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Anzeige - md Amtsblatt sm den Kreis Gießen.

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Aeulschland.

Berlin, 15. Decbr. DieNordd. Allg. Ztg." weist auf die Erfolge hin, welche der Kohlen-Ausnahmetartf von der oberschlesischen Eisenbahn nach der Ostbahn und darüber hinaus erzielt, insbesondere auf die Steigerung des Kohlenverkehrs in Ost- und Westpreußcn und den Preisrückgang der englischen Kohle. Die Provtnzialbehörden und die Mehrzahl der kaufmännischen Cor- porationen Ost- und Wefipreußens, sowie die Vorsteher-Aemter der Kaufmann­schaft von Danzig, Königsberg und Memel seien für die Verlängerung des Tariffs eingetreten. Dieser Wunsch sei jetzt um so berechtigter, als dadurch zugleich einem großen Theile der bedrängten oberschlesischen Bevölkerung Ge- legenheit zu Arbeit und Verdienst gegeben werde. Die in Folge der Tartf- maßregel für den Handel der preußischen Seeplätze durch Herabdrückung oder Steigerung der Schiffsfrachten befürchteten Nachthetle seien nicht etngetreten.

Aus Oberschlefien. Zum Nothstand wird derSchl. Ztg." aus dem Kreise Lubbtnitz u. A. geschrieben: Sehr viele Uebelstände, sehr viel Noth könnten hier beseitigt werden, wenn die Großgrundbesitzer sich selbst mehr um ihre Besitzungen kümmerten. Viele Güter sind den größten Thetl des Jahres der Verwaltung der Beamten anverlraut, der Herr läßt sich nur zur Jagd­zeit sehen. Daß die Verwaltungsbeamten mehr darauf angewiesen sind, nach oben zu sehen und für einen möglichst hohen Ertrag der Güter zu sorgen, ist selbstredend und wird Niemand übel auslegen oder anders erwarten; der Be­sitzer selbst aber, wenn er das Elend auf den Gütern so kennen lernte, wie ich es gesehen habe, würde davon bin ich überzeugt Vieles thun, diesem Elend abzuhelfer. Wenn aber irgend einmal Klagen zu den Ohren der Be­sitzer kommen, hält man die Schilderungen für übertrieben; das sind sie nicht. Die Bevölkerung hat sich hier an die schlechteste Lebensweise, an das Kämpfen mit Noth und Entbehrung gewöhnt, und wenn hier ein Beamter sagt: es steht schlecht bei uns, dann kann man getrost annehmen, daß der Hunger vor der Thüre steht,

Telegraphische Depeschen.

Waguer's telegr. Correspondenz Bureau.

Stuttgart, 16. Decbr. Ein Telegramm des Bergwerks-Dtrectors Bilfinger in Wrlhelwsglück bezeichnet als wahrscheinliche Ursache der Explosion das verbotswidrige Mitbrtngen von Sprengmaterial und die Aufbewahrung reffelben in der Nähe des Ofens oder unvorsichtige Annäherung der Spreng- rnaffe an's Licht.

Straßburg, 16.. Decbr. Der Lardesausschuß wurde um 3 Uhr im Rathhaus-Saale von dem Statthalter, Feldmarschall v. Manteuffel, mit fol­gender Rede eröffnet: Aus Allerhöchsten Befehl Sr. Maj. des Kaisers be­grüße ich den Lar-desausschuß von Elsaß-Lothringen, der mit erweirerten Be- fugntffen betraut heute zum ersten Male zusammentritt. Außer dem Landes- Haushalts-Etat werden Ihnen, geehrte Herren, verschiedene Gesetzentwürfe zu- gehen, welche theils für die Durchführung der Justizorganisation erforderlich, iheils bestimmt sind, die materiellen Jntereflen des Landes zu fördern. Die patriotische Haltung, welche der Landesausschuß in früheren Sessionen bewährt hat, gibt die Bürgschaft für die pflichttreueste Prüfung der Vorlagen. Die weiteren geschäftlichen Mittheilungen werden Sie, geehrte Herren, von dem kaiserl. Staatssecretär des Ministeriums erhalten, der auch die Eidesleistung derjenigen Mitglieder entgegen nehmen wird, welche noch nicht vereidigt sind. Möge Gottes Segen auf Ihren Berathungen ruhen. Im Namen Sr. Maj. des Kaisers erkläre ich dle Session des Landesausschuffes für eröffnet. Hierauf folgte die Vereidigung der anwesenden neuen Mitglieder des Laudes- ausschuffes. Der (gib lautet: Ich schwöre Gehorsam der Verfaffung und Treue dem Kaiser. Nach Constituirung der Versammlung wurde Jean Schlum­berger mit 37 Stimmen zum Präsidenten gewählt. Der Statthalter trug die große Generals Uniform. Dem Acte wohnten bet: der Minister Herzog, die Unterstaatssecretäre, Oberst v. Strantz, Mtnistertalrath Jordan und Assessor Graf Bismarck. Von 56 Mitgliedern des Landesausschuffes waren 53 anwesend.

London, 16. Decbr. Die Journale sehen die Lage in Afghanistan als eine kritische an, glauben indeffen, daß bislang kein Grund zu ernsten Be- sorgniffen vorhanden s--i.

Berlin, 16. Debr. Abgeordnetenhaus. Fortsetzung der zweiten Berathung des Feld- und Forstpolizei-Gesetzes. Vor Eintritt in die Generaldiscussion, bei $ 1, wird ein Antrag von Schorlemer-Alst angekündigt, dahingehend, den Entwurf an die Com­mission zurückzuverweisen behufs Prüfung der weiter eingehenden Anträge sowie der Frage der provinziellen Regelung dieser Materie. Abg. v. Ludwig erklärt, seinen Antrag zu Gunsten des Antrags Schorlemer zurückzuziehen. Meyer (Arnswalhe) befürwortet den Entwurf, erklärt sich jedoch schließlich für den Antrag Schorlemer. Seelig erklärt sich gegen Die Vorlage, Prinz Reuß dafür. Letzterer äußert aber gleich­falls schwere Bedenken. Hänel befürwortet seinen auf provinzielle Regelung gerichteten Antrag. Knebel spricht gegen den Entwurf, ebenso Meyer (Breslau), v. Eynern, Grimm und Miquel. Minister Lucius bedauert, daß die neu hervorgetretenen Gesichts- ounkte nicht schon bei der ersten Lesung ausgestellt worden seien und einen Anhalt für die Commission gegeben hätten. Die Negierung verfolge keinen anderen Zweck als das HauS: Schutz für die Waldeigcnthümer einerseits und Vermindenmg von Härten andererseits. Die Regierungsvorlage habe auch Härten möglichst vermieden. Die Polemik habe sich gegen die Commissionsvorlage gerichtet. Die Existenz harter Be­

stimmungen dürfe nicht unbedingt zu deren Handhabung führen. Zu dem Gedanken einer provinziellen Regelung könne die Regierung heute eine definitive Stellung nicht nehmen. Eher empfehle sich wohl die generelle Regelung und nur für einzelne Punkte die provinzielle. In der Abstimmung wird der Gesetzentwurf nach dem Anträge Schorlemer's an die Commission zurückverwiesen. Nächste Sitzung morgen. Tages­ordnung: Bericht der Unterrichts-Commission über die Elbinger Petition.

Breslau, 16. Decbr. Heute Nacht entgleiste auf der rechten Oder­ufer-Bahn zwischen Zembowitz und Sausenberg ein gemischter Zug in Folge eines Radreifbruches. Der Locomottvführer und der Hetzer find tobt, brei Beamte verletzt, die Locomotive und 8 Wagen stark beschädigt. Das Geleise ist gesperrt.

Frankfurt a. M., 16. Decbr. In der Stadtverorbneten-Versamm- lung wurde heute Abind nochmals eine Präsentationswahl zur Oberbürger­meister-Stelle vorgenommen, weil die vorige auf Protest des Stadtraths Hollhof vom Ministerium für ungültig erklärt worden war. Von 50 Mit­gliedern waren 46 anwesend. 42 Stimmen fielen auf Oberbürgermeister Miquel in erster Linie, vier weiße Zette! wurden abgegeben. Die Herren Dr. Hamburger und Dr. Hummser erhielten je 46 Stimmen.

Wien, 16. Decbr. Es bestätigt fich, daß der von Rußland bean­tragte gemeinsame Schritt der Mächte bei der Pforte in der Angelegenheit der Uebergabe von Gussinje an Montenegro Seitens des österreichischen Eabt- nets cbgelehnt wurde.

Lokales.

Gießen, 9. December. In der gestrigen Sitzung des Provinzial-Ausschusses der Provinz Oberhessen kam der Recurs des Kreisamtes Alsfeld gegen eine Entscheidung des Kreisausschusses des Kreises Alsfeld, durch welch' letztere ein auf die Niederlegung des Nathhauses zu Alsfeld gerichteter Beschluß des Gemeinderathes daselbst die Ge­nehmigung erhielt, zur Verhandlung. Der genannte Gemeinderathsbeschluß hatte nach feinem B'ucmmiverden bereits vielfach Sensation erregt, und war es namentlich auch dieDarmstädter Zeitung" (siehe 1878 Nr. 342, erstes Blatt), welche der Hoffnung Raum gab, daß dieses künstlerisch und kunstgeschichtlich höchst interessante Bauwerk des spätesten gotbischen Stiles, eines der letzteren der noch erhaltenen derartigen Bauten in unserem Lande, zugleich ein architektonischer Schmuck der Stadt, der Nachwelt als altes Monument der Vergangenheit erhalten bleiben möge.

Der Vorsitzende, Groß. Provinzialdirector Herr Dr- Boekmann, referirte zu­nächst den Sachverhalt, indem er auch die wichtigsten Actenstücke vorlesen ließ. Es ging daraus hervor, daß in den Jahren 1863 bis 1877 nur die geringe Summe von 1476 X 82 auf die Unterhaltung des Rathhauscs verwendet worden ist. Nach einem von dem Stadtbauaufseher aufgestellten Voranschläge sollte die Wiederherstellung dieses Bauwesens nunmehr den Kostenbetrag von 5716 68 erfordern. Der Gemeinde­

rath nahm dasselbe als baufällig an und beschloß unterm 3. December 1878, das Rath­haus niederzulegen, da die Herstellung des Nothwendigsten schon bedeutende Kosten er­geben würde, und da der Gemeinderath Angesichts der sonstigen, auf Jahre hinaus bevorstehenden großen Ausgaben die Verantwortung für einen so großen Aufwand in Betreff eines dem ursprünglichen Baustil längst entrückten Gebäudes nicht übernehmen könne. Das Kreisbauamt Alsfeld sprach sich jedoch dahin aus, daß man trotz der vorhandenen vielfachen Schäden das Gebäude noch nicht für baufällig erklären könne, und daß die Kosten der Beseitigung derselben etwa 1600 Jt. betragen würden. Das Kreisamt Alsfeld verweigerte die nach Art. 47 der Landgemeindeordnung erforderliche Genehmigung zu dem genannten Gemeinderathsbeschlusse, weßhalb nach der erwähnten Gesetzesftelle der Kreisausschuß hierüber zu beschließen hatte. Da Letzterer jedoch die Genehmigung ertheilte, gelangte diese Sache in Folge Recurses des Kreisrathes an den Provinzial-Ausschuß zur Entscheidung.

Als Sachverständige zur Sikung waren eingeladen und erschienen die Herren Prof. Dr. Gareis, Geh. Baurath Prof. Dr. H. v. Ritgen. Beide von Gießen. Stadl­baumelster Raupp von Offenbach und Kreisbaumeister Wiess ell von Alsfeld. Herr Prof. Dr. Gareis, welcher zunächst das Wort über die Frage erhielt, ob das Alsfelder Rathhaus einen historischen Werth habe, Hebtaus der denkwürdigen Geschichte der Stadt Alsfeld die hervorragendsten Momente hervor, welche sich an das nach einem großen Brande im Jahre 1512 erbaute Ratbhaus knüpfen. Er gedenkt der Einführung der Reformation, des Bauernkrieges, der Belagerung der Stadt im dreißigjährigen Kriege, der Gerichtsbarkeit der Stadt, der neuen Zunftordnung rc. und der mit Bezug auf diese Ereignisse und Gegenstände in dem Ratyhause geführten Verhandlungen. Mit Be­zug auf alles dies vindicirt Redner dem Alsfelder Rathhause ein hohes historisches

Geh. Baurath Prof. Dr. o. Ritgen führte hierauf aus, daß dasselbe nicht minder auch einen bedeutenden Kunstwerth habe. Die Erhaltung dieses Gebäudes, das in gothischem Stile mit späteren Einbauten im Renaissancestil im Jahre 1512 erbaut sei, erscheine sowohl für die Kunstgeschichte im Allgemeinen, wie für die Provinz Oder- Hessen und ganz besonders für die Stadt Alsfeld von Wichtigkeit und sehr wünschens- werth. Es gelte dies ebenso von dem schönen Steinbau des unteren Stockwerkes und der Gesammterscheinung dieses den Marktplatz Alsfelds herrlich schmückenden mittel­alterlichen Bauwerks, wie auch von den Holzschnitzereien der Thüren, Thürgesimse rc. Als es sich bei der Restaurirung der Wartburg darum gehandelt habe, Thüren nach dem Gcschmacke der betreffenden Zeit herzustellen, sei kein besseres Muster gefunden worden, als eine Thüre des Alsfelder Rathhauses.

Es gäbe überhaupt nur noch ein dem Alsfelder Rathhaus ähnliches Gebäude und dies sei das im Jahre 1498, also 14 Jahre früher, erbaute Rathhaus zu Wernige­rode im Harz. Diesem Rathhause verdankte Wernigerode vorzugsweise feinen Ruhm und den lährlichen Besuch zahlreicher Fremdem Die im Rathhause zu Alsfeld noch er­haltene innere Einrichtung sei aber in kunstgeschichtlicher Beziehung noch weit in­teressanter. Nach entsprechender Herstellung solle es an kunsthistorischer öffentlicher Würdigung und Bekanntmachung für die kunstliebende Welt nicht fehlen. Alsdann werde Alsfeld ebenso von Fremden aufqesucht werden, wie Wernigerode, und es liege daher im eigenen Interesse der Stadt Alsfeld, ihr schönstes Baudenkmal sich zu erhalten. Das PrachtwerkArchitektur-Aufnahmen des Hessischen Archltettenvereins" widme der Wiedergabe der einzelnen Schönheiten des Alsfelder Rathhauses nicht weniger als sieben große Blatter. Es wäre daher sehr zu bedauern, wenn dieses Gebäude, das den da­maligen Styl der Reformationszeit repräsentirte, niedergelegt würde.