AllM- Md Amtsbllltt für ita Kreis Sichen.
1879.
Str. 90.
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Me-aetio«-bureaur l Gchulstraße v. 18. Erscheint tS-ttch tmt Ausnahme deS MontagS. 3^ die Post bezogen vierteljährlich 2 Mack 50 Pf.
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Amtlicher Hheik.
Bekanntmachung.
In Gemäßheit des §. 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über Vie Naturalleistungen für die bewaffnete Macht .m Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnitlsmarktpreise vom Monat März 1879 veröffentlicht:
Hafer 14,50 Mk., Heu 4,20 Mk., Stroh 4 Mk. per 100 Kilogramm.
Gießen, am 18. April 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. B o e k m a n n. ___
aus ein
verband
Deutschland.
Darmstadt, 16. April. In Folge des Rücktritts des Geh. Medtci- nalrathS Pros. Dr. Seitz von der Leitung der medicintschen ftlinit an der Landesuniveisität mußten Verhandlungen zur Gewinnung eines tüchtigen Nachfolgers eingeleitet werden. Diese Verhandlungen stießen auf erhebliche Schwle- rlakeiten, welche hauptsächlich darin bestanden, daß die Localitäten und Ausstattung der Universitäts-Klinik als nicht ausreichend und entsprechend gefunden wurden. Als solche Forderungen werden bezeichnet: Neue Ausstattung der vorhandenen Krankenzimmer der medicintschen Klinck, Anschaffung neuer Wäsche (Leibwäsche) sür 50 Kranke, bessere Instandsetzung des HörsaaleS und des S-ctionssaales und Ausstattung dieser Räume mit Mobiliar, die Einrichtung eines medicintschen Laboratoriums, die Anschaffung eines Desinfecilons-Osins, di- Vermehrung des Wartepersonals und die Anstellung eines zweiten Assistenten bei der medicintschen Klinik. Das Großh. Ministerium des Innern und des Justiz hat unterm 12. d. Mts. eine Vorlage an dle zweite Kammer der Stände gelangen lasten, welche das Ai sinnen enthält, die Zustimmung zu ertbeiltn, daß die für Ausführung eine» Hintergebäudes bei der Klinik in Gießen mit Zubehör bewilltglen 16,000 Mk. zur Bestreitung der in der Vorlage näher erörterten einmaligen Ausgabe» verwandt werden, zu gleichem Zwecke der Regierung weiter die Summe von 8700 Mk. und zur Bestreitung der dauernden Ausgaben die Summe von jährlich 4200 Mk. aus Staats- mdtcl3)atmftabt"9 17.^>lpril. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer wird Dienstag den 22. d. M. ein- Sitzung abhalten. Auf der Tagesordnung d-rselben stehen die beiden neuesten Vorlagen G'vßh. Ministeriums des Innern und der Justiz in Betreff der weiteren Ansorderung sür die mcd,ctn,sch- Klinik anter Landesunwersität und in Betreff der Pensionsberechtigung des Dlrectors der Blindenanstalt zu Friedberg, sowie etwaige wettere zur Berichterstattung reise ®l8"^Cc’ 16 ap,(j. Die lebhafte Theilnahme, welche sich in allen G-a-nden Deutschlands sür die australischen Ausstellungen in Sidney und Melbourne kundgibt, hat der Frag- näher treten lasten, in wieweit das deutsche Reick eine Betheiligung an diesen Ausstellungen bethätigen soll. Es wird in !?. testendem Bundesrath eine dte Beihetligung des deutschen Reichs an den Ausstellungen in Sidney und Melbourne betreffende Vorlage alsbald zu- aeben Es heißt, gegebenen Falls werde Geheimrath Proseffor Reuleaux als deutscher Regierungs-Eommistar zu den Ausstellungen nach Sidney und Mel- bourne^enffendet yjiotive uud Anlagen zum Zolltarif bilden
di- umsangretckste Drucksache, welche dem Reichstag- bisher zugsgangen ist; vielleicht wird sie übermorgen, jedenfalls nicht früher, vertheilt. Die Motive haben -'nen allgemeinen Th-il, der zum ersten Male den Standpun t der Reaierung bet der Jnangriff. ahme des neuen Zolltarifs nach allen Richtungen erleuchtet und in jedem Satz Anregung zu eingehenden Debatten bieten wird. Di- Voraussetzung des Ganzen ist die von der Regierung behauptet- Thal- daß die Verhältnisse, aus denen der bisherige Taris für den Zollverern bervoraegangen, eine Umgestaltung erfahren hätten, welch- seine Erhaltung um möalicb mache. Der Zollverein habe keinen Wirthschaftsbedars gehabt; das Reick habe finanzielle Bedürsniste, welche die bisherigen Einnahmen nicht mehr decken dte Matricularbeiträg- aus dte Dauer auch nicht besriedtg-n könnten. Die Herabsetzung der letzteren sei von allen Seiten verlangt worden. Die R-ai-rnng erachte die von ihr vorgeschlagenen Mittel zur B-sriedigung der rinontiellen und wirthschastlichen Bedürsniste für dte geeignetste» u. s. f. Der ivecielle Thetl der Motto- setzt sich dann zumeist aus Thetlen des Berichtes d-r Zolltarif-Commtssion an den Bundesrath zusammen. Inzwischen wächst wit fidem Tage die Zahl der Petitionen von Städten, Handelskammern und anderen kaufmännischen Corporationen und Jnterestenten Verbänden gegen den neuen Zolltarif. Dte Zahl dieser Petitionen beträgt bereits nahezu 5001
- (Köln. $tfl.)
— Es besteht jetzt sicher die Absicht, dem Reichstage eine Vorlage über Aenderungen d-S R-icheg-s-tzes vom 6. Juni 1870 betreffs des Un.erstützungs- wobnfitzes zu machen. Insbesondere wäre 1) als Aufangssrist für den Lauf dn im Gesetze festgesetzten Fristen statt des 24 das 21. Lebenjahr zu, b.stlm- men, und überdies 2) die Dauer der eben e>wähnten Fristen von zwei Jahren
Jahr herabzusctzen ; ferner 3) die Anordnung, wonach der Ortsarmen- V„VUHV des Dienstorts verpflichtet ist, Personen, welche im Gefindedie-ste stehen, Gesellen, Gewerbegehülfen *nb Lehrlingen, welche am Dienstorte erkranken, während eines Zeitraumes von 6 Wochen dte erforderliche Kur und Verpflegung zu gewähren, auch auf Fabrikarbeiter, land- und forstwirthschaft» lkche Arbeiter auszudehnen und statt 6 Wochen 3 Monate zu setzen; 4) zur Erleichterung des Beweises der Landarmen Eigenschaft diese anzunehmen nicht nur, wenn der Unterstützte keinen Unterstützungswohnsttz hat, sondern auch, wenn ein solcher sich nicht ermitteln läßt; 5) dem Gesetze eine Bestimmung einzusügen, wonach <3, m ähnlicher Weise tote nach dem preußischen Gesetze vom 21. Mai 1855 der Fall gewesen, den Behörden wiederum die Befugniß beilegt, Personen, deren nicht arbeitsfähigen Angehörigen öffentliche Unterstützung gewährt werden muß, ohne vorhergehende gerichtliche Procedur zur Arbeit inner- oder außerhalb eines Arbeitshauses anzuhalten. Den preußischen Behörden ist bereits aufgegeben worden, auch durch dle Ortsbehörden über vorerwähnte fünf Punkte gutachtliche Aeußerungen einztehen und dabei gleich, -eilig sonstige für noihwendig erachtete Linderungen des mehrerwähnten Ge- festes zur Sprache bringen zu lasten AIS besonders erwünscht wird es bezeichnet wenn die Vorschläge durch gesammeltes statistisches Material begründet
werden könnten. -
München, 16. April. Der deutsche Kronprinz wird gelegentlich der im Herbst vorzunehmenden Jnspection über das zweite bayerische Armee-Corps auf Einladung des Königs im Würzburger Residenzschloffe wohnen, zu welchem Zwecke bereits daselbst bauliche Veränderungen getroffen werden.
Rußland.
Petersburg, 16. April. Tie „Petersb. (russische) Zeitung" erfährt folgende Einzelheiten über das Attentat: Von der entgegengesetzten Seite des (Gemralstabs-) Gebäudes um die Ecke herum bog der Verbrecher und kam direct dem Czaren entgegen. Er schritt das Tiottoir entlang; als der an der Pforte stehende Feldscheer Maimann den Mann anrief: „er solle ausweichen, ber Kaiser käme", verließ der Verbrecher das Trottoir und schritt daneben in gleicher Richtung vorwärts. Als er dicht mit dem Czaren in einer Linie war, grüßte er in militärischer Postlion, seine mit einer Kokarde gemuckte Mütze abnehmend. Der Czar beantwortete den Gruß. In demselben Moment schob der Bösewicht die Hand in dte Tasche deS Paletots, zog ^^^Evolver hervor und schoß denselben in unmittelbarster Rähe auf den Kaiser Alexander ab. Dem Kaiser war die Bewegung des Mannes nicht entgangen. Er drehte sich, nachdem er noch etwas nach vorn geschritten war, scharf um und erit- femte sich in der Richtung zur Anfahrt nach Gortschakoff's Wohnung. Der Attentäter folgt ihm gleichfalls in beschleunigtem Schritt und schoß noch dret- mal rasch nacheinander auf den C-aren. Der ganze Auftritt vollzog fick schneller ais sich erzählen läßt. Nach dem ersten Schuß stürzten sich der Feld- scheer Maimann, der Unteroffici-r Grigoijew und der Lithograph Lejbowltfch, sowie einige zufällig passirende Leute auf den Mörder.
— Kiew ist eine der Brutstätten der nihilistischen Propaganda. Dte Aufregung ist noch sehr vermehrt wotden durch die neuliche Entdeckung der geheimen Druckerei und |bie daraus folgenden Verhaftungen. Wie dem Daily Telegraph" geschrieben wird, haben die Männer und Frauen den ein« dringenden Polizisten entschlossenen Widerstand geleistet und späterim Verhör wie gewöhnlich, jede Antwort verweigert. D-r Gouverneur wollte sie gemäß dem Ukas, der nach der Ermordung des Generals Mesenzew erlassen wurde, vor ein Kriegsgericht stellen, und wenn das geschehen wäre, so wurde eine schleunige Uebersührung und Verurtheilung sämmtlicher und di-
öffentlich- Hinrichtung derselben sicher gewesen sein. Andererseits aber wurde eine Hinrichtung in einem Lande, wo die Todesstrafe nicht »blich ist, gerade den Sociaiisteu das Ansehen von Märtyrern »echben und ihre Bestrebungen gefördert haben. Jndeffen könnten doch bei der beständigen Wiederholung von Morcthateu solche strengen Maßregeli. nöthig befunden, werden. Es wi b mm von -uv rläfiiaer Seite berichtet, da« die Mehrzahl dieser Gefangenen kaltblütig niidergeschoffen wurde, als sie, ebne Ahnung, daß den Behörden verrath'n worden war, zu entkommen »ersuchtem EllGucht will wißen, daß der Wcegouverneur °«» E^kow °°»^ Nihilist^ hüblche/geschlosienen Wagen bei dem Vicegouverneur vorgefahren wäre, den.


