England.
London, 13. December. Die Morgenblätter melden, bie Regierung beabsichtige von einer weiteren Verfolgung der wegen aufrührerischer Reden verhafteten Irländer abzuftehen.
Italien.
Rom, 11. Decbr. Es ist so kaii, daß die öffentlichen Springbrunnen zufrieren und aus Catalonien und Sictlien werden massenhafte Schneefälle gemeldet 1
— Der „Observatore" veröffentlicht ein Decret der Congregation der Riten, durch welches der Papst das Fest der unbefleckten Empfängnis zu einem Airchenfest ersten Ranges erhebt „aus Verehrung gegen die heil. Jungfrau und in der Hoffnung, daß durch ihre Fürbitte die Kirche den Frieden und die bürgerliche Gesellschaft ihre aeordnete Eintracht wieberstnd"."__________________
telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correspoudenz • Bureau.
Stuttgart, 15. Decbr. Heute früh ist in dem Schacht der Saline „Wtlhelrnsglück" bei Hall ein Brand ausgebrochen; die Mannschaft ist theils getödtet, theils verletzt.
Schwäbisch-Hall, 15. Decbr. Ueber die Katastrophe in der Saline „Wllhelmsglück" werden folgende Details berichtet: Heute früh 6</2 Uhr, bevor die Bergleute, 20 an der Zahl, einfuhren, verrichteten dieselben in der sog. Schachtstube thc Gebet, worauf die Vertheilung von Sprengmat^r-ai erfolgte. Hierbei entstand vermuthlich durch Unvorsichtigkeit eine Entzündung und Explosion des letzteren. In der Aufregung.nicht daran denkend, daß die in's Freie führende Thür sich nach Innen öffnet, stemmten sich Alle gegen dieselbe, so daß die von Außen Hülfebringenden nicht öffnen könnten, bis endlich die Bergleute betäubt und brennend zu Boden sanken. 12 Mann sind tobt und 8 auf entsetzliche Art verletzt, sodaß nur bei 2 von diesen Hoffnung auf R ttung ist. Der durch die Explosion entstandene Brand am Gebäude war unbedeutend und richtete wenig Schaden an.
Ragusa, 15. Decbr. Nachrichten aus Albanien zufolge erließ die Pforte eine Proklamation, welche daran erinnert, daß die Session von Plava und Gussinje durch den Berliner Vertrag auferlegt worden ist. Der von einem Theil der Bewohner beabsichtigte Widerstand würde keinen andern Erfolg haben, als unnützes Blutvergießen, welches von dem heiligen Gesetze verdammt würde. Die Proklamation appelltrt schließlich an den Patriotismus der albanesischen Bevölkerung und fv'bett dieselbe auf, alle Widerstandspläne aufzugeben, welche eine schwere moralische und materielle Verantwortlichkeit nach sich ziehen würden.
London, 15. Decbr. „Daily Telegraph" meldet aus Bombay: Ein Regiment ist beordert, unverzüglich nach Birma abzugehen.
Berlin, 15. Decbr. Die „Kreuz-Zettu g" hört, daß kein thatsäch- liches Moment zur Annahme berechtige, die Reichsmtlitär-Verwaltiwg werde ihren nächstjährigen Etat erhöhen. E n Gleiches gelte von der Reichsmarine- Vrrwaltung, deren Flottengründungsplan auf Jahre hinaus die Stetigkeit ihres E^ats verbürge.
Memel, 15. December. Das Journal „Memeler Dampfboot" veröffentlicht den amtlichen dem Rheder Schiller, E'genthümer des Dampfers „Falke" seitens des Tilsiter Magistrates ertheilten Bescheid, wonach die russischen Dampfer „Nerys" und „Keystat" bis jetzt keine Gewerbesteuer zahlten und erst nachträglich pro 1879/80 in Zugang gestellt wurden.
Kalkutta, 15. Decbr. Nach einem Telegramm von General Roberts dauern die Kär.pfe ununterbrochen fort. Der Feind ist noch immer mit starken Streitkräften im Vormarsch begriffen. Roberts beschloß, die Höhen oberhalb Kabuls zu verlaffen und die Truppen im Kantonnement bei Llerpur -u concentriren. Die Generale Gough (in Gandamak) und Arbnthnoth (in Jellalabad) erhielten Befehl, nach Kabul zu marschiren. Die Verbindungen find nicht unterbrochen, doch herrscht Besorgniß, die Agitation werde unt^r den Stämmen weiter um sich greifen. Die Regierung hat hinreichende Streitkräfte zur Verfügung, um allen Eventualitäten energisch entgegentreten zu können.
Lokales.
Die
Den
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Die Straßenbeleuchtung betr.
Die Straßenreinigung bctr.
Die Bletchstraße betr.
Den Ausbau der Schillerstraße betr.
Zerplatztes ^ckermetsters Heinrich Faß um pachtweise Ueberlassung eines Holz-
Gesuch^es Kaufmanns Karl Schwaab um Erlaubniß zur Anlegung eines erhöhten
Gießen, 16. December. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzunq am Donnerstag den 18. December 1879, Nachmittags 4 Uhr, im alten Nealschul, gebaute t
1. Vergebung von Freistellen an der Real-Schule.
2. Die Prüfung der Rechnung der Real Schule aus dem Zeitraum vom 1. Januar 1878 bis 31. Ntärz 1879.
Die Erbauung eines neuen Schulhauses für die höhere Mädchen-Schule.
<T'S” innere Ausstattung dieses Schulhauses.
Unterricht schwachsinniger Kinder betr.
Den projectirtcn Umbau deS Bahnbofs der Main Weser-Bahn
Die Aufnahme des Bahnwärters Philipp Fink in die Landes - Irren - Anstalt
Heppenheim. 1
14. Die Holzvcrsteigerungen vom Jahre 1879.
15. Die Holzversteigerung vom 8. December 1879.
16. Kosten-Decreturen.
Gießen, 16. December. fSchwurgerichtsverbandlung.l am 15 h und"wa^ bC bem Schwurgerichtshof der Provinz Qberheffen zur Verhand^ing'
1. Gegen Martin Glück von Vilbel wegen Urkundenfälschung.
Glück frevelte an, 29. Juli d. I. in der Gemarkung Vilbel eine Portion , i Zwiebeln und Kohl und trat sodann den Weg nach Offenbach an, um auf dem doniaen MaÄ die gefrevelten Sachen zu verkaufen. In der Nähe der Stadt Bergen anqekomm-n ;
auf ein dem Steueraufseher Eisenmann von Bergen gehöriges Grundstück und ” '
Partie Petersilie und Borage aus, um solche .einem Waarenvorrathebeifügen Frevel wurde er jedoch von dem Feldschützen ertappt und von demselben dem 8- Bergen »»rgefüb.t Huf dessen Frage, w° er die in ieinem Besitz
H-- h°b°. erwiderte Ortet, er babe Werte auf feinem Siqenihnn! gerngen "nd sie " "j rechtlich« Weise erworben. Der Vicebürgermeister schenkte diesem Vorbeugen aber kein-7Ä ?“f bedeutete ihn, daß die fraglichen Fe.derzeugniffe so lange inGewahrsambleib 7"
er eine Bescheinigung seiner Hetmathsbehörde darüber beibringe, daß er sie auf teNiÄm k* «worben habe. - Glück begab sich hierauf nach Hause und schrieb dort -ine Urkun"^ ^d'n
«urgermemer von «erg-n gnichtet, des Inhalts: „daß er die Zeit immer Kartoffeln und sonstige Gemu.e nach Offenbach getragen und stch noch nichts zu Schulden babe kommen lasten " Fälschlich war die Be'cheinigung von dem Bürgermeister in Vilbel und drei Mitgliedern des dortigen Ortsvorstandes unterschrieben. Mit dieser Bescheinigung begab sich Glück zu dem Vice- burgcrmeister nach Bergen und zeigte dieselbe mit dem Bemerken vor, dieses sei die verlangte Be.chemigung. Der Vicebürgermeister, der sofort Zweifel in deren Aechthett setzte, sandte den Feld.chutzen von Bergen mit der Uikunde nach Vilbel und ließ dem dortigen Gerichte von dem Vorgefallenen Mitthc.lung machen. In Folge desten wurde Untersuchung gegen Glück etnaeleitet und hat derselbe bei seiner ersten Vernehmung die Fälschung zugestanden.
Martin Glück wurde von den Gejchworencn des Verbrechens der Urkundenfälschung für schuldig erkannt, die Frage nach dem Vorhandensein mildernder Umstände aber verneint. Mit Rücksicht hierauf erhielt Glück eine Zuchthausstrafe von einem Jahr und wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren abgesprochen.
2 Gegen Mathäus Krausgrill von Ostheim wegen Meineids.
Am 3l. October 187« erhob Krausgrill bet dem vormaligen Landgerichte Butzbach gegen den Isaak Strauß vonHoch Weisel Klage dahin, er habe dem Strauß im Laufe des Sommers 1878 eine Quantität Heu und Stroh verkauft und verschulde Strauß ihm aus diesen Verkäufen noch den Betrag von 14 55 zu dessen Zahlung er ihn zu verurthcilen bitte
In dem Bernehmlastungstermtn räumte Strauß ein, dem Krausgrtll noch 14 je 55 A für erkauftes Heu und Stroh schuldig zu sein, setzte jedoch der Klage die Einrede der Retention entgegen und erhob außerdem einen Anspruch auf Schadenersatz.
Zur Begründung der beiden Einreden und der Widerklage brachte Strauß im Wesentlichen Folgendes vor: 1
Er habe von Krausgrill außer dem in der Klage erwähnten Stroh noch ca. 20 biS 30 Centner weiteres Stroh gekauft. Dies letzte Stroh habe Kraußgrill aber nicht geliefert sondern es vertragswidriger Weise an einen anderen Maibacher Mann verkauft.
Krausgrill setzte diesem Vorbringen Wort für Wort Widerspruch entgegen und stellte entschieden in Abrede, daß er dem Strauß weiteres Stroh, als das in seiner Klage erwähnte verkauft habe. ° 7 '
Strauß hielt gegenüber dem Widerspruche Krausgrill's sein Einrede- und Widerklage- Vorbringen aufrecht und erging hiernach Urtheil, inhaltlich dessen die eingeklagte Forderung für liquid erklärt, die vorgebrachte Reientionseinrede als rechtlich unbegründet verworfen und dem Strauß bezüglich der geltend gemachten Schadensersatzforderung der entsprechende BewctS auf- erlegt wurde.
Strauß versuchte den ihm auferlegten Beweis zunächst durch Zeugen zu führen. Die desfallstge Beweisführung war jedoch resultatlos und schob deßhalb Strauß seinem Gegner den Haupteid über die Negative des Beweissatzes zu.
Krausgrill nahm den ihm zugeschobenen Eid an und leistete denselben am 3. Juli t. I vor dem Prozeßgerichte ab, worauf Strauß mit seiner Schadensersatzforderung abgewiesen wurde.
Strauß beruhigte sich aber hierbei nicht. Er erhob vielmehr am 14. August d. I. Meineidsanklage gegen Krausgrtll und wurde in Folge desten Untersuchung gegen den Letzteren
Das Ergebniß dieser Untersuchung war, daß die Verweisung Krausgrills vor das Schwurgericht beantragt wurde. Die Geschworenen hielten sich aber von der Schuld des Angeklagten nicht für überzeugt und sprachen daher das „Nichtschuldig" aus, worauf der Gerichtshof seine Freisprechung aussprach.
Gießen, 16. December. Um die auf der Landesuniversität zur Zeit noch fehlende Gelegenheit zu praktischen Studien in der Jrrenheilkunoe wenigstens einem Theilc der Aerzte dcS Großherzogthums, insbesondere solchen, welche sich zu Gerichtsärzten ausbilden wollen, darzu« bieten und zugleich das ärztliche Personal der Anstalt zu verstärken, sind in der Irren-Anstalt zu Heppenheim zwei Stellen für freiwillige Hülfsärzte geschaffen worden, welche Stellen nunmehr zum Erstenmale besetzt werden sollen.
Die Inhaber dieser Stellen müffen die hessische Staatsangehörigkeit besitzen und habe» sich auf die Dauer eines JahreS zur ärztlichen Thättgkeit in der Anstalt zu verpflichten. Sie beziehen neben freier Station eine baare Remuneration von 600 JC
Diejenigen Aerzte, welche auf die erwähnten Stellen refiectiren, haben sich zunächst auf schriftlichem Wege an die Direction gen. Anstalt zu wenden
Gießen, 16. December. Gestern Abend gegen 10 Uhr fand die Schutzmann-Patrouille eine Frau aus der Mäusburg liegen, welcher eine Aber am Beine zerplatzt war. Man brachte die heftig blutende Frau auf die VolizeoWache, wo ihr von einem Arzt ein Nothverband angelegt wurde. Hierauf wurde sie mittelst Droschke nach der Klinik verbracht.
— Heute Nacht hatten wir 20,8» Kälte. Um 11 Uhr heute früh zeigte das Thermometer noch 15 0. — Einen prächtigeren Winter können sich die Kohlenhändler nicht wünschen.
— Die „Volksküche" spendete heute 578 Portionen franz. Suppe. Verkauft wurden hiervon 238 Portionen. An Arme und Handwerksburschen wurden 340 vertheilt.
Vermischtes.
— sFletsch- und Butterpreise.j Nach einer Zusammenstellung der Gr. Centralstelle für Landesstattstik über die Durchschnittspreise verschiedener Verbrauchsgegenstände kostete im Monat Oktober 1879
per Pfund: Ochsenfleisch. Kalbfleisch.
Schweinefleisch.
Butter.
In Darmstadt
0,74
0,60
0,60
1,06
In Babenhausen
0,70 0,70
0,60
0,60
0,90
In Bensheim
0,60
0,55
1,00
In Bessungen
0,71
0,57
0,58
1,05
In Erbach
0,66
0,40
0,60
0,90
In Offenbach
0,69
0,55
0,68
1,08
In Gießen
0,70
0,52
0,62
1,07
In Alskeld
0,58
0,43
0,51
0,58
In Büdingen
0.66
0,48
0,60
0,90
In Butzbach
0,69
0,50
0,56
1,23
In Friedberg
0,68
0,43
0,60
1,03
In Schotten
0,59
0,48
0,58
0,73
In Mainz
0,71
0,60
0,70
0,90
In Alzey
0,57
0,58
0,54
0,93
In Bingen
0,68
0,53
0,58
0,91
In Worms
0,70
0,56
0,54
0,h9
Mittelpreis
0,67
0,53
0,59
0,9 >
Mainz, 10. December.
Die letzten Kohlen waren
verbrannt und die letzten Pfennige
für Brod ausgegeben. Vater, Mutter und
zwei Kinder schnatterten vor Frost;
die Kalte steigerte
sich gestern Abend in höchst empfindlichem Grabe. Das Wasser träufelte von Den Wänden in der armseligen Stube. Da griff der Mann nach einer alten, von ber Großmutter, die schon
längst im Scbooße der Erde gebettet liegt,
hinterlassenen Truhe, warf die
wenigen Lumpen
heraus unb riß das alte Stück Möbel verzweiflungsvoll auseinander, um es
zur Feuerung zu
verwenden. Als er den Boden auseinander riß, zeigte es sich, daß es ein
Doppelboden war
und heraus rollten aus vemselben
— Goldstücke! Die Ueberraschung der
rrmen Leute war
grenzenlos, sie glaubten im Augenblicke an
Zauber und Wunder. Unb erst,
als sie die Golb-
stücke aufrafften und zählten, batten sie
in Wirklichkeit 125 Napoleonsd'ors I Die Kinder
jubelten Die Eltern falteten die Hände und richteten Blicke des Dankes nach oben. Kohlen wurden geholt; warmes Esten wurde bereitet und die Truhe wieder zusammengelcimt. Alle Roth war verschwunden. (9?.)
Kassel, 12. December. In der jüngsten Sitzung des Communol-Landtages wurde ix Betreff der Vorlage der Staatsregierung über den Bau einer Eisenbahn von Cölbe nach Laasphe nach dem Anträge des Hauptausschusses beschloffen: 1) die unentgeldliche Benutzung der in Betracht kommenden Landstraßentheile zum Bau und Betrieb dieser Secundärbahnen unter der Bedingung zu gestatten, baß bie ^taatSTCflitrung sich verpflichtet alle Kosten für eine tn Folge des Betriebes im Interesse des öffentlichen Verkehrs seitens der Landen Polizeibehörde etwa für nothwendig erachtete Verbreiterung oder Verlegung der benutzten Landstraßenstrecken innerhalb des Communalbezirks zu tragen und 2) in Rücksicht, daß durch den Bau dieser Bahn eine nicht unerhebliche Entlastung des Landstraßenbaufonds zu erwarten ist, eine Beihilfe von 74,000 aus diesem Fond zu den von dem Kreise Marburg für die Bahn aufzubringenden Kosten zu gewähren.
Metz, 10. December. sFeuersbrunst.j Gestern Abend nach 7 Uhr brach auf dem Moselfort im Garnisonlazareth eine heftige Feuersbrunst aus. Entstehringsursache noch unbekannt. Brand auf Zerstörung der Abtheilung III beschränkt. Niemand ernstlich beschädigt.
Metz, 1 . December. [9B5lfe.] Seit Eintritt der kalten Witerung zeigen sich in un serem Bezirke wieder Wölfe, welche durch den Hunger auS ihren Schlupfwinkeln herausgetrieben werden, in größerer Anzahl in bie Nähe der menschlichen Wohnungen. Theilweise umkreisen dieselben einzeln stehende Gehöfte und wecken die Bewobner Nacht für Nacht durch ihr Gebeul. Sogar Versuche, Stallungen zu erbrechen, werden von denselben gemacht. Von Seiten der Jäger wird der gegenwärtige Schnee fleißig zu Treibjagden benützt, welche meistens vom besten


