Einzelbild herunterladen

Saarbrücken, 15. März, Mittags. Die Proceßverhandlung in der Marpinger Wunderangelegenheit ist beendet; das Urthell wird am 5. April eröffnet.

Dortmund, 15. März. Soctalist Tölke ist wegen einer anscheinend höchst bedenklichen Krankheit vorläufig aus dem Gesängniß entlasten.

Straßburg, 15. März. Im Landesausjchuste brachten gestern dessen Mitglieder Grad, Futter und Rudolf folgenden Antrag ein: Der Landes- ausschuß spricht den Wunsch aus, die Regierung möge die Verbreitung von Zeitungen und Publicationen, die in Deutschland erlaubt sind, auch in Elsaß- Lothringen gestatten. Der Antrag wurde angenommen. Der Landesausschuß, welcher seit dem 23. Januar versammelt ist, hält heute, nachdem er die Vor­lagen, worunter der Landeshaushalts-Etat, durchberathen und mit unwesent­lichen Veränderungen angenommen hatte, seine letzte Sitzung. Er wird sich alsdann vertagen, um in sechs Wochen etwa zum Zwecke der Berathung der Concurs-Ordnung wieder zusammentreten.

Straßburg, 15. März. Nach seiner heutigen 21. Plenarsitzung ver­tagte sich der Lanbesausschuß. Er wird nach einigen Wochen, bis wohin die Berichterstatter ihre Vorarbeiten vollendet haben, seine Sitzungen zur Berathung der neuen Proceßordnung wieder aufnehmen.

Gesterreich.

Pesth, 15. März. In der österreichischen Delegation antwortet Sec- tions-Chef Freiherr v. Calice auf eine bezügliche Interpellation, der Botschaf­ter in Konstantinopel sei beauftragt, die Entschädigungsansprüche der Gemeinde Stagno für von türkischen Soldaten im Jahre 1875 geraubtes Vieh durch­zusetzen. Nachdem die Delegation in den Differenzpunkten den Beschlüssen rer ungarischen Delegation Betgetreten war, dankte Graf Andrassy im Namen des Kaisers für die patriotische Opferwtlltgkett und Namens des Ministeriums für das Entgegenkommen der Delegation. Rach einer Schlußrede des Präsi­denten und begeisterten Hochs auf den Kaiser wurde die Session der Delega­tion geschloffen.

Pesth, 15. März. Die in Szegedin zerstreut Umherirrenden werden durch das Militär an sicheren Orten untergebracht. Viele Menschen halten sich seit Tagen auf Bäumen, am Theißufer, auf erhöhten Plätzen, den Däm­men der Alföldbahn 2C. ans. Für die Verpflegung Aller wird gesorgt Die Zahl der Todten läßt sich erst nach Abnahme der Fluth constatiren. Leichen schwimmen nicht auf dem Wasser. Communen und Private wetteifern im Spenden. Laut officieller Depesche von gestern Abend ist der Zustand in Szentes beruhigender.

Pesth, 15. März, Abends. Die Regierung traf verschiedene Maß­regeln in der Szegediner Angelegenheit, namentlich hinsichtlich freier Beförder­ung der geflüchteten Bewohner, Errichtung von Dammschutzbauten und Absendung von Dampfpumpen nach Szegedin. Ein Fallen des Wassers in den Nebenflüssen der Theiß wird angezetgt. In verschiedenen bedrohten Ort­schaften sind die Schutzdämme erheblich fortgeschritten trotz Kälte und theilweise fortdauernden Sturmes; nur der Ort Szentes ist noch gefährdet.

ßnglarrd.

London, 15. März. Unterhaus. Northcote erklärte auf eine An­frage Richard's: Lord Lytton habe die Besatzung von Birma zum-Schutze der Einwohner verstärkt auf Ersuchen des englischen Ministerresidenten in Mandalay wegen kriegerischer Vorbereitungen des Königs von Birma und Unruhen in Birma. Hicks Beach erwiderte Sullivan, die Regierung beabsich­tige nicht, die Operationen gegen die Zulus einzustellen. Von dem Wunsche des Zulu-Königs Cettewayo nach einem friedlichen Arrangement sei ihm nichts bekannt. England müsse die Scharte von Jnsandula wieder auswetzen. (Bei­fall). Die weiteren auf den Krieg mit den Zulus bezüglichen Schriftstücke würden in einigen Tagen vorgelegt werden. Dann sei eine Debatte darüber zulässig. Northcote constaiirt aus Anfrage von Jenkins: Die Ersetzung des Generals Lord Chelmsford liege nicht in der Absicht der Regierung. Jenkins kritisirt daraus unter Gemurmel des Hauses das Verhalten Chelmsford's. Im Laufe der Debatte bekämpfte Northcote das Vorgehen Jenkins gegen die Re­gierung. Aus eine weitere Anfrage entgegnete Northcote, die Regierung habe Nichts dagegen, die Depesche Loid Salisbury's vom 26. Januar vorzulegen, aber deren Veröffentlichung ohne gleichzeitige Publicirung der russischen Antwort und der sonstigen darauf bezüglichen Schriftstücke sei ungeeignet. Eine Ver­öffentlichung der letzteren Schriftstücke sei wiederum ohne Zustimmung Ruß­lands nicht statthaft. Mittheilungen über Fragen in Betreff der Ausführun­gen des Berliner Vertrags würden auch jetzt noch von Zeit zu Zeit ausge­lauscht. Wirkliche Verhandlungen hätten jedoch nicht stattgefunden.

Morning Post" zufolge kehrt der Botschafter Layard am 1. Mai auf feinen Posten nach Konstantinopel zurück.Daily News" melden aus Rangoon vom 14. d.: Es verlautet als wahrscheinlich, daß ein Ultimatum an den König von Birma gesandt worden. An der Grenze werden Truppen concenlrirt.

Rußland.

Moskau, 15. März. Die nach dem Pestgebiet entsendeten drei deutschen Delegirlen befinden sich, wie ein eben eingegangenes Telegramm des Dr. Sommerbrodt aus Wetlianka mittheilt, in bestem Wohlsein und hoffen demnächst von dort weiter zu reifen.

Griechenland.

Athen, 15. März. Der Minister des Aeußern, Delyannis, hat eben­falls neue Instructionen an die griechischen Grenzregulirungs-Commissarien ge­sandt. Der Abbruch der Verhaiidlungen dürfte unmittelbar bevorstehen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrefpondenz- Bureau.

Pesth, 16. März. Der Kaiser begibt sich heute Abend 8 Uhr über Temesvar nach Szegedin; in Temesvar wird ein Aufenthalt von 2 Stunden gemacht, um das Lager der Flüchtlinge zu besuchen; alsdann erfolgt die Wei­terfahrt nach Szegedin. Am Dienstag kehrt der Kaiser nach Pesth zurück.

London, 16. März. Nachrichten aus der Capstadt vom 25. Febr. zufolge verhalten sich die Zulus passiv. Die FregatteSchah" ist mit Ver­stärkungen von St. Helena eingetroffen; es ward daher beschlossen, dem noch immer bei Ekowe isolirt stehenden Oberst Pearson Hülfe zu senden. Bisher ist es noch nicht zu offener Rebellion eingeborener Stämme gekommen.

Paris, 16. März. Das Amtsblatt meldet: Dem Deputaten Albert Grevy ftuo in zeitweiliger Mission die Functioneii eines Eizilgeneral-Gouv neurs üb rtragen; demselben werden die Befehlshaber der La id- und See- streitkräfce, foroie rmttliche Verwaltmgsämter der Europäer und der Einge­borenen untergeordnet lein. Ferner veröffentlicht das Amtsblatt zahlreiche Veränderungen in der Betzung der Präfecturen.

Konstantinopel, 16. März. Die britische Flotte ist nach Gallipoli abgefahren. Arartial Hornby sammt feen höheren Flottenofficieren kehrt am Momag hierder zurück, um dem ihnen zu Ehren veranstalteten Diner beim Sultan beuuroobnen.

Kairo, 16. März. Der Appellhof hat den Consaln eine Note zu- gehen lasse», worin derselbe erklärt, er werde in Sachen, bei denen die Regie­rung interejfirt fei, ferne Klagen mehr annehmen, da die Urtheile gegen die Regierung nicht vollst-eckt würden.

Pesth, 16. März, Abends. Das Unterhaus nahm den Ausschußbe­richt an wonach der I istizmintster ermächtigt wird, die durch die Katastrophe von Szegedin nothwendig gemachten außerordentlichen justiziellen Verfügungen im Verordnungswege zu treffen. Der Antrag Simonyi's auf Gewährung ei ies Moratoriums, welches weder der Justizminister noch der Justizausschuß der­malen für angezeigt halten, wurde abgelehnt.

Paris, 16. März. Die Mitglieder des Cabinets vom 23. November stellten gestern dem Präsidenten Grevy ihren Protest gegen den Brandmar­kungs-Beschluß der Kammer zu; sie weisen mit Entrüstung die Anklage zurück, daß sie die Regierung, welcher sie dienten, verrathen und an den Rand deS Bürgerkrieges geführt hätten; ebenso protestiren sie gegen die Form des ge­dachten Actes, welcher kein Urtheilsspruch sei, weil er von einer Versammlung ohne richterliche Zuständigkeit ausgehe.

Der Untergang SzegedinS.

Wien, 13. März, Abends.

Die scklimmstcn Befürchtungen, welche man wegen des großen Schicksals der unglücklichen Stadt Szegedin und ihrer Bewohner hegte, scheinen den letzten Nachrichten zufolge' noch von | der Wirklichkeit übertroffen zu werden. Ein Augenzeuge berichtet vom gestrigen Morgen noch nachstehende Einzelheiten, die bemerkenswerih genug sind, um nackgetragen zu werden. Da« Bild der Stadt Szegedin, so schreibt er, der angerichtete Schaden, die Verzweiflung des Volkes spotten jeder Beschreibung. Schon als gegen 11 Uhr Nachts ein scharfer Wind anhob, ver­zweifelte Alles an der Rettung, aber doch hielt namentlich das Militär an der verhängnißvollen , Dammstelle vor dem ersten Wächterhause, dem sogenannten Elchenwalde gegenüber, so lange als möglich aus und kämpfte Schritt um Schritt für das Leben und die Habe von Tausenden Menschen mit dem verhexenden Elemente. Fünfzig Mal hatte das Waffer Breschen gelegt und 1 Löcher gerissen, fünfzig Mal wurden sie wieder verlegt, verrammelt, verstopft. Erst als der ' Rückzug bedroht und der Dammkörper selbst auf mehrere Klafter lang brach, gab General ! Pulz den Kampf und damit auch die Stadt auf und ertheilte angesichts der Unmöglichkeit des weiteren Widerstandes Befehl zum Abmarsche. Das war das Signal zur Flucht auch für das Civil Alles strömte der Stadt zu.

Als um halb 2 Uhr die erste amtliche Nachricht der Commission kam, begannen sofort die Glocken Sturm zu läuten. Die Menschen waren noch nickt vom Damme zurückgekehrt, als ihnen auch schon die Fluth auf der Ferse folgte. Nun erschienen auf der Landstraße und in allen Seitengassen der Unterstadt endlose Züge Unglücklicher, bepackt mit Hausrath, viele aber auch halb nackt aus dem Schlafe geweckt, und rannten den höher gelegenen Stadttheilen 1 zu. Schon hörte man häufig den Nothruf:Helft, helft meinen Kindern, meinen Angehörigen 1 dort im Hause! Ich vermag sie allein nicht mehr zu retten!" Dazwischen ab und zu Noth 1

schüsse aus den bedrängten Häusern. Der verderbliche Sturmwind aber tobte weiter und jagte die Hochfluth in rasender Eile nach der inneren Stadt.

Im Verlaufe einer halben Stunde, so wird von anderer Seite gemeldet, war die ganze lange Landstraße unter Wasser, bald darauf der Rathhausplatz, die Post, die Cüadelle und selbst daS ziemlich hochgelegene Telegraphenamt. Der gestrige Tag vergrößerte das Werk der Zerstörung, welches die grausige Nackt begonnen. Bisher sollen gegen 15'10 Häuser eiinestürzt und mehrere Hundert Menschen ums Leben gekommen sein. Sichere Ziffern lassen sich nicht angeben, weil Alles damit beschäftigt ist, die Lebenden zu retten. Viele Einwohner wollten ihr Haus und ihre Habe um keinen Preis verlassen.

In der inneren Stadt Szegedin sind die Straßen nock erhalten, jedoch viele Häuser eingestürzt, die obere Stadt dagegen ist fast spurlos verschwunden Die Rettungsmannschaft, welche auf Pontons über das Wasser fährt, hört unter sich und neben sich das Gekrache ein- i stürzender Gemäuer, die letzten Weherufe erschlagener Bewohner. Manche derselben retten sich j auf Brettern, viele klettern auf Bäume, triefend von^Wasser, und warten, biS Rettung naht, j Andere, zumeist Frauen und Kinder, flüchteten auf die Dächer, von wo sie mittels Leitern herabgcholt werden müssen. Alle, die am Rettungswerk betheiligt sind, arbeiten mit fast über- I menschlicher Kraft, weil sie befürchten, daß noch Hunderte von Menschen zu Grunde gehen j können. Namentlich wird der Eifer des Militärs alS über jedes Lob erhaben geschildert.

Der letzte amtliche Bericht des Rcgierungs-Commissars Lukacs lautet ebenfalls traurig genug. Ich entnehme demselben noch folgende besonders bemerkens wert he Stellen: Um 5 Uhr meldet Lukacs dem Ministerpräsioenten: Heute Morgen besichtigte ich mit Feldmarschall-Lieutenant Pulz auf einem Fahrzeuge die unglückliche Stadt und es bot sich uns ein schrecklicher Anblick. Wir fanden wenige Stunden nach der Katastrophe Hunderte von Häusern eingestürzt. Das Rettungswerk wird fortgesetzt. In Neu-Szegedin werden Baracken aufgestellt. Die aufge- i fundcnen Todten wurden zur Agnoscirung in Buden ausgestellt und werden morgen Nachmittag in Szöreg begraben. Ich erhalte so eben die Nackricht, daß in der obern Stadt etwa 30 Todte am Ufer liegen. Diese Nachricht bedarf noch der Bestätigung. An Kähnen herrscht großer * Mangel, es stehen aber von allen Seiten solche in Aussicht. Morgen wird mittels Dampf- 1 schiffes ein Transport von Flücktlingen nach Zeuta befördert. Die Durchstechung der Dämme j an fünf Stellen wurde im Einvernehmen mit den technischen Organen beschlossen unv die sofortige Durchführung angeordnet.

Nach weiteren eingelaufenen Privatberichten sollen leider auch mehrere Fälle abscheulicher Nichtswürdigkeit vorgekommen sein. Es finden sich Schurken, welche mit ihren Käbnen Wucher treiben und nur für schweres Geld zum Fahren zu bewegen sind. Mehrere solcher Menschen wurden gefangen genommen. Ein Szegediner rettete seine Habe auf einem groß-n Kahn. 6t fuhr vor einem Ziegeldamm vorüber, auf welchem 80 Frauen und Mävchen zwischen Lebm und Tod schwebten und den Besitzer des KahnS anriefen. Derselbe fuhr ruhig weiter, aber alSbald wurde der Kahn von der Rettungsmannschaft mit Beschlag belegt und die Frauen und Mädcken wurden gerettet. Kaum war der Kahn abgestoßen, so stürzte der Ziegelvamm ein. Es gewinnt nack diesen und manchen ähnlichen Meldungen fast den Anschein, alS sei von behördlicher Seite namentlich mit Bezug auf die Bereithaltung der zur Rettung der Bevölke­rung nothwendigen Schiffe und Kähne Manches versäumt; denn daß es augenblicklich empfindlich an denselben mangelt, beweist außer dem ausdrücklichen Zugeständnisse des Regierungs-Commissars ein telegraphischer Befehl des Ministerpräsidenten nach Preßburg, alle verfügbaren Kähne und Schiffsieute seien mittels Sonderzuges nach Szegedin zu entsenden. (K. Ztg.t

Theater.

Die Sonntagvorstellung ,Einer von unsere Beut* wurde in den Hauptrollen sebr brav ausgcfbhrt und war eS namentlich Herr Lindner I., welcher alsIsaac Stern" für seine geradezu vorzügliche Leistung durck vielen Beifall ausgezeichnet wurde. In den Zwischen­akten producirte sich Herr Antoni Mariani als Athlet und Gymnastiker und zeigte sich in seinem Fache als Künstler ersten Rangs, mit einer geradezu bewundernswerten Stärke und Eleganz in der Darstellung! Dabei ein bescheidenes Auftreten und schöne Costüme! Derselbe wirv Dienstag den 18. Marz noch einmal auftreten und wir können allen Freunden der Gymnastik" nur diese Vorstellung aufs Wärmste empfehlen!

Briefkasten.

Hrn. Gebr. B., L. Bedauren, wegen Raummangel, keinen Gebrauch von Ihrer Ein­sendung machen zu können. D. Red.

Franks' null -5)'

1- S.%. W rsr«-» LsA

*; 150-80, Im

U. * 3.50. «

Ä1.50-8«- f 22.2C ßttoh & -

Mrfffi

1686) Md MdnnAusnA Jin mdN»

i-r

Stationen ber tfri

vember Mo oer

stbrung. _ Derselbe entha satze für ben Der Station Sandba« Exemplare \ o tiontn und unser, käuflich zu haben

Gießen, ben U Großhei 2

Holzve

Montag de von Vorm sollen in dem mald, Districi Holzfortimente

5 ter. r

250 2

470 , § 1800 N

42 Eichenstän

Durchmess

Länge mit 9'd Nadelstäm

Durchmess Lauge mit

9 Nkl-Der

M^urd _ N mit _ Die zusünimei Thal bei K. [

M «)*»'

Ra 4

Buche-, «h

SNlßiei DitnAaj bl

W Würfle

. ittner;

4

Wit, b

-L «te

Hilf

b-i ».M