Einzelbild herunterladen

Wenn ein Militärpflichtiger wegen Gebrechen oder Krankheit persönlich zu erscheinen nicht im Stande ist, oder wenn er sich in gerichtlicher Haft befindet, fe ist darüber ein auf persönlicher Anschauung beruhendes Zeugniß des Arztes und der Bürgermeisterei, bezw. eine Bescheinigung des Gerichts vorzulegen.

Den Großherzoglichen Bürgermeistereien liegt es ob, daraus aufmerksam zu machen, daß ein Militärpflichtiger wegen gerichtlicher Bestrafung des Militär­dienstes unwürdig ist, und sind deßhalb die erforderlichen Nachweise amtlich zu erwirken und vorzulegen.

Die Verhandlungen über Zurücksteüungsansprüche sind von den Großherzoglichen Bürgermeistereien, soweit es noch nicht geschehen, baldthunlichst, jedenfalls vor dem Musterungstermine an die Ersatz-Commission gelangen zu lasten.

Im Anschluß an das Ersatz-Geschäft findet

Dienstag den 22. April im Gasthaus zum Rappen zu Grünberg,

Samstag den 26. April im Saale des alten RathhauseS zu Gießen und

Freitag den 2. Mai im RathhauSfaale zu Lich

die Klasstfieirung der Reserve- und Landwehr-Mannschaften rücksichtlich ihrer häuslichen und gewerblichen Verhältniffe statt.

Es haben daher diejenigen Reservisten und Landwehrmänner, sowie die Ersatz-Reservisten 1. Elaste, welche im Falle einer Einberufung auf Zurückstellung wegen häuslicher Verhältnisse einen Anspruch machen zu können glauben, an den bezeichneten Tagen, Morgens 11 Uhr, zu erscheinen und ihre Gesuche zu begründen.

Gießen, den 17. März 1879.

Der Civil-Vorsttzende der Ersatz-Commission des Kreises Gießen.

Dr. Hoffmann, Negierungsrath. ____________________

Nr. 11 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 9. l. M., enthält:

(Nr. 1292.) Verordnung, betreffend die theilweise Aufhebung der Beschränkungen der Einfuhr aus Rußland.

Gießen, den 15. April 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Aolilisch

Deutschland.

Darmstadt, 16. April. Ihre Majestät die Kaiserin Augusta gedenken am nächsten Freitag, auf der Durchreise nach Baden, an unferm Großh Hofe einen kurzen Ansenthalt zu nehmen, wie auch Ihre Kaiser!, und Kömgl. Hohei­ten der Kronprinz und die Kronprinzessin des Deutschen Reichs und von Preußen, welche ebenfalls am Freitag die Rückreise von Wiesbaden nach Pots­dam über hier ausführen werden.

Von Setten des Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz ging der zweiten 'Kammer der Stände eine Proposition zu, welche das Ansinnen enthält, die Zustimmung zu ertheilen, daß dem Director der Blinden­anstalt zu Friedberg, Johann Peter Schäfer, im Falle seiner Penstonirung als Verdienstzett auch die Zeit angerechnet werde, während deren er die Blinden­anstalt btS zu deren Uebernahme durch deu Staat geleitet hat.

Darmstadt, 14. April. Das Großh. Regierungsblatt Nr. 9 enthält die Bekanntmachung Großh. Gesammtministeriums, den Erlaß einer neuen Postordnung betreffend.

Das Großh. Regierungsblatt Nr. 10 enthält die Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, den Ausschlag der dtrecten Steuern für das Etatsjahr 1879/80 betreffend.

Der zweiten Kammer der Stände ging der Entwurf eines Gesetzes, die Ausführung des deutschen Gerichtskostengesetzes und der deutschen Gebüh­renordnungen für Gerichtsvollzieher und für Zeugen und Sachverständige be­treffend, nebst Motiven zu. Der Entwurf ist in vier Abschnitte getheilt. Der- erste Abschnitt behandelt die Gerichtskosten, der zweite die Gebühren der Ge­richtsvollzieher, der dritte die Gebühren der Zeugen und Sachverständigen, der vierte enthält eine gemeinschaftliche Schlußbestimmung. Namens deS Gesetz- gebungsausschuffes der zweiten Kammer ist der Abg. Metz mit der Bericht- erstattung über diesen Gesetzentwurf betraut.

Weiter wurde der zweiten Kammer Seitens des Großh. Mtuisterims des Innern und der Justiz ein Gesetzentwurf in Betreff der Abänderung des Wildschadensgesetzes vom 6. August 1810 nebst Motiven vorgelegt.

Darmstadt, 15. April. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:

Am 4. April den von dem Herrn Fürsten Karl zu Isenburg-Birstein präsenttrten provisorischen Reallehrer Dr. Johannes Keutzer aus Frischborn, im Kreise Lauterbach, zum Lehrer an der Realschule zu Offenbach, an dems. Tage den provisorischen Gymnasiallehrer Heinrich Gerhard aus Steinbach, im Kreise Gießen, zum Lehrer an dem Gymnasium zu Darmstadt, an dems. Tage den von dem Herrn Fürsten Bruno zu Isenburg und Büdingen präsen­ttrten provisorischen Gymnasiallehrer Dr. Karl Hoffmann aus Gießen zum Lehrer an dem Gymnasium zu Büdingen, an dems. Tage den provisorischen Reallehrer Erich Langsdorfs aus Worms zum Lehrer an der Realschule zu Alsfeld, an dems. Tage den provisorischen Gymnasiallehrer Johs. Vogt aus Kirch-Göns, im Kreise Friedberg, zum Lehrer an dem Gymnasium zu Mainz, an dems. Tage den provisorischen Gymnasiallehrer Dr. Karl Körber aus Gießen zum Lehrer an dem Gymnasium zu Mainz, an dems. Tage den Gymnasial- und Realschullehramts-Accesststen Dr. Karl Baltz aus Bingen zum Lehrer an der Realschule zu Oppenheim zu ernennen;

am 10. April dem Landrichter des Landgerichts Vilbel Wilh. Jäger in Anerkennung seiner 50jährigen, mit Eifer und Treue geleisteten ersprieß­lichen Dienste den Charakter alsGeheimer Justizrath" zu verleihen.

Berlin, 14. April. Neber die neuen Zölle auf Leder und Leder- waaren, sowie auf die für die Lederindufirie unentbehrlichen Materialien urtheilt dieGerber-Ztg." folgendermaßen:Wie unsere Leser sehen, entsprechen diese Positionen keineswegs bei. Forderungen, welche in den Kreisen der Leder-Jndu- striellen erhoben worden find. Während einersiits der verlangte höhere Zoll für Hemlock- und andere außereuropäische Leder verweigert wird, hat man anderer- snts den Eingangszoll aus Gerberlohe über den Satz hinaus, welchen einige Gerber in ihrer Willfährigkeit gegen die Genoffen im Tartfkampf und als Compensation für höhere Lederzölle für zulässig erklärten, erhöht, und giebt so der Lederindustrie, welche sich, wie die Mehrzahl der Industrien in Deutsch­land, in einer traurigen Lage befindet, gerechten Grund zu Klagen über einen Tarif, welcher, was er ihr auf der einen Seite scheinbar giebt, auf der an­deren doppelt und dreifach nimmt. Wie unsere Leser sehen, bestätigt sich u. fcre Voraussagung, daß der von einigen Gerbern beliebte enge Anschluß an die Schutzzollpartei unserer Industrie nicht zum Heil gereichen werde."

Berlin, 15. April. Es haben von München aus 142 südwestdeutsche Waldbefitzer, Producenten und Holzhandlungen eine Petition um Einführung e nes Eingangszolles aus nichtdeutsches Nutzholz an das Retchskanzleramt eingesandt.

er Hyeil.

Aus Baden, 15. April. In einem Rundschreiben hat die Central­stelle des landwirchschaftlichen Vereins Badens die Dtrectionen aller land- wirthschaftlichen Beztrksvereine, in denen ein nennenswerther Tabaksbau be­trieben wird, ersucht, zum Zwecke einer Berathung und Begutachtung des eben veröffentlichten Tabakssteuergesetzes je zwei Vertreter aus der Zahl der Tabaksbauer auf den 17. d. nach Karlsruhe zu entsenden. Außerdem sind die Vertreter der labaksbauenden Gaue im Centralausschuß, die Landwtrthschafts- Lehrer und einzelne hervorragende Tabakspflanzer eingeladen worden. Es soll damit namentlich auch dem Generalsecretär des Vereins, der vom deutschen Landwirthschasts-Rathe in die zur Begutachtung des Tabakssteuer-Gesetzentwurss ernannte Commission gewählt ist, ermöglicht werden, die zur Aeußerung ge­langenden Wünsche und Beschwerden geeignet zur Geltung zu bringen.

Spanien.

Madrid, 15. April. Der Zustand der Infantin Christine hat sich aufts Aeußerste verschlimmert. Die Königin von Portugal befindet sich bester. In Sevilla sind wegen des Schleuderns der Petarden in der Kirche San Antonio mehrere Verhaftungen erfolgt.

Türket.

Konstantinopel, 14. April. Die Pforte soll, derAgence Havas" zufolge, den Khedtve aufgefordert haben, die europäischen Minister wieder einzu- setzen, widrigenfalls er abgesetzt würde. Die Pforte ist mit Erwägung eines neuen Finanzplants beschäftigt. Die albanesische Liga soll gesonnen sein, sich dem Einrückm der Oesterreicher in das Sandschak Novibazar zu widersetzen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr. Korrespondent-Bureau.

Wiesbaden, 16. April. Die kronprtnzlichen Kinder reisen heute nach Potsdam ab. Der Kronprinz und die Kronprinzessin werden hier am 18. d. Seine Majästät den Kaiser begrüßen und sich dann ebenfalls nach Potsdam begeben.

Neuenburg, 16. April. In dem Prozeß gegen den Franzosen Brouste, Redacteuc derL'Ävautgarde", erklärte die Jury den Angeklagten des Vergehens gegen das Völkerrecht wegen Vertheidtgung des Königsmordes für schuldig.

Auf Grund des Wahrspruches der Jury verurtheilte der Gerichts­hof den Herausgeber des JournalsL'Avantgarde", Brouste, zu zwei Monat Gefängniß, zehnjähriger Ausweisung, sowie Tragung der Kosten und ordnete die Veröffentlichung des Urthetls im Bundesblatte an.

Bukarest, 16. April. Die Regierung hat den Kaiser von Rußland auf telegraphischem Wege beglückwünscht. Morgen findet ein großer Dank­gottesdienst statt. Oberst Orero, das italienische Mitglied der europäischen Commission für die Grenzregulirung zwischen Bulgarien und der Dobrudscha, ist auf seiner Durchreise nach Konstantinopel, woselbst die Commission ihre Entscheidungen trifft, hier angekommen.

Rom, 15. April. Der Papst hat an den Kaiser von Rußland ein Beglückwünschungs-Telegramm gerichtet. Die albanefischen Delegirten sind nach Frankreich abgereist. Dieselben verlangen, daß Albanien entweder ganz unter der Türkei verbleibe oder an Griechenland abgetreten werde."

Wien, 16. April. Meldung derPolit. Corresp." aus Konstanti­nopel vom 15. April: Aleko Pascha zeigte dem Großvezir die Annahme des Generalgouverneur Postens von Ostrumelien an. Die Pforte ist gesonnen, dem Sultan die Abtretung des Dtstrtcts Tricala an Griechenland als äußerste Concession vorzuschlagen.

Petersburg, 16. April. Bet Beantwortung der Ansprache des Mar­schalls des Petersburger Adels äußerte sich der Kaiser dahin, baß die Kühn­heit und Vermessenheit der jüngsten Attentate ihm die Pflicht auferlege, sehr gegen seine Wünsche außerordentliche Maßregeln zu ergreifen, und zwar nickt etwa seinetwegen, sondern im Interesse Aller, im Interesse der Gesellschaft, im Interesse Rußlands.

WieGolos" vernimmt, werde ein höchstes Strafgericht über den Attentäter gebildet werden. Mlt der Voruntersuchung sei Senator Leontjeff betraut. Es bestätigt sich, daß der Verbrecher Alexander Solowjeff heißt. Derselbe soll Schullehrer in Toropez, im Gouvernement Pleskau, gewesen sein. Die Nachrichten über den Vergtftungsversuch des Attentäters bestätigen sich nicht. Sein Bluterbrechen soll die Folge der Mißhandlungen sein, welche er bet der Verhaftung durch daö Publikum erlitten hat. Nur die Intervention der Polizei rettete ihn vom Tode. Die Ansprache des Kaisers an die im Winterpalais zusammengeströmte Versammlung besagte, er verdanke seine neue Errettung der Vorsehung Gottes und erblicke darin die Weisung, daß sein