Ausgabe 
18.5.1879 Erstes Blatt
 
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Italien.

die

be- der

London, 15. Mai. Einer Meldung derTimes" aus Philadelphia zufolge beschäftigte sich das Cabtnet der Regierung der Vereinigten Staaten Ü? Frage der Metalldoppelwährung unter Rücksichtnahme auf die bezüg­lichen Wunsche der europäischen Staaten. Stewart schlug die Wiederaufnahme der bezüglichen Verhandlungen vor. Die Finanzcommission des Senats ' Egte einen Eredit für die Kosten des diplomatischen Dienstes in Doppelwährungs-Frage.

Mandat erhalten, für die Dauer der Berathung der Tabaksteuer-Vorlagen in Berlin zu tagen und sich dem Reichstage zu jeder Auskunft zur Verfügung zu stellen, übersendet letzterem in einer Petition die bekannten Kaffeler Beschlüsse und bemerkt in der Petition:Die Mitglieder der ständigen Commission sind, mit Rücksicht auf die verschiedenen Branchen des Tabakgewerbes gewählt, voll­ständig befähigt, jeden gewünschten Aufschluß zu geben und sprechen die ebenso dringende als ergebene Bttte aus, in der Reichstags-Commission gehört zu werden, bevor über das Schicksal einer so ausgedehnten Industrie entschieden wird.' Sie halten es für ihre Pflicht, schon jetzt darauf aufmerksam zu machen, wie dringend nothwendig der schleunige Erlaß eines Sperrgesetzes ist, damit rncht die princtpiellen Erörterungen im Reichstage, namentlich über das Nach­steuergesetz, erneute Schwankungen und Aufregungen Hervorrufen, wie sie sämmt- lichen Betheiligten seit langen Jahren durch die wiederholten und unerledigten Steuervorlagen großen Schaden zugefügt haben. Das Bureau der ständigen Commission ist in der Wohnung des Vorsitzenden Schoepplenberg, Lmrenstraße 155. rr ö

England.

,1 , dkom, 15. Mat. In dem heutigen .feierlichen Consistorium sand Uc ^s^ichung des Hutes und Ringes, sowie die Ceremonie der Mund- Schließung und -Oeffnung bet den neu ernannten Cardinälen Pecci, Hergen­rother, Newman und Zigliara statt. Der Papst ernannte sodann 19 Bischöfe, darunter Pavel für Großwardetn, Dunajewski für Krakau, Frind für Leit- merttz und Szabo für Szamosujvar. Hergenröther erhielt den Cardinalstitel von oer Dtnkonte St. Nicolaus in carcere.

Handel und Verkehr.

Gießen, 17 Mai. Auf Dem heutigen Wockenmarkte kostete: Butter per Lftz 9o bt« JL \, Hühnereier, per Stück 4 unt 4i/2 Gänseier, per Stück 11 A Enteneier per Stuck 5^, Käse, per Stück 510 Käsematte, per Stück 3 Erbien, 1 Liter 20

2r? "9h 5Cau6en.' Paar 75 Hühner, per Stück ,4L 1.3», Halmen, per

JL 1.50, Enten, per Stück 2.10, Kartoffeln, per 100 Kilo 7 8o8, Zwiebeln

»etr Je"tnct ^24' Milch per Liter 16 u. 18 Ockiensteisch 70 A per Pfo, Kuh. und Rindfleisch 5660 , Schweinefleisch 58 60 Kalbfleisch 44 48 ____________

, Stnnnn tritt für die Sätze der Vorlage ein, bekämpft die gestrigen Ausführungen ®rDübCi?nh kRfbS$ Darlegung und bestreitet, daß ein Gegensatz zwischen El ! besteht- Gerade den kleinen Industriellen seien die

^?lchntte der Technik zu Hülfe gekommen und gerade große Eisenwerke befänden sich in der prekärsten Lage. Der Nothstand fei einmal durch die Annektion Elsnß-Loth- ringen^ verursacht, welches plötzlich Millionen Gentner auf den deutschen Markt warf dann aber namentlich durch die Aufhebung der Eisenzölle. Die Vortheile der Schutz- zolle beweue das Beispiel Amerikas. Die Interessen des Exports und des Handels ^ben übertrieben. Redner widerlegt den Einwand, daß die Landwirthschast durch die Elfenzolle geschädigt werde, und führt aus, daß der Nationalwohlstand im Allgemeinen im Gegentheil gehoben werde.

Richter (Hagen) beleuchtet das Verfahren der Coalitionen der Eisen-Industriellen und behauptet gegenüber der kürzlich von der Actien-Gesellschaft Schwartzkopff in den Leitungen verosfentlichteii Erklärung, daß zwar nicht Schwartzkopff einer russischen ^ahn Locomotwen 20 pCt. billiger als der Oberschlesischen zu derselben Zeit verkauft habe, wohl aber ein anderes Mitglied der von Schwartzkopff geleiteten Coalition in 3ror die Firma Henschel u. Sohn in Kassel. Richter theilt darauf inhaltlich die Statuten der Coalition mit und legt die Nachtheile dar, welche durch die Eisen zolle verursacht werden würden. Er wendet sich dann gegen Stumm's Aus­führungen und behauptet, die Ursachen der Noth der Eisen-Industrie seien wesentlich ere, als Stumm angegeben, und könnten durch Eisenzölle nicht beseitigt iverden. Die Klein-Eisen-Industrie sei gegen Schutzzölle. Fürst Bismarck tritt ein.

9ntaf,,ik?Cr0er ^"cht sur die Vorlage, polemisirt gegen Bamberger's und Richter's ^lussuyi ungen und bittet, von allen Aenderungen bei der zweiten Lesung noch Ab­stand zu nehmen und an der Vorlage festzuhalten. Es findet nunmehr die Ab- stlmmung über die PositionRoheisen" statt. Das Amendement Graf Stolberg's:

Unöa!X DOn^n}rcI jur SBei$feImünbung eingehend zollfrei wird ab- Ledell (Malchow) auf (wesentliche) Herabsetzung aller einzelnen Eisenzollpositkonen wird in namentlicher Abstimmung mit 192 gegen 125 Stimmen gleich- fallö abgelehnt. Die einzelnen Parteien zersplittern sich bei der Abstimmung vollständig.

b!a,?iytnn.m^0 Uber Nummer 6a des Tarifs - Zoll auf Roh- und

6 öqPIÄ-10Ü ^6- l Mk Die Position wird bei namentlicher Abstimmung mit qSSEL60 ötiminen angenommen; 2 Mitglieder enthalten sich der Abstimmung. ~ bcr .^brathung morgen.

4« Meldung derPolit. Corresp." aus Konstantinopel

vom Id. d.. Trotz großbulgarischer Umtriebe darf Aleko Pascha Vogorides cmf glänzende Aufnahme Seitens der Bevölkerung Ostrumeliens rechnen. ^Eneralr^Obrutscheff setzt feine Rundreise in Ostrumelien behufs Beschwichti-

Berlin, 16. Mai. Von den durch den hiesigen Magistrat zum Städte­tag eingeladenen Städten hatten bis heute früh 65 Städte die Einladung angenommen.

~ Vertreter der hiesigen Stadtverordneten-Versammlung nehmen an den Berathungen des Städtetages Theil die Stadtverordneten Straßmann, Wulfshem, Kochhann, Zimmermann, Langerhans, Löwe, Stryck, Moses, Lie­bermann und Mamroth.

Stuttgart, 16. Mai. Der hiesige Gemeinderath lehnte die Einladung zum Berliner Städtetag ab.

Bukarest, 16. Mai. Die Wahlen des Großgrundbesitzes zur Depu- tirtenkammer sind gestern zu Gunsten des Ministeriums Bratiano ausgefallen.

Petersburg, 16. Mai. Der am 13. Mai in Irbit stattgesundene Brand vernichtete 44 hölzerne Häuser. Am 14. Mai entstand ein dritter Sörant, ber 3 hölzerne Häuser vernichtete. Die Vorsichtsmaßregeln wurden verschärft. Der Verdacht der Brandstiftung erhöht die Wachsamkeit der Einwohner.

Berlin,^! 6. Mai. Die Zolltarif-Commission des Reichstages beschloß in ihrer ersten Sitzung, das ihr überwiesene Material in 5 Gruppen zu ver- theilen und durch verschiedene Referenten, zwei in jeder Gruppe, behandeln zu lassen, ferner zwei Lesungen vorzunehmen. I» der fünften Gruppe Mate­

Die Wirkung des Frühlings.

.... Der Tcmperaturwechsel dessen Launen wir im Frühling so ost ertragen müssen ubt auf die meisten Menschen das Getuhl eines allgemeinen Unbehagens aus welches sich in Schwere der Glieder, Mattigkeit, übermäßige Wärme und Schwitzen bei dem kürzesten Spaziergang mit darauf folgender fröstelnder Empfindung äußert und im Volksmunde der Einwirkung der Frühlingszeit zugeschrieben wirb. Allein die Ursachen liegen m der Blutbeschaffenheit, Blutmangel und in ungenügender Blutbildung, wodurch dem Organismus die Kraft mangelt, den Veränderlichkeiten der Temperatur leichte zu widerstehen. Es kann als wirksamstes und Niemand in seinen Gewohnheiten oberJSerur störendes Mittel die blsentropseu (Fer Bravais) empfohlen werden welche ohne Geschmack, ohne den Magen oder die Verdauung und ohne die ^äbne anzuareisen ir Fallen von Blutarmuth, Bleichsucht, Schwäche, Krafterschöpfung noch me ihren guten Dienst versagt haben, und nach der beigegebenen Anleitung äußerst bequem zu nehmen sind. Fast jede Apotheke führt diese Eisentropfen (Fer Bravais) ober wird dieselben auf Wunsch gewiß gern besorgen. (3385

Lokales.

- r. V 1 r < , w i Hess. Volks-

blätter enthalten einen Artikel über die Vorfälle, welche in der letzten Samstagnacht zischen Schutzleuten und Stuoenten gespielt haben sollen. Wir wollen die Richtigkeit der angegebenen Thatsachen dahingestellt fein lasten, bie eingeleitete Untersuchung wird die Sacke wohl klar stellen. Was uns heute bewegt der Affaire Erwähnung zu thun, ist, daß wir die Bitte aus­sprechen mochten, daß man von Seiten der Herren Studirenden die Provoeationen unterlassen mochte, welche im Laufe der Woche und speeiell h e u t e N a ch t geschehen sind und bei weniger ^hlgem Blute der be r. Schutzeute leicht wieder zu Unzuträglichkeiten batten führen f5nne*. So erschienen heute Nacht Uhr zwei Studenten auf der Polizeiwache und meldeten ein verlorenes Portemonnaie mit 20 oder 60 Inhalt an, welches vor KCViVCn<?aflCn.ÖceTlOrcn ^in sollte! Auf dem Hausflur stand ein Dritter, welcher den beiden ersteren zurief: kommt man raus, es ist nichts. Richt damit genug, erschienen aeaen Uhr wiederum dieselben Herren und verübten dastelbe Manöver! Was soll das he?ße^n I Ist eine sM)e Provoeation der laufenden Sache dienlich? Ganz gewiß nickt! Stellt sich nach Lage der Sache eine Schuld der Schutzleute heraus, so werden die Schuldigen ganz gewiß nicht geschont werden sondern ihre Strafe erhalten, man unterltffc aber doch die Hänseleien welche einem wahrhaft gebildeten jungen Manne nicht schön stehen.

...... 7 W« »hi-lten über bi< nach P-sth gefanbten Untnstübungs-G-Id-r für bie W-ffer- beschädigten Szegedins folgende Ouittung:

Für die von der löbl. Redaction als Ergebniß der in Ihrem werthen Blatte cingeleiteten ©ömmlung zu Gunsten der Ueberschwemmten Szegedins gütigst anker übermittelte, im hiesigen Amtsblatte zur allgemeinen Kenntniß gebrachte und dadurch quittirtc Liebesgabe im Betrage 62b. H i>eekre ick mich, den edlen Spendern dieser hochherzigen Gaben, sowie der lobl. «edaetion für bie bekundete theilnahmsvolle Gesinnung, nut welcker'sie die Initiative er­griffen ^t, ^im Namen der ^°t^tien^9mcinen innigsten und wärmsten Dank auszusprechen. __ ________Königlich ungarischer Minister des Znnern.

rialDaarea, worunter sich die Finanzzölle auf Thee, Kaff.-e und P.troleutn befinden - soll auch die Frage der constitutionellen Girantien verhandelt werden. Die Referenten sind noch nicht gewählt.

London, 16 Mai. Laut Meiduag aas d-r Eipstadt vom 29. April .etne *eB°«-guns statta-fand-n. G-n-r-l LH-lmSford b-abstchtigtc nach Kanbula zu gehen und von dort demiLchst den Vormarsch der britischen Truppen beginnen za lassen. Di. Versammlung d-r Boers ist ohne bemerkensverthen Zwischenfall aaseinandergegangen. Ruoot hatten biefelten Bartl- Frere eine Adresse an di- Königin zu Ganst-n d-r Unabhängigkeit überreicht; letzterer hatte es indeß abgelehnt, die Adresse anzunehmen. 11

Meldungen auS Panama vom 7. Mai zufolge war der Ausstand in Cauca beendet; gegm 350 Personen sind bei den Unruhen umgekommen. Di- uber die Anden führende Telegraphen - Kabeloerbindunz zwischen Pern und Europa ist an zwei Stellen unterbrochen; in d-r Nähe von Jqniane wurde die Uickerbrechung durch Den chilenischen Admiral veranlaßt.

r i Sonbott/ 16. Mai. Die diplomatische Cocrespondenz zwischen Eaa. land unfc Rußland bezüglich Ausführung des Berliner Vertrages in Osirume- Iten tMeute im Parlament vertheilt. Es geht daraus heroor, daß zwischen beiden Machten ein thatsächliches Einvernehmen erzielt ist. Die getroffenen Vereinbarungen wurden in einem Schriftstück niedergelegt und Der Inhalt des lederen der Pforte mitgetheilt. England verpflichtet sich darin, die Pforte nachdrücklichst auf die Nothwendigkeit hinzuweisen, die für Osirumelien erth-il- ten unverletzlichen Rechte und administrativen Privilegien aufrecht zu erhalten Rußland gibt die Zusicherung, daß. wenn die Bevölkerung Bulgariens und Ostrumeliens die durch den Berlner Vertrag bewilligten Institutionen nicht friedlich accept.rt, die Bevölkerung keine Unterstützung Rußlands zu erwarten habe, welches vielmehr seinen Einfluß aufbieten würde, die Bevölkerung den getroffenen Abmachungen geneigt zu machen.

Lorrdon, 16. Mai. Unterhaus. Northcote erklärte auf Befragen Harcourts: Die Regierung habe keine Erklärung abgegeben, daß die Russen nicht zur Räumu'g Bulgariens bis zum 3. August verpflichtet find. Der Ver­mag bestimmte die Räumung 9 Monate nach Unterzeichnung desselben. Neun Monate ftnb. abgelaufen und die Räumung im Zuge.

.16 Mai. DieNordd. Allgem. Ztg." dementirt das Ge­rücht, bie Ausstellung in Sidney beginne erst am 1. October. Nach au­thentischen Nachrichten finde die Eröffnung in der ersten Woche des Sev- tembers statt. v

.. London, 17. Mai. Im Oberhause beleuchtet der Herzog von Argvll die Resultate der britischen Politik in Europa und Asien; er behauptet, der Zweck, die Macht Rußlands zu beschneiden und das schnelle Hinschwinden der Türkei zu verhindern, sei nicht erreicht worden. Redner greift speciell die Politik der Regierung bezüglich Afghanistans an. Lord Beaconsfield drückt sein Bedauern aus, daß der Herzog von Argyll von Afghanistan gesprochen, dessen Emir sich gegenwärtig als Gast im britischen Lager befinde, um wegen Friedens und Freundschaft zu unterhandeln. Solche Bemerkungen könnten den Unterhandlungen schaden. Lord Beaconsfield oertheidigt die Regierung und giebt einen geschichtlichen Ueberblick über die Ereignisse der letzten Jahres Die Räumung Bulgariens anlangend, so sollte dieselbe nach 9 Monaten beginnen und bann mit Promptheit innerhalb angemessener Zeit beenbet sein. Es sei wahrscheinlich, baß sie sich bis 3 August ausdehne. Die Rede Argyll's sei em leidenschaftliches Argument zu Gunsten eines Krieges mit Rußland.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Korrespondenz-Burea«.

16. Mai. Reichstag. Eingegangen sind die Gesetzentwürfe, betreffend - Ds°" Aenderungen des Zolltarifs, und betreffend die Er- R^wstagsgebaudes. _ Fortsetzung der zweiten Berathung des Zolltarifs der PositionEilen- und Etfenwaaren". v. Wedell-Malchow vertheidigt seinen >!ri?.ayr Herabsetzung der Eisenzölle und führt aus, das Princip des Ausgleichs der Interessen im Zolltarif, speciell bei Eisen sei nicht genügend gewahrt. VtUnbc md)t J?1 ^tigern Verhältnisse zum Werthe. Durch die Zoll- schädigt $°r Q0C rourbcn blc Landwirthschaft und Maschinen-Jndustrie schwer ge-