zeitig wurde der Minister der öffentlichen Arbeiten, Maybach, zum Chef des Reichsamts für die Verwaltung der Reichseilenbahnen und der Präsident des Reichskanzleramts, Hofmann, zum Minister für Handel und Gewerbe ernannt. Schon früher war die Ernennung des Geh. Oberrezierungs-Rathes Starke aus dem Reichskanzleramt zum Unteistaatssecretär im Ministerium des Innern erfolgt.
Das Resultat der österreichischen Reichsrathswahlen liegt setzt vor und geht dahin, daß 173 Kandidaten der liberalen, 175 der conservativen und sog. nationalen Fractionen gewählt worden sind, die Liberalen also 50 Stimmen verloren haben. Der conservative Graf Taaffe ist jetzt der Mann der Situation.
Italien hat sein neues Ministerium. Cairolt hat daffelbe unter eigener Uebernahme der Präsidentschaft und des Auswärtigen fertig gebracht und mit seinen Collegen schon den Eid geleistet.
Der König von Belgien hat die Sanctton des neuen Volksschulgesetzes schon am 1. d. vollzogen. Weß Geistes Kinder die dortigen Ultramontanen sind, ergibt sich aus der Thatsache, daß, als die Unterzeichnung bekannt wurde, ein neuer Drohbrief an die Mauern des Justizpalastes in Brüffel angeschlagen gefunden wurde, welcher kurz und bündig lautete: „Das Schulgesetz ist unterzeichnet. Laßt uns jetzt den König erdolchen im Namen Gottes und des Vaterlandes !" Gleichzeitig erschienen die ultramontanen Blätter mit schwarzem Trauerrande, um zu zeigen, wie tief sie dies „Unglücksgesetz" beklagen. Ihren Widerstand gegen das Gesetz geben natürlich die Führer der Partei auch jetzt noch nicht auf. Die unter dem Einstuß des Klerus stehenden Provinzialräthe stimmen nunmehr gegen alle Vorlagen, in denen es sich um solche Geldbewilligungen für die Volksschule handelt, welche das Gesetz nicht ausdrücklich vorschreibt.
In Chislehurst sand am 12. d. das feierliche Leichenbegängniß des Prinzen Louis Napoleon in Gegenwart des Prinzen Jerome Napoleon und seiner beiden Söhne, sowie der gesammten officieüen englischen Welt und unter starker Betheiligung der aus Frankreich berbetgekommenen Bonapartisten statt. Die französische Regierung hatte den Marschällen die Theilnahme ausdrücklich verboten. Am merkwürdigsten war indeß, daß der gegenwärtige Erbe des Kaiserthrones, Prinz Jerome, die Einladung der Kaiserin Eugenie, sie zu besuchen, ablehnte.
Frankreichs Deputirtenkammer hat die Ferry'sche Vorlage über den Universttätsunterricht mit dem unveränderten Art. 7, der den Ultramontanen ganz besonders ein Dorn im Auge ist, weil er sich wesentlich gegen die Jesuiten richtet, mit großer Majorität (362 gegen 159 Stimmen) angenommen und dieselbe dann sofort dem Senat zugehen lasten. Leider kann deren Durchdringung durch diese Körperschaft noch keineswegs als gesichert gelten, da die Zahl der Gegner sich bei einer von ihr soeben vorgenommenen Ausschußwahl als überwiegend erwiesen hat. Trotzdem hält man in republikanischen Kreisen nach wie vor an der Hoffnung fest, daß der Senat es nicht wagen werde, durch hartnäckigen Widerstand gegen das Gesetz eine Krisis herbeizuführen. Für die Stimmung in den entscheidenden Kreisen ist es charakteristisch, daß die Deputirtenkammer am 14. d., als am Jahrestag der Bastille, keine Sitzung hielt und die Regierung einen Bischof mitsammt einem General gerichtlich belangt hat, den ersteren, weil er eine Vereinsversammlung gehalten, ohne die gesetzlichen Vorschriften zu erfüllen, den anderen, weil er darin eine Rede vom Stapel gelaffen. Die am 13. d. auf den Longchamps abzehaltene große alljährliche Parade über die Pariser Garnison, die erste unter dem neuen Regime, verlief glänzend und unter Dem Jubel der zahlreich herbeigeströmten Bevölkerung. Bemerkenswerth war, daß Präsident Grevy und noch mehr Gambetta vom Publikum mit Begeisterung empfangen, der päpstliche Nuntius dagegen mit dem Rufe: „Es lebe das Gesetz Ferry ! Es lebe die Republik I" geärgert wurde.
Die in London versammelte internationale Telegraphen-Conferenz hat sich im Princtp für Annahme des Worttariss mit einer dem Preise von 5 Worten glcichkommenden Grundtaxe ausgesprochen. Um ihr einen Sporn zu weiteren Fortschritten auf der Bahn der Reformen zu geben, haben die englischen Handelskammern neuestens deut Generalpostmetster eine Vorstellung eingereicht, in welcher sie denselben bitten, auf die Annahme der von Deutschland vorgeschlagenen Einfübrung eines einheitlichen Worttariss hiuzuwirken.
Die Hebung des Großen Kurfürsten.
Nach den officiösen Berliner Mittheilungen hat die Inangriffnahme der eigentlichen Hebungsarbeiten der bei Flokestone gesunkenen Panzerfregatte Großer Kurfürst noch nicht Statt gefunden. Dieser Angabe gegenüber erhält die „Köln. Ztg." aus Dover eine Zuschrift, in welcher Nachstehendes ausgeführt wird:
Die Aufstellung, daß seit dem vergangenen Herbst nichts weiter geborgen worden sei, als drei Anker und eine Acht-Centimetcr-Stahlkanone, ist insofern richtig, als die Lage des Schiffes, kielaufwärts, jeden Versuch, werthlose Gegenstände zur Oberfläche zu bringen, überflüssig erscheinen lassen würde. Zur Beantwortung der Behauptung hinsichtlich der eigentlichen Hebungsarbeiten werden folgende thalsächlichen Mittheilungen dienen. Trotz der seit neun Monaten herrschenden ungünstigen Witterung wurde jede Gelegenheit benutzt, durch die geübtesten englischen und deutschen Taucher über die Lage der Fregatte, über die Bruchstelle im Rumpf des Schiffes und über alle Punkte zur Anheftung von Pontons die ausführlichste und gewissenhafteste Auskunft zu erlangen. Nachdem die Größe und innere Gestaltung der Bruchstelle festgestellt war, wurden verschiedene Modelle zur Schließung derselben angefertigt; erst nachdem es gelungen war, den nach innen lockenförmig fick drehenden Bruchrand genau zu messen, wurde die Anfertigung eines halbzölligen Stahlschildes unternommen. Die Höhe desselben ist 10 Fuß, die Breite 7 Fuß, es ist oval und convex, von Stahlriegeln und Querbalken gestützt, mit einem äußeren Stahlrande umgeben, unter welchem starke Guttapercha-Wasserröhren angebracht sind, welche durch Anpressung des Schildes an die äußere Wandung des Schiffes mit Hülfe kräftiger Stahlschranben die geringste Ocffnung verschließen. Zur Ausführung der äußerst schwierigen Operation der Verschließung der Bruchstelle dient ein eisenbeschlagenes Schwebegerüst, das von den Tauchern an den Schiffskörper befestigt wird. Alle diese Vorbereitungsarbeiten und Apparate sind
ziemlich beendet und es handelt sich nur noch um die Gunst der Witterung. Die be- währtesten englischen Ingenieure und Tauchermeister haben die Ausführung der Ardeir übernommen. Der von dem Berichterstatter geschilderte kleine Raddampfer Sherdoco von 118 Tonnen wurde von der englischen Regierung als ein Schiff von 380 Tonnen gebaut und ist mit den stärksten Hebungs-Apparaten versehen. Seine Centrifugalpumpe wirft in der Minute 6000 Gallonen Wasser aus, während die Luftpumpen, von einem neu construirten Dampfkessel gestützt, im Stande sind, den Wassergehalt des Kielraumes der mächtigen Panzerfregatte in einem Tage zu verdrängen und derselben die Fähigkeit zum Selbstschmimmen zu verleihen. Ein neu und für diesen Zweck besonders con- struirter Apparat ist bereit, die Masten und das Takelwerk, welche durch die beim Sinken erfolgte Umdrehung des Schiffes in den Kreideboden des Meeres gedrungen, mit größter Schnelligkeit zu durchschneiten und zu entfernen, so daß beim Steigen des Schiffes keine Hindernisse obwalten können. Außerdem verfügt Herr Leutner nicht über 5, sondern über 200 Pontons von je 10—18 Tonnen Hebekraft' welche, nachdem das Schiff durch die Wirkung der mächtigen Luftpumpen vom Boden gehoben und von Bugsir-Dampfern in eine niedere Wasserschicht geführt worden ist, wesentlich dazu dienen werden, die unter dem Einfluß der andrängenden Fluth vorzunehmende Umwendung des riesigen Schiffes zu unterstützen. Außerdem werden in den Tagen des eigentlichen Hebungswerkes 12 Taucher in verschiedenen, auf das vollständigste ausgerüstete Booten bereit sein, die vielfach verschlungenen Drahtseile, welche mit den gelösten Masten, Raaen und sonstigen Schiffsgegenständen Zusammenhängen, in kürzester Zeit zu lösen. Seit 14 Tagen werden die Fluthen des Canals vom Sturme gepeitscht; sobald die See sich beruhigt hat und die Taucher in die Tiefe steigen können, hofft Herr Leutner zu beweisen, daß er viele Tausende von Pfunden nicht für zwecklose Versuche in die L>ee gesenkt hat. Drei Wochen ruhiger Arbeit werden — so hofft man — genügen, den Kurfürsten in Sicherheit zu bringen, obgleich die Fluth nicht längere Arbeitszeit als 35 Minuten bis V/z Stunde den Tauchern gewährt.
Vermischtes.
— Minen-Explosion. Am 9. Juli fanoen, wie man dem „B T." mittheilr, auf der großen Rhede von Kronstadt Uebungen im Minenlegen statt, welche von der Panzerfregatte „Admiral Lazareff" aus geleitet wurden. Reben der Fregatte übte eine Rudcr-Barkassi mit 18 Mann Besatzung unter dem Commando des Lieutenants von der Garde-Marine-Equipage Katschaloff. Die Uebung war fast beendet und Die Mannschaft der Barkasse gegen 4 Uhr Nachmittags eben damit beschäftigt, eine mit 60 Pfund Pyroxiltn geladene Mine aus dem Wasser zu Heben, als dieselbe — wodurch ist noch unaufgeklärt — über dem Wasser explodirte. Von der Barkasse ist nur der Kiel und ein Theil des Verdecks übrig. Von der Besatzung wurden 14 Mann aus dem Wasser gezogen. Davon waren 7 schwer verwundet. Einem der Unglücklichen waren beide Beine abgerissen; er starb wahrend der Amputation. 5 Mann sind tobt und konnten bis jetzt nicht aufgefunden werden. Abgerissene Gliedmaßen trieben auf dem Wasser. Der Lieutenant Kotschaloff ist contusionirt und in einem Zustande der Betäubung; seine Uniform war ganz zerfetzt. Auf der Panzerfregatte wurde ein Mann leicht verwundet. Die furchtbare Erschütierung der Explosion war bis Kronstadt und Oranienbaum zu verspüren.
— Im englischen Unterhause fand kürzlich eine Inspektion der in dem Heere und auf der Flotte gebräuchlichen Peitschen (cats) statt. Es giebt deren vier Sorten. Die schlimmste ist die „MarinoCat." Sie hat einen 19 Zoll langen Stiel, an welchem ein dicker Strick befestigt ist, der sich auf vier Zoll Entfernung vom Stiele in drei Stricke theilt, von denen jeder wieder in drei Tage! zerfällt, jeder dieser Tage! ist mit neun Knoten versehen, so daß die „Ma- rinc-Cat", wenn gehörig gehandhabt, bei jedem Hiebe 81 Wunden hervorbringen kann. Das Instrument erregte doch einiges Entsetzen unter den Mitgliedern. In der Ausstellung befanden sich außerdem eine „Navy-Cat" und eine verbesserte „Navy-Cat", welche den bekannten Namen der „neunschwänzigen Katze" verständlich machten. Vom Stiele gingen neun kräftige Stricke aus. Sie unterscheiden sich bei den beiden Instrumenten nur durch verschiedene Länge.
— Die Erfindung eines neuen Apparates zur Beleuchtung der Höhlen des menschlichen Körpers mit elektrischem L'chte erregt augenblicklich großes Aufsehen in allen ärztlichen Kreisen. Der Erfinder desselben ist ein sächsischer Arzt Dr. Nitze, welcher diesen Apparat in der letzten Sitzung der k. k. Gesellichaft der Aerzte in Wien vorgezeigt und die Anwendung desielben de monstrirt hat. Die Beleuchtung geschieht vermittelst eines Dünnen Platindrahtes, welcher durch Verbindung mit einer elektrischen Batterie weißglühend gemacht wird. Zum Schutze gegen die enorme Hitze, welche von dem weißglühenden Platindrahte ausgeht, ist die Vorrichtung getroffen, daß die Wand der Messingröhre, in welche Der Platindraht cingeschloffen ist, beständig von einem Strome kalten Wassers berieselt wird, wodurch sie eine gleichmäßig niedrige Temperatur behält. In Folge dessen kann der glühende Platindraht ohne Schaden sowohl mit den Fingern angefaßt, als auch in jedes beliebige, zugängliche Organ des Körpers eingeführt werden. Das Licht, welches von dieser Leuchtquelle ausgeht, ist geibröthlich, „daß schönste Alpenglühen", wie ein Beobachter treffenD bemerkt hat. Das Instrument, weiches von seinem Erfinder „Cystoskop" genannt wird, stellt eine lange, dünne, mit einem Schnabel versehene Röhre dar, in welche ein optischer Apparat eingeschoben wird, der wiederum zu diesem besonderen Zwecke in ein möglichst dünnwandiges Röhrchen eingefaßt ist. In der Wand des Schnabels, in welchem sich der weiß- glühende Platindraht befindet, sind mehrere kleine, längliche Oeffnungen ausgeschnitten, durch welche die Strahlen des glühenden Drabtcs austreten können. Diese Oeffnungen sind dann wieder durch Fenster von Kristallglas verschloßen. Ilm verschiedene Felder des zu untersuchenden Gebietes nach einander beleuchten zu können, ist am äußeren Ende des Instrumentes eine besondere Vorrichtung angebracht, durch welche daffelbe um seine Längsaxe gedreht werden kann, ohne daß der elektrische Strom oder der unaufhörliche Wasserzufluß dadurch unterbrochen wird. Dies ist bei dem sehr sinnreich erdachten, immerbin aber etwas komplicirten Apparate ein Vortheil, welcher für die praktische Brauchbarkeit desselben von außerordentlicher Bedeutung ist. — Dr. Nitze hofft sogar, daß es ihm in allernächster Zeit gelingen werde, auch die Magen wand, welche bisher am Lebenden nur indirekt für das Tastgefühl erreichbar war, der Inspektion mittelst seines Apparates zugänglich zu machen.
— Die Reparatur von Pappdächern betreffend, nehmen wir hiermit Veranlaffung, auf ein Hülfsmittel aufmerksam zu machen, welches für die Besitzer von Pappdächern von größtem Jntereffe sein dürfte.
Die Firma W. Lentz e, Dachpappenfabrik in Einbeck, Provinz Hannover, liefert nämlich zur Reparatur alter schadhafter Pappdächer ein vorzügliches Fabrikat, „Mastic - Dachlack", welches zur wafferdichten Herstellung alter reparaturbedürftiger Pappdächer wie folgt Verwendung findet.
Nachdem das zu reparirende Pappdach einer sorgfältigen Revision unterzogen worden und die in der Dachpappe etwa befindlichen Riffe und kleinen Löcher mit Mastic Dackkitt vollständig verschmiert worden sind, wird die ganze Dachfläche mit heißem Mastic - Dachlack vci mittclst einer sogenannten Schrubberbürste überstrichen. Dieser Ucberzug soll so vorzüglich fein, daß in Folge der schieferähnlichen Festigkeit desselben die Dächer nicht allein vollständig wasser- dicht hergestellt werden, sondern auch alte ausgetrocknete Dachpappe wieder biegsam und geschmeidig wird.
Wir wollen durch diese kurze Mittheilung hierauf aufmerksam machen und bemerken nur noch, daß auch die in der Fabrik des Herrn W. Lentzc gefertigten Dachpappen nach uns vor liegendem Muster von ausgezeichneter Qualität und auf der diesjährigen Gewerbe-Ausstellung zu Hannover prämiirt worden sind.
Sciilflfeberieht. Mitgetheilt von dem Agenten deS Norddeutschen Vlont (5 W. Dietz In Gießen.
Southampton, 16. Juli. Der Postdampfer Rhein, Capt. H. C. Franke, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 5. Juli von Newyork abgegangen war, ist gestern 11 Uhr Abends wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung 12 Uhr Nachts die Reise nach Bremen fortgesetzt. Der Rhein überbringt 201 Passagiere und volle Ladung.
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