Bern, 17. Juni Der von den schweizerischen und italienischen Dele- flirten verhandelte Vertrag über die Suboentwnirung der Bahnlinien des Monte-Cenere ist gestern Abend abgeschloffen.
Berlin, 17. Juni. Der Ausschuß des Vereins der Privatbahnen des deutschen Reichs trat heute behuss Stellungnahme zu dem Eisenbahntarif- Entwurfe zusammen unb bezeichnete einstimmig einen einheitlichen Gütertarifsatz für alle deutschen Bahnen als für die Rentabilität der Privatbahnen höchst schädlich. ES wurde beschlossen, nach Beschlußfassung des Bundesraths über den Gesetzentwurf die Anschauungen des Ausschusses in einer Denkschrift niederzulegen und dieselbe zur Kenntniß des Reichstags und aller betheiligten Kreise zu bringen.
Brüssel, 17. Juni. Im Senat begann heute die Berathung des Gesetzes über den Volksfchulunterricht. Der Senatsprästdent Fürst Ligne sprach gegen das Gesetz. _____________________________________
Lokales.
Gießen, 18. Juni. Äm 27. Juli findet zu Worms der Verbandstag der hessischen Feuerwehren statt.
Anmeldungen zur Theilnahme und Anträge wollen an den Vorstand unter F. St. F. gerichtet werden
— In der Woche vom 8. bis zum 14. Juni ereigneten sich in Gießen 10 Todesfälle Darunter 6 bei Kindern. Em Kind von 9 Jahren starb an Diphthcritts, von 5 Kindern im ersten Lebensjahre, 2 an Brechdurchfall, 1 an Lungenentzündung, 1 an Bronchienentzündung, 1 an Krämpfen. Von 4 erwachsenen Personen starben 2 an Lungenschwindsucht, eine an Lungenemphysem, eine an Harnruhr G.
— Ein unfreiwilliges Bad nahm heute Morgen ein Dienstmädchen an der Koch'schen Bleiche. Daffelbe stürzte beim Auswaschen von dem schmalen Stege in den dort ziemlich tiefen Stadtbach und mit ihr zwei Körbe voll Wäsche, welche wohl schwerlich wieder zu erlangen sein dürfte, da das Waffer dieselbe mit sich fortriß.
— Ein nur mit einer Hose bekleideter Krüppel, an zwei Krücken gehend, wurde heute Nacht um 1 Uhr aus der Herberge in der Wolkengasse ausgesetzt. Ein mitleidiger Nachbar nahm den Obdachlosen für diese Nacht auf.
— Eine sehr kräftige Prügelet zwischen Handwerksmeistern entwickelte sich gestern Abend gegen 8 Uhr in einer Wirthschaft am Canzleiberg. Der unterlegene Theil soll sogar von dem Sieger im Hofe auf einen Haufen Mist placirt worden sem. Der vertilgte Nothwein muß kräftig gewesen sein.
— Einem Obdachlosen mußte die Schutzmannschaft heute Nacht Quartier anweisen.
— Das Feuerwerk gestern Abend lockte trotz des ziemlich ungünstigen Wetters eine große Menschenmenge in den Wenzel'schen Garten. Es herrschte nur eine Stimme des Lobes über das gelungene Arrangement und erntete namentlich die letzte Pi^ce, die große Brillant- Fontaine, den wohlverdientesten Beifall der Zuschauer in und außer dem Garten. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch bemerken, daß auf Antrag bezw. Einwilligung sämmt- l ich er bctheiligter Gartenbesitzer das Gäßchen nach dem Schiffenberger Weg gesperrt wurde, um nicht die Demolirung und Zerstörung wiederholt zu sehen, welche anläßlich des letzten Steigens des Luftballons in den diversen Gärten stattfand.
Vermischtes.
Darmstadt, 16. Jnni. Zur Beschickung der internationalen Weltausstellung zu Sydney haben sich dem „Gewerbeblatt" zufolge folgende inländische Industriellen angemeldet: 1) Mayer, Michel und Deningcr, Lederfabrikanten in Mainz; 2) A. Neubecker, Fabrikant für Bierbrauerei:Einrichtungen in Offenbach; 3) Meyer und Coblenz, Wcinhandler und Wetnberg- besitzer in Bingen; 4) E. Merck, chemische Fabrik in Darmstadt; 5) Hch. Keller Sohn, forst- und landwirthliche Samenhandlung in Darmstadt; 6) Hermann Lehmann, Portefeuillewaarenfabrik in Offenbach; 7) Gustav Böhm, Parfümcriewaarenfabrik in Offenbach.
— Dem berühmtesten Baudenkmal, das uns aus der Zeit der Herrschaft der Araber in Spanien erhalten geblieben ist, der Alhambra in Granada nämlich, droht nun ein plötzlicher Untergang. Wie nämlich die Madrider „Lealtad" vom 4. d. meldet, hat der Hügel, auf dem dieses clajsische Gebäude steht, vor einigen Tagen zu rutschen begonnen und droht jetzt gänzlich nuseinander zu gehen und so die Alhambra mit zu vernichten. Aber auch der Alcazaba, einem herrlichen weitläufigen Gebäude, welches am Fuße dieses mit der Alhambra gekrönten Hügels liegt und in dem einst der maurische Adel wohnte, droht durch diese Katastrophe eine große Gefahr.
Bern, 14. Juni. Wie die „I. P." meldet, ist Zürich durch einen Mord wieder sehr aufgeregt. Seit acht Tagen logirte dort im „Hotel Schwert" ein junger Weiureisender Namens Samuel Ruffy, Vertreter einer Firma in Bordeaux, gebürtig aus Morges im Canton Waadt. Vorgestern Abend erhielt derselbe von einem jungen Polytechniker Namens Charles Greiloz, Don Ollon im Canton Waadt, mit dem er in einer Züricher Erziehungsanstalt gewesen, Besuch.
Beide begaben sich auf Ruffy's Zimmer, wo sie tranken. Abends 10 Uhr erhielten sie die ktztc Flasche Wem. Gegen 3i/2 Uhr Morgens wurden Wirthsleute und Gäste durch rasch aufeinander folgende Revolverschüsse geweckt. Man eilte in das Zimmer Ruffy's, wo man Greiloz auf dem Bett als Leiche mit sieben Quetschwunden am Hinterkopf und zwei am Halse fand, während das Bett in hellen Flammen stand und die Matratze zum Theil verbrannt war Das Ganze umbüllte dichter Rauch. Ruffy erzählte nun, er sei durch starkes Rütteln und Würgen geweckt worden und habe zwei unbekannte Personen wahrgcnommen, von Heyen her eine ihn, der andere seinen Freund mißhandelt habe. Endlich habe er sich losgerunAen und um rasche Hülfe zu erhalten, seinen Revolver abgefeucrt. Die Fremden seien durch das Fenster entflohen, worauf er nachträglich bemerkt, daß ihm 5000 Fr. fehlen Diese Darstellung erwies sich sofort als unwahr; man zweifelt vietmebr nicht, daß Ruffy den Mord begangen hat. Schon vor wenigen Tagen soll derselbe bei einem Küfer einen Hammer verlangt haben, den er auf Reclamation zurückgegebcn; bald jedoch habe er sich einen anderen gefordert und dieser fehlt. Man glaubt, daß er ibn durch das Fenster in die Limmat geworfen hat. Wie es heißt, ist Eifersucht der Beweggrund der That.
Fintel. Ein ziemlich origineller Schwindel wurde kürzlich von einem Unbekannten hier und in der Umgegend verübt Es erschien nämlich eines Tages bei den Hausfrauen im Dorfe ein städtisch gekleideter Mann, der unter dem Namen „englische Krystallbleiche" ein chemisches Bleichmittel anbot, welches geradezu wunderbar wirken sollte. Das Leinen, in eine Abkochung dieser „Krystallbleiche" gethan und dann in kaltem Wasser nachgesvült, würde, wie der Händler betheuerte, in wenigen Minuten so weiß werden wie die Manschette, welche er an der Hand trüge. Da das Pfund von diesem Wundermittel nur 1 kostete und schon genügte, bei einer ganzen Bleiche die aschgraue in schneeweiße Farbe zu verwandeln, so war es nicht sehr zu verwundern, wenn die meisten Leinen besitzenden Hausfrauen dem bisherigen zchar wenig kostenden, aber doch immerhin zeitraubenden Bleichverfahren, wober Sonne, Waffer und Buchenlauche als Hauptfaetoren fungirten, ungetreu wurden und sich mit „englischer Krystallbleiche" versahen. Das Experiment wurde nun auf's Sorgfältigste nach der geschriebenen Gebrauchsanweisung, welche der Händler zurückließ, gemacht, dock es zeigte sich bald, daß die „englische Krystallbleiche" dem hiesigen Fabrikat gegenüber völlig machtlos war; das Leinen kam ebenso grau aus der Bleiche heraus, wie es hinein gethan worden. Waren die guten Hausfrauen hierüber schon sehr ärgerlich, so stieg ihre Entrüstung noch höher, als sie nachträglich erfuhren, daß einige Tage zuvor ein Unbekannter, der nach der Beschreibung kein anderer sein konnte, als der CrystallbteichewMann, bet hiesigen Kaufleuten die gesammten Vorräthe von gemahlener Kreide ä Pfd. 5 H angekauft hatte, um sie vann als „englische Krystallbleiche" mit 1900 Proc. Nutzen wieder loszuschlagen!!
Meppen, 11. Juni Auf dem Kruppschen Schießplätze ist heute die größte Kanone eingetroffen, welche bis jetzt auö der Krupp'schcn Fabrik hervorgegangen ist, es ist die 40-Cen- timeterrKanone. Dieselbe hat eine Rohrlänge von 10 Metern und wiegt 72,000 Kilogr.; sie verlangt eine Ladung von 220 Kilo Pulver und schleudert mit außerordentlicher Trefffähiakett ein Geschoß von 750 Kilogr. auf 10,000 Meter Entfernung.
— Wenden Sie gefälligst um! Auf dem Rittergute Pomsen verschwanden einmal 50 Stück Kornsäcke, welche trotz aller Nachforschungen nicht zu finden waren. Als nach einem Jahre der Verwalter des Gutes begraben wurde und es dabei regnete, nahmen die im Leichenzuge befindlichen Weiber ihre Röcke über den Kopf uns der erstaunte Amtmann, der hinten nach kam, las auf allen Unterröcken: Rittergut Pomsen Nr. 1K, 24, 36, 48 rc.
— Eine junge Dame erscheint im Insertions-Bureau eines verbreiteten Blattes und bezahlte die Gebühren für folgende Anzeige: „Ein gebildetes Fräulein vom Stande wünscht eine Gouvernantenstelle hier oder in den Provinzen gegen vollkommenen Unterhalt zu versehen. Auskunft ertheilt aus Gefälligkeit Dr. Metzger am Steinwall Nr. 8." Allein Gott Bachus regiert sowohl Correetur als Druckerei, und andern Tages erscheint folgendes Inserat: „Ein gebildetes Fräulein vom Lande wünscht eine Gouverneurstelle hier oder in den Provinzen gegen vollkommene Unterhaltung zu erstehen. Auskunft ertheilt aus Gefälligkeit der Metzger im Sckweinstall Nr. 8"
Eingesandt.
Im Glauben, daß ein verehrt. Publikum gewiß stets mit Freude und Stolz die Anlagen des Gartens betrachtet, kann ich nicht umhin, leider abermals zu bestätigen, daß von ruchloser gemeiner Hand, aber auf eine so raftinirte und den Fachmann verrathende Weise, das schöne Lilienbeet (jede einzelne Pflanze von der Erdoberfläche an beinahe einen Fuß mit einem Messer aufgeschlitzt) zerstört worden ist. Die Pflanzen sind in Folge dessen bis auf die Blüthenkolben entlaubt, ob selbige zur Blüthe gelangen, bleibt dahingestellt und sollte es nickt der Fall sein, ist der Garten von einer mit der schönsten Zierde beraubt. Nebenbei bemerkt, belief sich die Anlage des Beetes auf JL 60.
Ob solche Handlungen mich aufmuntern, immer mehr „Neues" zu schaffen, überlasse ich einem w o h l w o l l e n d e n Publikum. Dem Thäter jedoch diene, trotzdem Er vielleicht ebenso wie bei dem gestohlenen Thermometer nicht entlarvt wird, daß diese seine Heldcnthat ihn kennzeichnet und glaube gewiß im Sinne des ganzen Gießener Publikums zu sprechen, wenn ick behaupte, daß Er wenig Anspruch auf das Prädikat „Mensch" zu machen berechtigt ist.
Die Hand, welche Blumen auf diese Art, und namentlich in einem öffentlichen Garten, zerstören kann, gehört einer Bestie. W Wenzel.
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