Ausgabe 
19.1.1879 Erstes Blatt
 
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alle Erkrankte gestorben und keine Kranke daselbst mehr vorhanden find. Gegen­wärtig wird die volle Aufmerksamkeit der Behörden auf bas Dorf Wetlianka concentrirt, um der unzweifelhaft ansteckenden und tödtlich verlaufenden Epi­demie ein Ende zu machen. Gestern sind hier der G oßherzog die Groß­herzogin und der Erbgroßherzog von Mecklenburg-Schwerin emgetroffen und aus dem Bahnhöfe von der kaiserlichen Familie empfingen worden.

Paris, 17. Januar. Einer im Amtsblatt veröffentlichten Mittbeilung zufolge stnd 2245 Personen begnadigt worden; in Neu-Caledomen verbleiben nur noch 1067. Die republikanischen Zeitungen krittsiren die Erklärung des Ministeriums als ungenügend.

Wien, 17. Januar, Abends. In dem heutigen gemeinsamen M nister- rathe, welcher 4 Stunden versammelt war, sollen wichtige B.schlüffe über Vorlagen, betr. die Administration Bosniens und der Herzegowina, gefaßt worden sein.

Kalkutta, 16. Januar. Officiell. Die Bewohner von Kohtstan versuchten Unruhen hervorzurufen und Kabul zu plündern; K kub Kyan bewog fie aber, sich zurückzuztehen. Die Häuptlinge der Ghilzais drängen Jakub zum Friedensscblnß mit Engla> d.

Lokales.

Gießen, 18. Januar. (Sitzung der Stadtverordneten am 16. Januar.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herr Beigeordneter Heß; von Seiten der Stadtverordneten: die Herren Baist, Grüneberg, Hanstein, Hoch, Homberger, May, Ad. Noll, Äug. Noll, Petri, Pfannmüller, Schopbach und Wortmann. Die heutigen Verhandlungen boten wenig Interessantes. Das Baugesuch des Herrn Geometer Körner, welcher in seinem Garten neben Homberger's Fabrik bauen will, soll befürwortet werben, wenn Petent den Schoorgraben vor dem neu zu erbauenden Hause sammt Einfahrt zu demselben über­brückt. Das Gesuch des Herrn Phil. Kreiling um Niederlegung eines der Stadt ge­hörenden Spaliers, wird, weil hier eine Verbretterung der Straße zu ermöglichen sein dürfte, welches für die Bewohner der Mittelstadt und des Wallthors von großem Vortheil ist, noch­mals zur eingehenderen Berathung an die Bau-Deputation zurückverwtesen. Zweien an der Reparatur des Stabtthurms beschäftigt gewesenen Handwerksmeistern werden nachträglich 200 resp. 100 JL Vergütung verwilligt, weil der Voranschlag über diese Arbeit nicht ausführlich Senug ausgestellt werden konnte. Einem Reiseprediger, welcher im Saale des alten Rathhauses lorträgeüber die Wiederkunft Christi" halten wollte, wurde der Saal nicht bewilligt. MHrere Fristgesuche auf Communalrückstände werben in geheimer Sitzung erledigt und be­schäftigte sich hierauf die Versammlung mit der Berathung des Gemeinde-Voranschlags pro 1879. Ä)t wir die Hauptpoften desselben unseren Lesern schon vorgcführt, können wir die Wlederbrmgung derselben füglich unterlaßen.a.

Gießen, 18. Januar. Das 3. Concert des hiesigen Concertverein s wirb uns am nächsten Sonntage als Solisten den längst erwarteten französischen Geiger Emil Säuret «us Paris und als ^Sängerin die Altistin Frl. Hoffmann aus Berlin bringen, während, wie wir hören, im 4. Concert am Sonntag den 9. Februar das berühmte österreichische Damenquartett aus Graz, sowie die Pianistin Frl. Therese Peters aus Bonn und der Bioloncellovirtuose Herr Professor C o ß m a n n aus Frankfurt a. M. mitwirken werden.

--Nachdem von Seiten der Schutzmannschaft die Kaufläden nach verbotenen Waagen und mangelhaften Gewichten revidirt worden, geschah heute Morgen eine Revision in denjenigen Geschäften, welche Schießpulver und andere feuergefährliche Maaren führen. Ver­schiedene UeberschreitungtN der Grenze des Erlaubten wurden auch hier eonstatirt.

Heute Nacht gegen 2 Uhr entstand in einer Restauration auf dem Lindenplatz eine Schlägerei. Die Feierabend bietenden Schutzleute wurden hierbei thätlich insultirt und grob beleidigt. Wird wohl ein theures Ueberkneipen geben.

--Wegen Ausichwindelns von ein Paar Schuhen auf den Namen ihrer früheren Herrschaft wurde gestern ein Dienstmädchen verhaftet.

Wie unsere Leser aus dem Jnseratentheil ersehen wollen, wird Herr Oe. Buchner kommenden Mittwoch den 22. dss. imO berhess. Verein für Localgeschichte" einen Vortrag überGießen vor Hundert Jahren" halten. Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch den Wunsch aussprechen, daß diesem Verein immer mehr Mitglieder, namentlich von Seiten der Bürgerschaft beitreten mögten, sowie etwaige Alterthümer an das Museum, welches doch nur zum Vortheil unserer Vaterstadt gegründet ist, gelangen zu lasten.

Vermischtes.

(Vom Krieger-Dereins-Wesen.) In neuester Zeit ist von den Krteger- Leretnen vielfach die Rede gewesen. Man beschäftigt sich aber nur mit den einzelnen Erschei­nungen, welche an die Oberfläche der Oeffentltchkeit treten, wäbrenv von dem stillen Wirken der Vereine nach Innen nur Eingeweihte eine Ahnung haben. Es betrifft diese stille Wirksamkeit die Bethätigung der Kameradschaft durch thatkräftige Hülfe in Roth aller Art. Es giebt unter den Krieger-Vereinen eine Anzahl, deren Vereinsvermögen sich auf Tausende, ja Zehntausende von Mark beläuft, wie z. B. den Verein ehemaliger Zieten Husaren oder die Slesvigia in Berlin. Und alle diese Vermögen sind fast ausnahmslos aus den sorg­sam zu Rathe gehaltenen Sparpfennigen kleiner Leute entstanden, während die Unterstützung der vothleidenden Kameraden, Wittwen und Waisen ununterbrochen ihren Fortgang nahm. Wenn man die ersten Nummern derParole", der amtlichen Zeitung des deutschen Kriegerbundes, oom Jahre 179 überblickt, so gewinnt man ein ausgedehntes Bild von dem, was diese Vereine allein zu Weihnachten an den Wittwen und Kindern ihrer verstorbenen Kameraden aethan haben. Der eine Osnabrücker Verein hat 800 X für seine Christbescheerung ausgegeben. Der Liegnitzer Kriegerbund beschenkte mehrere Kameraden-Wittwen mit ansehnlichen Unterstützungen, bekleidete eine Anzahl Kameraden-Waiien vollständig neu und sammelte bei dem Feste noch durch einen von den Damen des Vereins veranstalteten Bazar die Mittel, um kommende Ostern zwei Kameraden-Waisen mit Konfirmations-Anzügen ausstatten zu können. Während nun viele Vereine sich an der Hilfeleistung im engem Kreise genügen lassen, hat der deutsche Kriegerbund mit seinen 8^/z Hundert Vereinen das Unterstützungswesen organisirt und centralisirt. Die rächen Vereine laßen sich nicht am lokalen Wohlthun genügen, sondern zahlen ihre Beiträge zur, Unterstützungskaße nach Berlin, ohne voraussichtlich dieselbe je in Anspruch zu nehmen, «Ur, um auch unbemittelten Bundes-Vereinen beispringen zu können. So ein armes schlesisches

(SebirgSborf kann für verunglückte Kameraden nicht viel thun. Da springt denn dl- Bundes- kaffe in Berlin em. S-tt chrem Bestehen hat Vielelbe 2 t,"vo je an Unterstünunaen verausgabt und Ztt.M'l an Vermögen gesammelt Seit dem -vjährizen Dienst-Jubiläum des Kaisers besitzt der Bund nun auch eine WMwenstifiung, deren Widmung der Kaiser an seinem -tubel- tage -ntg-geng-n°mm-n hat. Ihr Bestand belauf, sich auf rund 8000 JL und wächst nach taglMfi. Allfahrlich am 1. Januar werden di- Zinsen und auß-rordentlich-n Zuwendungen an b-dürftig- Kameraden- Wittwen v-rth-ilt Am l. Januar 1879 tonnten 42 Wittwen bedacht werden- Zur d-v°rst-h-nd-n goldenen Hochzeit d-S Kallers sieht die Wittwenstiftung einem neuen blutenden Zuwachs entgegen an desien Ausbringung sich diesmal nicht nur Kri-ger- V-rems-Mitgl eder, sondern d,e weitesten bürgerlichen und militärischen Kreise b-th-ilig-n - Dank der Huld Mit welcher sich der Kaiser ,n ne Nester Zeit der Kriegerver-ine angenommen hat und welche die Aufmerksamkelt auf ihr so geruchloses Wirken gelenkt hat

- DiePekinger Amtszeitung " veröffentlicht eine Zuschrift von einem gelehrten Chinesen, «"ch" b-h°upt°t daß das Telephon schon im Jahre 962 bekannt war und dw Ersindung eine« Einwohners von Peking sei. 1 ö

Handel und Berke hn

Gießen, 18. Januar. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete- Butter ver »fb «0-80 A, Hühnereier per Stück 7 Enteneier, per Stück 8 Käse, per Stück S bii

10 H, Kas.matte, per Stuck 3 H, Erbien, 1 Liter 20 Linsen, 1 Liter 24 1 Tauben da« ZE 1' Hühner, per Stück JL 1.40, Hahnen, per Stück JL 1.50, Enten, per Stück JL 2.20. Ganse, per Pfd. 6H 80 Kartoffeln, per 100 Kilo JL 56., Zwiebeln, per Ctr 8 70-/2<, Hp" Pfd., Kuh, und Rindfleisch 56-60 Schweinefleisch 58-60 H, Kalbfleisch 5fr60 H, Hammelfleisch 60 65

Historisches Local- MuseumI

Weitere Geschenke liefen ein:

1. für die Antiquitätensammlung r

von den Herren Dr Buchner, Hoch, Hoffmann, Neuling, Roth, Rothenberger;

2. für die Münzfammtnug r

von den Herren Adami, Gareis, Gerhard, Lindpaintner, Pistor;

3. für die Bioliothck r

von den Herren: Bauer, Buchner, Buff, Dieffenbach, Gareis, Haupt, Hoffmann, Jrle, Koch. Laubenheimer, Loos, Ricker, Roth, Rothenberger. J.

Auszug aus den Standksamlsregistkrn des Standesamts Gießen

Vom 11. bis 17. Januar 1879.

Aufgebote.

17. Januar. Gendarm Ludwig Scheer von Romrod mit Johannette Caroline Clar, Tochter des zu Gießen verstorbenen Buchbinders Jacob Carl Clar.

Eheschließungen.

13. Januar. Kaufmann Siegmund Heymann von Wiesbaden mit Rosalie Oppenheimer, Tochter des verstorbenen Liqueur Fabrikanten Raphael Oppenheimer von Gießen. Id. Scribent Johannes Georg Frank von Gießen mit Elise Rosine Raffauer, Tochter des Wirths Ferdinand Nassauer von Herborn. 17. Bierbrauer Ernst Otto Franke von Oberweißbach mit Johannette Karoline Neuling, Tochter des verstorbenen Kaminfegers Karl Neuling von Gießen.

Geborene.

5. Januar. Marie Katharine, ein außereheliches Kind von auswärts. 7. Franz, ein außereheliches Kind von auswärts. 8. Dem Taglöhner Philipp Bellof V., ein Sohn, noch ohne Vornamen. 10. Dem Arbeiter bei der Overhessischen Bahn Peter Heß, eine Tochter, noch ohne Vornamen. 11. Dem Gendarm Paul Hinberland, eine Tochter, noch ohne Vornamen. 10. Dem Schutzmann Heinrich Gemmecker, eine Tochter, noch ohne Vornamen. 14. Doro- theus Wilhelm Hans, Sohn des Gastwirths Wilhelm Wenzel. 11. Marie, ein außereheliches Kind von auswärts. 15. Aaron, Sohn des Fruchthändlers Mayer Löwenstein. 13. Karl, ein außereheliches Kind von auswärts. 13. Elisabettie, ein außereheliches Kind von auswärts. 15. Emilie Bertha, Tochter des Locomotivführers Daniel Wiechard 17. Dem Friseur Gustav Gerhardt, ein Sohn, noch ohne Vornamen.

Gestorbene.

9. Januar. Taglöhner Jacob Müller, 50 Jahre alt, von Nauborn, Kreis Wetzlar. 13. Der Musketier im II Großh. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 116 Georg Müller, 22 Jahre 4 Tage alt, von Allertshausen. 14. Anna Elisabethe Werner, geb. Beppeling, 43 Jahre 2 Monate 23 Tage alt, Ehefrau des Aufsehers Johann Adam Werner- 15. Heinrich, 14 Tage alt, ein außereheliches Kind von auswärts. 16. Elisabethe Enders, geborene Seipp, 58 Jahre 1 Monat 9 Tage alt, Ehefrau des Stadt-Rentmeisters Johannes Enders. 16. Emilie Bcrtha, 1 Tag 6 Stunden alt, Tochter des Locomotivführers Daniel Wiechard. 17. Lina Katharine Philippine, 1 Jahr 9 Monate 26 Tage alt, Tochter des Ziegeleibesitzers Kaspar Scho mb er.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 15. Januar. Johann Georg Frank, Scribent dahier, des Großh. Jnsinuations- mandatars Georg Frank, ehel. Sohn, und Elise Rosine Nassauer, des Wirths Feroinand Naffauer dahier, ehel. Tochter.

Den 17. Januar. Ernst Otto Franke, Bierbrauer dahier, und Johannette Karoline Neuling, des verstorbenen Kaminfegers Karl Neuling dahier, ehel. Tochter.

Getaufte

Den 12. Januar. Dem Schuhmacher Georg Hoos, eine Tochter, Johanna Elisabeth, geb. den 13. December.

Den 16. Januar. Dem Major int II. Großh. Heß. Infanterie-Regiment Nr. 116 August Senckel, ein Sohn, Heinrich Ernst Friedrich Otto, geb. den 30. November.

Beerdigte.

Den 15. Januar. Georg Müller von Allertshausen, Kr. Gießen, Musketier im II. Großh. Heß- Infanterie Regiment Nr. 116 dahier, alt 22 I. 4 T., gestorben den 13. Januar.

Allgemeiner Anzeiger.

Frankfurter Hypothekenbank.

415) Das Erforderniß neuer Couponsbogen zu unferen 5v/,iaen, ttt Gulden lautenden Pfandbr efen der Jahrgänge 1866 und 1869 sowie der in Thaler lautenden 5%tgen Pfandbri fe des Jahrganges- 1868 veranlaßt uns, den noch oorbanbenen kleinen Rest gedachter Pfandbriefe aus d.ren Zinstermin, 1. April 1879, zur Einlösung zu kündigen.

Wir machen dies den Inhabern folger Pfandbrief" mit bem Anfügen bekannt, daß es denselben jedoch bis zum Einlösungstage, 1. April 1879, frei steht, gea n Ve aütung des Stempel deren Um­tausch in »o/oige, über Markwährung lautende Pfandbriefe bei unserer Kasse dahier zu benmfen.

Mit dem 1. April 18 79 erlischt sowohl diese Befugniß, wie auch die weitere Verzinsung obiger zur Einlösung gekündigter Pfandbriefe.

Frankfurt a. M., den 17. October 1878.

Der Verwaltungsrath der Frankfurter Hypothekenbank:

vdt. Dr. Ohlenschlager, I. PH. Petsch,

__________________Direcwr.____________________________Vorsitzender.

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