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Geliebten, einem Judenmädchen, welche bet dieser Gelegenheit in einem hysterischen Anfalle die Aussagen Mirsky's bestätigte und vervollständigte. Der junge Mensch behauptet, ein Opfer der Nihilisten zu sein, welche ihn auffor- derten, entweder ihre Befehle zu vollziehen oder selbst sich den Tod zu geben, widrigenfalls er von seinen Kameraden „htngerichtet" werden würde. „Soll ich hängen", sagte Mirsky, „so sollen a-uch diejenigen mit hängen, welche an meinem Schicksal schuld sind." Ja Folge Der Geständnisse Mirsky's sollen in Petersburg etwa 20 Personen festgenommen worden sein, unter ihnen mehrere Officiere.
Bosnien.
Aus Serajewo vom 11. August wird gemeldet: Der Brand im Tc^chlt'Han dauert trotz angestrengter unermüdeter Arbeit der Pioniere und Jäger fort. Gin Theil der wohlhabenden Bevölkerung siedelt wegen Mangels an Quartieren vorläufig nach Travntk über. Vergangene Nacht wüthete hier ein Sturm und es regnete schwach. Die beunruhigenden Gerüchte wegen der Haltung der Bevölkerung erweisen sich als grundlos.
Amerika.
New-Uork, 13. August. Die Convention der nationalen Baumwoll-Börse hielt heute hier eine Versammlung ab. Der verlesene Bericht des Ausschusses constatirt, daß die Baumwoll-Cultur in den letzten fünf Jahren viel größere Fortschritte gemacht habe, als jemals zu erwarten gewesen sei.
Telegraphische Depeschen.
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Wien, 14. August. Die amtliche „Wiener Zeitung" publictrt kaiserliche Handschreiben, d. d. München, 12. d., wonach Graf Taaffe zum Ministerpräsidenten, v. Stremayr zum Justtzmtnister, Horst zum Minister für Lan- desverthetdigung, Ziemalkowski zum Minister, Julius Graf Falkenhayn zum Ackerbauwimster, Frhr. Korb-Weidenheim zum Handelsminister und Dr. Aloys Prazak zum Mintster ernannt werden. Taaffe erhält gleichzeitig die Leitung des Ministeriums des Innern und Stremayr die Leitung des Cultusmüüste- r.ums. Secttonschef Emil Chertek ist mit der Leitung des Finanzministeriums beauftragt. Der Kaiser spricht Stremayr wärmsten Dank und Anerkennung aus. Den seitherigen Ministern Glaser, v. Chlumetzky und v. Pretis wird nut dem Ausdruck voller Anerkennung des Kaisers für ihre ausgezeichneten Dienste das Großkreuz des Leopoldordens taxfrei verliehen, dem Grafen Mannsfeld der Eiserne Kronenorden erster Klaffe.
Prag, 14. Bugust. Sämmtltche czechische Blätter betrachten den Cabt- netswechsel als ein Zeichen der erzielten Verständigung, welche den Eintritt der czechischen Abgeordneten in den Reichsrath verbürge.
Wien, 14. August. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantt. nopel von heute: Die Beziehungen des Sultans zu Khereddin Pascha nehmen wieder einen so vertraulichen Charakter an, daß der Wiedereintritt Khereddin Paschas in die Regierung nur als eine Frage der Zeit anzusehen ist. Es hcißt, Savas Pascha, ein geborener Grieche und entschiedener Gegner der Abtretung Janinas an Griechenland, sei zum ottomanischen Delegirten für die Verhandlungen mit Griechenland destgnirt. — Anläßlich Der sich häufenden Raubansälle und Einbrüche in Therapia und Bujukvere haben mehrere Botschafter die Pforte benachrichtigt, sie würden wegen der ungenügenden Polizei- maßnahmen gcnöthigt sein, Mannschaften ihrer Stationsschiffe zum Versehen der Polizetdienste aaszuschiffen. — Seit drei Tagen ist im Spitale von Stam- bul kein neuer Cholerafall vorgekommen.
Kairo, 14. August. Heute Vormittag hat auf der Citadelle die feierliche Verlesung des Investitur-Fermans für den Viceköntg Tewfik bei Anwesen- büt der Consuln, Ulemas, sowie der höchsten Civil- und Mllitärbeamren stattgefunden. Nach der Feierlichkeit empfing der Vicekönig die Consuln und höchsten Staatsbeamten. Abends wird die Stadt festlich erleuchtet.
London, 14. August. Unterhaus. Duff lenkt die Aufmerksamkeit auf die afghanische Politik und tadelt dieselbe. Im Laufe der Debatte ver- theidigt Unterstaatssecretär Stanhope den Vertrag mit Afghanistan, welchen England getreulich ansführe. Der Vertrag sichere den Zweck des Krieges: Em stark.-s.unabhängiges freundschaftliches Afghanistan, eine sichere Grenze und erhöhte militärische Macht Indiens. In Betreff des Vormarsches der Ruffen gegen Merw könne diesem England bei der neuen Grenze mit größerem Gleichmuthe zusehen und besitze überdies die Versicherungen Rußlands, nicht bis Merw vorzurücken. Hartington weist auf zukünftige Gefahren hin. Schatz- kanzler Northcole vertheidigt die Regierung und hebt hervor, die Opposition könne die Politik der Regierung nicht umstoßen. Die Kritik sei deßhalb nutzlos und überdies im Auslande England nachtheilig. Das Haus vertagte sich hierauf.
Belgrad, 14. August. Das Amtsblatt veröffentlicht die provisorische Handelsconvention zwischen Serbien und der Schweiz, wonach Die Schweiz ebenso wie England, Italien und Rußland das Recht der meistbegünstigten Nation erhält.
Paris, 14. August. Das bonaparttstische Journal „Ordre" erklärt, die bonaparttstische Partei müßte die compromttttrende Allianz mit den Legitimisten brechen und zu der demokratischen bonapartistischen Tradition zu- rückkehren.
London, 14. August, Abends. Unterhaus. Unterstaatssecretär Bourke erklärt auf Befragen Campbell's: Es sei zu hoffen, die Pforte werde etnsehen, daß die baldige Ernennung von Commissionen, betr. die Verfaffung Der europäischen Provinzen, ebenso im Jnterefie des Sultans wie im Jntereffe der Bevölkerung liege.
Lokales.
Gießen, 15. August. Für bas Amtsgericht Gießen flnb als Schöffen gestern erwählt worden:
a) aus der Stadt Gießen: Fabrikant August Ackermann, Kaufmann Ferdinand Bapst, Kaufmann S. A. Blumenfelv, Rentier Ludwig Bücking, Müblenbesitzer Ferdinand Burk, Kaufmann Ludwig Frohnhäuser, Fabrikant Georg Ferdinand Gail, Assessor in Pension Heinrich Karl Gebhard, Banquier Sigismund Heichelheim, Spezereihändler Ferd. Hoffmann, Fabrikant Hermann Hombergcr, Fabrikant Karl Klingspor, Kaufmann Friede. Koch, Rittmeister Victor Hugo von Rabenau, Bauunternehmer Anton Petri, Gutsbesitzer Karl Schiente, Essigfabrikant Eduard Silbereisen, Bankvorstand Georg Wvrtmann, Techniker Otto Bergen, Fabrikant Friedrick Dröscher, Kaufmann Heinrich Flick, Hauptst.-Assistrnt Karl Reinhard Frank, ^Buchhalter Heinrich Freitag, Mechanikuß Franz von Gehren, Bierbrauereibesitzer Georg Heß, Stadtverordneter Louis Kauf, Fabrikant Karl Friedrich Koch, Jnstttutsvorsteher Dr. Franz Kübel, Kaufmann Georg Wilhelm Liebrich, Kaufmann Hermann Mettenheimer, Kaufmann Levi Meyerfeld, Spezereihändler Adolf
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Michel, Georg Emil Möhl, Fabrikant Arnold Müller, Lederhändler Eonrad Ohler, Carl Querner, Buchhändler Otto Roth, Universitäts-Secretär Friedrich Schäffer, Fabrikant August Schlesinger, Universitättz-Rentamtmann Karl Schmitt, Berg-Assessor Alexander Schulz, Fabrikant Dr. Georg Throm, Ellenwaarenhändler Ludwig Treff, Controlcur Heinrich Wagner, Spezern- Händler Christian Wallenfels, Kaufmann Ferdinand August Wehn, Rentner Theodor Wortmann, Weinhändler Adolf Zinßer.
b) Aus dem Kreis Gießen: Heinrich Seuling I., Gemeinde-Einnehmer von Alten- Buseck; Joseph Güngerich von Großen-Buseck; Karl Engel und Johannes Belten VII., Gemeinde-Einnehmer von Großen-Linden; Jakob Kreiling IV. von Heuchelheim; Kaspar Jung IV. von Klein Linden; Anton Dern III., Gemeinde-Einnehmer von Lang-Göns; Georg BuderuS, Hüttenbesitzer, Franz Wilhelm Feller, Hüttenbeamter und Heinrich Schabeck III., Gastwirth von Lollar; Meyer Katz, Liqueurhändler von Steinbach; Eberhard Maidill., Gemeinde-Einnehmer von Watzenborn.
Gießen, 15. Aug. (Schwurgerichtsverhandlung vom 14. August.) Die heutige Sitzuna des Schwurgerichts, in welcher die Anklagesache gegen Heinrich PauluS II. von Deckenbach wegen Meineids verhandelt wurde , endigte in Folge des auf „Nichtschuldig" lautenden Wahrspruchs der Geschworenen mit Freisprechung des Angeklagten.
— Gestern Nachmittag wurde in der Lahn, in der Nähe der Lahnhütte, jedoch auf jenseitigem Ufer, eine weibliche Leiche geländet. Der Kopf, welcher außerhalb des Masters sich befand, war schon ganz verwest und nicht mehr zu erkennen. Dem Vermuthen nach soll es die Leiche einer geistesgestörten Frauensperson aus Heuchelheim sein, welche schon seit 3 Wochen von ihren Angehörigen vermißt wurde.
— Am Mittwoch den 13. August feierten still und bescheiden die Eheleute Rentier Christian Jughardt und Julie, geb. Feger, das Fest ihrer Goldenen Hochzeit. Möge dem Jubelpaare ein schöner Lebensabend beschieden fein.
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Vermischtes.
— Der „B^-C" schreibt: „Das Berliner Polizei-Präsidium wäre neulich beinahe einer ungeheueren Revolte, eine Sozialistenverschwörung auf die Spur gekommen, aber glücklicher Weise nur beinahe. Beim Berliner Telegraphen - Bureau ist vor kurzem eine Depesche eingelaufen, welche wörtlich lautete: „Kann fünftausend Dolche heute nicht absenden. Schwierigkeiten eingetreten. Absendung erst morgen möglich."--Was ist das? Fünftausend Dolche
sollten nut einem Male nach Berlin eingeführt werden, in die Stadt, welche unter der Herrschaft des kleinen Belagerungszustandes und bes Waffenverbotes steht? Die General - Tele- graphendirection verständigt das Polizei - Präsidium ob der gefährlichen Depesche und das Polizei-Präsidium recherchirt, es recherchirt mit aller Vorsicht und aller Umsicht, wie es sich in einem so gewichtigen Falle, der Wahrscheinlichkeit eines beabsichtigten großen Coups, einer im Dunkeln schleichenden Conspiration geziemt . . . Und endlich haben die Recherchen auch Erfolg, man entdeckt, um was es sich handelt, man kommt dem ganzen teuflischen Plan auf die Spur — ein hiesiges Geschäft batte fünftausend jener Haardolche, wie die Damen sie jetzt tragen, bei einer Hamburger Hartgummiwaarenfabrik bestellt und deren Absendung hatte sich wider Erwarten um einen Tag verzögert. Man hat trotz des kleinen Belagerungszustandes keine weiteren Schwierigkeiten gemacht."
— Der in der Berliner Polizei erwachte „Sittlichkeits"-Eifer wirkt ansteckend auch auf weitere Kreise, wie ein drastisches Beispiel aus dem bei Potsdam gelegenen Städtchen Werder lehrt. In diesem Orte erscheint seit Jahren ein Wochenblatt, der „Anzeiger", welcher als Titelvignette eine wenig künstlerisck ausgeführtc, aber ganz harmlose allegorische Darstellung bringt: eine idealistrte Personifikation der ZeitungSprcsie, welcher von drei kleinen Genien in adamitischem Zustande verschiedene technische Handreichungen gemacht werden. Gegen dieses Bild ließen sich, wie gesagt, von künstlerischem Standpunkte Einwendungen erheben, dagegen kann es in ästhetischer'oder gar sittlicher Beziehung durchaus keine Bedenken erregen , dasselbe hat denn auch lange Jahr- unbeanstandet die Stirnseite des Werder'schen Anzeigers geschmückt. Ein Beispiel indeß macht viele, und so ist nut dem Schluffe des vorigen Monats der Inhaber der Polizeigewalt von Werder in die Fußtapfen seiner großen Collegen, der Herren v Warnstedt und v. Madai, getreten: bei harter Ahndung mit Geldbuße oder Haft hat er die weitere Abbildung der Zeitungspreffe mit den naturwüchsigen Druckerjungen - Gestalten verboten. Re- dacteur und Verleger des Anzeigers haben sich aber in diesem Nuditätenkrieg noch nicht für überwunden erklärt, sondern folgende Erklärung veröffentlicht: „Die netten Bengel auf der Titelvignette des Anzeigers, die uns lange Jahre viel Freude bereitet haben, sollen, wie unsere geehrten Leser aus nachstehender Verfügung ersehen, sich nicht mehr vor die Augen der Umrr- thanen wagen, weil sie die öffentliche Ruhe. Sicherheit und Ordnung des Publikums oder einzelner Mitglieder desselben gefährden. Sollten die höheren Behörden diese Bengel gleichfalls als solche Bestien betrachten, so werden wir letztere selbstverständlich sofort durch den Xylo- graphen morden lasten. Bis zur Entscheidung aber bitten wir den Anzeiger ohne Titclvignette willkommen zu heißen." Die betreffende Verfügung hat folgenden Wortlaut: „Werder, den 31. Juli lr79. An der Spitze des von Ihnen herausgegebenen Anzeigers befindet sich eine Abbildung, welche uns als eine unpastenoe bezeichnet worben ist. Mir Bezug auf die Bestimmungen des A. L.-R. II. 17. 8 10 und nach Maßgabe des § 33 des Zuständigkeitsgesetzes vom 26. Juli 1x76 wird Ihnen hierdurch die fernere Abbildung untersagt. Im Falle der Nichtbeachtung dieser Anordnung wird auf Grund des § 33 des vorgenannten Gesetzes eine Geldstrafe von 50 X bezw. 5 Tagen Haft gegen Sie festgesetzt werben. Gegen diese Verfügung können Sie innerhalb 21 Tagen, vom Tage der Zustellung an gerechnet, die Beichwerdc oder Klage anbringen. (Cfr. § 30 bis 32 des qu. Gesetzes.) Die Beschwerde oder Klage ist bei uns anzubringen. Bei gleichzeitiger Anbringung beider Rechtsmittel wird nur ber Beschwerde Fortgang gegeben werden. Die Polizeiverwaltung. Breul. An den Buchdruckerei - Besitzer Herrn Jeretzke hier." Die „Köln. Zig." bemerkt hierzu sehr treffend: „Wir dennunciren der löblichen Polizeiverwaltung hiermit bas gesammte Reichsbank-Directorium, das auf jeder von ihm ausgegebenen Reichsbanknote über 100, 1000 rc. gleichfalls solche "^ten Bengel ab- druckt. Da prüde Damen unzweifelhaft außer Stande sein werden, solche Banknoten ohne Erröthen anzunehmen, so wäre eine sofortige Beschlagnahme aller Banknoten durch die Übliche Polizeiverwaltung in Werder unzweifelhaft im dringenden Jntereste von Moral und guter Sitte.
— Der neue deutsche Zolltarif in Versen. (Die Zollsätze verstehen sich für 100 Kilogramm — 2 Gentner.)
Ach, verzollt wird jede Waare, Ich zerrauf' mir alle Haare (100 X), O, wie blüht' einst unser Weizen (1 X, Durften uns wie Pfauen (zollfrei) spreizen; Doch das alte Schwein ist weg (3,50 X) Und wir haben schändlich Pech (zollfrei). Glück und Glas (2 X) bricht leicht auf Erven, Hammer kann zum Ambos werden (3 X), Gestern noch auf stolzen Rosten (10 X).
Heut' vom tück'scken Blei (zollfrei) durchschosten, Ach, die Feder <60 X muß sich strauben, Solchen Jammer zu beschreiben.
Wer noch gestern saß im Fette (3 X), Liegt heut' hungernd krumm im Bette (3 X), Wer noch gestern stand am Ruder (3 -^L), Nennt sich heute Hiobs-Bruder.
Essig (8 X) ward der Freudenwem (24 „M), Thränen fallen salzig (12,80 X) bTem.
Bismarck stieg uns scharf auf's Leder (24 X), Und nun heißt's: Ent oder wed-rl Stirb nun Vogel (zollfrei) oder fr,tz, Abgemacht — kein Kompromiß!
Ja, von Eisen (1 X) tfl der Mann, Faßt' ohn' Hanbschuh (100 J£) Alles an, Reckt wie Gummi (3 X die Natur, Programme sind ihm Maculatur (zollfrei). Soll ich alle Brücken (3 X sprengen, Mich zu seinen Feinden mengen?
Nein, Gewissen, red' kein Blech (3 X), Ich geh' nicht von Bismarck weg, Bin doch solch ein Esel (10 X nicht, Der sich selber steht im Licht (15 X. Kriecke nicht auf solchen Leim (3 X), Schicke die Principien heim;
Werde wieder Bismarck s Knappe, Seine Gunst ist nicht von Pappe (12 X-
— Der Erscheinungsschwindel in Dietrichswalde steht gegenwärtig wieder in vollster Blüthe. Der fromme „Pielgrzym" berichtet darüber: Am 2. August offenbarte sich hier, ge-


