Einzelbild herunterladen

drängt es Mich, demselben die Gefühle der Dankbarkeit für die Treue und Hingebung auszusprechen, welche es zu allen Zeiten gegen Mich und Mein Haus an den Tag gelegt hat.

Eine für das Regiment denkwürdige Periode liegt innerhalb dieser Jahre, und neue Lorbeeren hat dasselbe zu den alten gefügt, so daß sein Name so­wohl in der Geschichte unserer hessischen, als auch der deutschen Truppen unvergänglich bestehen wird.

Ich gebe Mich gerne der Hoffnung hin, daß auch fernerhin das Regi­ment sich bestrebt, ein hervorragendes Beispiel von Tapferkeit, williger Auf­opferung in Erfüllung seiner Pflichten, Anhänglichkeit an Mich und Mein Haus an den Tag zu legen und damit seinem alten bewährten Rufe sich würdig zu zeigen.

Indem Ich allen Angehörigen des Regiments die Versicherung Meiner aufrichtigen kameradschaftlichen Zuneigung und Liebe hiermit ausspreche, be­grüße Ich Sie mit unserem alten, ehrwürdigen Feldgeschret:

Gott, Ehre, Vaterland.

(qez.) Ludwig.

An Mein Leibgarde-Regiment.

Ich verleihe nachstehenden Officieren, welche vor 25 Jahren mit Mir resp. Meinem Herrn Bruder in denselben Compagnien gestanden,

das Ritterkreuz 1. Klasse des Ludewigsordens: dem Oberstlteutenant a. D. Schenck,

Major z. D. Hamm;

das Ritterkreuz 2. Klasse desselben Ordens: dem Major z. D. und Bezirkscommandeur Römheld,

Kritzler im 4. Infanterieregiment (Prinz Carl) Nr. 118,

und Platz-Major Otto und

Hauptmann und Compagnie-Chef Hofmann im 3. Infanterieregiment (Letbregiment) Nr. 117;

den dermaligen Commandeuren der Leib- und 2. Compagnie

das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthtgen:

dem Hauptmann und Compagnie-Chef Nau und

Hauptmann und Compagnie-Chef Exner

im 1. Jnfanter- (Leibgarde-) Regiment Nr. 115;

den nachstehenden Unteroffizieren, welche schon vor 25 Jahren in dem Regi­ment gestanden,

die Silberne Verdienstmedaille des Ludewigsordens: dem Feldwebel Wetterhahn,

Vicefeldwebel Schott und

Rühl

im 1 Infanterie- (Leibgarde-) Regiment Nr. 115.

Darmstadt, 11. April 1879.

(gez.) Ludwig.

Berlin, 12. April. Rücksichtlich der gestrigen Washingtoner Nachricht, daß man den Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen den Parteien auf den Samoa-Inseln und hierdurch die Gefährdung der dortigen Ausländer befürchte, wird berichtet, daß die CoroetteAriadne" und das KanonenbootAlbatros" zur Zett sich noch in den samoanischen Gewäffern befinden und somit alle Fremden gegen Gewaltthätigkeiten gesichert sein werden.

' Berlin, 13. April. DerPost" zufolge würde bezüglich der Bethei- ltgung Deutschlands an den Ausstellungen zu Sidney und Melbourne, für welche sich lebhafte Theilnahme in allen Thetlen Deutschlands kundgebe, dem Bundesrath eine Vorlage zugehen.

Stuttgart, 15. April. Heute fand in der griechischen Kapelle des Schloffes anläßlich der Errettung des Czaren ein Tedeum statt, woran auf Einladung des Königs und der Königin, der Schwester des Czaren, der ge- sammte Hof theilgenommen hat.

Weimar, 14. April. Anläßlich der glücklichen Errettung des Kaisers von Rußland fand in der russischen Kirche unter der Theilnahme des Groß- Herzogs ein Tedeum statt.

Kesternich.

Wien, 12. April. DiePoltt. Corresp." meldet aus Tirnowa von gestern: Die russische Regierung beschloß, die bulgarischen Wähler auf den 27. April zur Wahl des Fürsten einzuberufen. Die Minorität der Notablen- Versammlung protestirte wegen der Staatsgesährlichkeit der vottrten Principten der Preßfreiheit und des Versammlungsrechtes, obgleich die betr. Gesetze eine genügende Repressionsgewähr bieten werden.

DieWiener Abendpost" schreibt: Es steht zu erwarten, daß mit der Ernennung Aleko Paschas zum Genetal-Gouverneur von Ostrumelten ein neuer Schritt zur Ausführung und Consolidirung des Berliner Vertrags ge- than sein wird.

Arankreich.

Paris, 12. April. Vtllemeffant, Dtrector desFigaro", ist gestorben. Waddington hat in dem heute Morgen stattgefundenen Ministerrath mit- gethetlt, daß sich der Zwischenfall in Bezug auf die Insel Matacong im Wege gütlicher Verständigung befinde. Die von französischer Seite aus der Insel gelandeten 8 ann seien zurückgezogen worden. Frankreich und England werden freundschaftlich ihre respectiven Rechte bezüglich Egyptens prüfen. Der Mintsterrath hat noch keine Entscheidung getroffen und nur beschloffen, mit England Hand in Hand zu gehen.

Paris, 14. April. DasJournal des Debats" spricht in einem Artikel seinen Abscheu gegen die Sectirer aus, welche die loyale russische Nation zu entehren versuchen und diesmal sogar den Kaiser selber angreifen. Es sagt: Dieser verbrecherische Versuch wird eine tiefgehende Erregung in ganz Rußland verursachen und diese Erregung wird auch in ganz Europa lebhaft empfunden werden. Alle Journale sprechen sich in ähnlichem Sinne aus.

Italien.

Rom, 12. April. Das JournalPopolo Romana" erklärt die Nach­richten für unbegründet, daß Italiens Weigerung das Aufgeben des Projekts der gemischten Occupatton Ostrumeliens verursacht habe und daß die Regie- rmg die Entsendung eines Staatsmannes in zeitweiliger Mission nach Egyp­ten beabsichtige. Im nächsten Konsistorium sollen auch die Erzbischöfe Hay-

nald von Kalocsa und Landgraf Fürstenberg von Olmüh zu Cardiuälen ernannt werden.

Rom, 14. April. Seitens des Königs und der Königin, sowie der Regierung sind Beglückwünschungs-Depeschen an den Kaiser von Rußland ab- gegangcn. In der russischen Botschafts-Capelle wurde ein Tedeum abge­halten. DerAvventre" glaubt nicht, daß die Pforte den die egyptische Thronfolge regelnden Ferman ohne Befragen der Mächte abändern könne, indem die Thronfolge des Khedive Gegenstand des internationalen Einver­nehmens sei.

Spanien.

Madrid, 13. April. WieJmparctal" meldet, wurden in der Kirche San Antonio zu Sevilla zwei große Petarden geworfen, wodurch mehrere Personen verwundet wurden. Der Zweck sei gewesen, kirchliche Schmucksachen von großem Werthe zu stehlen. Die Königin von Portugal ist an einer Entzündung beider Lungenflügel erkrankt. Die Aerzte hoffen die Kranke zu retten. Kronprinz Rudolf von Oesterreich wird am 1. Mai in Barcelona ankommen, dem König in Madrid einen Besuch abstatten und sodann mehrere spanische Häfen besuchen.

Nußland.

Moskau, 12. April. Die von den Pest-Gebieten zurückkehrenden dnttschm und österreichisch-ungarischen Delegirten sind heute hier wohlbehalten eingetroffen.

Griechenland.

Athen, 12. April. Eine Deputation von Epiroten unter Führung Spyromilto's begibt sich nach Rom, Paris und den anderen europäischen Hauptstädten, um den Schutz der Mächte anzurufen und den Bestrebungen der albanesischen Delegirten entgegenzuwtrken.

Türkei.

Konstantinopel, 13. April. Im gestrigen Ministerrath soll defi­nitiv die Theilnahme an einer gemischten Occupation abgelehnt und die Er­nennung Alkko Paschas zum Gouverneur von Rumelien genehmigt worden sein.

Der gestrige Ministerrath erörterte die egyptische Frage, ohne irgend eine Entscheidung zu treffen. Gerüchtweise verlautet, der Sultan habe die Convention mit Oesterreich sanctionirt. Mikhtar Pascha erhielt Anweisung, sich nach Monastir zu begeben.

Telegraphische Depeschen.

Wagrrer's telegr. Eorresporrbenz- Bureau.

Augsburg, 15. April. DieAllg. Ztg." bringt ein ofstciöses Com- munique, welches positiv mtttheilt, daß zwischen Bayern und Heffen seit län­gerer Zeit Verhandlungen schweben behufs Herstelluug einer in Bayern- Händen liegenden Eisenbahnverbindung zwischen Unterfranken und der Pfalz. Die in Betracht kommende Linie wäre von Aschaffenburg über Darmstadt und Worms nach Frankenthal zu führen.

Bremen, 15. April, Abends. Heute Nachmittag fand eine außeror­dentliche Versammlung des Kaufmanns-Convents statt, die von über 703 Mit­gliedern der Bremer Börse besucht war. Der Reichstags-Abgeordnete Mosle vertrat in längerer Ausführung die Einführung der Surtaxe d'Sntrepot. Nach dreistündiger Debatte wurde gegen eine unbedeutende Minorität der die Sur­taxe völlig ablehnende sreihändlertsche Standpunkt der Handelskammer von der Versammlung acceptirt.

Paris, 15. Anril. Das Amtsblatt meldet: Der Präsident der Re­publik sendete dem Kaiser von Rußland ein Telegramm, um seinen lebhaften, aufrichtigen Glückwunsch kundzugeben, daß der Kaiser dem schmählichen Mord­versuche glücklich entgangen sei. Der Botschafter in Petersburg erhielt von Waddington die Anweisung, persönlich im Namen des Präsidenten der Republik und der französischen Regierung die Versicherungen der wärmsten Theilnahme zu erneuern. Sogleich nach Empfang der Attentatsnachricht begab sich Wad­dington in Abwesenheit Grevy's zum Botschafter Orloff, um den Gefühlen der französischen Regierung Ausdruck zu geben. Heute findet ein feierliches Tedeum in der russischen Kirche statt.

Paris, 15. April, früh. DieRepublique francaise" drückt eben­falls ihre Entrüstung über das Attentat aus, welches ebenso ungerechtfertigt wie zwecklos sei.

Konstantinopel, 15. April. Der Sultan hat den Kaiser von Ruß­land telegraphisch zu seiner glücklichen Errettung beglückwünscht. Die Antt- Haffunisten verlangen von der Pforte die Ermächtigung, einen neuen Patriarchen wählen zu dürfen.

London, 15. April. Sämmtliche Journale drücken ihren Abscheu über das Attentat gegen den Kaiser von Rußland aus. DieTimes" schreibt: Die ganze Welt würde betrauert haben, wenn das Attentat Erfolg gehabt hätte.Daily News" meldet aus Afghanistan: General Browne ist mit zwei Brigaden bis Sifedsang unweit Gundamuck vorgerückt.

Wien, 15. April. DieWiener Abendpost" sagt: Mit ihrem Monarchen nehmen die Völker Oesterreichs innigen Antheil an dem Geschicke des russischen Kaiserhauses und aufrichtig ist ihre Freude darüber, daß die verabscheuungswürdige, die Civiltsation der Zeit schändende That glücklich ver­eitelt wurde.

Lokales.

Gieren. 16. Avril. Düringers Museum auf dem Oswald'schen Garten ist wohl das Jnterestanteste, für jeden wahrhaft Wißbegierigen, was hier gezeigt worden ist Wir stehen mitt rt drin in der Werkstätte der Natur und sehen in stiller Verwunderung ihre Werkzeuge und ihr Schaffen, ihr ewig wahres Wirken in uns selbst und wir sehen zugleich (in der Inquisition) die wahnsinnige Vernichtung dieses größten Wunderwerks der Schöpfung durch die irregeleitete Menschheit selbst, die sich heute über solche Greuel weit erhaben dünkt. Jeder Nichtfachmann wird des Ueberraschenden und Ungewußten sehr Vieles finden und, fern von fader Prüderie und falscher Verstellung, Vieles lernen, was ihm zum gesunden und glücklichen Leben nöthig und nützlich ist. Denn leiver ist es dem Laien so selten möglich, sich Kenntnisse über die wunderbare Einrichtung seines eignen Jchs zu verschaffen, zumal man auch, bis jetzt wenigstens, die zu bildende Jugend in kaum begreiflicher Aengstlichkeit von dem verschleierten Bilde fast gänzlich fern zu kalten sucht, und sie eher lehrt, wie es im Fegfeuer und am Nord­pol aussieht, als in ihrem eignen Körper.

In der Woche vom 6. bis 12. April hatten wir in Gießen im Ganzen 6 Todes­fälle Von 3 Erwachsenen starb je 1 an Herzfehler, Gehirnerweichung und Altersschwäche, ein 2* 2 Jahre altes Kind an Gehirnentzündung, 2 Kinder im ersten Lebensjahr an Krämpfen. G.