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neuerdings durch den Mund eines seiner Minister die Erhaltung des europ. Friedens als Ziel seiner Politik hingestellt.

Italien ist durch die beruhigenden und zugleich festen Erklärungen, welche Baron Haymerle seinen leitenden Staatsmännern gegeben, der Weg zu einer Annäherung an den deutsch'österreichtschen Bund gebahnt worden. Wie wenig König Humbert selbst daran denkt, sich zu panslavistischen oder gar chauvinistischen Zwecken mißbrauchen zu lassen, beweist die bevorstehenden Zu- sammenkunft desielben mit dem deutschen Kronprinzen.

Selbst die Pforte fühlt sich durch den Magnet der auf Erhaltung und Befestigung der bestehenden Ordnung der,Dinge gerichteten neuen Friedens- liga so stark angezogen, daß sie den förmlichen Beitritt zu derselben wünscht, hat sich aber von entscheidender Seite, aller Versicherungen des Wohlwollens unbeschadet, ernst bedeuten lasten muffen, daß der neue Bund auch ihr gegen- über auf volle Durchführung des Berliner Friedens dringe, das Heil der Türkei mithin lediglich auf der Erfüllung ihrer internationalen Verpflich­tungen beruhe.

So ist denn alle Aussicht vorhanden, daß das Schwergewicht des neuen mitteleuropäischen Frtedensbundes alle panslavistischen, chauvinistischen und ultramontan-revoluttonären Gelüste allmältg zum Schweigen bringen werde. Fürst Bismarck würde Berlin gewiß nicht verlassen haben, wenn er nicht die Ueberzeugung hätte, daß die Schritte, die er zur Sicherung des Welt- friedens gethan, von Erfolg begleitet sein würde. Auch die Thronrede, mit der Kaiser Franz Joseph den österreichischen Reichsrath eröffnete, alhmet volle Zuversicht zu einem dauernden Frieden.

Deutschland.

Berlin, 16. Octbr. Aus Nordwestdeutschland schreibt man derFrh.- Corresp.": Die Steigerung der Getretdepreife hat in letzter Zeit erneuerte Fortschritte gemacht. Während man im Juni von Londoner Häusern Dampfer- Ladungen Roggen vom Schwarzen Meer mit 105 Mk. per 1000 Kilogramm kaufen konnte, muß man jetzt schon 155 Mk. bezahlen und dabei ist das An­gebot außerordentlich knapp. Schwarzbrod ist hier um 1214 Pfg. per Stück von 31/2 Kilogr., Roggenschrot, welches zu Viehfütterung dient, von 9 Mk. 50 Pfg. auf 13 Mk. per Hektoliter gestiegen. Wie soll werden, wenn das auch nur in stark abgesckwächtem Maßstabe bis zur neuen Ernte so fortgeht? Schon vernimmt man Stimmen, die eine Steigerung wie in 1867 bis 1868, wo der Roggen bis 260 Mk. per 1000 Kilo stieg, voraussagen. Dabei ist Deutschland im Innern und in seinen Seehäfen schlecht mit Vor- räkhen fremden KornS versehen, denn noch immer spukt die Idee in den Köpfen: Das Ausland wird uns schon kommen, denn ohne Deutschland kann es feinen Ueberfluß gar nicht los werden. Es ist unglaublich, wie diese unsinnige Behauptung, welche längst durch Thatsachen widerlegt ist, selbst von Fachleuten noch unbesehen nachgesprochen wird. So heißt es in einem vom 13. ds. bütirten öffentlichen Getreidewochenbericht aus Hannover, die unglaub­lichste amerikanische Concurrenz in Weizen mache es unmöglich, daß mebr als 208 bis 210 Mk. per 1000 Kilogr. für bestes inländisches Gewächs zu er­zielen sei! Der Verfasser scheint gar nicht zu wissen, daß der amerikanische red winter wheat, eine Qualität, die unferm prima Jnlandsweizen auch nicht das Wasser reicht, in London bereits in ganzen großen Schiffsladungen mit 54 Shilling per Quarter oder mit 250 Mk. per 1000 Kilogr. bezahlt wor­den ist, und wer soll uns noch Concurrenz machen? Nein, die Sache liegt gerade umgekehrt. Die Mehrheit glaubt bei uns, nicht zum wenigsten in Folge der von den Agrariern verfochtenen Irrlehren, nicht an eine dauernde Preissteigerung und beeilt sich in Folge dessen, seine Vorräthe an das Ausland zu verkaufen, da fast alle europäischen Culturstaaten jetzt höhere Kornpreise als Deutschland haben. Vielleicht werden wir diesen Jrrthum später bitter bereuen, wenn wir unseren Bedarf weit tbeurer vom Auslande zurückkaufen und auch noch den Zoll von 10 Mk. per 1000 Kilogr. dazu zahlen müssen. Die Einführung der Kornzölle am 1. Januar 1880 könnte dann einen schlim- men Zustand schaffen, der auch für die Landwirthschaft selbst sehr empfindlich werden würde, da bei hohen Futterpreisen die Viehzucht leiden muß. Schon jetzt hört man von kleinen Leuten, welche ein Schwein selbst mästen, die Aeußerung, daß sie bei noch höheren Roggenschrotpreisen dasselbe nicht weiter erhalten könnten.

Wie demBerl. Tagebl." ein Privat - Telegramm aus Elbing mel­det, ist daselbst soeben aus dem Cultusministerium der Bescheid eingetroffen, daß es bei der Nichtgestattung der Simultanschule definitiv sein Bewenden behalten müsse. Wie man sich denken kann, herrscht über diesen Ausgang der Angelegenheit in der Elbinger Bürgerschaft die größte Aufregung. Denn nachdem Alles für die Eröffnung der Simultanschule vorbereitet war, ist es mit den erheblichsten Schwierigkeiten verknüpft, alle diese Vorbereitungen, An­stellungen rc. rückgängig zu machen und das erforderliche Lehrpersonal für die nunmehr wieder in confessioneller Getrenntheit neben einander einzurichtenden Schulen in so kurzer Zeit zu beschaffen. Der gesammten Bevölkerung des Landes aber wird der Elbinger Vorgang die Augen darüber öffnen, was es mit deneinigen wesentlichen Punkten", in denen Herr v. Puttkamer die An­sichten und Ueberzeugungen seines Vorgängers nicht theilen zu können ver­sicherte, auf sich hat.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S tclegr. Correspondenz Bureau.

Berlin, 17. Octbr. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Bun- desraths-Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten war von dem bayerischen Ministerpräsidenten v. Pfretzschner berufen, um Keuntniß von der gegenwärti. gen politischen Lage zu erlangen. Der Stellvertreter des Reichskanzlers er- theilte die gewünschte Auskunft, wovon die Mitglieder des Ausschusses durch- aus befriedigt fein sollen. DieNordd. Allg. Ztg." meldet ferner: Die kürzlich erwähnten Besprechungen zwischen Commiffarieu der Reichsjustuver- waltung und der beiden Justizministerien Oesterreichs und Ungarns über den zwischen dem deutschen Reiche und Oesterreich-Ungarn abzuschließenden Vertrag wegen Gewährung von Rcchtshülfe fanden mehrere Tage hindurch im Reichs- justizamte statt. Diese Besprechungen führten in vielen Punkten die gewünschte Verständigung herbei und trugen bei anderen wenigstens zu einer dem Fort- flange der ^L-ache förderlichen Klärung der Ansichten bei. Die österreichischen und ungarischen Commissare sind nach Wien bezw. Pesth zurückgekehrtt Es handelt sich nunmehr darum, auf Grund der stattgehabten Beratbungen bei- derseitig an maßgebender Stelle die weiteren Entschließungen zu fassen.

Lokales.

Gießen, 18. October. Ein jämmerliches Ende nahm vorgestern die Ziege cineS vabn- bedienstetcn. Dieselbe war angepflöckt auf einem Grasplatz, als der große Hund eineS bufiaen Fuhrmanns auf dieselbe zusprang, ihr den Hal« aufriß und an dem Opfer zu speisen b!qa?n Htnzukoinmende Leute hatten Mühe, den Hund von der Zieae wegzubringen. Der Beflnerbi ziegenmordernden Neufoundländers wird wohl eine theure Speiserechnung bekommen ?

Batte ü^r*ärhte?2b'^®°efeentmurfäbetn^Me"ff" bD°- fdtlagt. Frankenburger vertritt den Ausschuß,Antraa und°weN?

«hümtichen Umstand hin. daß der Referent nicht m?br N. ro . , c,9en bie M.n°r.tat vertrete. Bezugnehmend auf F eiL I M tt K'tn ÄÄft'ä.'Ä1* "=8,Ss ,«-«».

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ausschließlich Bier für den sogenannten Haustrunk der Brauberechtiaten meuat m? s Fumnzminister bezeichnet dies als undurchführbar?

93urfler hätten eine (Kontribution zu entrichten. ftabul nefcft llrnnpionh frtn PrvüaL" Än'^Me'Waffeu'fekn abzultkfe'rn^->ede d"U""g»d wird °in d St«en svlle hingeüchtet°we"dew" Schließ"-

wird in der Proclamatton eine Prämie von 50 Rupien für die Getanaen- nehmu^ eines j'den Theilnehmers am Gefandtschaftsmvrde zuqesagd 9 a.s, 7 an^,,r ,^ct6r- Der Minister des Innern hat 23 Maires und Adjuncten, welche legittmistischen Bankets, und 2 Maires, welche einem Banket a69",fct- äUf 6ie|cn Baskets wurden aus.

k ^vndon, 17. Octbr. Das Reuter'sche Bureau meldet aus Kavstadt unb hMt ^Eneral Wolseley traf am 17. Septbr. in Prätona ein

unb hielt eine Rede, m welcher er hervorhob, daß die von

9te9ierunn beschlossene Annexion Transvaals unwiderruflich fei. Das Comite ber JöoerS nahm hierauf eine Resolution an. worin bie Erklärung abgegeben mürbe * "" Wieberherstellung ihrer Unabhängigkeit sie zufriedenstellen vom 17®^"/ 1? ^Oaer- Melbung derPolit. Corresp." aus Cettinje vom 17. bs.. Der Fürst von Montenegro ist mit bem Senatsvräüdentpn Petrovic unb bem Minister Urbica gestern nach Anbrejerika abgereist um bie Positlonen von Plava unb Gusinje zu besichtigen. 9 ' '

. R 17 Octbr. Die BerlinerBörsenzeitung" ist von comveten-

tester Seite ermächtigt zu erklären, baß bie vorgestern in Frankfurt und gestern auch hier vielfach verbreitete Nachricht, es sei Seitens des Ministeriums föaffeinr'hfifh"«16 A'l-llschaflsvvrstände der Rheinischen Eisenbahrgesell^ scha t eine positive Benachrichtigung ergangen, wonach daS bisher Seitens der Regierung abgegebene Gebot für bie Erwerbung ber Bahn von 6 auf 6V vCi erhöht wurde, jedweben Grunbes entbehrt. 8 9 ' " L

Brüssel, 17. October, Abends. Gegenüber der Msttbeilmi^ omi°Ubenl SmS*" bie Verhaltungsmaßregeln, welche ber Geistlichkeit ^n,,b^n Bischöfen ertbeilt seien, erklärenGazette be Liege" und Bien «chettt hätten?^ bd9i|d,Cn ®if*6fe ben Pi-rrein keine neueu Instructionen - cmT" Cn^ ^beiter hielten in Chatelineau eine Versammlung, wobei 9 fCb bCk Internationalen von Brüssel eine Rede hielt. Gensdarmen chritteu ein unb machten, wie es heißt ans Mißverständniß, von ber Schuß-

Gebrauch, so daß mehrere Arbeiter verwundet wurden. Die Ruhe wurde alsbald wieder völlig hergestellt. 9 ro<

Handel und Verkehr.

Gießen, 18. Oktober. Auf Dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter »er gifh m. 1 in , Hühnereier per Stück 7 Käs. per Stück 5-7 Käsematte ver Stück 3 Erbsen 1 Liter 18 Linsen 1 Liter 22 H, Tauben das Paar 5"70^. ßtontrhL 225

X 0.75-1, H-bn-n per Stick 0.50 1, Snttn Sttick M 1.70 «ins, ! Kartoffeln per 100 Kilo JL. 67, Weißkraut, 100 Stück je 6 «wiebeln JL 5-6, Milch per Liter 16 und 18 \ Ochsenfleisch 7u Pfd.,^h. un?RinÄeifch 52-56 Kalbfleisch 50-54 H, Hammelfleisch 60-70^, Schweinefleisch 60-64 Truthähnen per Stück 4 5 Jt

Limburg, 15. Oktober. (Fruchtmarkt.) Roth er Weizen JL 19.80, Weißer Wetzen vH. 19., Korn JL 12.25, Saatkorn JL Gerste JL 10.70 Hafer u 7 65 GtrMtn M.__

Kartoffeln JL (Durchschnittspreis pro Malter.) ' * ' ' ** '

Auszug aus den Itandrsamtsregiftern drg Standesamts Gießen

Vom 11. bis 17. October 1879.

Aufgebote.

11. Oktober. Schreiner Martin Hermann Etauß von Wetzlar mit Frtederike Auguste Marie Deckmann, Lochte 1 des Lademeisters Georg Anton Deckmann von Wetzlar. 13. Kauf­mann Friedrick Jacob Pbilipp Alexander Müller von Gießen mit Katharine Wilbelmine Elisabeth Rumpf, Tochter des Kaufmanns Heinrich Rumpf von Haltern. 14. Bierbrauer Philipp