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Nr. 114. Samstag, den 17. Mai 1S7».

Kichener MuMger

Anzcize- mi> AmtsliM für iti Kreis Sicher?._______________

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Schulstraße B. 18.

Redactionsbureau r

Expedttionsbureau:

Preis vierteljährlich 2 Aiart 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

werde - en Fall der Steueru, namentlich der Tabakssteuer, aus anderen als volkstümlichen oder wirtschaftlichen Gründen nicht ungern sehen, wenn auch die Führer und die Parteiorgane solche Vermuthungen mit Entrüstung von sich weisen. Ueber die gegenwärtige Stellung des Centrums tm Allgemeinen ist man nicht tm Klaren. Der Friede mit Deutschland soll in den Wünschen des Papstes liegen, der indessen aus bekannten Gründen nicht ganz frei ist. Auf deutscher Seite ist dieselbe Stimmung vorhanden. Man wird aber keine grundsätzlichen Opfer bringen und die Rechte des Staates nicht preisgeben. Dies schließt aber nicht einen modus vivendi aus, auf welchen Herr Windt- horst vielleicht hinsteuert. Ob die Finanzzölle und die Steuern eine Rolle dabet spielen, wird der weitere thatsächliche Verlauf zeigen. Die Tabakssteuer ist an die Commission verwiesen, in welcher ja auch das Centrum vertreten sein wird. Man wird daher bald erfahren, wie weit die obigen Vermuthun­gen Grund haben mögen und ob, wenn in der oberen Welt das Tabaks­monopol noch immer keine Aussicht hat, etwa unterirdische Kräfte dazu ver­helfen sollen. #

Aus Bayern, 13. Mat. Daß Döllinger die Gerüchte über sen.e Bekehrung für unwahr erklärt, ist schon mttgetheilt. Jetzt veröffentlicht die Jtcttie" ein Sch-eiben L öllinger's an einen hohen englischen Geistlichen, woria es heißt:Es sind kaum drei Wochen her, daß ich einen Artikel ver­öffentlichte, m welchem ich kategorisch erkläre, daß Niemand, deffen Geist eine wissenschaftliche B ldung empfangen, jemals die Decrete des vaticantschen Con- cdg annehmen könne. Diese letzten neun Jahre über habe ich meine Zett dem neuerlichen Stadium all' der Fragen gewidmet, welche auf die Geschichte der Päpste und der Concile Bezug nehmen, und ich habe neuerdings das wette Gebwt der Kirchengeschichte sozusagen durchlaufen; dieses Stadium nun hat zum Ergcbniß gehabt, mir die unwiderleglichen Beweise für die Unwahrheit der vaticantschen Decrete zu liefern. Wenn man von mir verlangt, ich solle schwören, daß diese Lehrsätze wahr seien, so habe ich dieselbe Empfindung, als wenn Jemand von mir begehrte, zu schwören, daß zweimal zwei fünf und nicht vier ist."

Das Central'Hülsscomtt6 für die Nothletdenden im Speffart ver­öffentlichte dieser Tage seinen Rechenschaftsbericht. Die Gesammt Einnahmen bis 30. April betrugen die sehr respectable Summe von 171,492 Mk. Unter­stützt wurden 83 Gemeinden und zwar hauptsächlich außer durch die Natural- vnflegung mit Saalfrüchten, Gerste, Hafer und Kartoffeln. Eine Bestimmung des Comtes setzt fest, daß die Saatfrüchte an die Gemeinden, resp. die ein­zelnen Rothleidenden nur leihweise herausgegeben wurden, daß dieselben also nach der nächsten guten Erndte entweder in natura oder in Geld an das Central Hülfscomti^ zmückoergütet werden müssen. Von dieser Bestimmung, die nach dem Bericht lediglich im Interesse der nothleidenden Bevölkerung ge­troffen wurde, soll jedoch kein rigoroser Gebrauch gemacht werden.

Frankreich.

Paris, 14. Mai, Abends. Nach einer Meldung derAgence Havas" aus Konstantinopel verlautet daselbst, daß Rustem Pascha als Minister des Auswärtigen in Aussicht genommen sei.

Italien.

Rom, 14. Mai, Abends. Die ostrumelischen Delegirten Iankoloff und Gshoff überreichten dem Ministerpräsidenten de Pretts ein Memorandum worin den Besorgnissen der rumelischen Bulgaren anläßlich der Rückkehr der Türken Ausdruck gegeben wird. Die Delegirten reisen morgen nach Wien und Peters- bürg ab. Die Deputtrtenkammer berieth den Gesetzentwurf, betr. den Ab­schluß der obligatorischen Civilehe vor der kirchlichen Trauung.

Rußland.

Petersburg, 13. Mai. Ein allerhöchster Erlaß vom 6. Mai ordnet die Aufhebung der anläßlich der Pest zeitweilig errichteten General-Gouvernements von Astrachan, Ssaratow und Ssamara an. Die obligatorischen Hausknechts- Dujouren haben, wie wir in denNowosti" ausgesührt finden, ein stattliches Heer neuer Sicherheitsbeamten geschaffen. Es find ihrer etwa 24,000 Mann nach folgender Berechnung. Da Tag und Nächt über Wache gehalten werden soll, kann ein einziger Dwornik schon physisch unmöglich allein ausreichen ; es müssen also wenigstens zwei Dujour-Dworniks in jedem Hause dienen. Rech­net man nun, daß es 9000 zu bewachende Grundstücke und Plätze gibt und nimmt man an, daß nur bei einem Drittel derselben, in Rücksicht darauf, daß zwei Ausaänge auf verschiedenen Straßen dort vorhanden pnb, zu gleicher Zeit zwei Dworntks zu wachen haben, so ergibt sich als Facit die obenge­nannte Zahl für die Armee der Hausknechte. Allein die Zahl derer, die als Dwornik einzutreten wünschen, ist recht gering; die Hausbesitzer haben selbst in sonst besser gestellten Kreisen Dworniks anwerben müssen.

Petersburg, 15. Mat. Aus Irbit wird vom 13. d. gemeldet: Heute Ab.nd fand abermals eine große Feuersbrunst statt, welche vier dn ärmsten Stadtviertel zerstörte. - DerRegierungsbote" veröffentlicht in seiner heutigen Nummer die Proclamation des Kaisers Alexander an bte Bulgaren.

Aeutschland.

Gießen, 16 Mai. In Lei gestrigen Stadtverordneten-Versammlung wurde Herr Adolf Noll als Vertreter der Stadt Gießen bet dem morgen zusammentretenden Städtetag in Berlin bestimmt. Herr N o ll erhielt von der Versammlung den bestimmten Auftrag gegen die projectirten G etreid e- und Viebzölle zu stimmen.

Berlin, 13. Mai. In Meißen haben sich die dortigen Cigarrensabri- kanten an den Stadtrath mit einer Eingabe gewendet, worin sie unter dem Anfübren, daß mit Eintritt der Tabaksnachsteuer die Händler mit Tabaks- fabrlkaten bis zur Räumung ihrer Vorräthe neue Einkäufe nicht machen wer­den lind daher für die Fabrikanten eine Pauie von mindestens vier bis sechs Monaten eintreten müßte, diein Folge dieser Stockung brodlos werdenden Arbeiter der Fürsorge des Stadtrathes empfehlen."

Berlin, 13. Mai. Die natianalliberale Fraktion entsendet, wie schon gemeldet, t» die Tarifcommission die Abgg. Bamberger, v. Benda, v. Bennig- sen, Delbrück, Hammacher, Oechelhäuser, Rickert, v. Schauß. DiePost' weiß zu melden, es hätten in der nat'onalliberalen Fraktion aus Anlaß dieser Wahl zienilich lebhafte Kämpfe stattg fnr.den. DieNationaHib. Correip." schreibt d-gegen :Diese Nachricht ist ebne allen Grund. Die Liste der Ge­nannten ist von der für deraritge Vorschläge innerhalb der Fraktion bestehen­den Commission aufgestellt und von der Fraktion nach wenigen Bemerkungen durch Acclamation, und zwar einstimmig, angenommen worden."

Das Verhalten des Abg. Masle und seine Reichstags Reden vom 8. und 9. d. haben in der nationalliberaien Fraktion aÜgemeines^Mißfallen erregt und so wird er denn wohl aus ter Fraktion ausscheiden. Seine Rede vom 8 d. Hal er imBremer Courier" abdrucken lassen, bet diesem Abdrucke indesien die geistcollstes?) Stelle seiner Rede anSgelasien, nämlich die, wv er erklärte, man müsie nicht Handel treiben, um reich zu werden. Er sah oftenbar voraus, daß er mit dieser Ansicht in Bremen kein Glück machen lXIÜtt>C93erHn, 14. Mai. DerReichs-Anz." schreibt: Bekanntlich hatte der Abg. Liebknecht bet Berathung des Post- und Telegraphen - Eiats am 28. März Bezug genommen aus Aenßerungen, welche derJllinois.Staats- sgeitung" zufolge der amerikanische General-Postmiister Key und der Chef des auswärtigen Postdepartemems Blackfan ein.m engliichen Zeitungsbertchteistatler aeaenüber wegen Verletzungen des Briefgehe>mnifles in Teutschland gethan hätten Die Ausführungen Llebkn.cht's veranlaßtei, die Reichspostverwaltung, mit dem Postdepartement der Uniou-St men in Verbindung zu treten. Nach der setzt vorn Posteffice-Teparten ent dem deutschen Gencralpostamt zugegange­nen Rückänßerung hat zwischen dem genannten Postbeamten und dem englischen Zeitungsberichte'statter zwar eine Unterredung üb-r fraglichen Gegenstand »attgefunden; die Beamten thaten indesien keineswegs die von Liebknecht er­wähnten A-ußerunaen, sonb-rn erklärten im Gegenih.il, ihre Verwaltung habe keine Kenntniß davon, daß Briefe aus Amerika in Deutschland erbrochen und abstchtlich zurückbehalten würden. Das beit. Schreibe schließt: Weder der Generalpostweister noch ich (Blackfan) schenken den A nherungen über angeb- Uch auS politischen Gründen in Denlschland erfoUte Verletzung unh Zurück- baltunft von Briesen irgend welchen Glauben. Ebensowenig gab Eimr von uns in der Unterredung mit dem Ber.chterstalter rrgenbwle Entrüstung zu erkennen W-r bedauern Beide, daß tue Unterredung derartig entstellt wieder- aeaeben und dadurch einem Mitgliede M deutschen Reichstags Gelegenheit aeboten worden ist, einen unbegründeten Angriff geg.n d e b.uiscke Postver- waltung zu richten. Urbrigens Hai auch bereits die an erikanische Presie die gegen die Reichspostverwaltung erhobenen Anschuldigungen als unzutreffend erkannt^ volkswiithschastliche V reinigung beschloß, in der Plenar-

beratbung mit den Eisenzöllen zu be9innen unb die Zollsätze für Stabeisen nnb Roheisen zu bewilligen, wie solche d,e Vorlage der Reichsregierung ver­langt. Die übrigen Elsensorten ft d von der Vereinigung noch nicht berathen.

Köln. 14. Mai. Der Köln. Z'g." wird aus Berlin, 12. Mai, ge- fdnieben Man beschäftigt sich viel mit dem sog. Sperrg-setz. Dasi-lbe wird m Reichstage nicht ohne Anfechtung bleiben, aber, wie mm glaubt, wenn au<h mit einigen Abänderungen, wohl durchgehen. Dann wird es sich um die alitiiel handeln, auf die es vorläufig angewandt werden soll. Das vorlie- ,,nt, tat offenbar eine mehr formale Bedeutung und setzt eine wettere materielle Ergänzung voraus, die auch wohl schon m der Vorbereitung ist. Mein es sich nur um die Tabakssperre handelte, würde die Zustimmung des Reichstages keine große Schwierigkeiten barbieten. Sollte aber, wie bie Ab- ficbt baut vorhanben scheint, eine ganze Reihe von Aritk-ln in F,age kommen, » will man einen harten Kampf vorhersehen. Heute war ubiigens in Reichs- taaskretlen verbreitet, baß die TabakSstener selbst noch nicht im Hafen sei. T>r Reichskanzler oll auf ber unveränderten Annahme bet Vorlage bestehen unb sich in blefem Sinne gegen mehrere Personen ausgesprochen halbem Die kraltuna des Centrums den Finanzzöllen und Steuern gegenüber ist indesien ttn^er9 Pessimisten wollen sogar etwas mißtrauisch vermuthen, bas C-utrum