Ausgabe 
18.3.1879
 
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Dienstag, den 18. März

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohü. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Deutschland.

Darmstadt, 15. März. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben cllergnädigst geruht:

Am 6. März dem Königlich Preußischen Generallieutmant und Com- wnbeur der 16. Division, v. Wichmann, das Großkreuz des Verdienstordens ÜhlüppS des Großmüthigen zu verleihen.

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d^kend, nach gründlicher Selbstprüfung diesen Tag zu begehen. Am Bußtage selbst wollen Sie gebührender Maßen zu Buße, Glauben und Heiligung ermahnen, aber auch Auf tue reichen L.roftquellen des Evangeliums die Bußfertigen Hinweisen und anhalten in gemeinsamem Flehen um den ferneren gnädigen Schutz und Beistand Gottes, der uns Alle juiH wahren Heile führen wolle durch Jesum Christum, seinen Sohn."

Berlin, 15. März. Der Kaiser hat den gestrigen Tag in gewohnter Thätigkeit hingebracht und die Nacht recht gut geschlafen. Der Husten hat gänzlich, die Schmerzen an der rechten Seite haben beinahe ganz aufgehört. Die Anschwellung der Hüfte zeigt keine wesentliche Veränderung.

Berlin, 15. März. Reichstag. Die internationale Convention bezüglich der Abwebr- maßregeln gegen die Pest wirb in dritter Berathung ohne Debatte genehmigt. Bei Berathunq des Gesetzes über den Schutz der Vögel befürwortet Fürst Hohenlohe-Langenburg zweite Lesung im Plenum, Windthorst (Meppen) Verweisung an eine Commission. Präsident Hofmann er lautert den Entwurf. Richter (Meißens spricht gegen die Commissionsberathung Das Haus beschließt, dk zweite Berathung im Plenum vorzunehmen. Es folgt hiernach die zweite Be- r«thung des Etats. Bei den Positionen Zölle und Verbrauchssteuern erörtert Richter (Hagen, das gegenwärtige Zollsystem, welches mehr schutzzöllnerisch sei als freihändlerisch Redner unter­sucht die Ursachen des Darniederliegens der Industrie, verweist auf die Gründungen der Ueber- produetion, die Wirkungen der Bessemerstahl-Fabrikation und meint, ohne das bestehende scbutz- zollnerische System würde die Calamität weniger intensiv sich'gestaltet haben. Die Rothlage der Eisen-Industrie hänge nicht mit der Aufhebung der Eisenzölle zusammen. Die Anschauung der industriellen Kreise über das Programm des Reichskanzlers habe sich schon sehr geändert. Das ganze Programm würde aussichtslos sein, wenn man nickt die Landwirthe dafür tn- teressirt hätte. Redner polemisirt gegen Kardorff, der früher einmal für Aufhebung der Mahl- und Schlachlsteuer und gegen die Vertheuerung von Fleisch und Brod durch Zölle sich aus­gesprochen babe. Tie Vertheidiger der Getreidezölle befolgten die eigentümliche Taktik, die Gelreidezölle als^dortheilhaft für Produeenten und Consumenten darzustellen. Als Kampfmittel konnten Die Getreidesolls auch nicht benutzt werden. Redner kommt schließlich auf die Briese des Reichkanzlers an Landwirthe zu sprechen und meint, dieselben seien ein schlimmerer Appell an den Egoismus, als die Arbeiterbriefe Lassalle's.

v. Kardorff wendet sich gegen die letzten Ausführungen Delbrücks und behauptet gegen­über Richter, das Programm des Reichskanzlers gewinne nicht nur in industriellen Kreisen, sondern im ganzen Lande forwahrend neue Anhänger. Er^würde der Vertheuerung von Rahr- ung6miti(v. nicht zustimmen, wenn man nicht vom Volke ein Aequivalent durch die Erweiterung des Arbeitsmarktes böte. Sollten die Schutzzölle nicht die erwarteten Wirkungen im Interesse des gesammten Vslkswohls haben, so werde er gerne zur Wiederherstellung der gegenwärtigen Zustande die Hand bieten. Delbrück antwortet Kardorff: Er halte seine frühere Behauptung aufrecht, daß seit 1865 die erheblichste Vermehrung des Baumwollverbrauchs in Deutschland stattgefunden. Was von Baumwolle gelte, sei auch bei Wolle der Fall. Sonnemann führt aus baß die Lage der Weberei und Spinnerei in Frankreich trotz der Schutzzölle keine günstige sei Sonnemann bekämpft die schutzzölln.rischen Bestrebungen und betont/ daß die Schutzzölle eine Vermehrung des Papiergeldes und Repressalien des Auslandes nach sich ziehen würden. Rickter (Meißen) erklärt sich gegen Getreidezölle und für Aufhebung der Differentinaltarife, von Unrub gegen Schutzzölle. Nächste Sitzung Montag.

Berlin, 15. März. Den Abendblättern zufolge bot die Regierung den Commiffarten der Berlin-Potsdamer Bahn als Grundlage für die Ver­kaufsverhandlungen 4 pCt. in abgestempelten Actien. Die Commiffarten nab- men dies Angebot ad referendum.

DieNordd. Allg. Zrg." bezeichnet die Mtttheilunz derItalien. Corresp." von einem Schreiben des Kaisers an den Papst anläßlich der An­sprache des Letzteren an die katholischen Journalisten für vollständig grundlos.

Berlin, 15. März. Zur Entlastung des Reichsbudgets um beinahe 31 Mill. Mk. wird in einem hiesigen Blatte von fachkennertscher Feder der Vorschlag zur Einführung des Instituts der Zweijährig-Freiwilligen gemacht. Die betr. Nummer dieses Blattes circulirte im Reichstage und der Vorschlag, welcher die Wehrkraft und Schlagfertigkeit des deutschen Heeres durchaus nicht beeinträchtigt, ist von vielen Abgeordneten nicht unbeachtet geblieben. Derselbe befürwortet die Errichtung eines Militär-Instituts nach dem Muster jenes der Einjährig-Freiwilligen mit einer zweijährigen Dienstzeit. Die Zu- laffung zu dieser Dienstzeit soll ebenfalls von einer durch ein Gesetz näher zu bestimmenden Bildungsstufe etwa die der Quarta der Gymnasien ab­hängig gemacht und mit der Verpflichtung verbunden werden, daß der betr. Dienstpflichtige sich während der Dauer seiner Dienstzeit selbst besolde, wäh­rend alle anderen Bedürfniffe ihm vom Staate geliefert würden, wie jedem Wehrmann zum Unterschied von den Einjährig-Freiwilligen. Die Selbst­besoldung auf zwei Jahre wäre von jedem zur zweijährigen Dienstpflicht Be­rechtigten in Höhe von 180 Mk. vor Antritt seiner Dienstzeit bei der Regie­rung etnzuzahlen; diese Summe würde er in Gestalt seines Soldes während der Dauer seines Dienstes gleich den gewöhnlich dienenden Mannschaften (2 Mk. 50 Pfg. für je 10 Tage) zurückerhalten. In dem Vorschläge wird angenommen, daß das vorläufig heranzuziehende Contingent Der Zweijährig- Freiwilligen auf ein Zehntel des stehenden Heeres mit 40 000 Mann zu ver­anschlagen sei und daß durch die neue Einrichtung vorläufig 30,804,000 Mk. am Militärbudget gespart und in gleicher Höhe das Budget des deutschen Reiches entlastet werden könnte.

DieVoss. Ztg." schreibt:Präsident v. Forckenbeck beabsichtigt, gegen dm 4. April die Sitzungen des Reichstags auf 3 bis 4 Wochen bis gegen Ende April zu vertagen, da die wichtigen Zoll- und Steuervorlagen kaum vor Ostcrn an den Reichstag gelangen werden. Inzwischen sollen bis Ostern im Reichstage noch erledigt werden: der Reichshaushalts. Etat, die Gebührenordnung für Rechtsanwälte, deren en bloe-Annahme für sicher gilt, das Nahrungsmittelgesetz, die Rechtfertigungsschrtft über den kleinen Belage- rungszustand, der elsässische Verfaffungsantrag."

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Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute Seine Zivßherzogliche Hoheit den Prinzen Heinrich, welcher sich zur Uebernahme der Hroßherzoglich^n (25.) Division meldete.

Darmstadt, 15. März. Die zweite Kammer lehnte den Jöckel'schen lnirag, die Gehalte der Hülfsgerichtsschreiber auf 1800 Mk. zu erhöhen, ab, t-Blligte dagegen mit allen gegen 5 Stimmen die für die Amtsgerichte Nau- (1m, Lich, Laubach erforderlichen Mittel. (N. H. V.)

Darmstadt, 15. März. In der heutigen (23.) Sitzung der zweiten Kammer linehmigte dieselbe den Antrag des Ausschusses a. zu Besoldungen und andere persön- i che Ausgaben zu Pos. II. Landgerichte, unter Absetzung von 1500 Mark an den für lieferet ersten Staatsanwälte von der Regierung angeforderten Besoldungen, den jähr- shm Betrag von 324,180 M. für 2</2 Jahr, das sind 814,450 Mark im Ganzen oder . 470,150 Mark im Durchschnitt für ein Jahr der Finanzperiode 187982. b. Kanzlei-

Wen, den jährlichen Betrag von 25,000 Mark für 2>/2 Jahr, das sind 62,500 Mark Ganzen oder rund 20,833 Mark im Durchschnitt für 1 Jahr der Finanzperiode ; M82 definitiv zu bewilligen. Der Antrag des Abg. Dittmar auf Gewährung der Mehalte und Gehaltszulagen lediglich nach dem Dienstalter, und der Antrag des Abg. fertt11 l,ttrieie"lSchröder, Funktionszulagen auch nach dem 1. Oktober 1879 und für die ganze Budget-

. \-ot#rPP<rciobe 1) an die Untersuchungsrichter bei den drei Landgerichten des Großherzogthums, lstlN^ ^ivud^) an die Vorsitzenden der Handelskammern zu Mainz und Darmstadt zu gewäh- wurden abgelehnt. Für Amtsgerichte wurde für Besoldungen und persönliche ' -Abgaben die Regierungsforderung mit jährlich 790,600 Mark für 2V2 Jahre bewilligt,

KrrrtW füi Kanzleikosten jährlich 85,000 M. für 2/2 Jahre. Die Vorlage wegen Gleichstellung , .Mi Gehalte der Kreisräthe und Kreisassessoren mit den entsprechenden richterlichen

.4' JSiufen wird Montag zur Berathung kommen.

*' -Ml* I Das Großh. Oberconsistorium hat am 4. d. das nachstehende Aus-

/^tlls hitiben an die evangelischen Pfarrämter erlassen:Nach alter frommer Sitte haben - . CHk «4 Großherzogs Königliche Hoheit auf den Sonntag Palmarum die Feier eines r'u allgemeinen Buß- und Bettags ungeordnet und nachfolgende Bibelstellen zu Aym für diesen Tag ausgewählt: Für den Vormittag: Sprüche Salomos 14, 34.

"'«^echtigkeit erhöhet ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben." Für den

Zmittag: 1. Job- 1, 8 und 9.So wir sagen, wir haben keine Sünde, so ver- c CiHU^r; fünn wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsere Sünde kennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünde vergibt und reiniget uns , ' " ... aller Untugend." Am Sonntag vor Palmarum wollen Sie Ihren Gemeinden 'W Kenntniß geben und dieselben ermahnen, den heiligen Ernst des Bußtags be-

Rundschau.

o. fcet «roßen Unglücksfälle, welche den Anfang des

Jahres 1879 zu einem Gesawmtbtlde schrecklicher Verheerungen durch Natur- migmfse gestalten, wird vermehrt durch die schrecklichen Trauerbotschaften ans der elnfl blühenden ungarlschen Handelsstadt Szeged in. Die Stadt ist vernichtet und mit ihr Millionen von Nationaleigenthum und Hunderte von Menschenleben. Es ist eine Katastrophe, wie sie glücklicherweise die Weltge- M'- nur alle Jahrhunderte aufzuweisen pflegt, aber nicht minder schreckens- voll, als die Brände von Hamburg und Chicago.

. deutschen Reichstage herrscht das Gespenst einer bevorstehen.' im Auslosung so gut wie in der Preffe. Wer die Gerüchte hervorgerufen, man weiß es nicht, aber sie sind da und man muß mit ihnen umsomehr rechnen, als der Instinkt des Volkes selten trügt.

Die letzten Reichstagsverhandlungen über den Marine-Etat sollen dem Ehef der Admiralität die Nothwendigkeit seines Rücktritts nahe gelegt haben. Man spricht von einer baldigen Demission des Herrn Stosch, als hssen Nachfolger der General Voigts-Rhetz genannt wird.

äJ 1 In den nächsten Tagen soll der Rechenschaftsbericht über die Ausführung des Soctalistengesetzes auf die Tagesordnung gesetzt werden.

K In der russischen Presse macht sick neuerdings eine Hetze gegen T'iischland bemerkbar, die nicht unbeachtet bletben kann. Die Blätter reden ------- 6on einem Vernichtungskriege gegen den blutigen Eibfetnd der Slaven und

,n|inUrt ton einer Zertrümmerung des deutschen Reiches durch Rußland und das mit

liejem allürten Frankreich. DerGolos" schreibt:Deutschland ist unser zeind, denn ihm gebührt die Jnüta'ive aller uns maßregelnden Verordnungen, k.lche angeblich in Folge der Astrachan'ichen Epidemie erlösten wurden. Deutschland ^bührt der Dank dafür, daß wir wie ein verpestetes Land mit einem Cordon Wgeben wurden, daß man uns für so uncivilisirt und primitiv erklärt hat, wir nicht fähig sind, mit unseren äiztlichen und administrativen Mitteln die Epidemie zu bekämpfen."

In Frankreich befinden sich die Parteiverhältniste gegenwärtig in einer Ws, welche für jetzt nur das Eine beweist, daß die Majorität vor lauter rikgen und Triumphen, wenn nicht die B.fi.mung, so doch das klare Bewußt­en ihrer Aufgaben und Ziele verloren hat und erst mühsam wiederzustnden Schon ist die Lage so beschaffen, daß man dem baldigen Eintritt einer ^btnetskrifis als möglich entgegensieht, wenn die republikanische Linke sich rilht bewegen läßt, mit dem linken Centrum fortan fest zusammen zu halten und die Pläve der Rechten zu vereiteln.