Nr. 268 Erstes Blatt. Sonntag den 16. November 187V.
Kichener Anzeiger
Assti-k- «st AmtstM fit de« Kreis Gieße«.
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Amtlicher Htzeil.
Gefundene Gegenstände: 1 Wagenkette, 1 Halstuch, 1 unechter Ring.
Die Gegenstände sind auf der Polizeiwache (Schloßgaste 258) aufbewahrt. Gießen, den 15. November 1879. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresenius.
Befestigung des europäischen Friedens, für das Vertrauen auf eine längere
schreiben. In anderen geworfenen Grundsatz:
In Frankreich
Mann ist verschwunden
und feine Freunde erklären ihn für verrückt, so klug sechs Millionen nicht zu bezahlen. Noch arrangiren
Unser Kaiser hat den jedesmül mehrere Tage dauernden Jagden bet Ludwigslust und bet Letzlingen beigewohnt und Alle, die ihn bet dieser Gele- genhert sahen, durch die wahrhaft bewundernswerthe Frische und Rüstigkeit seiner Erscheinung überrascht. Den Letzltnger Jagden wohnte auch der rufsijche Großfürst Wladimir bet. Unmittelbar nach der Rückkehr von den mecklen« burgischen Jagden, am 2. d. Mts., empfing er das neue Präsidium des Abgeordnetenhauses mit gewohnter Huld.
Prinz Wilhelm von Preußen ist von Pegli zurückgekehrt, um in Potsdam bet einem Garderegiment Dienst als Hauptmann zu thun.
Fürst Bismarck, der noch immer in Varzin weilt,, wird dort seit einiger Zett von einem nicht unbedenklichen Leiden heimgesucht.
Generalfeldmarschaü v. Manteuffel zeigt immer mehr, daß er der rechte Mann am rechten Platz ist. Selbst in Mülhaufen, einem der Hauptsitze des FranzojenthumS, gewann er bet einem Besuche durch lebhaftes Emgehen aus die vielfach noch der Pfiege bedürftigen Verhältnifie wette Kreise für sich, so daß er beim Abfchred für bas ihm bewiesene freundliche Entgegenkommen danken konnte. Um die in den Retchslanben garnifontrendrn Truppen ganz zu feiner Disposition zu haben, wurde er »euerdtngs zum commandirenden General des 15. Armee-Corps ernannt. Leider hat der Statthalter durch den Tod seiner Gattin einen unersetzlichen Verlust erlitten.
Die Berathung über die Uebernahme der Eisenbahnen auf die Staatsverwaltung, denn so sollten füglich die dem preußischen Landtage vorgelegten Gesetzentwürfe, betr. den Erwerb mehrerer Privateisen. Lahnen für den Staat, sowie betr. die Erweiterung der staatlichen Bahnen und die Betheiligung des Staates bet mehreren PrtvateisenbahmUnterneh- mungen, benannt sein, darf in ganz Deutschland des größten Interesses sicher sein. Die Sache selbst ist eine abgemachte, die Majorität für die Regterungs. projecte wird eine erdrückende sein, aber doch ist der Kampf der Gegner hoch- interessant. Die äußerste Linke, voran ihre Führer Virchow und Eugen Richter, stirbt wie die alte Garde, aber sie ergiebt sich nicht; ihre Reden sind nur ein Appell an das Land, ein Programm für die Zukunft, ein Protest, durch welchen sie jede Verantwortlichkeit ablehnt. Das Centrum hielt es für ge- rachen, zuerst einen Vertreter der dem Regierungs-Entwürfe opponirenden Minderheit in’ß Gefecht zu schicken, während die Nattonalliberalen sich in die Toga des Schweigens hüllen. Neue Gesichtspunkte treten überhaupt nicht her- vor, denn Gründe wie Gegengründe sind in den letzten Monaten so erschöpfend erörtert worden, daß der Debatte im Parlament nur eine Art Nachlese übrig bleibt. In Kürze haben wir mit der Thatsache zu rechnen, daß Preußen ein volles Staatsbahnsyst.m erreicht hat, voi lä toutl Und noch dazu, ohne daß der leidende Gewaltige von Varzin das Gewicht seiner Persönlichkeit in die Wagschale geworfen hat!
Die preußische Generalsynode hat ihre Berathungen am 3. bs. geschlossen. Ihr eigentlicher Charakter bestand in erbitterter Feindschaft gegen Alles, was an das „System Falk" erinnert, in engherziger Hervorhebung der Urteilsfähigkeit der Pastoren und in möglichster Beschränkung der Rechte der Gemeinden!
In den Verhandlungen zwischen Berlin und Rom ist offenbar ein Stillstand eingetrelen. Die Centrumspartei benutzt die Zwischenzeit , um den CultuSminister mit ihren Petitionen zu bestürmen. Nach der westfälischen und Trierer Geistlichkeit hat neuerdings auch die der Erz- diöcese Köln den Minister in einer Eingabe mit zahllosen Beschwerden und Wünschen behelligt, und der Führer der Centrumsfraktwn selbst hat sich nicht gescheut, die oft wiederholte Lüge von eine „Kirchenverfolgung", wie sie seit dem zweiten Jahrhundert nicht dagewesen, von der Tribüne des Abgeordnetenhauses herab von Neuem in das Land hineinzuschleudern und dadurch die katholische Bevölkerung gegen Regierung und Dynastie srevlerischer Weise auszuhetzen.
Die große Politik tritt abermals in eine neue Phase. Rußland ist sich seiner vollen Jsoltrung bewußt und damit derselben überdrüssig geworden- Der Großfürst Wladimir war als friedlicher Vorbote an den deutschen Kaiserhof gesandt worden und fand daS Terrain geebnet. Mit dem Besuche des Großfürsten-Thronfolger in Wien und Berlin wird der neue Anschluß Rußlands an die alten Bundesgenossen Oesterreich und Deutschland perfect. Allerdings ist damit nicht der Drei-ttaiser-Bund restituirt, denn Rußland ist von beiden Slliirten alS unzuverlässig erkannt, aber es wird unleugbar das Frie- densbedürsntß des Czarenreiches betont, und weil Rußland als der einzige und gefährlichste Ruhestörer Europas erachtet werden konnte, so ist für die
falls lieber gewesen.
Aus England und Amerika berichtet man von einer durchgreifenden Lerbefferung der wirthschaftlichen Verhältnifie. Die Krisis gilt. für beendet. Eine günstige Rückwirkung für Deutschland steht außer Zweifel und man will bereits Anzeichen derselben spüren. Möchte es der Fall sein!!
Friedensära viel, sehr viel gewonnen.
In Ungarn wirkt die Aufregung über die Corruption in den höchsten Beamtenkretsen fort. Die Duelle sind an der Tagesordnung, und dieses Resultat ersetzt das Gesetz. Die Ehre ist reparirt, aber nur in Bezug auf die Personen, nicht auf das Volksbewußtsein. Ein Minister hat das Gesetz übertreten, ein Szapary — was liegt daran? Wenn es ein Mann aus dem Volke wäre, — ja, Bauer das ist ganz was anderes. Wenn Ung-rrn an Achtung im Auslande verliert, so hat es selbst sich diesen Umstand zuzu- Staaten huldigt man noch dem in Pesth über Bord Die Gerechtigkeit ist das Fundament der Staaten, absorbirt der Krach - Philippart Aller Interesse. Der
es auch von ihm war, , , ....
große Geldmächte die Differenzen, aber noch größere Allianzen fahren fort, zu gründen und zu schwindeln. Das wird ein trauriges Ende nehmen und Deutschlands Börsen werden gut daran thun, sich zu salviren, denn ein allgemeiner französischer Krach wild auch aus dem veurscyen vgmxmiuttu ichwcrr Nachwehen zeit'.gen.
Gambetta und Grevy haben sich über die Situation ausgesprochen, und sie sollen einig sein. Da« ist viel werth, aber auch die Stunde dieser Größen des Tages kann schlagen, wenn die Radikalen, wie es allen Anschein hat, weitere Fortschritte machen.
Der Wunsch des Grasen Schuwalow, seine Entlastung betr., ist vom russischen Kaiser ersüllt worden. Seine Dienste bat der Wladin ir- O.den erster Klaffe belobnt, aber der Sieg über Gortschakoff wäre ihm jeden.
Deutschland.
m. Darmstadt, 14. November. In den letzten Tagen sind der zweiten Kammer der Stände zwei weitere Vorlagen der Großh. Regierung zugegangen. Eine Proposition Großh Ministeriums der Finanzen betrifft die Bewilligung der Kosten welche durch di- Wiederherstellung der Brandbeschädigungen im Grohher,-glichen Reffd-nzschlosse entstanden sind, sowie der Kosten, welche durch die gegen die Ausbreitung des Feuers bei einem in diesem Gebäude ausbrechcnden Brande zu treffenden baulichen Vorkehrungen eutstehen werden. Die weiter- Vorlage kommt von Großh. Staatsmmistcrium und betrifft di- Ausbesserung der Ruhegehalte der vor dem 1. Januar 1874 Pension,rtcn Staatsdiener.
Der zur Vorberathung des Gesetzentwurfes, die allgemeine Bauordnung betreffend, von der zweiten Kammer besonder? gewählte Ausschuß, dem zugleich die Vorberathung des neuerdings an die Stände gelangten Gesetzesentwurfes m Betreff des Baues und der Unterhaltung der Kunststraßen im Großherzogihum obliegt, wurde ür letzteren Gegenstand um zwei Mitglieder, die Abgeordneten Wadsack und List verstärkt. Zum Berichterstatter über das Weggese» ist der Abg. Heidenr-lch ernannt worden.
Heber die in der zweiten Kammer in namentlicher Abstimmung mit 31 gegen 17 Stimmen abgelehnte Vorlage der Regierung in Betreff der U-b-rtragung des Eigen- thums an dem hessischen Antbeil an der MaimWeser-Bahn aus den preußischen Staat wird Namens des Finanzausschusses der ersten Kammer dessen Vorsitzender, Sc. Erlaucht der Graf zu Solms-Laubach Bericht erstatten.
Berlin, 13. Novbr. In der heutigen Sitzung des Collegiums der «eltesten der Kaufmannschaft wurde rückstchtlich der A-ußerungen des «ini- sters der öffentlichen Arbeiten über die Börse eine motivirte Tagesordnung beschlossen.
München, 13. Novbr. Der Landtag berieth heute das Gesetz in Betreff der psälzischen Bahnen. Der Referent Thaison beantragte im Namen des Ausschusses bei dem früheren Beschluffe zu beharren und demnach die Wiedereinsetzung der Bahnstrecke Kaiserslautern - Lauterecken zu genehmigen. Schmidt erklärte sich für den Antrag und verlangte, um eine Wiederholung der B-rathung im Reichsrathe zu ermöglichen, die Modification der Bausumme von 4 440 000 fl auf 4,300,000 fl. Schels bekämpft die Linie als absolut unrentabel und unnöihig. Die Direction der pfälzischen Bahnen solle auch den Fahrplan beschränken. Louis vertheidiat die Rothwendigkert der Bahn. Die Anzahl der Züge entspreche dem Verkehre. Das Deficit der pfälzischen Bahnen rühre von der gaflon her. Minister v. Psretzschner besürwartcte ven Modifications-Antrag der pfälzischen Abgeordneten. Letzterer wurde hierauf mit großer Mehrheit angenommen.


