welcher in Jesu Christo gelegt ist. Lasten Sie sich daher nicht irre machen durch die Strömung, welche durch die Welt, besonders in jetzigen Tagen hindurchgeht. Schließen Sie sich nicht der großen Menge an, welche die Bibel entweder ganz als alleinige Quelle der Wahrheit außer Acht lasten oder sie wenigstens nach ihrem Sinne fälschlich ausdeuten. Sie wissen Alle, daß Ich aus voller, freier Ueberzeugung der positiven Union angehöre, welche Mein seliger Vater gestiftet. Der Grund und Fels, an dem Ich und wir Alle uns halten müsten, ist der unverfälschte Glaube, wie ihn die Bibel uns lehrt. Es gibt ja Viele, welche nicht ganz denselben Weg einschlagen. Jeder handelt ja nach bestem Wißen und Gewissen und richtet darnach sein Thun, Handeln und Wollen ein. Ich achte, ehre und dulde ste, aber wer auch in diesen Bund eintreten will, er wird jederzeit mit offenen Armen empfangen werden.
— Ueber das kriegsgerichtliche Erkenntntß in der Angelegenheit des „Großen Kurfürsten" wird das General-Auditoriat Ende der Woche den Bericht an Se. Maj. den Kaiser feststellen; dieser Bericht wird alsdann an das kaiserliche Cabtnet gehen.
— Der Gesammtvorstand des Reichstages unter dem Präsidium des ersten Vicepräsidenten Frhrn. v. Franckenstein beschloß einstimmig, dem „Deutschen Montagsblatte" die Eintritlskarte zur Journalisten-Tribüne zu entziehen, in Rücksicht auf den persönlich höchst beleidigenden Artikel gegen den Präsidenten v. Seydewitz in der letzten Nummer des genannten Blattes.
— Die Brausteuer-Commisston beschloß, in die zweite Lesung der Brau- steuergesetze erst dann einzutreten, wenn die Regierung eine Uebersicht über die vermutlichen Einnahmen aus dem Zolltarife der Tarif-Commission überwiesen habe. Die letztere genehmigte die Zollgesetze für die aus der Position 25 ausgeschiedenen Artikel (Hefe, Essig, Butter, Reis, Häringe u. s. w.) nach der Regierungsvorlage und setzte die Berathung der Position über Chemikalien fort, wozu sie Ermäßigungen und resp. Erhöhungen der vorgeschlagenen Zölle beschloß.
Augsburg, 16. Juni. Nach einer Meldung der „Allg. Ztg." ist der Oberst, ein Major und ein Hauptmann des 14. Infanterie-Regiments, bei welchem die von dem Lieutenant Schenk v. Geyern begangenen Mißhandlungen von Soldaten vorkamen, penflonirt worden.
Hesterreich.
Wien, 17. Juni. Die „Polit. Corresp." meldet: Graf Andraffy, welcher an einer Lungenentzündung erkrankt ist, befindet sich bester. Gestern Nachmittag erschienen der Kaiser und die Kaiserin unangesagc bet dem Grafen Andraffy und verweilten nahezu eine halbe Stunde. Der Minister wird vor 8 Tagen nicht das Zimmer verlaßen können.
— Aus Russisch-Polen geht dem Wiener „Tgbl." die Meldung zu, der Kaiser habe eingewilligt, daß die neue, in den russischen Provinzen eingeführte Städte-Ordnung auch im Königreich Polen in Kraft treten soll; und zwar würde Warschau zuerst der Wohlrhaten dieser Institution theilhaftig werden. Schon am i. Juli (alt. St.) wird der betr. Ukas des Czaren publicirt werden. Gewährt auch diese, vom Czaren octroyirte Städte-Ordnung den Gemeinden kein vollkommenes Selgovernement, so bietet sie doch einen gewtsten Raum für eine autonome Verwaltung. Der aus allgemeinen Wahlen heroorgehende Gemeinderath wählt den „Golowa" (Bürgermeister), deffen Bestätigung allerdings in die Competenz des Gouverneurs fällt, und bildet ein Verwaltungs- Collegium, deffen Befugniste sich auf Sanitäts-Angelegenheiten, die Sicherung der Stadt, die Administration des Stadtvermögens, und sonstige Dinge erstrecken, welche auch im Westen zum Competenzkreise der autonomen Gemeinden gehören.
Irankreich.
Paris, 17. Juni. Während der ersten Aufhebung der Kammersitzung sandte die Gesammt-Ltnke dem Präsidenten eine Deputation zu, die ihm zu erklären hatte, daß sie von Setten Cassagnac's keine Entschuldigungen anneh- vren und die Censur mit zeitweiligem Ausschluß aus der Kammer über denselben verhängen werde. Die Strenge, welche die Kammer zeigte, kam Paul Castagnac augenscheinlich sehr ungelegen, da er sich nach der Sitzung mit seinem Vater, der ebenfalls Deputirter ist, zum Präsidenten Gambetta begab, um denselben zu ersuchen, aus dem amtlichen Kammerbericht die Stelle zu streichen, worin er sagte, daß die Regierung eine „infame" sei, um so gegen gerichtliche Verfolgung sichergestellt zu sein. Gambetta soll dies bewilligt haben, wobei zu bemerken ist, daß Paul Caffagnac, nachdem er durch Kammerbeschluß von den Sitzungen ausgeschloffen worden war, seinen Sitz wieder eingenommen hatte und Präsident Gambetta deshalb genöthigt war, die Sitzung zum zweiten Male zu vertagen. Später verließ Paul Caffagnac den Saal, aber nur erst in Folge der Bitten seiner Freunde- Während der ersten Suspendirung der Kammer ging es so äußerst stürmisch zu, daß der militärische Commandant des Palais der Deputirtenkammer, Oberst Rieux, der gewöhnlich in bürgerlicher Kleidung ist, es für nothwendig hielt, seine Uniform anzulegen. Zwischen einem der Quästoren, de Mahy, und den Bonapartisten kam es während der ersten Suspendirung zu einem Conflicte. Die Bonapartisten hatten sich in einem besonderen Saal versammelt, was gegen die Geschäftsordnung ist; Mahy forderte sie auf, den Saal zu verlaßen; da man aber nicht Folge leistete, so gab der Quästor Befehl, die Wache Herbetzurufen. Die Bonapar- ttsten räumten nun das Feld, nur einer, le Provost de Launay, wurde frech; er gab jedoch klein bei, als Mahy ihm erklärte, „er finde seinen Mann an ihm, wenn er aus der Frage eine persönliche machen wolle." In Parts erwartet man, daß Paul Caßagnac, der noch, nachdem er durch Kammerbeschluß seiner parlamentarischen Vorrechte zeitweilig für verlustig erklärt worden, die Regierung eine infame nannte, vor die gewöhnlichen Gerichte gestellt werde.
, (Köln. Ztg.)
Versailles, 17. Juni. Kammer und Senat haben ihre Sitzungen bis Samstag vertagt. — In der Kammer will Blachöre (Rechte) die Regierung über die Ereignifle in Algier uiterpelliren. Die Interpellation wird um einen Monat hinausgeschoben.
— Eine ofsicielle Depesche aus Batna von heute Morgen meldet: Eine Deputation der Uled-Daud, des einzigen insurgirten Trlbus, fand sich heute bei dem General Forgemot ein und bot ihre Unterwerfung an. Der General verlangte die Auslieferung des Sheriks, der den Aufstand angezettelt hat. Andernfalls würde er heute Abend zum Angriff schreiten. — Es sind Maßregeln getroffen, um zu verhindern, daß der Shertk nach Tunis entkomme.
Algier, 17. Juni. Eine aus Batna ausgerückte Colonne stieß gestern
auf 600 Insurgenten, die das Defilö Quedtouba besetzt hatten. Die Insurgenten wurden durch Artillerie zum Rückzüge gezwungen. Die Truppen werden alsbald deren Positionen besetzen. Die Colonne setzt ihren Marsch gegen
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. T-rresponbenz - Bure««.
Berlin, 18. Juni. Se. Maj. der Küfer reist, soweit bis jetzt bestimmt, am Sonnabend Abend nach Ems ab, Ihre Maj. die Kaiserin morgen Abend nach Coblenz.
— Die Tabakssteuer-Commisston des Reichstags lehnte heute den Antrag Richter (Hagen), wonach auch die Nachversteuerung des Rohtabaks verworfen werden sollte, ab und nahm den ersten Antrag Buhl an, wonach die Halbfabrikate und Ganzfabrikate der Nachsteuer nicht unterliegen sollen, lehnte dagegen den zweiten Antrag Buhl, betr. die verschiedene Besteuerung des aus- ländischen und inländischen Tabaks, ab. Als darauf die entscheidenden §§ 1 uud 2 des Nachversteuerungs-Gesetzentwurss mit dem angenommenen ersten Buhl'schen Antrag zur Abstimmung kamen, wurden dieselben von der Commission gleichfalls abgelehnt.
Köln, 18. Juni. Die „Köln. Ztg." meldet aus Messina von heute: Zu Santo Veneztna bet Station Giarre fanden heute mehrere Erdstöße statt, wobei einige Personen durch Einsturz von Häusern um's Leben kamen. In Messina ist nichts verspürt worden.
Brüssel, 18. Juni. Der Senat hat den Gesetzentwurf, betr. den Volksschulunterricht, mit 33 gegen 31 Stimmen angenommen.
Paris, 18. Juni. Der gestern in der Deputirtenkammer eingebrachte Entwurf zur Modtfication des Reglements erklärt die Ausschließung bis zum Ende der Session für zulässig gegen einen Deputirten, welcher sich wiederholter Ausschreitungen der Rede schuldig gemacht hat. Die Minister deS Innern und der Justiz berathschlagten heute mit den Präsidenten der Gruppen der Linken wegen der morgen zu haltenden Congreßsitzung. Die Dtscussion wird beschränkt werden auf die Abschaffung des Artikels 9 der Constitution, welcher den ^itz der Kammern in Versailles festsetzt. Voraussichtlich wird die Beschlußsaßung morgen Abend statthaben. Nach dem Congreßvotum wird die Regierung einen Gesetzentwurf in gewöhnlicher Form vorlegen, welcher die Bedingungen des Aufenthaltes der öffentlichen Gewalten regelt.
London, 18. Juni. Der „Standard" meldet, daß das Canalgeschwader aus dem Mittelländischen Meere zurückberufen werde.
Berlin, 18. Juni. Die ZolltartsiCommisston des Reichstags beendigte die Berathung der Position: Chemikalien. Für Aetzkali und Aetznatron wurde der Satz der Regierungsvorlage mit 4 Mk. angenommen, der Zoll für gelbes, weißes, rothes und blausaures Kalt von 4 auf 8 Mk. erhöht, die übrigen Nummern der Position sämmtlich unverändert angenommen. — Daraus wurde die Berathung der Position: Materialien und Consumtibilien wieder aufgenommen.. Für Butter wurde ein Zoll von 20 Mk. beschloßen, mit dem Zusatz, daß für den Grenzverkehr Stücke mit 3 Psd., wenn sie nicht per Post einziehen, zollfrei bleiben. Für Fletsch, auch Geflügel, Wild und Tafelboutllon wurde der Zoll auf 12, für Honig auf 3 Mk. angenommen. — Die Berechnung der voraussichtlichen Zollerträge, welche die Commission von der Reichs- regterung zu erhalten gewünscht hatte, wurde heute verthetlt.
Algier, 18. Juni. Die Truppen sind gestern in das Dorf El-Hamman, den Miitelpuukt des Distrtcts der Uled-Daud, eingedrungen, sanden denselben jedoch verlaßen; der Sherif und seine Anhänger flnb nach unbekannter Richtung hin entflohen.
Cherson, 18. Juni. Das Individuum, welches in der hiesigen Rentei ll/i Mill. Rubel gestohlen hat, ist ergriffen und noch eine Million bet dem- selben vorgefunden worden._____________________________________________
Lokales.
Gießen, 19. Juni. Die Zahl der Studirenden auf hiesiger Hochschule beträgt in diesem Semester 339. Im Wintersemester waren es 357, so daß ein Minderbestand von 18 Personen zu verzeichnen ist. Von den 339 Studirenden sind 257 Hessen und 82 Nichthessen. Es widmen sich der Theologie 17, der Rechtswissenschaft 92, der Medicin 62, der Thierheilkunde 13, der Cameralwissenschaft 4, der Forstwissenschaft 19, der Mathematik 32, der elastischen Philologie 25, der neueren 13, der Philosophie, Geschichte und Naturwissenschaften 28, der Pharmacie 22 und der Chemie 12 Studirende.
Gießen i9. Juni. Es ist an der Zeit wieder einmal Bericht zu erstatten über die Kinderbeilanstalt in Nauheim. Das junge Unternehmen befindet sich in der erfreulichsten Entwickelung Auf der einen Seite hat es in den weitesten Kreisen die freudigste Theilnahme und ein warmes Verständniß gefunden, auf der anderen hat der ungeahnte Zudrang von Heilungsuchenden es erwiesen, wie groß das Bedürfniß ist, dem diese Anstalt entgegenkommt. Anfänglich hatte der Vorstand geglaubt, vorerst nur 4 Betten aufstellen zu dürfen, da wir nicht voraussehen konnten, welche Unterstützung für unser Unternehmen wir finden würden. Bei der großen Zahl der angemeldeten Kinder mußte aber schon im Monat Juni diese Zahl verdoppelt werden. Damit wächst nun freilich auch die Sorge für die Aufbringung der nöthigen Mittel zur Führung eines so großen Haushaltes. Wir müssen daher immerfort auf die opferwillige Theilnahme aller, die für ein solches Liebeswerk Verständniß haben, rechnen, und bitten dringend, uns durch weitere Gaben in den Stand zu setzen, den an uns gerichteten Anforderungen zu genügen Wir hoffen, daß wir nicht in die Lage kommen werden, die armen elenden Kinder, die unsere Hilfe begehren, denen wir in den meisten Fällen sichere Hilfe bringen könnten, aus Mangel an Mitteln zurückzuweisen. Und daß die in unserer Anstalt den Kinder gewährte Eur von den schönsten Erfolgen begleitet ist, davon kann sich jeder überzeugen, der in die freundlichen Räume eintritt und einen Vergleich anstellt zwischen den eben angekommcnen bleichen, mit Drüsen und Geschwüren bedeckten Kindern und der gesunden Farbe, dem munteren Aussehen, den klaren Augen, mit welchen sie die Anstalt verlaffen
— Das Publikum scheint einstweilen einen Vorgeschmack deffen bekommen zu sollen, was es erwartet, wenn das Schlachthaus oberhalb der Badeanstalten errichtet würde, venn ein hiesiger Metzger entleerte vorgestern Abend 7 Uhr, also gerade zu der Zeit wo am meisten gebadet wird, an dem Därrnischen Stege ein Faß mit so unbeschreiblichem Inhalte, daß es die zufällig Zuschauenden geradezu überlief bei dem Gedanken, daß einem etwas derart beim Badm begegnen könnte; Unbegreiflich ist cs, wie man seinen Nebenmenschen etwas derart bieten kann; es könnte ja doch das Wegschaffen solcher Dinge eben so gut bei Nacht oder früh Morgens geschehen, wo es Niemanden stört. —n.
Gießen, 1°. Juni. Am 15. Juni war es ein Jahr daß der Oberh. Verein für Localgeschichte sich hier constituirte. Die gestrige Generalversammlung deffelben konnte gewiffer- maßer. auch als Stiftungsfest angesehen werden. Der Mitgliederbestand erreichte die Höhe von 172 Mitglieder. Zahlreich war die Versammlung besucht und würde der Besuch vielleicht noch bedeutender gewesen fein, wenn man etwa eine spätere Stunde angesetzt hätte. — In der Uebersicht über die Vereinsthätigkeit des verfloffenen Geschäftsjahres wurden von dem Vorsitzenden, Herrn Profeffor G areiß, die einzelnen Ausflüge beschrieben, von den stattgehabten Ausgrabungen und Funden Kenntniß gegeben wie überhaupt ein sehr präcises und klares Bild über das Wirken und Walten des Vereins entrollt, der für unsere Stadt und Provinz von großem Werthe ist. Als Bemerkenswerth heben wir aus dem Vorgetragenen u. A. hervor, daß die Burg Münzenberg gründlich restaurirt?werden soll und Herr Geb. Baurath v. Ritgen mit der Ausführung betraut worden ist. Der Verein darf sich schmeicheln, wohl den Anlaß zu dieser Arbeit gegeben zu haben, mit welcher unserer Gegend ein Hauptschmuck erhalten bleibt. Den Besitzern der Burg Münzenberg gebührt der Dank für die Bereitwilligkeit, mit welcher sie die Mittel zur Renovirung


