Skr. 164. Freitag den 18. Juli 187».
AliM- Md AM-chmt für 6c« Kreis Gießen.
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politischer Hheil.
Deutschland.
Darmstadt, 15. Juli. Schluß des Inhalts des Großh. Regierungsblatts (Beil. Nr. 17):
10. Dienstnachrichten. Se. König!. Hoheit der Großberzog hoben aller- gnädigst geruht: am 19. April dem evang. Pfarrer Otto Sell zu Wickenrodt die evang. Pfarrstelle zu Bosenheim, mit Wirkung vom 1. Sept. d. Js. an, zu übertragen; am 24. Mat den Kanzleigehülfen bei dem Ministerium der Finanzen, Friedrich Lößer, zum Hoftheater-Canzlisten, am 28. Mai den prov. Lehrer der Mineralogie und Gesteinslehre an der technischen Hockschule, außerordentlichen Professor Dr. Richard Lepsius, zum außerordentlichen Professor an dieser Hochschule, am 17. Juni den prov. Lehrer an der höheren Mädchenschule zu Darmstadt Dr. Hermann Mensch aus Angerburg zum Lehrer an dieser Schule zu ernennen.
Am 24. Mai wurde der Heizer bet der Main-Neckar Eisenbahn, Christoph Lorenz, zum Locomotivführer bei dieser Bahn ernannt; am 27. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Johannes Schaaf aus Lauter die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Altenschlirf übertragen; am 29. Mat wurde der Schuloer- walter Johann Dieter Thierolf zu Michelstadt zum Lehrer an der Realschule daselbst, bezw. der Vorschule derselben, ernannt; an deins. $afle wurde dem Schullehrer Heinrich Schneider zu Alsfeld eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lollar, am 1. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Franz Hemmcs aus Gau Algesheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sulch» im übertragen; cm 3. Juni wurde dem Adam Keil aus Fürth i. O. das Patent als Geometer 1. Klasse für den Kreis Heppenheim ertheilt; am 4. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Georg Kruppert aus Willofs die Lehrerstelle an der Gemetndefchule zu Volxheim übertragen; am 7. Juni wurde der Georg Ebert aus Breungeshain zum Gefangenwärter, an dcms. Tage wurden Heinr. Klein aus Butzbach, Leonhard Hübner aus Kirch-Brombach, Johann Anton Dern aus Gambach, Jacob Grünewald aus Baberbauseu, Johannes Kötter aus Altenstadt, Kaspar Weiß aus Gambach, Philipp Graulich aus Södel, Konrad Wteßner aus Gambach, Adam Decher aus Rockenberg, Bernhard Tröster aus Griedel, Kaspar Eimer aus Groß-Eichen, Georg Guyot aus Rohrbach zu Aufsehern an dem Landeszuchthause ernannt; am 13. Juni wurde der von dem Kreisrathe, dem kath. Pfarrer und dem Stadtvorstande zu Bensheim auf eine erledigte Lehrerstelle an der kath. Schule zu Bensheim präseniirte Schulamtsaspirant Adam Roos aus Heppenheim bestätigt; am 17. Juni wurde dem Schullehrer Georg Glaser zu Groß Gerau eine Lehrer stelle an der Gemeindeschule zu Dietzenbach übertragen; an dems. Tage wurden die Aspirantinnen für das höhere Lehrfach, Marie Mootz aus Darmstadt, Wilhelmine v. Zabern aus Mainz, die Lehrerin an der Mittelschule für Mädchen zu Darmstadt Louise Pabst und die Aspirantin für das höhere Lehrfach Marie Müller aus Darmstadt zu Lehrerinnen an der höheren Mädchenschule zu Darmstadt ernannt; am 20. Juni wurde dem Schullehrer Adam Michel zu Löhrbach eine erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lorsch, an dems. Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Anton Mayr aus Painten eine Lehrerstelle an der Gemeiude- schule zu Biblis, dem Schulamtsaspiranten Friedrich Klein aus Hutzvorf eine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Lampertheim, dem Schullehrer Heinrich Hillenbrand zu Mosbach eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Lampertheim am 22. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Georg Lampert aus Gadernheim eine erledigte Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Brandau, am 27. Juni wurde dem Schullehrer Johann Nicolaus Ramge zu Fürfeld die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Eckelsheim übertragen.
11. Dienstenthebungen.
12. Ruhestandsversetzungen.
13. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Laubach mit einem je nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalte von 900 bis 1400 «M. jährlich; das Präsentationsrecht steht dem Herrn Grafen zu Solms Laubach zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besitzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weickartshain mit einem Gehalte von 900 Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Fehlhetm mit einem Gehalte von 900 <M. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Echzell mit einem Gehalte von 900 Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bernöburg mit einem Gehalte von 900 Zwei Lehrerstellen an der kath. Schule zu Hirschhorn mit einem Gehalte von 1200, bezw. 900 «X
14. Sterbefälle. Gestorben sind : am 13. April der Gymnasiallehrer t. P. Gambs zu Frankfurt a. M.; am 11. Mat der Schullehrer Friedrich Bierau zu Echzell; am 19. Mai der Rechnungsrath t. P. H. Schröder zu Beffungen; am 24. Mai der Schullehrer i. P. Jacob Wegner zu Kettenheim; am 26. Mai der Hofgerichts-Kanzlei-Jnspector Eduard Weidig zu Gießen; an dems. Tage der Oberförster i. P. Karl Koch zu Wolfsgarten; am 1. Juni der Landge- rtchtsdiener Friedr. Rapp zu Michelstadt; am 8. Juni der Oberstabsarzt i. P. Dr. Theodorich Plagge zu Darmstadt; an dems. Tage der evang. Pfarrer Julius Scriba zu Groß-Felda; am 13. Juni der Major la suite der In
fanterie Gustav Alewyn zu Lichtenthal; am 14. Juni der Forstwart i. P. Kaspar Schick zu Treis a. d. L.; am 16. Juni der Ober-Rechnungs-Revisor t. P. Ernst Lehmann zu Darmstadt; am 21. Juni der charakterisirte Major i. P. Adolph Christian Georg Simon - Günzer zu Darmstadt; am 25. Juni der Hauplstaalskasse - Buchhalter t. P. Christian Weygand zu Darmstadt; am 29. Junt der evang. Pfarrer Karl Wilhelm Melsheimer zu Ober-Klingen.
Berlin. Bei der Schlußabstimmung über den Zoll-Tarif vertheilten sich die Abgeordneten der einzelnen Staaten und Provinzen in sehr ungleichem Maße. Aus Ostpreußen (das 17 Abgeordnete zählt) stimmten 14 für, keiner gegen den Tarif; Westpreußen (12) 7 für, 5 gegen; Brandenburg (26) 13 für, 10 gegen; Pommern (14) 12 für, 1 gegen; Posen (12) 5 für, 6 gegen; Schlesien (35) 27 für, 6 gegen; Sachsen (20) 11 für, 7 gegen; Schleswig-Holstein (9) 2 für, 4 gegen; Hannover (19) 3 für, 10 gegen; Westfalen (17) 11 für, 2 gegen; Hessen-Nassau (14) 4 für, 7 gegen; Rheinprovinz (35) 30 für, 1 gegen; Hohenzollern 1 für. — Aus Bayern stimmten 28 für, 11 gegen; Sachsen 12 für, 9 gegen; Württemberg 15 für, 2 gegen; Baden 5 für, 7 gegen; Hessen 1 für, 7 gegen; Mecklenburg 2 für, 5 gegen; von den übrigen Abgeordneten stimmten 8 für, 17 gegen den Tarif.
Berlin, 15. Juli. In diesem Jahre erfolgt zum ersten Male die Einziehung der F-ldwebel-Lieutenants zu einer zehntägigen Uebung bei ihren Regimentern, um dieselben mit den 1876 für die drei Hauptwaffen erlassenen neuen Reglements vertraut zu machen. Dieselben bilden eine ganz neue, eist 1877 geschaffene Charge in der deutschen Armee und sind inactive geschulte Unterofficiere aller Truppengattungen, welche' sich im Falle einer Mobilmachung zum Wiedereintritt in die Armee bereit erklärt haben und zur Besetzung von Seconde-Lieutenants-Stellen bei den Ersatzrruppen, wie bei den Landwehr- Bataillonen, den Depots-Escadrons und bei Landsturm-Formationen zur Verwendung kommen sollen.
— Wie man noch nachiräglich über die den Zolltarif betr. Abstimmungen des Bundisratheö vernimmt, haben Hessen, Oldenburg, Mecklenburg und die Hansestädte gegen die Erhöhung des Eisenzolls gestimmt, sind jedoch in der Minderheit geblieben, da sich eine Mehrheit für die Erhöhung ergab; für Malz wurde sie nickt beliebt; die beantragte Ermäßigung von Baumwoll- garnrn fand keine Anhäe ger; für die Erhöhung der Getreidezölle wäre der Reichskanzler eingelreten, welcher in jener Sitzung den Vorsitz führte; die Abstimmung hatte daffelbe Ergebmß wie beim Eisei zoll. Hinsichtlich des Kupfers trat für die alte Vorlage die Mehrheit ein, ebenso für den Satz von 12 Mk. bei Floretseide.
Lübeck, 15. Juli. Unter der Ueberschrift: „Die Folgen des neuen Zolltarifs" theilen die „Lübecker Blätter" folgende Begebenheiten aus Lübeck mit: „Unsere Kaufmannschaft hat bekanntlich auch ei-.en Schutzzöüner. Lange hatte dersilbe die Erzeugnisse eines Geschäftsfreundes, eines Eisenwaaren-Fabri- kanten in Remscheid, nach Rußland spedirt, und es hatte sich dadurch zwischen beiden auv dem rein geschäftlichen Verkehr ein persönliches Freundschaftsver- hältniß gebildet. Welche Folgen dies haben würde, das konnte er aber nicht ahnen. Vor einigen Tagen traf der Freund hier ein und ersuchte unfern Mitbürger, den Schutzzöllner, nachdem er so lange seine Fabrikate nach Rußland spedirr hab', nun auch ihn selbst mit allen seinen Arbeitern dahin zu spediren. Unter den Segnungen des neuen Zolltarifs vermöge er in Deutschland nicht mehr zu existiren, er wolle jetzt nach Rußland gehen unD dort eine neue Fabrik errichten. Wie gesagt, fo geschehen. Das Dampfschiff „Livonia" hat den Fabrikanten mit etwa 18 Arbeitern nach Rußland gebracht, und der Schutzzöüner soll sich nun die Frage vorlegen, wie er es zu machen habe, um die Fabrikate seines Freundes, die er sonst exportirte, künftig zu importiren, bis jetzt aber eine befriedigende Antwort nicht gefunden haben. In Berlin wird man aber sicherlich triumphirend darauf Hinweisen, daß Deutschland in Folge des Schutzzolles um einen neuen Exportartikel, „auswandernde Industrielle", reicher geworden ist.
Hngland.
London, 14. Juli. Wie einem englischen Blatte berichtet wird, hat der gestrige Tag eine Reibe von 42 Sonntagen abgeschloffen, an welchen cs hintereinander geregnet hat. Das ist für die armen Städter, welche allein am Sonntag außerhalb der Stadlmauer frei aufathmen können, ein trauriger Rückblick und da morgen der St. Swilhinstag, der englische Siebenschläfer, bevorsteht, so trägt für gläubige Gemüther auch die Zukunft einen düstern Anstrich. Noch weit trüber gestaltet fick das Bild für die Landwirthe, denen die liebe Sonne nicht allein Freude und Vergnügen, sondern auck Lohn für ihre Arbeit und Zinsen für ihr Geld bringen soll. Die Lage der Landwirthe ist allerdings traurig, aber ganz hoffnungslos ist sie glücklicherweise doch noch nicht. Inmitten des Unglücks ist es noch ein Glück, daß die Temperatur bisher ungewöhnlich niedrig war. Die Vegetation ist daher augenbl-cklich gegen andere Jahre um 4—5 Wochen zurück, und aus Landwirthsckafts-Berichten — zum Mindesten aus dem Norden — sckeint hervorzugchen, daß, wenn wenigstens jetzt noch in letzter Stunde warmes Wetter und Sonnenschein cbitreten wollte, noch Manches nachgeholt werden könnte. Hier im Süden ist der


