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Aeßener "Anzeiger

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TrT~77~^T2~T;i ", t ~ c Prei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

*toärtti»nwm«ut J Schulstraß. B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.Durch die Post bezogen vierteljähMch L Mart SS Ps.

Amtlicher Hßeit. Bekanntmachung.

Durck kriegsgerichtliches Erkenn,niß vvm 3. D-eember 1879, bestätigt tmch den kommandirend-n General de« 11. Arm-..C°rpi> «»t-rmL? D«ember 1879, ist der Musketier Johannes Gibb der 4. Compagnie 2. Großh. Hest. Infanterie-Regiments (Großherzog) Nr. 116 aus Leihgestern, Kreis Gießen, in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und in eine Geldbuße von 200 «X. verurtheilt worden. R fD- .

Darmstadt, den 13. December 1879. Großherzogliches Gericht der Großh. Hest. (25.) Division.

ist das gerade eine der bedeutsamsten Wirkungen des vom Fürsten Bismarck in Wien vollbrachten Werkes, Laß er nicht blos Rußland, sondern auch Frank- reich, falls es kriegerisch werden sollte, isolirt hat. An Rußlands Bunbesge- nostenschaft ist, seitdem dasselbe sich den beiden andern Katsermächten wieder genähert hat, nicht mebr zu denken, und Englands heutige oberflächliche Freund­schaft würde sich alsbald in Feindschaft verwandeln, wenn es Frankreich ein­allen sollte, den Weltfrieden zu stören. Wer kann überhaupt wissen, ob sich nicht Frankreichs Revanchelust im Laufe der Jahre allmältg abstumpft?

die Friedensgedanken, welche Deutschland und Oester­reich, diesen Kern Mitteleuropas, zu einem engen Freundschaftsbunde ver­einigt haben, sind in ihren Wirkungen zu einem Felsen geworden, an welchem alle Versuche, den WeUfrieden zu stören, mögen dieselben nun von Osten, von Süden oder von Westen kommen, auch in Zukunft scheitern wüsten, wie sie biLher schon daran gescheitert sind. Wir finden es gar nicht unglaublich, daß Fürst Bismarck in seinem Briefe an den SenatorJacini eine allgemeine Ab­rüstung nicht blos als möglich, sondern auch als nothwendig für die Hebung des Wohles der Völker bezeichnet haben soll, falls nur das Steuer der Regie­rung überall in conservattven Händen liege. Er, der als so gewaltthätig ver­schrieene Staatsmann, will wirklich nichts anders, als einen dauernden Frie­den in Europa Herstellen. Glücklicher Weise deutet Alles darauf hin, daß es ihm gelingen wird, sein edles Ziel, für eine verhältnißmäßtg lange Zeit wenig- stens, zu erreichen. ___

Deutschland.

Berlin, 14. December. ließet den Nothstand in Oberschlesien gehen hier vielfach die erschütterndsten Berichte ein. Dey Kaiser ist, so hört man, von den Vorgängen tief ergriffen und hat gewünscht, von dem Oberprästdenten der hetmgesuchten Provinz genauen Bericht über die Lage der zunächst betroffe­nen Bezirke zu erhalten. Herr v. Seydewitz hat sich bereits an Ort und Stelle begeben und man glaubt, derselbe werde demnächst hierher kommen, um dem Kaiser persönlich Bericht zu erstatten. Die von der Regierung angewie­senen Mittel haben zunächst den Zweck einer systematischen Bekämpfung der­jenigen Uebelstände, auf welche das Unheil zurückgesührt wird, während von der Prtvatthütigkett erwartet wird, daß sie die augenblickliche Roth einzelner, wie ganzer Familien vorläufig erheblich mildern soll. In erfreulicher Weise geschieht nach dieser Richtung hin sehr viel, es bleibt aber trotzdem noch viel zu thun übrig und die Hülfe aus öffentlichen Mitteln wird nicht lange ent- behrt werden können. Es wäre daher zu wünschen, daß die Regierung den Kammern eine Vorlage tu diesem Sinne mache oder andernfalls aus den Kam­mern selbst eine Anregung hervorgehe.

Wetzlar, 13. Decbr. Unter dem 4. November hat die Regierung zu Koblenz eine Verfügung ertasten, die sich mit einer im August zu Wetzlar ab- gehaltenen Kretsconferenz beschäftigt, auf der ein Lehrer Höchst sich unter großem Beifall gegen die Nebenbeschäftigungen der Lehrer ausgesprochen hat. In der Verfügung heißt es u. A.:Der gedachte Vortrag enthält nach Form und Inhalt vielfache Ungehörigkeiten. Wir muffen es ebenso bedauern, wie mißbilligen, daß die Conferenz, ohne daß ein einziger Lehrer nur nachträglich dagegen Widerspruch erhoben, mit einem, auch abgesehen von der Sache, durch­aus ungeziemenden allgemeinenBravo" ihre Zustimmung zu demselben kund­gegeben hat." Daß ferner sämuultche anwesende Lehrer gegen die abweichende Ansicht des Kreisschulinspectocs Pfarrers Bonnel in anscheinend sehr ener­gischer Weise protestirt haben, zieht ihnen eineernste discipltnarische Miß­billigung" zu. Endlich erwartet die Regierung,daß diejenigen Lehrer, welche neben dem Schulamte auch kirchliche Dinge versehen, im Gegensätze zu der agitatorischen Aufforderung am Schluffe des Vortrags des rc. Höchst diese willig und pflichttreu versehen werden."

Arankreich.

Paris, 13. Decbr.Temps" sagt: Die Ergänzung des Ministeriums wird erst stattfinden, wenn die Kammern auseinander gegangen sind. Die Commission für den Antrag Boyffet's auf Aufhebung der Unabsetzbarkeit der Richter besteht aus 9 Mitgliedern, welche für den Antrag, und 2 Mitgliedern, welche gegen denselben sind. Alle Minister haben sich der Betheilrgung an den Berathungen ihrer respectiven Bureaus über diesen Antrag enthalten. Die Kammer nahm den Antrag, die weiteren Schritte gegen den Oeput rten Bandry d'Asson wegen Thetlnahme an dem Legitimisten-Banquet einzu­stellen, an.

Zur allgemeinen politischen Lage.

So schwer es den Sonnenstrahlen in diesen trüben Wintertagen wird, durch Wolken und Nebel hindurchzudrtngen, so schwer wird es der öffentlichen Meinung, sich in die Ueberzeugung hineinzuleben, daß wir, so weit überhaupt menschliche Voraussicht reicht, einem dauernden Frteden entgegengehen. Bald ist es die versteckte Feindseligkeit Rußlands, bald die unfertigen Zu­stände im Orient, bald das revanchelustige Frankreich, worauf mißtrauische Politiker Hinweisen, wenn sie den Horizont als umdüstert bezeichnen.

Es wird darauf hingewiesen, daß die panslavlsiischen und nihilistischen Elemente in Rußland noch immer eine tiefgehende Strömung bilden, daß die feindselige Stimmung gegen Deutschland fast alle Schichten der russischen Bevölkerung durchdringe, daß noch immer gewaltige Truppenmaffen längs un­serer Ostgrenze aufgestellt seien, daß endlich der notorische Gegner des Fürsten Bismarck, Fürst Gortschakvff, unmittelbar nach seiner Rückkehr die Leitung des auswärtigen Amtes wieder übernommen habe. Auf der Balkan Halbinsel soll das neue Fürstenthum Bulgarien schon am Abgrunde der Revolution und Anarchie stehen, Ostrumelien durch die zurückkehrenden Muhamedaner in feinem Bestände bedroht werden, die griechische Frage den Keim zu neuen Confltcten in sich tragen, zwischen Albanesen und Montenegrinern gar schon jetzt ein blu- iiaer Krieg wüthen. Und was Frankreich betrifft, so wird der gegenwär- rtaen Regierung eine möglichst kurze Dauer prophezeit und der ELdtctator Gambetta, der dewnächstige Nachfolger Grevy's, als ein Mann hingestellt, "er vor Begierde brenne, Deutschland die neugewonnenen Reichslande wieder ?u entreißen und so Frankreichs Ruhm und Macht wieder herzustellem

Bci nüchterner Betrachtung erweisen sich jedoch diese pessimtstffcyen An- Ichauunaen von der Lag- der Dinge als bloße Phantasien und Befürchtungen nüßtrauischer, dem Frieden abgeneigter, dem Deutschen Reiche feindlich g«. sinnier PoMiker-der luf(l^en unb dMschen Regierung mag immerhin eine tiefgehende Mißstimmung geherrscht haben, aber diese Zett ist jedenfalls schon länaii vorüber. Der Besuch des Großsürsten - Thronfolgers in Wien und Berlin trat ein lautes Zeugniß dafür, daß Rußland sich inl das durch den lkütiien Bismarck geschaffene neue Bundesverhältniß zwischen Deutschland und Oesterreich zu fügen bereit sei. Kaiser Alexander selbst ist bekanntlich stets em warmer Verehrer des Kaisers Wilhelm geblieben und hat denselben soeben er« beim St. Gcorgsfeste seinen unwandelbaren Freund genannt. Er leitet Vie auswärtigen Angelegenheiten auch jetzt, nach der Rückkehr des greisen Für­sten Gortschakvff, noch persönlich und hat sich nach seiner eigenen Versicherung durck> das jüngste Attentat auf sein Leben nur in einem Wunsche bestärkt ge­sehen, daß Rußland in einer friedlichen inneren Entwicklung Ruhe und Gluck finden möge. So werden denn die Klagen, welche die deutsche Reichsregie- rung gegen Rußlands Haltung noch hat, ohne Zweifel bald die gewünschte Erledigung finden.

Noch weniger schlimm sind die Zustände auf der Balkanhalbinsel. Mrst Alexander von Bulgarien hat durch die prompte Auflösung der radika­len Kammer deutlich bewiesen, daß er mit revolutionären Elementen fertig zu werden versteht und nach wie vor auf dem Boden des Berliner Friedens zu bleiben gedenkt. Der Gouverneur von Ostrumelien hat durch seinen Besuch \n Konstantinopel seine Stellung und zugleich die Ruhe seiner P^vinz neu gefestigt. Die griechische Frage wird, wenn auch langsam, so doch sicher durch die Vermittlung der Großmächte ihre Lösung finden. Wenn es endlich zwi­schen Albanesen und Montenegrinern wirklich zu einem Kriege kommen sollte, so würde Oesterreich rasch genug zur Stelle sein, nm im Bunde mit der Türkei Frieden zu stiften. Oesterreich ist ja überhaupt gegenwärtig dieSchutz- macht zur Erhaltung der Ruhe und der Ordnung auf der Balkanhalbmsel. Wie wenig übrigens die österreichische Regierung selbst dort Conflicte befurch­tet, geht aus der Thatsache hervor, daß sie ihre Truppen in den occupirten Provinzen vor Kurzem auf den Friedenssuß gesetzt hat.

In Frankreich ist die Lage der Dinge bei der bekannten Neueruugs- suckt und Parteizerklüftung der Bevölkerung allerdings nicht unbedenklich, und ein vorsichtiger Staatsmann wird gewiß nicht ohne Sorge nach Paris blicken, rumal seitdem die republikanischen Elemente ihre frühere Einigkeit verloren baßen. Gambetta besonders steht ohne Zweifel für den Fall, daß er an die Svike der Republik treten sollte, als eine mit gerechtem Mißtrauen anzu- sehende Persönlichkeit da. Aber augenblicklich liegt doch der Zeitpunkt, wo er daS Steuerruder in die Hand nehmen sollte, noch in der Ferne. Andererseits