Regierung gerecht zu werden, wird die Erfüllung der Geldbedingungen hinreichen, um die Sache zur Vor­lage reif zu machen. Ob Hefien-Darmstadt sein Stück Main-Weser-Bahn verkaufen will oder nicht, wird gleichgültig bleiben, die Regierung hält an der Linie nach Kölbe fest, und wird die letzterwähnte Bedingung nöthigensalls erlassen.

München, 18. Januar. Eine Anzahl liberaler Abgeordneter reichte in der Kammer den Antrag ein, den König zu bitten daß der bayerische Ver­treter im Bundesrathe das Disciplmargesetz des Reichstags ablehne.

München, 18. Januar. Die Kammer setzte heute die Debatte über den Antrag betr. den Wucher und die Wechselfähigkeit fort. Schels bringt einen weiteren Abänderungsantrag ein. Der Justizminister erklärt, die Regierung beschäftige sich bereits seit lange mit der Sache; er sei gegen eine civilrechtliche Zinsbeschränkung uno glaube, die strafrechtliche Seite biete eine wirksamere Abhilfe. Der Minister motivirt sein Bedenken gegen ein civilrechtliches Einschreiten in längerer Rede und warnt schließlich, sich über dessen Wirkungen zu große Illusionen zu machen. Der Minister des Innern theilt den Standpunkt des Justtzministers; er erörtert gegenüber den gestrigen Ausführungen des Abg. Schels eingehend die wirtschaftlichen Verhält­nisse Bayerns und bestreitet auf Grund einer genauen Statistik, daß das Land der Verarmung entgegengehe. Nach längerer Debatte zieht Pfähler seinen Antrag zu Gunsten des Antrags Schmidt, welcher demnach mit großer Majorität angenommen wird, zurück. Der Antrag Marquardscn dagegen wird abgelehnt. Nächste Sitzung Dienstag. Tagesordnung: Retchsjustiz- gesetzgebmm.

Metz, 16. Jan. Von französischen Fabrikanten werden massenhaft bild­liche Darstellungen, welche auf Umschlägen, Etiketten rc. angebracht werden und welche auf die Rückeroberung Elsaß-Lothringens Bezug haben, in den Handel gebracht. Ein großer Theil derselben geht nach Elsaß-Lothringen. Beispiels» weise hat die Polizei vorgestern nnd gestern bei hiesigen Wein-, Liqueur- und Tabakshandlungen große Quantitäten von solchen Revanchebildern vorgefunden und mit Beschlag belegt. Dieselben sind mit den französischen Farben versehen und weisen durch Inschriften und Abzeichen offen darauf hin, daß Elsaß- Lothringen über kurz oder lang dem deutschen Reiche wieder entriffen werden solle. Das Einschreiten der Behörde erscheint vollständig gerechtfertigt, zumal man hierorts nur zu gerne geneigt ist, die Milde der Regierung als Schwäche anzusehen.

Oesterreich.

Wien, 18. Januar. DieOesterr. Corresp." meldet: Angesichts der allseitigen Vorbereitungen zur Feier der silbernen Hochzeit des kaiserl. Paares und mit Rücksicht auf die von der Bevölkerung jüngst gebrachten patriotischen Opfer haben der Kaiser und die Kaiserin den Wunsch ausgesprochen, daß alles kostspielige Gepränge, alle mit Ausgaben verbundenen Veranstaltungen vermie- den und anläßlich dieser Feier keinerlei Aufruf zu Beiträgen für wohlthätige Zwecke erlassen werde. Die Waffenübungen des stehenden Heeres werden in diesem Jahre unterbleiben.

Die Abendblätter melden, daß heute aus Paris die Einwilligung der französischen Regierung zum Abschlüsse eines Handelsvertrages mit Oester- reich-Unzarn auf der Grundlage der Meistbegünstigung eingetroffen sei.

DerPolit. Corresp." wird aus Konstantinopel unterm Heutigen gemeldet: Die Pforte reclamirt die Abänderung der neuen Grenzlinie gegen die Dobrudscha. In Ost-Rumelien besteht eine Agitation gegen die Restauri- rung der Türkenherrschaft nach dem Abzüge der Ruffen. Die Actions- Comitös geben die Loosung aus: Ein europäischer Generalgouverneur oder Krieg. Zunächst ist eine Petition an die Großmächte um die Ernennung eines europäischen Generalgouverneurs beabsichtigt.

England.

London, 18. Januar. Der Colonial-Minister Hicks-Beach hielt gestern auf einem Banket der Conservativen in Stroud eine Rede, in welcher er die orientalische Politik der Regierung vertheidigte und die Ueberzeugung aussprach, daß der Berliner Vertrag in allen Punkten ausgeführt werden würde. Eine Störung der freundschaftlichen Beziehungen zu Rußland und

den übrigen europäischen Mächten sei nicht wahrscheinlich. TXr Krieg gegen Afghanistan sei Ihanächlich beenvet. Der Minister gil g sodann auf die com» mercielle Nothlage dev Landes über und erkiäne, Die Reg erung fei, nachdem die engiisa^e Industrie von den europäischen und amerikanischen Märkten ver- drängr sei, beitrebt, Den englischen Einfluß auf Afrika auszudehnen.

London, 18. Januar. AbenDs. Beaconsfield ist nach London zurück- gekehrt. Nachrichten aus der C^pstaDt vom 31. December zufolge soll der Zuluhäupili. g Cetewayo bereit sein, einige Der verlangten Personen auszu­liefern, und Die auferlegte Strafe zu zahlen, auch die anderen Forderungen zu erwägen versprochen haben. Der Gouverneur Bärtle Frere habe erwidert, Englands Wort sei unabänderlich. Die Fr.st für Cetewayos definitive Ant­wort läuft am 1. Februar ab. Es verlautet, derselbe sammele im königlichen Kral Truppen an.

Die Besitzer Der Eisenwerke und Bauwerften von eisernen Schiffen in Liverpool und Umgegend kündigten ihren Arbeitern eine Lohnherabsetzung von 71/2 pCl. an; es wird eine Arbeiibeinstellung befürchtet.

Rußland.

Petersburg. Dem Übertritt Des Emirs Schir Ali auf russisches Gebiet widmet dasJournal de St. Petersbourg" nachstehende Besprechung: Es bestätigt sich, daß der Emir seine Staaten verlaffen und die Gastfreund­schaft Rußlands in Anspruch genommen hat. Es geht aus den Mittheilungen der englischen Blätter über die militärischen Ereignisse selber hervor, daß es nicht die von den anglo-indischen Truppen davongetragenen Erfolge sind, die Schir Ali gezwungen haben, eine Zufluch Sstätte in Der Fremde zu suchen. Der Zweck der von diesem H rrscher unternommenen Reise ist. wie man uns ver­sichert. der, die Vermittlung Europas anzurufen und die Mächte des Festlandes zu Schiedsrichtern in seinem Streite mit England zu machen. Edelmüthige Täuschung! wenn es sich wirklich so verhält. Der Emir Schir Ali hat sich den Umsiänd nicht klar gemacht, daß eine Vermittlung nur bann stattstnden kann, wenn sie von beiden betheiligten Seiten verlangt ober wenigstens an­genommen worben ist, was im vorliegenden Falle wenig wahrscheinlich ist. Der afghanische H rischer befinbet sich zur Stunde auf russischem Boden und es verficht sich von selber, daß er daselbst die wohlwollende Gastfreundschaft, die ihm gebührt, finden wird. Wir wiffen noch nicht, ob er es auch nach den Darlegungen und Aufklärungen, welche hinsichtlich der Aussichten seiner Fahrt ihm sofort werden zu Theil werden, noch für angemessen halten wird, diese letztere fortzusetzen."

Asien.

Kalkutta, 14. Januar. Nach einer Recognoscirung an den Süd- und Wcharenze des Khvst-Thales kehrte General Roberts am 15. Januar nach Matoon zurück. Ein unbedeutender Schneefall hat im Safedkohgebirge stattgefunden.

Amerika.

New-Uork, 18. Januar. Gestern Abend brach in einer Feinwaaren- handlung in Nordstreet Feuer aus. Der Schaden, welchen daffelbe anrichtete, wird auf 2 Mill. Dollars geschätzt.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau.

Darmstadt, 20. Januar. Der Großherzog ist mit seinen Kindern heute hüb nach England abgereift

Wien, 19. Januar. DieMontagsrevue" hört, daß heute die Unter­zeichnung Der österreichisch-französischen Handelscvnventivn auf Basis der Meist- begünstigung stattfinde. Der .Polit. Corresp." zufolge können die Ver­handlungen bezüglich der Administration von Bosnien und der Herzegowina als vorläufig abgeschloffen betrachtet werden; die endgültige Entscheidung einiger Fragen sei, da hinsichtlich dieser noch Vorarbeiten nothwendig seien, späteren Berathungen Vorbehalten

Lokales.

Gießen, 20. Januar. Auf die Leistungen der Tyr ol er «G es eil schäft Rainer, welche morgen, Dienstag Abend, in Wenzel's Saalbau concertiren wird, brauchen wir wohl kaum hinzuwcisen. Sind dieselben ja doch von früher her noch im besten Andenken In Frankfurt, wo die Geiellsckaft in letzter Zeit imCafe zur Börse" auftrat, waren sehr oft schon Nachmittags keine Billette zu haben. Hoffentlich werden die Sänger auch hier wieder ihre alte Zugkraft bewähren.

--Im benachbarten Hausen brach heute Nacht gegen 11 Uhr in einer Scheune Feuer aus. Zufolge rascher thatkräftiger Hülfe beschränkte sich das verheerende Element auf die Scheune, wwie auf ein Wohnhaus, welches theilweise beschädigt wurde. Wenn der Nordwind, welcher gestern Nachmittag so heftig wehte, auch in der Nacht noch geherrscht hätte, wäre auch hier unabsehbares Unglück entstanden.

Vermischtes.

Marburg, 16. Januar. Unserem Mitbürger Herrn Georg Schott sen. wurde für die von ihm gemachte Erfindung der Anbringung einer Sprungfeder am unteren Heft der ge­wöhnlichen Handsäge von dem Kaiserlichen Patentamt in Berlin unter der Nr. 2566 ein Reichspatent ertheilt. Die Erfindung ist derart, daß die Sprungfeder, eine gewöhnliche Spiral­feder, wie sie bei Mattatzen und Sophas angewendet wird, in der Weise an der Holzsage angebracht wird, daß das untere Heft derselben in die Sprungfeder eingeschoben und diese an den unteren Arm der Säge mittelst eines in den obersten Ring der Spiralfeder gewundenen Bandes oder Drahtes befestigt wird. Die untere Hälfte der Sprungfeder steht über da« hineingeschobene Heft vor und stößt die hinabgestoßene Säge beim Berühren der Erde sofort zurück, so daß zum Zurückziehen der Säge vom Sägenden kaum eine Kraftanstrengung nöthig ist, wodurch das Sägen ganz wesentlich erleichtert wird.

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Eingesandt.

Ihr geschätztes Blatt brachte kürzlich von dem Herrn Referenten P. über die Leistungen des hiesigen Tbeaterpersonals warme Worte, die volle Zustimmung und Berechttgung verdienen, indem die Haupt Characterrollen stets recht fleißig und vorttefflich dargestellt werden uno im Zusammenwirken ein wirklich ernstliches Streben zu erkennen ist.

Eine wieoerholte Bitte, sich gegen unser tüchtiges Theaterpersonal durch zahlreichen Brftch der Vorstellungen dankbar zu zeigen, dürfte deßbalb nicht unbescheiden erscheinen. 8. __.______

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 18. Januar. (Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war sehr gut befahren; die Preise waren sehr billig. Heu kostete je nach Qualität per Ctt X 1.60 bi« 2.40, Stroh JL 1.502. Weißkraut das Stück 10 Kohlkraut 10 Rothkraut 15 Butter 1. Qual, im Großen 80 H, 2. Qual. 60 im Detail 1. Qual. 95 H bis 1 X, 2. Qual. 90 H. Eier das Hundert deutsche X 5 506, italienische X 7.508. Ganze Erbsen 1921, geschälte Erbsen X 20-26, Linsen X 2428, Bohnen X 2224 per

100 Kilo. Kartoffeln X 6.507 per 100 Kilo. Ochsenfleisch per Pfd. 7075 Rind­fleisch 54-60 H, Schweinefleisch 70-75 H, Kalbfleisch 6070 Hammelfleisch 50-68 Hahnen X 1.502. Salm X 67, Hecht 90 H bis X 120, Börs X 1.20, 9(al X 2.