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Sin kaiserlicher Ufas auS ßioabta vom 5. b. an ben birigirenben Senat ermächtigt gemäß Ufas vom 17. April die General Gouverneure von Moskau, Warschau unb Kiew, sowie bie provisorischen General-Gouverneure von Petersburg, Charkow und Odeffa, die Wirkung bes genannten Ukases n-thigensalls auch auf die Gouvernements zu erstrecken, welche den betreffe iben Militärbezirken angehören.

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr. Torrespondenz-Burea«.

Berlin, 15. Mai. DerNordb. Allg. Ztg." zufolge erklärte sich die Regierung gegenüber bei Köln-Mmbener Eisenbahn-Gesellschaft bereit, in Bei« hanblungen wegen Uebertragung ber Verwaltung unb bes Betriebes bes ganzen Köln - Minbener Eisenbahn-Unternehmens auf den Staat auf Grund­lage einer festen 6procentigen Jahresrente in abgestempelten Actien einzutreten.

Der Minister ber öffentlichen Arbeiten, Maybach, hat sich heute aus einen Tag nach Frankfurt a. M. begeben, um, wie dieNordd. Allg. Ztg." melbet, mit ben Ministern Babens unb Hessens in ber Angelegenheit bes Frankfurter Centralbahnhofes zu conferiren.

Berlin, 15. Mai. Reichstag. Zweite Berathung der Zolltarif-Vorlage. In der ersten Position Abfälle wird ein Amendement Rickert's angenommen, wonach nicht nur lediglich zur Leimfabrikation geeignete, sondern alle als Fabrikattonsmaterial verwendbare Lederabfälle zollfrei zu lassen sind. Ferner werden Amendements von Melbeck und Ludwig angenommen, wonach Malzkeime, sowie Thierknochen jeder Art zollfrei sein sollen.

Die PositionBürstenbinder- und Siebmacher-Waaren" wird von Müller (Gotha), Rickert und Karsten bekämpft, von v. Kardorff und v. Ludwig oertheidigt. Bundes- Commissar Moser befürwortet dieselbe. Die Position wird unverändert genehmigt- J °J0£ PositionEisen- und Eisenwaaren." Hierzu liegt das Amendement v. Wedell-Malchow vor, welches die Herabsetzung aller bezüglichen Zollsätze verlangt, ferner das (bereits gemeldete) Amendement Stolberg über Freilassung von Roheisen und Bruch eisen seewärts von Memel bis zur Weichselmündung eingehend auf Erlaubniß- scheme für Eisenwerke. Delbrück fragt an, ob, wie früher, Eisenmaterial zu Schiffs­bauten zollfrei eingehen und der Eisenzoll für Material zu im Jnlande gebauten Schiffen vergütet werde; ferner, ob den Besitzern von Schmelz, und Walzwerken auch ferner d'c zollfreie Einfuhr von Bruch- und Roheisen zum Export gewährt werde. Bundes- Commissar Burchardt erwidert: Die Erleichterungen für Seeschiffe würden jedenfalls mlfrechterhalten. Betreffs der zweiten Frage glaube er versichern zu können, daß dem Veredelungsverkehr jeder mögliche Vortheil zu Theil werden solle. Redner legt gleich- rettla die Stellung der Regierungen zu den Eisenzöllen dar, wirft einen Rückblick auf bte Entstehung der Vorlage, erinnert an die wachsenden Klagen der Eisenindustriellen, verweist auf die Thätigkeit und Resultate der Eisen-Enquctc, welche der Gegenstand vieler Bemängelungen gewesen sei. Die Regierung habe die Klagen geprüft, aber keinen Anlaß, zu bezweifeln, daß die Enquete-Commission mit gehöriger Umsicht, Sachkunde und Unparteilichkeit verfahren sei. Daß die Eisen-Industrie sich in schlechter Lage be- stnde, werde allgemein zugegeben. Eine Einschränkung der Production sei nicht thun- uch und wurde die Lage nicht verbessern. Die Productionsocrhältnisse der deutschen ^llbn-Industrle lagen weit ungünstiger als die der englischen; überhaupt seien die Verhaltnisie Englands mit denjenigen Deutschlands, was die Eisen-Industrie betreffe, nicht zu vergleichen. Die Regierungen halten die Eisenzölle für nothwendig, um die Exlstenffahlgkeit der Eisen-Industrie zu sichern.

- Bamberger führt aus, die Eisen-Jlidustrie brauche am wenigsten Schutzzölle.

, erlangen nach Schutzzöllen sei vielmehr nur von der unermüdlichen Propaganda und Agitation der großen reichen Eisenindustriellen und Gesellschaften hcrbeigeführt. Deutschland )ei in der Eisenproduction eines der wirthschaftlich stärksten Länder und werde nur von England bedeutend überragt. Dabei sei die deutsche Eisenproduction in fast stetiger Progression begriffen, Die am wenigsten durch Beseitigung der Eisenzölle unterbrochen worden sei. Die Einfuhr fremden Eisens habe stets abgenommen; der Export nehme zu; aus vielen Gebieten mache die deutsche Eisen-Industrie der englischen schon gefährliche Concurrenz. Er sei aber namentlich Gegner der Eisenzölle, weil durch dieselben zahlreiche Induftrie-Productionszweige, denen das Eisen vertheuert werde den empfindlichsten Schaden litten. Dabin gehöre namentlich die Eisenbahn-Industrie. Indem er diese und andere nationale Arbeitszweige schützen wolle vor Ausbeutung, vertheidige er nicht das theoretischelaissez aller, sondern ein praktischeslaissez vivre Der ganze Kampf, den man jetzt mit dem Zolltarif kämpfe, sei der alte Kampf gegen den Kampf der Cwilisation, Der Kampf gegen die Ersparung von Kraft und Stoffi den mau schon gekämpft, als man sich einstmals vergeblich gegen das zunehmende Maschinenwesen aufzulehnen versuchte. Die Eiseiffabrikations-Gesellschaften und Groß- Industriellen hätten auch vielfach so schlecht und unklug operirt, daß sie nicht berechtigt feien, vom Staate Entschädigung zu verlangen. Bamberger führt dies an einzelnen Beispielen ui detailllrter Weise aus Die deutsche Industrie arbeite im Ganzen nicht mit Schaden und stehe dabei noch unter der Tyrannei von Koalitionen. Die Eisenzölle vottren, heiße die Thatsacke verkennen und einen großen Theit der nationalen Arbeit dem Untergang entgegenführen (Beifall links, Widerspruch rechts.) Reutzsch für Enenzolle bekämpft die Ausführungen Bamberger's und konstatirt ziffermäßig, daß rhatfachlich eine schwere Rothlage der deutschen Eisen-Industrie vorhanden sei. Um 5 Uhr wurde die weitere Discussion auf morgen vertagt.

Karlsruhe, 15. Mai. Der hiesige Stabtrath hat die Einladung zum Stäbtetag in Berlin abgelehnt, weil bie Tariffrage in bas Reffort ber Han­delskammer gehöre.

Mannheim, 15. Mai. Als Delegirte ber hiesigen städtischen Be­erben begeben sich Oberbürgermeister Moll unb Stabtrath Jorbau zum stäbtetag nach Berlin, mit dem Manbat, gegen (Setreibe, unb Viehzölle zu stimmen.

Heilbronn, 15. Mai. Der hiesige Gemeinbeiath beschloß bie Be­schickung bes Berliner Stäbtetages durch ben Reichstags-Abgeordneten für Heilbronn. Heilbronn stimmt für Getreibezölle.

Bukarest, 15. Mai.Moniwiul" veröffentlicht ein Decret, welches alle Präventivmaßregeln gegen die Pest aufhebt. Von heute an ist an allen Punkten bei freie Verkehr mit Rußlanb unb Bulgarien wieber hergeftcllt.

London, 15. Mai. Im Unterhause antwortet Unterstaatssecretär Bourke auf eine Anfrage Mure's, er glaube, baß Deutschland mit Samoa einen Vertrag abgeschloffen habe. Der deutsche Consul auf Samoa habe dem dortigen britischen Consul eine Abschrift mitgetheilt. Er weiß nicht, ob die deutsche Regierung denselben bereits latificirt habe. Klagen über diesen Ver­trag seien bei dem britischen Cabinete nicht eingelaufen.

Schatzkanzlei Northcote antwortet Campbell, bie Regierung sei wieder- dolt in die Pforte gedrungen, den Art. 23 des Berliner Vertrags duichzu- sührerr unb habe erst rreuerbings wieder bezügliche Vorstellungen gemacht.

Leipzig, 15. Mai. Der Stadtrath von Leipzig lehnt in Ueberein- stimmung mit den Stadtverordneten die Betheiligung an dem Städtetag in Beilin ab, theils wegen der Kürze ber Zeit zu ausreichender Vorbereitung, theils weil es nicht Sache der Stabtvertretungen sei, auf den Reichstag in dieser Sache einzuwirken.

Paris, 16. Mai. In dem Verfahren gegen ben Erzbischof von Aix wegen Mißbrauch ber geistlichen Amtsgewalt erklärte ber Staatsrath, baß Mißbrauch ber Amtsgewalt vorliege.

Berlin, 16. Mai. DieNorbb. Allg. Ztg." bringt aus Bulgarien eingegangene verläßliche Mittheilungen über bie von bei russischen Militär­verwaltung in Betreff bei im Zuge befinblichen Evakuation von Bulgarien unb

Dfirumelien 8«'offenen umfassenden Maßregeln und zählt die bereits eiiae. ichifften odei zur E nschiffung in Maisch gesetzten einzelnen Trupp en körper, deren Marschroute md EmfchiffangSiage auf und schließt: Die Räumuaa Dispositionen am 25. Juli vvllstmdi.g geschehen sein? t i^üff-nilicht den in derSamoa Times" pnblicirten Ver-

trag zwischen Deutschlanb und ben Lamoa-Jnseln.

Lokales.

Ließen, 16. Mai. Heute Morgen brach in einem Hause der Walltborllrane S-ui>r ?a8 Vorhandensein von Chemikalien und Oelen rc. eine sehr gefährliche Ä" Fonnen und vielleicht die Zoselsgasse mit ihren StällenundScheunen iu befdHgen S-lang es rasch b.« ,u dämpfen und j-d7 «-fahr

t Im Interesse des reisenden Publikums dürfte es sich vielleicht emvieblen nm

w» dem Empfangsgebäude «ährend der Sammermonate mehrere »Ln^anzubnngen ^ De! freier Luft wird für die Reisenden viel angenehmer sein als in den Wartesälen

Vielleicht sind die Herren Stadtverordneten auch hier bereit ihre mildthätige Hand zu öffnen und den erforderlichen Credit zur Anschaffung einiger Bänke zu gewähren- 8 8 "

Vermischtes.

3f en bürg, 13. Mai. Gestern Abend fand dahier durch einen ungerathenen Sohn eine unerhörte That statt. Derselbe schoß zuerst auf seinen Vater, der ihm Vorhalt gemacht Ä wc^ "es sodann zu seiner Braut, die ihm den Trauring zurückgeschickt

hatte schoß und fehl e auch diese. Ein Gensdarm, der ihn festnehmen wollte wurde ebenfalls zum Ziel einer Kugel gemacht, die ihn jedoch nicht traf; ein junger Mensch, der ihn halten wollte, erhielt eine Kugel in den Oberschenkel. Unter fortwährendem Schießen auf seine Ver- tobTnieb«16 " °rt Unb 0a& schließlich auf sich selbst drei Schüffe ab; der letzte streckte ihn

Offenbach, 12. Mai. Wieder ist aus der hiesigen Stadt ein Selbstmord zu ver- zelchnen. Der hiesige VolkSschullehrer Kunze wurde heute Morgen in seinem Wobnhause erbänat gefunden. Das Motiv dieser That ist noch unbekannt. ' ®

,, Frankfurt, 12. Mai. Heute Vormittag trug sich auf einem unserer Stadtämter tolgenbe Scene zu. Amtmann zum Geladenen, welcher den Manifestationseid zu leisten hatte und ihm ein leeres Papier übergab:Sie haben anzuführen, Alles, was Sie an Vermögen besitzen. Antwort:Ich besitze gar nichts." Amtmann:Dann haben Sie solches zu be- merken. Sie muffen auch angeben, was Sie an Kleidern haben." Antw.:Ich habe nur was ich auf dem Leibe trage." Amtm : ,.Von was leben Sie?" Antw.: Vom Pumv'" Gläubiger:Ich verzichte auf die Ableistung des Manifestations-Eides!"

. Darmstavt, 12 Mai. Das Bezirksstrafgericht verhandelte heute und zwar entgegen dem Anträge der Staatsbehörde unter theilweisem Ausschluß der Oeffentlichkeit, die viel be- sp/vchene Anklagesache gegen Kaufmann Wilh. Lips von Bessungen wegen Tövtnnq. Daß der ^lahrlge Angeklagte die Absicht gehabt, sich im Einverständniß mit seiner Geliebten, der Tochter lO. Decernber v. J.irn Kirchbergteich bei Beffungen zu ertränken und als dieses Vorhaben auf Hmderniffe stieß, ihr auf deßfallsiges Bitten an jedem Arm mit einem Rastrmeffer eine tiefe, bis auf den Knochen gehende Wunde beibrachte, wurde zuaeacben, so daß sich die ganze Verhandlung eigentlich nur um die Frage drehte, ob Verblutung oder Ertrinken die Leiche lag tm Wasser und Lips, der zwar versuchte, sich gleichfalls die Puls­ader zu offnen, davon aber bald abgestanden hatte, das Hasenpanir ergriffen und seine werthe Person in Sicherheit gebracht die Todesursache gewesen. Die Staatsbehörde erachtet, daß oer Tod infolge der stattgehabten Verblutung eingetreten und beantragte auf Grund des $ v c ^lafgesetzes 5 Jahre Gefängniß, während die Vertheidtgung nachzuweisen bemüht war, daß auch cm Tod durch Ertrinken vorliegen könne, in welchem Falle Freisprechuvq ein­zutreten habe. Das Urtheil soll nächsten Freitag verkündigt werden.

Wien, 11. Mai. Heute Nacht ist ein Gelvbriefbeutel mit mehr als hunderttausend Gulden Inhalt, der in einem verschlossenen Packwagen vom Hauptpostamt auf den Südbahnhof transportlrt wurde, gestohlen worden. Es ist noch nicht eruirt, ob der Diebstahl vor dem Verschluß des Packwagens tm Hauptpostamt oder erst im Bahnhof geschehen ist. Auch vom Thater ist noch feine Spur.

SÖerlin. Als der Reichskanzler kürzlich vor versammeltem Reichstage die Sckaar preußischer Finanzminister Revue passiren ließ, kam auch Herr v. Kleewitz an die Reihe. Dieser Name brachte uns einen Vorfall in die Erinnerung, der aus der Zeit hcrrührt, da Friedrich Wilhelm IV. noch Kronprinz war. Der Kronprinz war damals in seiner jugendlich-genialischsten Ungebundenhelt und wer ihm gerade zur Zielscheibe seiner spöttischen Laune diente, der mußte schon gute Miene zum bösen Spiele machen. So ging es auch eines schönen Tages dem Herrn v. Klcewitz. Eine zahlreiche Gesellschaft hatte sich in den SalonS des Fürsten Radliwill zusammengesunden. Generale, Diplomaten, Fürsten, Künstler waren in zwanglosem Gespräche als plötzlich der Kronprinz mit folgender Räthselfrage unter eine Gruppe trat, in welcher der genanrtt^tzerr Minister sich befand:Das Erste frißt das Vieh, daß Zweite habe ich nie das Ganze ,st eine Landplage." Sprachs und verschwand eiligst in ein anderes Zimmer, ben Erfolg feiner Sphinxfrage und die Wirkung derselben auf bie Anwesenden abwartend. Man lächelte und zischelte sich natürlich das Losungswort einander in die Ohren . . . Kleewitz der

bohe Staatsbeamte fühlte sich tuf das Empfindlichste gekränkt unb verfügte sich sofort zum Könige, ihm den Hergang der Sache meldend. Friedrich Wilhelm III war im äußersten Maaße über den Muthwillen seines Sohnes entrüstet, unb versprach bem Minister die vollste Genüge tlmung. Arn nächsten Tag erscheint ber Kronprinz wie gewöhnlich zum Morgengruße bei seinem königlichen Herrn Vater. Dieser zeigt sich bem Kronprinzen sehr ungnäbig unb läßt in seiner bekannten Weise einige Worte fallen wieMinister beleidigen",Aergerniß gegeben vor Gefell- fdjnft",Abbitte leisten",Kleewitz versöhnen". Der Kronprinz will von alledem nichts begreifen; betheuerl dem Vater gegenüber seine vollste Unschuld, der Herr Finanzminister müsse sich vollständig geirrt haben unb was bergleichen mehr war. Der König ist über bie Ver­stellung bes Kronprinzen geradezu empört unb richtet noch einmal bas Räthsel an ben Kron- prinzen unb ob er benn in Abrebe stellen könne, biese Beleidigung in der Rabziwill'schen Gesellschaft geäußert zu haben.Allerbings", erwieberte ber Kronprinz.Aber wie in aller Welt ist benn nur Herr v. Kleewitz auf ben abscheulichen Verbacht gekommen, daß er barunter gemeint sein könne?" fragte ber Kronprinz.Run, wer denn sonst sein?" entgegnete ber ftonig.Hcuschreck, Majestät, ist bie richtige Lösung ber Charade, und bas will ich denn

auch, wenn es fein müßte, in ber nächsten Assemblee bei Ravziwills öffentlich zur Beruhigung Sr. Excellenz des Herrn Finanzministers erklären."Bleiben laffen", antwortete der König sonst Skandal noch ärger werden."

Frilchbäcker in Gießen.

Sonntag den 18. Mai. Daniel Rühl, am RathhauS. Heinrich Kreuz

Hermann Spieß, Walltborstraße.________________________

Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinde znGießen.

Gottesdienst:

Sonntag den 18. Mat.

Morgens: Pfarrviear Schöner.

(Feier deS heiligen Abendmahles.)

Nachmittags: Mitprediger Dr. Buchhold.

Donnerstag den 22. Mai.

Christi Himmelfahrt:

Morgens um 9 Uhr: Pfarrer Dr. Seel.

Nachmittags in der Friedhofskapelle: Pfarrer Schlosser.

Die Pfarrgeschäfte für Die Woche vom 18. bi« 24. Mai besorgt

Pfarrviear Schöner.