Einzelbild herunterladen

fügt worden ist. Damit ist leider das deutsche Burgerthum in eine Stellung versetzt worden, in welcher es sich entschließen muß, sich zur Awehr zusammen zu schließen. Gerade well wir nicht wünschen, daß der alte Clasiengegensatz aus der Zeit vor 1848 wieder erwacht, haben wir gegen eine Wirthschafts- polittk angekämpst, die mit einem Claffenprogramm beginnt. Und mit nicht minderem Eifer, als man aus der Gegenseite zu trennen, müsien wir die ver­schiedenen Clasien und Stände zu vereinen suchen. Weniger wie je darf die städtische Bevölkerung sich auf sich selbst zurückztehen, nur im festen Anschluß an die gleichgesinnten Elemente auf dem Lande kann sie ihre richtige Stellung finden. Sie hat die Ausgabe, die Landbevölkerung zu überzeugen, daß der Widerstand gegen die wirtschaftliche Wendung, die sich jetzt vorbereitet, nicht im Gegensatz gegen die Jntereffen der Landbevölkerung in einem specifisch städtischen Interesse geführt wird, sondern daß der billigere Ausgleich aller Jnteresien die Fahne sein muß, um welche sich eine Partei sammeln kann, die das allgemeine Wohl im Auge hat. Das allgemeine Wohl scheint uns allerdings noch nicht dadurch gerettet, wenn der geduldige Consument zur Claffe der Pachydermen der Dickhäuter gerechnet und unter Agrariern und Zöllnern vertheilt wird. Niemand kann der Gedanke einer Trennung von Stadt und Land ferner liegen, als dem Oberbürgermeister von Berlin, dem Abgeordneten von Wollmirstädt, das liegt schon in der Natur seiner Stellung. Aber eben so natürlich war es, daß er den ersten Anruf zur Wach­samkeit an die Städte richtete und sie als den Grundstock einer Partei in Anspruch nahm, welche auch in schwierigen Zeilen sür die liberale Sache ein- zutreten bereit ist.

Spanien.

Madrid, 14. Juni, Abends. Im Senat theilte Ministerpräsident Martinez Campos mit, daß der Hauptführer der Insurgenten von Carthagena begnadigt sei, well er den Eid geleistet habe, während Ruiz Zorilla noch immer gegen Spaniens staatliche Einrichtungen conspirire. Der Minister fügte hinzu: die Regierung verfolge die Politik der Versöhnung; man muffe daS Geschehene vergessen.

Afrika.

Kairo, 14. Juni. Ein Circular des Khedive an die Consuln besagt: Angesichts des Protestes der Mächte gegen das Decret vom 22. April unter­breitet der Khedive einen nationalen Entwurf der Billigung der Mächte, aus daß derselbe zu einem internationalen Contract werde. Das Circular spricht von der vollständigen Bezahlung der schwebenden Schuld mittelst der Fonds aus dem Rothschtldffchen Anlehen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr. Torrespondenz-Burea«.

Stuttgart, 16. Juni. Der König hat sich heute zum Besuche des Großfürsten und der Großfürstin Michael von Rußland nach Baden-Baden begeben.

DerStaats-Anz." meldet: Heute ist Geheimerath Dillenius nach Berlin abgereist, um morgen im Bundesrathe bei der Berathung des Ent­wurfs über die Gütertarife zur Sette des Ministerpräsidenten v. Mtttnacht die württemberqtschen Interessen zu vertreten.

London, 16. Juni. General Chelmsford meldete dem Kriegsdepar- tement vom Kriegsschauplätze am Cap: Die zweite Division rückt am 20. Mat 12 Meilen bis Bloodriver vor; es sind hinreichende Mundvorräthe und Trans­portmittel vorhanden, um den allgemeinen Vormarsch zum 1. Juni oder früher zu gestatten.

Versailles, 16. Juni. Deputirtenkammer. Dtscussion des vom Mini­ster Ferry vorgelegten Gesetzentwurfes, betr. den höheren Unterricht. Caflagnac beschuldigt Ferry, daß er systematische Verleumdungen anwende und Acten- ftücke fälsche. Gambetta fordert den Redner auf, seine Sprache zu mäßigen. Cassagnac hält den Vorwurf der Fälschung aufrecht. Die Linke protestirt und verlangt die Verhängung der Censur über Cassagnac. Präsident Gam­betta beantragt die Censur mit zeitweiliger Ausschließung. (Beifall aus der Linken). Da große Aufregung und arger Lärm im Hause ausbricht, so bedeckt sich der Präsident. Cassagnac verbleibt auf der Tribüne. Die Sitzung wird factisch ausgehoben und der Präsident verläßt den Saal.

Die Sitzung wird um 4^ Uhr wieder ausgenommen. Nach einigen Bemerkungen von Setten Casiagnac's verhängt die Kammer über ihn die Censur mit Ausschließung auf drei Tage. Gambetta fordert Casiagnac aus, die Trrbüne zu verlasien. Casiagnac bezeichnet die Regierung insgesammt als ehrlos. Gambetta erklärt: Alle Auslasiungen Casiagnac^s werden fortan als Vergehen gegen das gemeine Recht betrachtet und demnach als solches dem Procurator der Republik überwiesen werden. Die Berathung von Ferry's Gesetzentwurf wird morgen fortgesetzt.

Pesth, 16. Juni. DiePesther Corresp." erklärt die Nachricht, daß die ungarische Regierung die Herstellung der Eisenbahnverbindung zwischen Pesth und Semlin auf dem linken Donau-Ufer fallen gelasien habe, für gänz­lich aus der Luft gegriffen; in maßgebenden Kreisen sei gar nichts davon bekannt. Das Gleiche gelte von den Nachrichten, betr. Verhandlungen über die Panesovaer Verbindung.

Berlin, 16. Juni. Reichstag. Der Vertrag mit den Samoainseln wird in dritter Berathung nach unerheblicher Debatte genehmigt. Ohne Debatte wird in erster nnd zweiter Lesung der Gesetzentwurf betr. die Controle des Reichshaushalts - Etats pro 1878/79 angenommen.

Es folgt nunmehr die Fortsetzung der Berathung des Zolltarifs, welche anhcbt bei Rr. 136 (Holzborke, Gerberlohe), wozu eine Reihe von Amendements vorliegt. Bundescommissar v. Dunkelmann vertheidigt die Position. Oechselhäuscr verlangt, daß Holzborke und Gerberlohe freigelassen werde, v. Kardorff spricht gegen Frei­lassung. Franßen plaidirt für ein Amendement auf partielle Zollbefreiung. Sämmt- liche Amendements werden abgelehnt und die Position nach der Regierungsvorlage in namentlicher Abstimmung mit 140 g'gen 86 Stimmen angenommen. Die Position 13 d (grobe Böttcher-, Drechsler- und Tischler-Waaren) wird nach unerheblicher Debatte unter Ablehnung von Amendements unverändert angenommen Zu 13 e (Holz in geschnittenen Fournieren) beantragt v. Mirbach Erhöhung auf 6 Bundescommissar Mayr vertheidigt den Regierungsantrag (4 Jt). Der Antrag Mirbach wird bei Ab­stimmung durch itio in partes mit 105 gegen 102 Stimmen angenommen, Nummer f (hölzerne Möbel) unter Ablehnung aller bezüglichen Amendements unverändert ange­nommen. Namste Sitzung Dienstag 12 Uhr.

New - Avrk, 16. Juni. Nachrichten auS Lima (via Panama) vom 27. v. M. zufolge ist eine Untersuchung in der Angelegenheit des deutschen DampfersLuxor" eingeleitet.

Kopenhagen, 16. Juni. Der Conseils-Präsident Estrnp hatte im

Namen des Gesammtministeriums anläßlich des Manifestes der Linken, betr. das provisorische Budget von 1877, einen Proceß anhängig gemacht; in erster Instanz sind nunmehr neun Führer der Linken zu je drei Minat Gefängntß verurtheilt.

Aus Mexico vom 11. Juni wird gemeldet: Der Armre-Commrndanr Negrete richtete eine Ausstandserklärung gegen den Präsidenten Porfirio Diaz und verließ mit 3000 Anhängern Mexico. Der Präsident ist zur Verfolgung Negrete's aufgebrochen. Der Präsident des obersten Gerichtshofes, Vallarta, führt provisorisch die Regierung.

Loudon, 16. Juni, Abends. Unterhaus. Unterstaatssecretär Bourke erwidert auf eine Anfrage Otway's: Grneralconsul Vloian ist nicht abbe­rufen ; derselbe kommt nach England nur Privatangelegenheiten halber und hofft nur kurze Zeit von Egypten abwesend zu sein. Die Regierung ist nach reiflichen Erwägungen der Ansicht, daß die Vorlegung des Schriftwechsels, betr. Egypten, im staatlichen Interesse noch nicht zulässig ist.

Lokales.

Gießen, 17. Juni. (Versammlung von Tabakinterefiente« gehalten in Frank, furt a. M. am 15. Juni) Infolge einer in den öffentlichen Blättern ergangenen Einladung fand gestern eine zahlreich besuchte Versammlung von Tabakinteressenten aus Mannheim, Gießen, Hanau, Offenbach, Duisburg, Bensheim, Kreuznach, Aschaffenburg, Bingen, Frankfurt u. a. Orten dahier statt. Gegenstand der Tagesordnung war der Einladung zufolge:Das Ser* halten der Delegirten deutscher Handelskammern in der Tabakbranchc " Herr Hamburger- Hanau begrüßte die Versammlung, konstatirte, nachdem er per Acclamation zum Vorsitzenden gewählt worden war, auf Wunsch mehrerer Theilnehmer, daß die meisten Mitglieder des env ladenden Comites nicht erschienen seien, und erklärte ferner, daß die Einberufung der Ver­sammlung veranlaßt worden sei durch die verschiedenen, in mehreren Blättern erschienenen, die Thätigkeit der Delegirten verdächtigenden Artikel. Auf Anfrage an daS Comitö, ob es im Stande sei, irgend welche materielle Beweise für die in den anonymen Zeitungsartikeln gegen die Delegation geschleuderten Verdächtigungen vorzubringen, erwiderte Vorsitzender, daß dies nicht der Fall sei, daß keine positiven substanziirten Beschuldigungen Seitens des Comitös vorgebracht werden könnten, daß vielmehr der Zweck der heutigen Versammlung nur der sei, Aufklärung darüber zu verschaffen, ob die belegten Zeitungartikel auf Wahrheit beruhten oder nicht. Nachdem dies konstatirt worden, erklärte sich im Namen und Auftrag der angegriffenen Handelskammerdelegirten nunmehr Herr Handelskammersecretär Puls bereit, die Sachlage in authentischer Weise darzulegen. Die auf Grund der Caffeler Beschlüffe gewählte Deputation von Handelskammerdelegirten, ea. 50 an der Zahl, aus allen Theilen Deutschlands, und allen Branchen des Tabakgeschäftes angehörend, habe sich in Berlin am 6. Mai versammelt und selbstständig eonstituirt. Sie habe ein engeres Comitä, bestehend aus 12 Herren, gewählt, dessen Erfolge nicht gering anzuschlagen seien. Die augenblickliche Stellung der Delegation zur Tabaksteuerfrage anlangend verlas Redner eine, von sämmrlichen in Berlin anwesenden Dele girten unterzeichnete protokollarische Erklärung aus einer ihrer jüngsten Sitzungen. Diese Erklärung lautet wie folgt:

Die Delegation steht nach wie vor auf dem Boden der Casseler Beschlüffe und zwar, was die Sätze betrifft, insofern als sie auch die niedrigsten von der Tabakenquetecommission aeeeptirten Sätze noch als zu hoch betrachtet, in der Erkenntniß, daß nur mäßige Sätze mit dem ferneren Gedeihen der Tabakbranche verträglich sind.

2) Die Delegation protestirt nach wie vor energisch gegen jede Nachsteuer und läßt sich auf keine Verhandlung über eine partielle Nachsteuer ein."

In diesem Sinne hätten die Delegirten erklärt, stets gewirkt zu haben und stets wirken zu wollen. Daß eine Erwiderung auf die Anschuldigungen noch nicht Seitens der Delegation erfolgt sei, habe von Umständen abgehangen, deren Beseitigung nicht in ihrer Macht gelegen. Soviel aber könne er versichern, daß wenn einmal die Caffeler Beschlüffe nicht mehr als die gemeinschaftliche Basis der Agitation betrachtet werden sollten, dann jedenfalls der Ausschuß und die Centralstelle ihr Mandat niederlegen würden und den Interessenten selbst alsdann die Wahrung ihrer Jntereffen überlasten müßten. Nach kurzer Debatte schlug Herr Besserer (Firma C arsta n j en)-Duisburg folgende Resulution zur Annahme vor:

In Erwägung, daß die Delegation der deutschen Handelskammern auf Grund der Casteler Beschlüsse auch die niedrigsten von der Tabakenqueteeommission aeeeptirten Sätze noch für zu hoch hält und die Delegation protokollarisch erklärt hat, nach wie vor gegen jede Nach­steuer zu protestiren, beschließt die Versammlung, der Delegation, sowie dem Ausschuß und der Centralstelle der deutschen Handelskammern die volle Zustimmung zu ihrem Verhalten auszusprechen und über die falschen unbewiesenen Behauptungen der Zeitungen zur Tages­ordnung überzugehen."

Diese Resolution wurde von dem Vorsitzenden zur Abstimmung gebracht und einstimmig angenommen. Um derartigen Zwischenfällen, welche der guten Sache wenig förderlich sein könnten, in Zukunft vorzubeugen, wurde zum Schluß von zuständiger Seite die Interessenten gebeten, bei irgendwelchen auftauchenden Zweifeln sich entweder an ihre betr. Handelskammer oder an die Frankfurter Centralstelle zu wenden, welche mir größter Bereitwilligkeit jede mög­liche Aufklärung über den Stand der Verhandlungen in der Tabaksteuerfrage gewähren werde.

Gießen, 17. Juni. Ein wegen Diebstahl in Untersuchungshaft befindlicher junger Mensch entwich heute Nacht aus dem alten Arresthaus, indem er einen großen Sandstein aus der Mauer brach und durch die entstandene Lücke in's Freie gelangte. Bei einem neulichen Entweichungsversuch wurde der Betreffende überrascht und zur besseren Sicherung in em anderes Loeal verbracht. Weit wird der Entsprungene wohl nicht gelangen, indem die Sträflingskleiber ihn überall kenntlich machen.

Em schwer Betrunkener lagerte sich heute Morgen vor dem Garten des Herrn Prof. Wern her auf die Mitte der Straße. Zwei Schutzleute hatten Arbeit, ihn in sicheres Obdach zu führen.

Jupiter Pluvius scheint dem heute zum 2tenmalc annoncirten Feuerwerk in Wenzel's Garten wiederum nicht günstig zu sein, denn ein sanft herniederträufelnder Landregen beginnt soeben die Erde zu befeuchten. Nun, das 3temal wird wobl geratben!

V e r m i s ch t e S.

Darmstadt. Nach einer Zusammenstellung desO- B." haben am 10. b. Mts. vielfach Gewitter eingeschlagen: In Braunshardt schlug der Blitz in ein Haus; in Lorsch schlug bet Blitz in ein Haus und verwüstete daffelbe, während ein Mann in dortiger Gemarkung erschlagen wurde; in Kleinhausen entzündete der Blitz eine Scheuer, welche niederbrannte; ferner schlug der Blitz ein in Offenbach, Oberrad, Alsheim, auf der Bahnstrecke bei Mettenheim, in Westhofen, wo ein Wohnhaus mit Scheuer niederbrannte, ebenso in Nieder-Olm u. s. w.

Worms, 13. Juni. Nachdem im Laufe des gestrigen Tages wiederholt einige Gewitter über unsere Stadt gezogen waren, entlud sich gestern Abend 7 Uhr nochmals em solches mit außerordentlich großer Gewalt; der Regen goß im wahren Sinne des Wortes in Strömen herab, so daß es den Waffermassen nicht mehr möglich war durch die Kanäle ihren Abstuß zu nehmen und alle Straßen rasch in Bäche sich verwandelten, welche besonders die Catmeliterstraße und die in dieselben einmündenden Straßen vollständig unpassirbar machten Dem Publikum wurde es fast unmöglich, die um jene Zeit abgehenden Bahnzüge zu benützen In bic Synagoge drang das Waffer gleichfalls ein und setzte dieselbe sowie die Rascki-Kapelle unter Wasser, so daß die darinnen des Gottesdienstes halber Anwesenden flüchten mußten. Die eingedrungene Waffermaffe war so groß, daß erst nach stundenlanger Schöpfarbeit dieselbe wieder entfernt werden konnte. Schließlich ging der heftige Gußregen auch noch in Schlossenschlag über, bei dem Schloffen in der Größe von Kirschen in solcher Masse fielen, daß noch einige Stunden nachher dieselben Zoll hoch in Höfen, Gärten und auf den Straßen lagen. Es ist leicht begreiflich, daß in den Gärten an Bäumen und Pflanzen und an den Reben in den Weinbergen durch diesen Hagelschlag, der über % Stunde anhielt, sehr bedeutender Schaden verur­sacht wurde. (W. Z.)

Fünfzehn Wallfahrer vom Blitze erschlagen. Aus Czenstochau (Russisch- Polen) schreibt man dem PetersburgerGolos" vom 8. ds.:Gegenwärtig beherbergt unsere Stadt nickt weniger als 60,000 Fremde, die hierher aus Böhmen, Schlesien, Galizien und allen Gouvernements Polens gekommen ist, um vor dem wunberthätigen Bilde der Czenstochauer heiligen Mutter Gottes zu beten. Am 4 ds. schlug, während die Menge Andächtiger vor der Kirche stand und betete, ein Blitz in einen Baum unweit der Kirche ein und töbtete fünfzehn Personen, welche unter demselben gestanden hatten. Der Baum wurde völlig zerrissen "

In Amerika wird seit einiger Zeit viel über Leichendiebstähle geklagt, nicht etwa, daß die Kirckböfe im Dienste der Anatomie geplündert werden, wie dies in älteren Zeiten auch anderwärts vorgekommen ist; nein, man stiehlt L ichen gerade so wie in Sieilien Reisende ab­gefangen werden, um von den betreffenden Verwandten oder Familien Lösegeld zu erpressen. Um diesem Unfug zu steuern, hat ein sinnreicher Zankee einen Avparat erfunden, den er den Familien, die einen Todten zu beklagen und zu schützen haben, um den bescheidenen Preis von