Ausgabe 
19.1.1879 Zweites Blatt
 
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Artikel 7. Der zweite Absatz des Artikels 86 des Poltzeistraszesetzes ist aufgehoben.

Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und des betgedrückten Großherzoglichen Siegels. Darmstadt, den 10. September 1878.

(L. 8.) LUDWIG.

v. Starck.

Molitilchcr Pheil.

Wochenübersicht.

Unser Kaiser erfreut sich fortgesetzt des besten Wohlseins. Wie er selbst den Berliner Stadtverordneten in seinem Dankschreiben für deren Neu­jahrswünsche versichert, widmet er sich seinen fürstlichen Obliegenheiten wieder mit unverminderter Frische und gedenkt die wiedergewonnene Kraft auch ferner­hin in vollem Maße für die ernsten Aufgaben der Gegenwart einzusetzen. Bemerkenswerth sind auch die Worte, mit denen er die Glückwünsche des Ber­liner Magistrats erwidert hat: zur Beseitigung der Mängel in den socialen Zuständen sei die umsichtige Selbstthättgkeit des Volkes wesentlich erforderlich, nur durch bewußte Mithülfe der Gesellschaft selbst laste sich die ersehnte Besse- rung dauernd erreichen, Jeder muffe daher durch Schärfung seines Pflichtbe­wußtseins an sich selbst die Arbeit der geistig-sittlichen Wandlung verrichten I Im Uebrigeu hat der Kaiser allen denen, welche ihn nach dem 5. December und beim Jahreswechsel zu seiner Wtedergenesung beglückwünscht, in einem Erlaß an den Reichskanzler seinen Dank für diese Aufmerksamkeiten gesagt. Einer Deputation der Krtegerveretne aus Berlin und Umgegend sprach der Monarch seine volle Zustimmung zu dem Plane einer Vereinigung aller deut­schen Kriegervereine unter katserl. Patronat aus und gab zugleich der Erwar­tung Ausdruck, daß die Mitglieder stets, auch im Falle einer Revolution, bereit sein würden, Thron und Vaterland zu vertheidtgen.

In patriotischen Kreisen beschäftigt man sich schon j»tzt mit Vorbereitun­gen aus eine würdige Feier der zum 11. Juni bevorstehenden goldenen Hochzeit des Kaiserp aares. Em Handschreiben des Kronprinzen an den MlNi ster des Innern erklärt indeß, daß es für das Gefühl des Kaisers im Hinblick auf die gegenwärtige wirthschaftliche Lage peinlich sein würde, irgend welche Zuwendungen zur persönlichen Annehmlichkeit zu empfangen; dagegen habe ihn der Gedanke, den 11. Juni durch Stiftungen zu wohllhätigen Zwecken mittelst freier Gaben zu feiern, angenehm berührt.

Allgemeinen Beifall sand eine Reihe bedeutsamer Verfügungen, die der Handelsminister Maybach erließ und von denen die erste die Reform der bestehenden, resp. die Errichtung neuer Innungen innerhalb des Rahmens der Gewerbeordnung, die zweite die Bildung eines Estenbahnrathes, die dr tte endlich die Ausbildung von Lehrlingen in Eisenbahnwerkstälten betrifft.

In Bezug aus die vom Fürsten Bismarck zu Gu >sten der Reichsein­nahmen erstrebte Steuerreform bahnt sich eine Annäherung zwischen den Regierungskretsen und den retchsfreundlichen Parteien an; der Finanzminister Ho brecht soll sogar schon die kaiserliche Zustimmung zu der von letzteren geforderten Quotistrung des Ertrages der Personalsteuer, wenigstens für 6 Monate, erlangt haben.

Das am 8. d. wieder zusammengetretene preußische Abgeordne­tenhaus ist, nachdem es an den beiden ersten Tagen Gegenstände von ge­ringerer Bedeutung erledigt und u. A. die Regierungs Vorlage über die Reor­ganisation der sächsischen Domstister nach den Vorschlägen seiner Commission geändert, in die Spectalberaihung des CultuSetais und damit natürlich in die Fluthperiode der Culturkampfdebatten eingetreten. Die wichtigsten Momente derselben bildeten die Erklärung des Cultusmintsters, daß er demjenigen, was er vor 4 Wochen gesagt, nichts hinzuzus»tzen habe, und das Geftändniß des Führers der Centrumspartei, daß die Verhandlungen mit Rom unter diesen Umständen alszur Zett gescheitert" anzusehen seien. Der allgemeine Ein­druck, den das Aufireten der Centrumsmänner machte, ging dahin, daß die Kluft zwischen ihnen und der Staatsregierung gegenwärtig tiefer als je, die Aussicht auf baldige Wiederherstellung des Friedens zwischen Staat und Kirche sehr gering sei.

Was sonst über den Stand der Dinge zwischen Rom und Berlin verlautet, stimmt mit den Eindrücken, welche die Landtagsdebatten machten, überein. Es bestätigt sich, daß die päpstliche Curie als Ausgangspunkt für wettere Verhandlungen die Wiederherstellung der Art 15, 16 und 18 der preußischen Verfassung, und aus dieser Grundlage, ebenso wie die Centrums­partei, Aushebung der Matgesetze. Rückberufung der Ordensmitglieder und überhaupt volle Freiheit für die Kirche fordert. Von einem Zwiespalt zwischen Vattcan und Centrum kann alto keine Rede mehr sein. In Rom baut man offenbar aus den Einfluß gewisser, den Ullramontanen geneigter hoher Personen am Berliner Hof. Es soll sogar neuerdings wieder ein freundschaftlicher Briefwechsel zwischen Papst und Kaiser stattgesunden haben. Indeß, wer den Charakter des Kaisers Wilhelm und des Fürsten Bismarck kennt, wird es nimmermehr sür möglich halten, daß dieselben sich zu irgend welchen wesent­lichen Zugeständnissen herbetlassen, bevor die römische Hierarchie Garantien sür den bisher von ihr verweigerten Gehorsam gegen die Gesetz? des Staates gegeben.

Der hessischen zweiten Kammer der Stände ging am Donnerstag eine Vorlage, betr. den Verkauf des heff. Antheils der Main - Weser-Bahn zum Preise von 17,250,000 Mk. an Preußen zu. Die Stadt Gießen speciell darf wohl ein reges Interesse an dieser Vorlage nehmen. (Wir werden den Wortlaut der Vorlage in nächster Nummer d. Bl. zur Kenntniß unserer Leser bringen. D. R)

Die bayerische Regierung schlägt ihren Kammern eine Anleihe von 28 Millionen vor, um damit daö Deficit zu decken und den Betriebsfonds der Siaatsverwaltung zu verstäiken. Der Großherzog von Baden hat den Erirag einer auS Anlaß seines 25jährigen Regierungs-Jubiläums abge­haltenen Sammlung freiwilliger Gaben im Betrage von 110,706 Mk. zur Gründung einer Stiftung bestimmt, deren Zinsen den Wittwen und Waisen verdienter Staatsbeamten zu Gute kommen sollen.

Am 7. d. fand in Arolsen die Trauung des Königs von Holland mit der Prinzessin Emma von Waldeck statt. Fast in derselben Stunde, wo das neuvermählte Paar in der neuen Heimith ein traf, in der Nacht vom 12. auf den 13. d., starb in Luxemburg an den Folgen etees Herzschlages Prinz Heinrich der Niederlande, der sich vor kium 5 Monaten erst mit einer Tochter des Prinzen Friedrich Karl von Preußen verheiralhet hatte.

In Oesterreich scheint tue Ministerkrisis nach Monate langem Han­gen und Bangen endlich ihrer Entscheidung entgegenzugehen. Wenigstens heißt

es jetzt, daß der bisherige Ministerpräsident, Fürst Auersperg, sich entschieden weigere, das Präsidium wieder zu übernehmen, und für diesen Fall auch der Rüätrttt der Mehrzahl der übrigen Minister bevorstehe.

Ein Ukaö deö Kaisers von Rußlad befiehlt die Einsetzung einer besonderen, aus hohen Staatsbeamten g bildeten Commission, um Mittel und Wege zur Verringerung der Relchsausgaben zu erwägen. Die im Gouverne­ment Astrachan ausgebrochene Pest har die Bevölkerung der Nachbarprovinzen in große Ängst versetzt. Die Verhandlungen mit dem Vatican sind an der Maßlosigkeit oer Forderungen der päpstlichen Curie gescheitert und hat der bisherige russische Geschäftsträger, Fürst Urusoff, Rom bereits verlaffen.

England ist durch die Nachricht von der widerstandslos erfolgten Be­setzung der Festung Kanvahar im Süden Afghanistans von Neuem erfreut worden. Die Freude über die errungenen Erfolge wird nur durch den Um­stand, daß Jakub Khan, der Sohn Schir Ali's, trotz dessen Flucht noch nicht als Herr beS Landes gelten kam, es also an einem allgemein anerkannten Staatsoberhaupts fehlt, mit dem der Friede abgeschlossen werden könnte, eini- germaßm abgeschwächt. Lord Beaconsfield, der einige Ta,e lang an der (politischen?) Gicht litt, ist von seinem Uebel wieder hergestellt.

In Frankreich beschäftigt sich die öffentliche Meinung fast ausschließ­lich mit dem neuen Programm, das die Regierung in Folge des der republi­kanischen Sache so günstigen Ausfalls der Senatorenwahlen aufstellen soll. Die Nachrichten über den Inhalt desselben sind indeß mit großer Vorsicht auf­zunehmen, da der bisherire Ministerpräsident Dufaure sich den Wünschen Gambetta's nicht vollständig fügen will. Bisher ist der seit dem 5. d. erfolgte Umschwung der Situation nur durch den Rücktritt des den Republikanern besonders verhaßten KriegsmtnisterS Borel und die Ernennung des Freundes Gambelta's, zu dessen Vertheidtgung der Exdictator nach zehnjähriger Unter­brechung wieder einmal vor Gericht anftrat, Challemel-Lacour, zum Gesandten in Bern, hervorgetreten. B achtenswerth ist, daß auch Frankreich einen Theil seiner Handelsverträge gekündigt: man rüstet sich also allerseits zum Kampfe auf wirthsri astl'ch-m Gebiet.

Vermischtes.

Bärwalde, 12. Januar. Bewohner des Dorfes Neu-Tarmin bet Bärwalde in Pommern hörten an einem Tage Der vorigen Woche ein Helles, durchdringendes Geschrei, ohne genau unterscheiden zu können, ob dasselbe von einem Menschen herrühre. Da daffelbe aber bald verstummte, beruhigten sie sich sehr balv Darüber. Ecwa eine halbe Stunde später erschien ein 14jähriges MäDchen im Dorfe, Das sich nur mühsam fortschleppte, mit Blut überströmt war unD welches nun unter Thränen erzählte, daß es mit seiner 16 Jahre alten Schwester von BärwalDe auf oer Chaussee zwei Wagen mit Zigeunern begegnet sei; auf Dem ersten hätten sich nur Frauen, auf Dem zweiten aber Männer befunDen. Von dem letzteren wären mehrere Männer hinabgestiegen, hätten ihnen ihr Geld abverlangt, sie ergriffen, Durchsucht und ihnen ihre aus 24 JL bestehende Baarschaft abgenommen Als sie sich gewehrt, seien sie gemißhandelt und blutig geschlagen worden. Die Schwester des Mädchens fei sodann gebunden auf den Wagen geschleppt worden. Die Erzählerin selbst aber hatten sie, wahrscheinlich in der Meinung, sie sei tobt, auf der Straße liegen lassen Es wurde sogleich, unter Leitung des Äensdarmerie- Oberwachtmeisters Bartz, die Verfolgung Der Bande ins Werk gesetzt. Dieselbe war vom Wege abgewichen, wurde aber eingeholt und auch daS Mädchen auf Dem Wagen vorgefunden. Daffelbe war inzwischen ihrer Kleider beraubt worden. Man fand sie mit alten Lumpen bedeckt vor. Die ganze Bande wurde sofort verhaftet und vorläufig dem Gefängntß in Bärwalde überzeben.

Alic» Kranken Kraft uuü Gesundheit ohne Medicin und ohne Kosten durch die Heilnahrung:

REVALESCIERE=n.

Seit 31 Jahrcu hat keine Krankheit dieser flnflcnchmcn Gesundheit^ speise widerstanden und bewährt sich dieselbe bei Erwachsenen und Kindern ohne Medici» und ohne Kosten bei allen Magen-, Nerven , Brust-, Lungen-, Leber-, Drüsen-, Schleimbau! , Sltbenv Blasen- und Nierenleiden, Tuberkulose, Schwindsucht, Asthma, Husten, Unverdaulichknt, Verstopfung, Diarrböen, Schlaflosigkeit, Schwache, Hämorrhoiden, Wassersucht, Fieber, Schwindel, Blutaufsteigen, Ohrenbrausrn, Uebelkctt und Erbrechen selbst während der Schwangerschaft, Diabetes, Melancholie, Abmagerung, Rheumatismus, Gicht, Bleichsucht; auch ist sie als Nahrung für Säuglinge schon von der Geburt an selbst der Ammenmilch vorzuziehen. Ein Auszug aus 80,000 Certisiratcn über Genesungen, die aller Mediein widerstanden, worunter Eertificate von Profeffor Dr. Wurzer, Medicinalrath Dr. Angelstein, Dr. Sboreland, Dr. Campbell, Pro­fessor Dr. Däd6, Dr. Ute, Gräfin Castlrstuart, Marquise de Vrähan, und vielen anderen hoch­gestellten Personen, wird franco auf Verlangen ringesaudt.

Abgekürzter AuSziig auS 80,000 Eertifiraten.

Certificat des Medicinalraths Dr. Wurzer. Bonn, 10. Juli 1852. Revalesciere Du Barry ersetzt in vielen Fällen alle Arzneien. Sic wird mit dem größten Nutzen angewandt bei allen Verstopfungen, Durchfällen und Rühren, in Krankheiten der Urinwege, Rierenkrankheiten ?c, bei Steinbeschwerden, entzündlichen oder krankhaften Reizungen der Harnröhre, bei krankhaften Zusammenziehungen in den Nieren und in der Blase, Blasen - Hämo-.rhoidrn re. Mit dem ausgezeichnetsten Eifolge bedient man sich auch dieses wirklich unschätzbarer, Mittels nicht bloß bei Hals- und Brustkrankheiten, sondern auch bei der Lungen- und Luftröbrenschwindsucht.

L. S. Rud. Wurzer. Medieinalrath und Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften.

Nr. 62476. Dem lieben Gott und Ihnen sei Dank. Die Revalescifcre hat mein 18jähriges Leiden im Magen und in den Nerven, verbunden mit allgemeiner Schwäche und nächtlichem Schweiß gänzlich beseitigt. I. Comvaret, Pfarrer, Sainte Romaine des Iles.

Nr. 89211. Orvaux, 15. April 1875. Seit vier Jahren genieße »ch die köstliche Revalesci&re und leide seitdem nicht mehr an den Schmerzen in den Lenden, die mich während langer Jahre fürchterlich gefoltert hatten In meinem 93. Jahre stehend, erfreue ich mich jetzt der vollkommensten Gesundheit. Lerop, Pfarrer.

Nr. 642iu. Marquise von Bröhan von 7jähriger Leberkrankheit, Schlaflosigkeit, Zittern an den Gliedern Abmagerung und Hypochondrie.

Nr. 75877. Florian Köller, K K. MUitärverwalter, Großwardetn, von Lungen- und Luftröhren Katarrb, Kopfschwindel und Brustbeklemmung.

Nr. 75970. Herr Gabriel Teschner, Hörer der öffentlichen höheren Handelslehranstalt in Wien, in einem verzweifelten Grade von Nrustübel und Nervenzerrüttung.

Nr. 65715. Fräulein de Montlouis, von Unverdaulichkeit, Schlaflosigkeit und Ab­magerung.

Nr 75928. Baron Sigmo von lOjähriger Lähmung an Händen und Füßen ic.

Die Revalesciere ist viermal so nahrdaft als Fleisch und erspart bet Erwachsenen und Kindern 50 Mal ihren Preis in anderen Mitteln und Speisen.

Preise der Revalescifere 1/2 Pfd. 1 JL 80 A 1 Pfd. 3 50 2 Pfd. 5 70 4

5 Pfd. 14 Jt, 12 Pfd. 28 JL 50 Ä 24 Pfd. 54

Revalesciere Chocolatde 12 Taffen 1 JL 80 24 Taffen 3 JL 50 ,A, 48 Tassen

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Revalesciere Biscuites 1 Pfd. 3 JL 50 2 Pfd. 5 JL 70

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In Gießen bei Philipp Sehwager. (58