selben besucht und mit ihm sich unterhalten hätte, als eine Botschaft ankam, welche die Anwesenheit des Letzteren in einem entfernten Theile der Stadt dringend verlangte. Der Vtcegouverneur bestellte eilig seinen Wagen; der Fremde aber schlug ihm vor, um Zeit zu ersparen, sich seines Wagens zu bedienen, der vor der Thür stände. Der unglückliche Beamte nahm das Anerbieten an, die Beiden fuhren fort und man hat seitdem von ihnen nichts mehr gehört noch gesehen. Diese Demonstrationen und Gewaltstreiche der Nihi- listen flößen den Beamten einen ganz natürlichen Schrecken ein._________
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Torrespondenz-Bureau.
Berlin, 17. April. Se. Maj. der Kaiser hatte gestern Nachmittag eine einstündige Conferenz mit Fürst Bismarck. — Die „Prov.-Corresp." schreibt: Das Attentat gegen Kaiser Alexander bilde ungeachtet der eigenthüm- lichen seit Jahren in Rußland entwickelten Verhältniffe, ein Glied in der Reihe der Frevelthaten der durch ganz Europa gehenden revolutionären Bestrebungen. Das deutsche Volk, welches dem mit seinem Kaiser befreundeten und seit langen Jahren eng verbündeten Fürsten die innigsten Gefühle widme, habe auch anläßlich der jetzigen schweren Prüfung seine ernste Theflnahme für Kaiser Alexander und deffen erhabene fürstliche Aufgaben den wärmsten Ausdruck gegeben. — Betreffs der Reisen Sr. Maj. des Kaisers bemerkt die ^,Prov. Corr. *: Der Kaiser gedenke Anfang Mai nach Berlin zurückzukehren und zunächst hier und in Babelsberg zu restdtren. Die wetteren Retsepläne seien noch nicht fest- gestellt, namentlich sei es noch ungewiß, ob der Sommerkur in Gastein ein Badeaufenthalt in Ems oder wieder in Teplitz vorhergehen solle.
London, 17. April. Die „Times" erfährt, England und Frankreich verschöben die Action bezüglich Egyptens wahrscheinlich bis die Unhaltbarkeit der Pläne des Khedtve offenbar geworden sei. Der Khedive werde alsdann aufgefordert, entweder die europälschen Minister wieder etuzusetzen oder abzudanken. — Aus Konstanttnnpel wird demselben Blatte gemeldet, daß Rußland und England die Wahl Aleko Paschas zum General-Gouverneur von Ostrumelten gebilligt haben.
— Nachrichten aus Capetowne vom 1. April zufolge brach eine Truppen- Colvnne von 6000 Mann mit Artillerie am 28. März zur Entsetzung Ekowes aus. General Pearson zeigte am 30. März durch Signale an, daß er die Spitze der Colonne sehe. Am 27. März stgnaltstrte General Pearson, daß die britische Colonne von 45,000 Zulus erwartet würde. — Oberst Wood griff die befestigte Stellung Umbelints an. Am 28. März nahmen die Engländer den Zulus Vieh ab, daffelbe fiel jedoch am folgenden Tage wieder in die Hände der Zulus zurück, welche, 20000 Mann stark, das Lager Oberst Wood's angrtffen. Der Kampf dauerte 4 Stunden. Schließlich wurden die Zulus zurückgeworsen. Auf Setten der Briten blieben 7 Osfictere und 70 Mann todt.
Brüssel, 17. April. In den Gruben von Agrappe bei Frameries erfolgte ein Ausbruch schlagender Wetter; die Grubengebäude sind in Brand gerathen und thetlwetse schon zusammengebrochen. Bei dem Unglücksfalle befanden sich 240 Arbeiter in den Gruben; man befürchtet, daß viele von ihnen umgekommen seien. (Siehe untenstehende Depesche aus Mons. D. Red.)
Berlin, 17. April. Die hier tagende Conferenz der Delegtrten der deutschen Seehandelsplätze beschloß eine Petition an den Reichstag, worin dieselbe sich gegen Retorsionszölle, gegen Zölle auf Getreide, Eisen und Holz aus- sprtcht und ferner erklärt, sie habe gegen Ftnanzzölle princtptell nichts etnzu- wenden, die für Thee, Kaffee, Tabak, Malz, Speck und Petroleum vorgeschlagenen Zollpositionen seien aber viel zu hoch. — Der Director der Hauptverwaltung der Staatsschulden, Graf Eulenburg, ist heute Morgen gestorben.
Petersburg, 17. April. „Nowoje Wremla" erfährt, es sei unter dem Vorsitz des Staatssecretärs Walujeff eine besondere Commission gebildet worden behufs Berathung über außerordentliche Maßregeln, welche durch eine Reihe verbrecherischer Attentate hervorgerufen seien. Unter den von der Commission bereits berührten Maßregeln befinde sich das Project der Errichtung von 12 provisorischen General-Gouverneurposten.
Berlin, 18. April. General v. Werder hat seine Demission etn- gereicht und erhalten. Derselbe wurde in den Grafenstand erhoben. General v. Oberwih erhielt das Commando des 14. Armeecorps.
Mons, 17. April, Nachts. Die Rettungsarbeiten in den Gruben von Agrappe werden mit aller Energie fortgesetzt. Es ist leider bisher noch nicht gelungen, auch nur einen der in den Gruben beschäftigt gewesenen 240 Arbeiter zu retten.
Loudon, 15. April. Abends. Im Unterhause antwortete Schatzkanzler Str Stafford Northcote auf eine Frage Forster's, er könne nicht sagen, daß der Plan einer gemischten Occupatton Ostrumeltens absolut aufgegeben sei. Andere Fragen seien darüber aufgetaucht und sei die Aufmerksamkeit in eine andere Richtung gelenkt worden. — Gegenüber einer Anfrage Fawcetts dementirt der Minister die Mtttheilung, daß der Vormarsch in Afghanistan anbefohlen sei.
Northcote erwidert auf Befragen Goldschmtdt's, er sei bisher über die Krisis in Egypten nur telegraphisch unterrichtet worden und erwarte briefliche Mittheilung zu Ende dieser Woche. Der Regierung sei nicht bekannt daß Rivers Wilson seine Entlaffung anzunehmen sich weigere, bis er Mittheilung von der britischen Regierung erhalten haben werde. England habe nicht an den Sultan appellirt und sich nicht zu irgendwelcher Action mit Frankreich verpflichtet; wobl aber finde ein Meinungsaustausch mit Frankreich statt welches diese Frage ebenso interessire. Northcote hofft, die Regierung werde bald bester in der Lage sein zu entscheiden, ob überhaupt und welche Schritte nöthig seien. Ein Theil der bezüglichen Correspondenz sei bald zur Vorlegung bereit. Ohne vorherige Ankündigung könne er die Frage über die Stellung Italiens zur Sacke nickt beantworten. ö
Nochmals das „Hessische Schulwesen" und die „Deutsche Reichspost". w
(Schluß.)
Das ist denn doch zu keiner Zeit für emc Entgegnung gehalten worden Mit einem solchen Histörchen kann man vielleicht dem „Bruder Bauer" in irgend welchem Dorf Etwas plausibel machen: aber Zcitungspolemik ist das doch nicht. — Nehmen wir einmal an, die Anklageartikel der „Reichspost" seien eine Rede, die ein Gegner der heutigen Gesetzgebung in einer öffentlichen Versammlung gehalten hatte. Nehmen wir weiter an, unsere Artikel seien die Entgegnung darauf. Nun fragen mir: „Ist es denkbar, daß der „Reichspostredner" in öffentlicher Versammlung gegen unsere Vorwürfe sich auf die Art, wie er es thut, durch Gleichniß und Exempel hätte aus der Patsche
können? Da wäre -r, einfach ausg-lachr worden! Di-Erzählung de« gristvollm Oleichnistes lst em Emgestandmß der Niederlage, wie wir's nicht besser wünschen
Die Schlußworte der „Reichspost" müssen wir noch einer kleinen Betrachtung, unterziehen. Da heißt "So waren wir nun über das Stadium des Todtge- schwlegenwerdens glücklich hinaus!"
_ ^eude, daß ein „Reichspostartikel" einmal wirklich beachtet worden ist'
Das Geschäft muß doch noch recht schlecht gehen. Aber ein gutes Herz hat sie die „Reichspost. ! Sie läßt sich von uns bis zur Unkenntlichkeit das Fell zerzausen trägl^s aber mit achtem Märtyrersinn und freut sich noch, daß wir es überhaupt der Mühe werth erachtet haben, uns mit ihr zu beschäftigen. Ja, liebe „Reichspost", für ungefährlich haben wir Dich nie gehalten und nach Deinen letzten Artikeln ganz und gar nicht. Du nimmst die Miene an, als seist Du, Gott weiß, wie unterrichtet und erfahren in Schulsachen, und unter dieser Maske schleuderst Du im Biedermannston eine aanze Masse grober Unwahrheiten in die Welt hinaus. Und welch' zahlreiche Unterstünuna hast Du gefunden! Die ultramontanen Blätter haben sofort auf Deine „trefflichen Artikel" aufmerksam gemacht, und ein Darmstädter Blatt, das unter der Kautschuk- devlse „Gleiches Recht für Alle" jeden Angriff auf unsere Regierung mit Wohlbehagen unterstützen zu müssen glaubt, hat Deine „trefflichen Artikel" sofort in extenso abgedruckt. Dadurch haben Deine Unwahrheiten denn doch eine bedeutende Verbreitung gefunden und die Widerlegung verlohnt sich schon der Mühe. Wenn Du ferner Seit und Lust hast, mit uns über die hessischen Schulen zu discutiren, wir sind stets gerne bereit; „unser Redacteur" will uns auch immer den nöthigen Raum zur Verfügung stellen. Rur um Eines bitten wir Dich: Rede fürderhin nicht wieder durch die Blume' Uns geht jede dichterische Begabung ab, Du bist uns in „Gleichniß und Exempel" zu sehr über, wir würden mit zu ungleichen Waffen kämpfen und das wirst Du uns doch loyaler Weise nicht zumuthen wollen.
Apropos, loyal! Du hast aber doch merkwürdige Begriffe von „loyal". Du schreibst: „Das hessische Schulregiment wird den Werth einer loyalen Kritik besser zu würdigen wissen, als das der „Hessischen Landeszeitung" möglich gewesen ist." Ei ei! Du beschuldigst unser Schulregiment der Sympathie mit religionsfeindlichen Bestrebungen, Du klagst die Behörde an, allerdings in völliger Unkenntniß der bestehenden Verordnungen, sie untergrabe die Disciplin in der Schule, Du beschuldigst sie sie habe die Kritik des „hessischen Lehrerstandes" durch einen ordinären „Bauernfänger- kmff" mundtodt gemacht, und all' das nennst Du eine loyale Kritik? Was sagst Du denn den Leuten nach, wenn Deine Kritik einmal aufhört, „loyal" zu fein? — Du beschwerst Dich darüber, daß wir den Grund Deiner gegnerischen Auffassung in Umvissen- hest oder Bosheit finden. Ja, daran sind wir doch nicht schuld. Da ist doch nur eine Alternative. Entweder hast Du die von uns vorgebrachten Thatsachen gewußt aber absichtlich verschwiegen, oder Du hast sie überhaupt nicht gewußt. Weißt Du eine für Dich vortheilhaftere Erklärung; wir wollen sie mit Vergnügen acceptiren; bis da- ihn tertium non datur.
Die „Reichspost" schließt:
, „Die Herren werden schon aus der Erfahrung in ihrem schweren Amte „gelernt haben, daß sich ohne gegnerische Kritik überhaupt nicht regieren läßt, „und sie werden ohne Zweifel in den Ausspruch des französischen Staats- „mannes einstlmmen: „Wenn ich keine Opposition vorfände, so würde ich mir eine zu schaffen suchen "
Das ist doch recht edel von der.Reichspost" gedacht! Sie macht der Regierung Opposition aus purem Wohlwollen, damit die Herren überhaupt nur regieren können. Nun, die Gefahr der Versumpfung aus Mangel an Opposition ist noch nicht gerade drohend. An Opposition hat's bis zur Stunde noch nicht gefehlt, und die Regierung könnte sich freuen, wenn jede Opposition so leicht zu widerlegen wäre, wie die der „Reichspost". Sogar, was sie citirt, ist falsch. „Der französische Staatsmann" hat nicht gesagt: „Wenn ich keine Opposition vorfände, so würde ich mir eine zu schaffen suchen", sondern viel drastischer: „so würde ich mir eine kaufen." Und außerdem ist „der französische Staatsmann" auch ein Engländer und heißt Charles Fox!
Lokales.
Gießen, 18. April. Folgende Adresse ist zur Vertheilung an die Reichstagsmitglicdcr von dem hiesigen Tabaksteuereomitö nach Berlin abgesender worden:
Hoher Reichstag!
Bei der jüngsten Versammlung von Handelskammerdelegirten in Cassel sprachen sich zwei Abgeordnete der hiesigen Handelskammer im Princip gegen jede Erhöhung der Tabaksteuer aus, der dritte Abgeordnete stimmte für eine Erhöhung von 30 JL (!!), ein hiesiger Fabrikant für eine dergleichen von 15—20 JL, beide Sätze ohne Nachversteuerung. Wegen der durch die Speculation hervorgerufenen, sich allseitig widersprechenden Kundgebungen konnte weder eine Einigung über die Zollsätze, noch ein Anschluß an die weit zahlreichere und maßgebendere letzte Berliner Versammlung der Tabakfabrikanten stattfinden, die nur, wenn es nicht zu umgehen sei, eine kleine Zollerhöhung im Bereiche deö neuen Zolltarifs bewilligte. Nack dem allgemeinen Wunsch der hiesigen und in der Umgegend wohnenden, nach Tausenden zählenden Interessenten, finden wir uns daher wiederholt veranlaßt, unseren dem hohen Reichstag bereits dargelegten Standpunkt energisch zu behaupten.
Acceptirt der Reichstag eine hohe Steuer ,hne Nachversteuerung, so wird die Mehrzahl der betheiligten Existenzen aus der Mittel-, Klein- und Hausindustrie geschädigt oder ruinirt werden; entscheidet sich jedoch der Reichstag für die Nachversteucrung mit oder ohne Stundung der Zölle, so wird in der Tabaksbranche eine Krisis eintreten, der eine große Zahl von ungenügend fundirten Händlern, Speculanten und Fabrikanten zum Opfer fallen. Es ist weiter ein Mittelweg vorgeschlagen worden, der eine mäßigere Zollerhöhung anstrebt; aber auch hierbei wäre znm pflichtgemäßen Schutze der Concurrenzfähigkeit der nicht mit Borräthen ausreichend gedeckten Tabakshändler, Fabrikanten und Detailisten die Nachoersteuerung nicht zu umgehen
Die Nachversteuerung selbst wird jedoch eine massenhafte Anstellung von neuen Zollbeamten erfordern, sie wird wegen der laufenden Bestellungsverbindlichkeiten die größten Unzuträglichkeiten, Streitigkeiten und Geschäftsstockungen zu Tage treten lasten und kann diese gefährliche, fast undurchführbare Maßregel beim Reichstag nach gründlicher Prüfung der einschlägigen Verhältnisse nur große Bedenken veranlassen.
Da nun durch Steigerung der Zollsätze außerdem unter der Arbeiterbevölkerung wegen der verminderten Consumtion ein Nothstand eintreten wird und dem Reiche keine größeren Einnahmen zufallen können, so stellen wir an einen hohen Reichstag die dringende Bitte!
„bei dem Tabaksjoll jede Erhöhung der „bestehenden Sähe ru versagen."
Gießen, im April 1879.
Das Tabaksteuercomite.
Vermischtes,
Darmstadt, 15. April. Das häufige Vorkommen von Trichinen in aus Amerika importirtem Schweinefleisch wurde bei den im Großherzogthum wiederholt stattgehabten Untersuchungen destelben bestätigt. Außer in Offenbach, Worms und Wimpfen sind neuerdings auch in Gießen unter den im Handel vorgekommenen amerikanischen Fleischwaaren, wie Schinken, Speckieiten und Rauchfleisch, 9 Mal mehr oder weniger, meist aber in stärkerem Grade von Trichinen durchsetzte Stücke gefunden worden. Die betteffenden Händler hatten ihre zweifelhafte Waare vor dem Fetlhalten von dem Gießener Fleischbeschauer, welcher seit Jahren die mikroskopische Untersuchung der dortigen Schlachtschweine besorgt, untersuchen lasten und konnte dadurch eine Jnfection durch den Genuß derselben verhütet werden. Die trichinös befundenen Stücke wurden unter polizeilicher Aufsicht vernichtet und die Verkäufer, von welchen übrigens meliere auf den Bezug weiteren Fleisches dieser Art verzichteten, auf die Bestimmungen des Reichsstrafgesetzes aufmerksam gemacht. (D. Ztg.)
(Wir können Vorstehendem noch hinzufügen, daß innerhalb der letzten Tage, sogar erst heute, den 18. dss., wieder zwei Fälle von Trichinenfleisch von unserem Fleischbeschauer eonstatirt wurden. D. R )
Hanau, 12. April. In der letzten Sitzung der Strafkammer des hiesigeu Kreisgerickts stand der Vergiftungsfall zur Verhandlung, welcher vor einigen Wochen in der Pfarrers- Familie zu Praunheim vorgekommen ist. Das Dtenstmädcken, aus einem Nachbarvorf gebürtig und erst 17 Jahre alt, ist geständig, in den Morgen-Kaffee seiner Dienstherrschaft die Zündmaffc des Inhalts eines ganzen Kästchens Streichhölzer eingemischt zu haben. Der Phosphorgeruch verrieth alsbald die That, sodaß der Pfarrer sowohl, wie seine Frau den nur geschmeckten Kaffee ausspieen und von weiteren Folgen verschont blieben Die Angeklagte gibt als Motiv Aerger über die ihr widerfahrene Behandlung an. Wahrscheinlicher ist, daß sie aus Rache handelte, weil sie in einem Liebesverhältnlß gestört wuroe. An dem Abend destelben Tages kam in der Scheune des Pfarrhofs ein, jedoch schnell gelöschter Brand aus. Auch hierzu tft das Mädchen die Thäterin, wie es sagt, um den Pfarrer zu schrecken, wie indeß vermuthlich.


