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lich strafgerichtttcher und disciplinarischer Verfolgung, eine Ordnungsstrafe bis zu 100 Mk. festgesetzt werden. Unter Ungebühr ist jede gröbliche Verletzung der Ordnung zu verstehen (z. B. Beleidigungen der Gerichtsperjonen, der Parteien, laute Aeußerungen des Beifalls oder Mißfallens rc.). Solche Strafen kann nicht nur das mit mehreren Richtern besetzte Gericht, sondern auch der Einzelrichter verhängen; es ist gegen sie nur innerhalb acht Tagen die Beschwerde an das Oberlandesgericht zulässig._____________________________

Deutschland.

Berlin, 16. Juli. Wenn dasMemorial diplomatique" richtig infor- mirt ist, wird Fürst Gortschakoff nach seiner Rückkehr nach Rußland die Lei­tung seines Ministeriums nicht wieder übernehmen, sondern in den Ruhestand treten. Bekanntlich ist der Rücktritt des Fürsten Gortschakoff seit Jahren immer wieder prophezeit worden, ohne daß bis jetzt die nachfolgenden That- sachen die Vorhersage bestätigt hätten. Die Reproducirung dieser Meldung in dem gegenwärtigen Momente verdient deswegen Beachtung, weil man in der letzten Zeit vielfach von einer angeblichenErkaltung zwischen Deutschland und Rußland" spricht. Eines der anerkanntesten Argumente hierfür bildet die Unterlaffungssünde des russischen Reichskanzlers, welcher in Berlin verweilte, ohne dem Fürsten Bismarck einen Besuch zu machen. Uns scheint, daß Gort­schakoff, wenn er Schlammes im Sinne hätte, eher den Fürsten Bismarck mit Höflichkeiten, als mit dem Gegentheile überhäufte. Die Freundschaft der beiden Kanzler, die wohl niemals sehr groß war, hat sich durch bekannte Vor- gänge noch wesentlich abgekühlt, und mag vielleicht sogar in das Gegenthetl um­geschlagen sein. Aber von einerErkaltung zwischen Deutschland und Rußland" kann man wohl so lange nicht reden, als das herzliche Verhältniß zwischen den Kaisern Wilhelm und Alexander fortdauert.

Die Adreffe der Berliner Studentenschaft an den Cultusminister Dr. Falk hat folgenden Wortlaut:

Ew. Excellenz haben in einer Epoche großer nationaler Entwickelung, deren Aufgaben Ihre volle Manneskrast in Anspruch nahmen, Zett und Gefühl für die Jntereffen der deutschen Universität bewahrt und bewiesen.

Deutsche Universitäten haben Ew. Excellenz während Ihrer Amtsthätig- keit vielfach den Beweis tiefer Sympathie deutscher Studenten entgegenzebrackt.

In dem Augenblick Ihres Scheidens fühlen wir als Studtrende der Ber­liner Universität uns vom heißen Drange beseelt, Ihnen, Herr Minister, die Gefühle unseres Dankes und unserer Verehrung auszusprechen. Zu Ihnen, als dem Letter unseres gesummten Unterrtchtswesens, haben wir von dem Augenblick, da wir zu selbständigem Denken erwachten, mit Zuversicht und Be­geisterung emporgeblickt.

Genehmigen Sie, Herr Minister, die Versicherung, daß diese Gefühle nicht mit der Stunde entstanden, nicht mit der Stunde verwehen werden, fon» dern wie sie durch Ueberzeugung gegründet und gefestigt, vorher in uns lebten, so für alle Zeit in unserer Aller Herzen fortleben werden."

Diese Adreffe liegt seit Montag Morgen in der Universität zur Unter­zeichnung aus und bedeckt sich sehr schnell mit Unterschriften, sie soll in künst­lerischer Ausführung durch eine Deputation in allernächster Zeit dem Herrn Minister überreicht werden. Im Anschluffe hieran wollen wir noch bemerken, daß das Zurücktreten des Delegirten der Corps-Studenten von dem Comitd nur darauf zurückzuführen ist, daß die Corps als solche sich grundsätzlich von jeder politischen Demonstration fernhalten und daß sie geglaubt haben, ein Fackelzug für den scheidenden Minister würde immerhin einen politischen Bei­geschmack haben. Daß sie darin geirrt, beweist der Wortlaut der Adreffe.

Die Kenntniß der Anfangstermine für die Verzollung nach dem neuen Zolltarif ist für den gesammten Handelsstand von größter Wichtigkeit. Wir geben deshalb nachfolgende Zusammenstellung:

1) Es werden bereits erhoben kraft des Sperrgesetzes seit 1. Juni: die Zölle für Roheisen, Brucheisen und Eisenabsälle (Pos. 6a); seit 6. Juli: für Branntwein aller Art, auch Arrac, Rum, Franzbranntwein, versetzte Brannt­weine, Essig, Wein, Most, Ciber und künstlich bereitete Getränke, Südfrüchte: getrocknete Dateln, Mandeln, Pomeranzen u. dgl., rohen und gebrannten Kaffee, Kaffee-Surrogate (ausgenommen Cichorie), Thee (Pos. 25 b, d 2, c, h 3, m, w), Petroleum (Erdöl) und andere Mineralöle, roh und gereinigt, (Pos. 29); seit 8. Juli für Tabakblätter, unbearbeitete und Stengel, Tabak­saucen, fabricirtec Tabak, als Cigarren, Cigaretten und anderen. Die drei genannten Verordnungen sind am 31. Mai, 6. Juli und 7. Juli im Reichs­gesetzblatt erschienen, d. h.ausgegeben worden" und sind deshalb nach den von dem Bundesraths-Ausschuß für Zoll- und Steuerwesen aufgestellten Grundsätzen" am 1. Juni, 7. und 8. Juli in Wirksamkeit getreten (s. u.).

2) Sofort nach Publication des ganzen Zolltarifgesetzes (also voraus­sichtlich schon an einem der nächsten Tage) treten in Kraft die Zölle für den Rest der Pos. 6: Eisen und Etsensabrikate, Pos. 14: Hopfen, 15: Instru­mente, Maschinen und Fahrzeuge, 26c: Fette (Schmalz von Schweinen und Gänsen, Stearin, Palmitin, Paraffin, Wallrath, Wachs, Fischspeck, Ftschthran, anderes Thierfett), 37: Eier, 39: Vieh und jedenfalls auch die bei der Sperrverordnung vom 5. Juli ausgenommenen Nummern der Pos. 25. Es sind dies die folgenden Artikel: Bier, Mehl, Hefe (ausgenommen Weinhese), Butter, auch künstliche, Fletsch, Wild, Geflügel, Fleischextrakt, Tafelboutllon, Fische, Südfrüchte (frische Apfelsinen, Citronen, Limonen, Pomeranzen, Gra­naten), Gewürze, Häringe, Honig, Cacao (Bohnen und Schalen), Cavtar und dessen Surrogate, Käse, Confitüren, eingemachte Früchte, Gemüse, Pilze, See- thiere, zubereitete Fische, zuberetteter Senf, Oliven, Capern, Pasteten, getrock­netes Obst, Obstsäfte, Nüffe, Kastanien, gebrannte oder gemahlene Cichorien, Krastmebl, Stärke, Sago, Muschel- oder Schalthiere, Reis, Salz, Syrup, Zucker.

3) Am 1. October 1879 treten in Kraft die Zölle auf: Anis, Cortan- der, Fenchel, Kümmel; Raps, Rübsaat und andere Erzeugniffe des Landbaues (Pos. 9 d, e, f); Brennholz, Borke und Gerberlohe, Bau- und Nutzholz, grobe Böttcher-, Drechsler-, Tischler- rc. Maaren, Fourniere, hölzerne Möbel und Möbelbestandtheile (Pos. 13a bis f).

4) Am 1. Januar 1880, dem generellen Einführungstermin des ganzen Tarifs, treten die Zölle für Getreide und alle übrigen Gegenstände in Wirksamkeit.

5) Am 1. Juli 1880 tritt in Kraft der Zoll auf Flachs und andere vegetabilische Spinnstoffe, mit Ausnahme der Baumwolle (Pos. 8) (falls dieser Zoll nicht inzwischen aufgehoben werden sollte).

Amerika.

New-Orleans, 16. Juli. Die hier und in anderen südlichen Städten anläßlich des Auftretens des gelben Fiebers angeordnete Quarantäne gegen aus Mempbis kommende Personen ist wieder ausgehoben.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. E-rrespondeur-Vurech».

Darmstadt, 17. Juli. Se. Majestät der Kaiser ist heute Vormittag 11 Uhr mittelst Extrazuges hier etngetroffen. Am Bahnhofe war die Großh. Familie zur Begrüßung erschienen. Nach einem Aufenthalte von 20 Minuten wurde die Reise fortgesetzt.

München, 17. Juli. Der Minister des Innern legte beute in der Kammer der Abgeordneten unter kurzer Begründung das Beamten-Disciplinar- gesetz vor. Daffelbe wurde dem AuSschuffe überwiesen. Nächste Sitzung morgen.

Wien, 17. Juli. DiePolit. Corresp." meldet über die Vorgänge von Rasgrad nach eingezogenen Informationen Folgendes: Da nur eine ge­ringe Truppenzahl, nämlich 350 Mann der bulgarischen Druztna von Rust- jchuk zur Bewältigung der mohamedanischen Erhebung in Rasgrad aufgeboten worden, so schließt man auf einen wesentlich localen Character dieser Erhebung. Die Nachricht, die Insurgenten hätten sich der Straßenzüge bis Jamboli be­mächtigt, ist unwahrscheinlich, da die aus Philippopel und Umgebung rückkeh­renden russischen Truppen nach amtlicher Meldung gerade jetzt Jamboli passiren. Die ostrumelische Regierung sandte in Folge des Abmarsches der russischen Truppen von Philippopel 512 Mann zur Ausrechthaltung der Ord­nung nach Hermanli.

Augsburg, 17. Juli. Nach derAugsburger Postzeitung" ist ein Wechsel in der Person des päpstlichen Nuntius zu München bevorstehend; der bisherige Nuntius Masella sei als Vertreter des Papstes für Lissabon designirt.

London, 17. Juli. Aus dem gestrigen Banket der Conservativen im Crystallpalast sprach sich der Staatssecrelär für Indien Cranbrook anerkennend über die Führung des afghanischen Krieges aus und hob diesbezüglich noch hervor, daß Jakub Khan seinen Verpflichtungen loyal nachkam; die Freund­schaft Afghanistans trage zur Stärkung des indischen Reiches bei. Redner glaubt, Rußland sei im Begriffe, allen Verpflichtungen des Berliner Vertrages nachzukommen. Cranbrook gedachte ferner lobend den Bemühungen Drum nond Wolff's um Herstellung einer guten autonomen Verwaltung Rumeliens. Es sei zu erwarten, daß die Völkerschaften der Türkei fortan in Frieden unter einander leben. Redner vertheidigt den Sultan gegen den Vorwurf, daß er die Reformen nicht weiter durchführe, und wies auf die Schwierigkeiten der Lage des Sultans hin, welche ein wenig Geduld verlange. Man könne eine günstige Zukunft für die asiatische Türkei erwarten. Die Freundschaft zwischen der Türkei und England sei ein Pfand gegen größere Complicattonen, selbst gegen solche, welchen England bereits ausgesetzt gewesen sei.

Bukarest, 17. Juli. Da die Kammer anscheinend keinen Entwurf zur Juden-Emancipatton zu Stande brtnaen, welcher dem Berliner Vertrage ent- spricht, so ist in maßgebenden Kreisen eine Vertagung der Kammern bis zum Herbst in Betracht gezogen. Man nimmt an, daß sich während der Vertagung die Erregtheit in dieser Frage sowohl in der Volksvertretung, wie in der Be- völkerung mindern werde.

New-Aork, 18. Juli. Der DampferState of Virginia" ist auf dar von New-Fork nach Glasgow am 12. Juli unweit Sable Island bei Nebel gescheitert. 13 Frauen und 5 Kinder sind umgekommen. Die übrigen 74 Passagiere wurden gerettet. Von Halifax wird Hülfe gebracht.

Bukarest, 17. Juli. Der Fürst hat die Demission des Cabinets Bratiano angenommen. In heutiger Kammersitzung erklärte der Vicepräfident der Kammer, daß bis zur Neubildung des Cabinets die Kammer vertagt bleibe. Rosetti ist trotz der gestern erfolgten Wiederwohl entschlossen, seine Demission aufrechtzuerhalten.

Konstanz, 17. Juli. Se. Maj. der Kaiser ist heute Abend 8 Uhr mit Extrazug hier angekommen, wo der Großherzoz und die Großherzogin von Baden Se. Maj. empfingen und von wo sie ihn sofort nach schloß Mainau geleiteten. Die zahlreich versammelte Bevölkerung sowohl von Konstanz als der Orte auf dem Wege nach Mainau begrüßten Seine Majestät begeistert.

Lokales.

(Qicücn, 18. Juli Nächsten Sonntag den 20. d. M. findet im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M ein Fünfzig-Pfennigtag statt, an welchem den Besuchern ganz außerordentlich Vwlss geboten wird. Außer den gewöhnlichen Nachmittags- und Abendconcerten findet von 71/2 9 Uhr Frühconcert der Gartencapelle statt. Ferner wird die Nubische Karawane noch zu sehen sein, deren Ausstellung Mittwoch, den 23. Juli Abends geschlossen wird, worauf die afrikanischen Gäste sich sofort nach Dresden begeben. Gleichzeitig, wird an diesem Tage das Aquarium zu dem ermäßigten Preise von 25 per Person zugänglich sein, um Jedermann Gelegenheit zu geben, die überaus reiche Sammlung lebender Seethiere zu besichtigen, welche in demselben enthalten ist. Hoffentlich hat am Sonntag auch der Himmel ein Einsehen und läßt den Besuchern des Gartens die ihrer wartenden Genüsse nichc zu Wasser werden!

Gießen, 18. Juli. Eine Frau, welche Loose zur Ausspielung eines Bügeleisens feilbot, benutzte gestern in einem Hause in der Schulstraße die Gelegenheit, eine Taffe mit einem silbernen Löffel mitgehen zu heißen. Die Diebin wurde alsbald ermittelt und dingfest gemacht.

23 e r m 1 s ch t e S.

Darmstadt, 17. Juli. Durch rechtskräftiges Erkenntniß des Kriegsgerichts ist der Gardefüsilier Jls der 9. Compagnie des hiesigen Leibgarde-Regiments Nr. 115, welcher am 26. Juni d. I seinen Stubengenoffen, den Gardefüsilier Fröhlich, erschaffen hat, wegen fahr­lässiger Tödtung durch unvorsichtige Behandlung der Dienftwaffe zu Gefangniß von fünf Jahren verurtheiit worden. Jls ist zur Strafverbüßung in das Festungsqefängniß Mainz eingestellt.

Alzei, 15. Juli. Gestern Nachmittag um 4 Ubr erschoß sich, wie dasMainzer Tageblatt" meldet, auf dem hiesigen Friedhöfe der erst kürzlich zum Oberamtsrichter dahier ernannte Friedensrichter Franz Knaus, ein geborener Mainzer. Die Motive zu dem schreck­lichen Sckritte können nur in einer plötzlichen Geistesstörung gefunden werben, da der hier allgemein geachtete und beliebte Mann noch Tags vorher in ungetrübter Laune mit seinen Freunden verkehrt hatte.

Rastatt, 10. Juli. Während des gestern gegen 5 Uhr Abends hier stattgehabten heftigen Gewitters sprang ein Soldat vom Hauptportal des Schlaffes über den Schloßplatz der auf der Seite befindlichen Allee zu und wurde dabei von einem Blitzstrahl derart grroffen, daß derselbe an der linken Seite an ihm hinunterfuhr, die Kleider versengte, den Mcssinggriff des Seitengewehrs zusammenschmolz und die Klinge zurichtcte, als ob sie im Glühfeuer gewesen wäre, bann den Stiefelschaft der Länge nach vollständig durchriß und in die Erde fuhr. Der Mann brach sofort zusammen, wurde als leblos in's Lazareth gebracht, kam nach zwei Stunden wieder zu sich, konnte nach weiteren zwei Stunden wieder sprechen und hat weiter keinen Schaden davongetragen. Derselbe wird heute früh von Besuchen überhäuft und wegen seines in dieser Weise erprobten Nervensystems als Wunder angestaunt.

Neuß, 13. Juli. Die Kaffeepreise, die hier um 10 H per Pfund heruntergegangcn waren, haben seit gestern wieder einen Preisaufschlag erfahren, der 8 per Pfund beträgt