Einzelbild herunterladen

Sturm.

'$), Carl

Str. ««. Mittwoch, den 19. März 1879.

Hiekener ÄnMger

AMge- nnd Amtsbktt fit den Kreis Gießen.

RedaettsnSdurea« t

GxpeditisnSbureau r

Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

(1645 WR itl. I

er», j 1 und T

t

H4++

Herzai, und lagt

:It fltiDtubet, n Lcdein, je schände^, ) sein?

trennen streit, ücklicb nennen, in Zeit?

»lußtnb,. trii'in Zugend, inn.

unb

an'

Neunten w unsre

Ng

Zurufen- ittwe,

i^n, fttx baut, unb Regen

schaut. v- . trrblV^

A-litisch

Deutschland.

Darmstadt, 17. März^ Betreffend: Kirchliche Nachrichten aus dem Jahre 1878 hat das Großh. Oberconsistorturn ein Ausschretben an die evan­gelischen Pfarrämter des GroßherzogthumS erlasien, das mit Folgendem be­ginnt :Indem wir Ihnen dte nachstehenden kirchlichen Mittheilungen aus dem Jahre 1878 zugehen lassen, werfen wir einen kurzen Rückblick auf das Leben unserer evangeltschen Landeskirche in diesem Zeitabschnitt. Mit Dank gegen Gott müssen wir anerkennen, daß im Ganzen bas bezeichnete Jahr eine Zeit kirchlichen Friedens gewesen ist. Im Frieden konnten die kirchlichen Be­hörden und die Geistlichen ihres Amtes warten, im Frieden die Gemeinden den Segen des Evangeliums und der Heiligeri Sacramcnte erfahren. Es war deshalb auch kein Jahr kirchlichen Rückschritts; vielmehr sind hier und da kirchliche und religiöse Fortschritte zu verzeichne,'. Dte Noth der Zett hat in manchen Herzen wieder eine Erkennlniß vom Werthe des christlichen Glaubens geweckt, welche erstorben schien, und naritentlich die keinem Auge mehr ver­borgenen sittlichen Schäden unseres Volkes, jene beiden Tage des Mords vor Allem, an denen das geheiligtste Leben im deutschen Reiche, das Leben unseres ehrwürdigen Kaisers, so schwer gefährdet wurde, haben auch in unserer Kirche viele Seelen erschreckt und sie wieder an das Eine gemahnt, das noth thut; und das ernste und fromme kaiserliche Wort, in verschiedener Art an verschie­dene Stände gesprochen: Sorget dafür, daß dem Volke nicht die Religion abhanden komme, hat eine gute Stätte in vielen Herzen gefunden und trägt gewiß seine guten Früchte. An der schweren Heimsuchung aber, von der am Ende des Jahres 1878 unser hessisches Fürstenhaus getroffen worden ist, konnte das Volk erkennen:Alles Fleisch tst wie Gras und alle Herr­lichkeit der Menschen wie deö Grases Blume", und erfahren, daß nur eine Macht in Noth und Tod aufrecht erhält, ciejentge. durch welche unsere fürst­liche Familie ausrecht erhalten worden ist: treuer Glaube und unerschütterliches Gottvertrauen. So hätten wir denn Ursache mit größerer Zuversicht aus Befferung der religiösen und kirchlichen Verhältniffe der Zukunft entgegen zu gehen, wenn nicht so manche traurige Zustände im Volksleben vorhanden wären, welche diese Hoffnung wieder nteterbeugten. Wir weisen nur auf , einen Punkt hin, aus dem eine Quelle großer Besorgmß für Alle entspringt, welche auf die tieferen Ursachen kirchlichen und staatlichen Verfalls oder Auf- peigens zu blicken gewöhnt sind. Es ist dies die Erziehung der Jugend, des Heranwachsenden Geschlechts. In unzähligen deutschen evangelischen Fami­lien tst die alte, Jahrhunderte lang bewährte, sich an Religion und Kirche an­schließende, zur festen Sitte gewordene Erziehungsweise von Grund aus zer­stört. An die Stelle ernster Zucht ist vielfach falsche Humanität, an die der nothwendigen Milde gegen die Jugend sehr oft sträfliche Schwäche getreten; die Strömungen des Materialismus, der Erwerb- und Genußsuchr haben auf dem Gebiete der Erziehung wahrhaft verheerend gewirkt, und die Verwechse­lung des Lehrens und Lernens mit wirklichem Bilden hat eine Oberflächlich­keit in der Anschauung über die rechten Ziele der Jugenderziehung in wetten Kreisen hervorgerusen, durch welche bessere Erkenntmß und segensreicheres erziehliches Wirken außerordentlich gehemmt wird. Und wie soll sich die reli­giöse und kirchliche, die staatliche und materielle Zukunft unseres Volkes ge­stalten, wenn in der Gegenwart die rechten Wege zur Heranbildung des jungen Geschlechts, welche nur die Wege der Gotteserkenntniß und Gottesfurcht sind, fort und fort verfehlt werden? Die evangelische Kirche hat es von jeher als eine ihrer Hauptaufgaben er^Pet, sich der Jugend in Haus und Schule an­zunehmen, um sie zum Herrn zu führen. Sie kann sich der Lösung dieser großen Ausgabe nimmermehr entschlagen, n enn sie nicht ihrem göttlichen Berus untreu werden will. Darum ergeht an die Diener der Kirche, der Geistlichen, namentlich in unserer Zeit der Ruf: Helfet, daß die Kinder, zu Dem geleitet werden, der gesagt hat:Laffet die Kindlein zu mir kommen" und lehret sie erziehenin der Zucht und Vermahnung zum Herrn." Dte großen, oft unüberwindlich erscheinenden Schwierigkeiten, welche sich heutzutage von den verschiedensten Lebensgebteten aus dem Geistlichen bei dieser Pflichtgemäßen Arbeit entgegenstellen, sind uns wohlbekannt, aber erlassen kann sie nicht wer­den; und je schwerer die Arbeit ist, d.sto mehr Arbettsmuth fordert dte Kirche von ihren Arbeitern. Nur der rechtschaffene und unsträfliche Arbeiter ist seines Lohnes werth. So wollen wir denn nicht nachlassen mit Lehren, Ermahnen unb Warnen, damit die Jugend christlich erzogen werde. Betühren Sie den hochwichtigen Gegenstand öfter in Ihren Predigten, geben Sie in diesen die rechte Anleitung. Ertheilen Sie den Ihnen aufgetragenen Religionsunterricht und vornehmlich Ihre Cm firmantenstunden mit aller Treue und Ausdauer. Besprechen Sie auf seelsorgerischen Wegen mit Elt.rn und Erziehern dte von Gottes Wort vorgezeichneten christlichen Erziehungsmittel und Bildungsztele. Benutzen Sie dte KatechiSmuslehre zu erziehlicher Einwirkung; nehmen Sie sich der Heranwachsenden Jugend an, wo es sein kann in Fortbildungsschulen, Iünglingsveretnen, JugendgotteSdiensten, Leseveretnen und wie immer sich Ge­legenheit bietet, den jugendlichen Herzen nahe zu kommen Vorzüglich aber sei eS Ihr unausgesetzte« streben, d'e eigenen Häuser zu Bildungshäusern für's Dich Gottes zu machen und die eigenen Kinder wahrhaft christlich zu erziehen,

er PH eit.

damit daS eigene Beispiel das Siegel sei für die christliche Lehre, Mahnung und Warnung. Groß sind die Anforderungen, die in unserer Zeit an den Geistlichen ergehen, und manchmal will unter der Größe der Aufgaben der Muth und die Kraft sinken. Aber groß sind auch die Ziele uud stärkend ist die Gewißheit: Gott ist mit seinen Arbeitern, und treue Arbeit tst nicht ver­geblich in dem Herrn. Und wenn anscheinend auch keine Frucht von der Aus­saat kommt, so muß der christliche Geistliche auch aus Hoffnung säen und in Go tergcbenheit abwarten können, daß es dem Herrn gefällt, seinen Früh- und Spätregen und Sonnenschein zu senden, daß das Samenkorn aufgehe und Frucht bringe. So sei denn der treue Gott auch in diesem Jahre mit Ihrer Arbeit und segne Sie in all' Ihrem Thun!"

Es folgen sodann die kirchlichen Nachrichten im Einzelnen.

Unter den speciellen Nachrichten aus den einzelnen Großh. Superinten- denturen ist unter Superintendentur Gießen u. Ä. erwähnt: In der Super- intendentur Gießen fanden Dekanatsvisitationen statt: in Lang-Göns (Gießen) und in Schotten und wurden Kirchenvisitationen gehalten: in Mendorf a. d. L., Beuern, Dleichenbach, Bruchenbrücken, Crainfeld, Dorheim mit Schwalheim, Cngelrod, Ermenrod, Ettingshausen mit Hattenrod, Friedberg, Gießen, Gedern, Geis-Nidda, Gettenau, Glauberg, Gioß-Felda mit Windhausen, Hitzkirchen, Kirchberg, Landenhausen, Lang-Göns, Lardenbach, Nieder-Eschbach, Rieder- Gemünden Nieder Rosbach, Nieder-Weisel, Ober-Lais, Ober-Rosbach, Orten­berg, Queckborn, Ranstadt mit Effolderbach, Reichelsheim i. d. W., Rohrbach mit Stockhe m, Ruppertsburg, Schotten mit Rainrod und Rüdingshain, Schwarz, Ulrichstein, Volkartshain, Wallernhausen mit Fauerbach, Wetterfeld. Gustav- Adolfs-Feste wurden abgehalten: in Grünberg, Heidelbach, Herrnhaag, Hungen, Kirtorf, Lang-Göns, Lauterbach, Nidda, Oher-Rosbach, Rodheim und Rain­rod. Missionsfeste fanden statt: in Glauberg, Holzheim, Lauterbach und Londorf. Confessionswechsel: Zur evang. Kirche traten Über 2 Katholiken und 2 Baptisten; zu den Alt-Lutheranern 2 Personen.

Oesterreich.

Wien, 15. März. (Special-Telegramm desBerl. Tagebl.") Die Lage in Szegedin war bis gestern Abend 10 Uhr wenig verändert. Die Ret­tungsarbeiten werden fortgesetzt. Die Gefahr ist etwas geringer, weil der Sturm nachgelaffen. Der Bürgermeister von Szegedin äußerte sich gegenüber dem Peflher Hülfscomtt6 resignirt:Ich danke der Hauptstadt für den guten Willen, allein seinem Szegedin ist nicht zu helfen. Daß das Unglück so groß geworden, daran sind wir theils selbst, theils die Indolenz der Bevölkerung schuld, aber auch der Mangel an Besonnenheit Seitens der Regierungsorgane. Man dachte nur an dte Vertheidigung der Dämme, aber nicht, was zu tbun sei, wenn die Katastrophe hereinbricht; höchstens 100 Kähne waren disponibel, aber kein einziges Floß war vorhanden. Ein Glück war noch der erste blinde Alarm in der Schreckensnacht, der die Bevölkerung wach erhielt, so daß die meister! wenigstens mcht im Schlafe überrascht wurden. Die Zahl der Tobten dürfte Tausende betragen, da Viele, welche nicht von ihrer Habe sich trennen wollten, ertranken."

So der Bürgermeister von Szegedin. In dem benachbarten gleich­falls überschwemmten Orte Doroezma ist d e Aufregung hochgradig. Die arme Bevölkerung droht dte höher gelegenen Häuser der Reichen anzuzünden, denn, wenn dte Habe der Armen vernichtet würde, bann solle auch btejenige ber Reichen, welche den Armen keine Hülfe leisteten, nicht verschont bleiben.

Arankreich.

Paris, 16. März. Die conservativen Zeitungen veröffentlichen den Protest der Mat-Minister gegen das Brandmarkunqsvotum der Deputtrten- kammer. Dieselben erklären darin, die Kammer habe ihre constttuttonelle Be- fugntß überschritten, sie sei nicht der zuständige Gerichtshof für die abgegebene Entscheidung; mithin sei der betr. Act null und nichtig. Die Kammer habe wohl dte früheren Minister in Anklagestand setzen können, durfte sie aber nicht verurtheilen, ohne sie zuvor zu vernehmen; dte Kammer konnte thnen ihre Freiheit nehmen, hatte aber nicht das Recht, ihre Ehre anzugreifen. Die Protestirenden unterbretten jenes Votum mit Vertrauen dem Urtheilsspruche des nationalen Gewtffens.

Nußland.

Petersburg, 16. März. Aus einem Telegramm, Loris -Melikoff's von Astrachan vom 15. d. tst ersichtlich, daß auf Grund günstiger Ergebnisse der ärztlichen Besichtigung der Bewohner von Wetlianka dte Absperrung dieses Dorfes auAehoben ist, nachdem zuvor ein Dankgottesdienst abgehalten worden war. Somit bleibt nur Selistrenoje abgesperrt, woselbst die 42tägige Qua- rantänefrtst am 23. März abläust.

Türkei.

Konstantinopel, 15. März. Die Unterhandlungen über die mit Oesterreich abzuschließenden Conventionen sind unter Theilnahme Khercdin Paschas wieder aufgenowmen, schreiten indeß nur mühsam vorwärts. Ge­mäß den den türkischen Grenzcommiffären erteilten Instructionen würde sich