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Nachts jedoch stand der ganze Thurm in Hellen Flammen und jetzt ist er nur noch eine wüste Ruine.

Irankreich.

Paris, 12. Juli. Unter den zu der Münchener Gemälde-Ausstellung zu sendenden Gemälden befinden fich auch werthvolle Bilder aus der Collec­tion des Unrerstaatssecretärs der schönen Künste, Turquet, der eine der hervor­ragendsten Gemäldesammlungen moderner Meister Hierselbst besitzt.

England.

London, 11. Juli. Die FachtEnchantreß" ist mit der Leiche des Prinzen Louis Napolen Nachmittags von Portsmouth in Woolwich einge­troffen. Nach einer am Bord der Facht abgehaltenen Meffe wurde der Sarg in feierlichem Zuge nach der Todtenkapelle gebracht, wo derselbe behufs der Jden- tificirung und der Einbalsamirung der Leiche geöffnet wurde. Der Prinz von Wales, die Herzoge von Cambridge, Connaught und Edinburgh, sowie der Kronprinz von Schweden trafen um 4 Uhr ein und begaben sich in die Kapelle, um der Jdentificirung der Leiche beizuwohnen. Um 6 Uhr wurde der Sarg auf die Lafette einer Kanone gestellt und setzte sich der Zug unter Eskorte eines Artillerie-Detachements nach Chislehurst in Bewegung.

London, 12. Juli. In der gestrigen Abendsitzung des Unterhauses beantragte Gray zu Northcote's Antrag einen Unterantrag, worin das Ver­fahren des Sprechers als unberechtigt bezeichnet wird. Nach einer zweistün­digen Debatte wurde das Amendement Gray's mit 292 gegen 24 Stimmen verworfen, Northcote's Antrag dagegen ohne Abstimmung unter anhaltendem Beifall angenommen.

Chislehurst, 12. Juli, Abends. Das Leichenbegängniß des Prinzen Napoleon hat heute in der hiesigen Kirche mit militärischen Ehren stattgefunden. Der Prinz von Wales, die Herzöge von Edinburgh, Connaught und Cam­bridge, der Prinz von Monaco, Prinz Jerome Napoleon und deffen Söhne waren an der Spitze der Leidtragenden erschienen. Die Königin, die Prin­zessin von Wales und Prinzeß Beatrice blieben während der Feier bei der Kaiserin Eugenie in Camden Place. Zahlreiche Persönlichkeiten der französi­schen Diplomatie, Armee, Marine und Verwaltung, sowie Deputationen aus Paris und andern Städten Frankreichs wohnten der Feier in der Kirche bei.

Italien.

Rom, 12. Juli. Bisher gelten als sichere Mitglieder des neuen Cabi- nets: Cairoli Präsidium und Aeußeres; Villa Inneres; Grimaldi Finanzen; Baccarini öffentliche Arbeiten; Perez Unterricht. Bezüglich der übrigen Porte­feuilles ist noch nichts entschieden.

Rußland.

Petersburg, 12. Juli. Ein kaiserl. Ukas vom 28. Juni (10. Juli) hebt die Ukase vom 12. und 28. April 1877 auf, wodurch die zum Odeffai- schen Militärbezirke gehörenden Districte, das Gouvernement Beffarabiens, die Küstenbezirke der Gouvernements Cherson und Taurien, sowie die Halbinsel Krim Angesichts des damaligen Krieges in den Belagerungszustand erklärt wurden. Auch im Kaukasus wird der Belagerungszustand aufgehoben. Die Ukase vom 9. August 1878 und 5. April 1879, betr. die Errichtung von zeit­weiligen General-Gouvernements bleiben in Kraft.

Rumänien.

Bukarest, 12. Juli. Die Kammer befaßte sich heute nicht mit der Lösung der Judenfrage. Es wurden nur einige Credite votirt. Der Senat hielt keine Sitzung. Der Ministerpräsident Bratiano ist bis zum Montag von hier abwesend.

Serbien.

Belgrad, 12. Juli. Der frühere Kriegsminister Sava Gruic ist zum diplomatischen Agenten und Generalconsul in Sofia ernannt worden.

Türkei.

Konstantinopel, 12. Juli. Der Sultan thetlte dem Fürst von Bulgarien bei deffen Besuche mit, daß sich in kürzester Frist ein besonderer Abgesandter nach Sofia begeben werde, um dem Fürsten den Investitur-Berat zu überbringen.

Amerika.

New-Aork, 12. Juli. Im Westen und Nordwesten der Unionsstaaten und in Canada richtete ein heftiger Sturm viel Schaden an der Erndte an. Die Telegraphen-Verbindungen sind vielfach unterbrochen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr. TOrrespondenr-vure«».

Ems, 13. Juli. Se. Majestät der Kaiser machte gestern Nachmittag eine Spazierfahrt und wohnte Abends der Theatervorstellung bei. Zum Diner sind heute Einladungen an verschiedene hervorragende Persönlichkeiten ergangen.

Berlin, 13. Juli. Der amerikanische Gesandte White ist auf einige Tage nach Frankfurt gereist.

_ Wien, 13. Juli. DiePresse" meldet: Die Unterhandlungen mit Serbien über die Eisenbahn.Anschlüffe sind bändigt; der Entwurf einer Eisen- bahn-Convention (Anschlüffe und Eisenbahn-Tarife umfassend) ist vereinbart, welcher noch der Ratification der betheiligten Regierungen bedarf.

Bukarest, 13. Juli. Das JournalRomanul" betont den Unwillen der ganzen civllisirten Welt über den Vorschlag der Kammer-Commission zur Lösung der Judenfrage; durch die Verblendung der Kammern drohe Rumänien das Doppelte verloren zu gehen von dem, was es 1877 gewonnen.Tele- graful" räch der Regierung, falls die Kammern an dem bez. Entwürfe fest­hielten, da auch dafür die Zweidrittel-Majorität nicht zu erlangen sei, die Kammern aufzulösen und das Land zu befragen. H

Operationen in Atchin sind wieder ausgenom­men worden. Mehrere Kämpfe haben stattgefunden, in welchen die Atchinesen schwere Verluste erlitten. Vier befestigte Plätze fielen in die Hände der Holländer.

Wien, 13. Juli. Die Reichsrathswahlen sind mit der gestern durch die Höchstbesteuerten Dalmatiens vollzogenen Wahl, aus welcher Borelli

(Nationaler) hervorging, nunmehr abgeschlossen. Jnsgesammt sind 173 Mit- glieder der liberalen Fraktionen und 175 Conservalioe und Nationale gewählt. Drei von den Gewählten lehnten das Mandat ab, zwei sind doppelt gewählt, daher 5 Neuwahlen nothwendig.

. Berlin, 13. Juli. DiePost" meldet: In der heutigen Sitzung des Bundesrathes ist ein Antrag wegen zweijähriger Etatsperioden einge­bracht worden. ö

Paris, 13. Juli. Die große alljährlich übliche Revue über die Pariser Garnison sand heute unter großer Betheiligung des Publikums im Bois de Do- logne statt. Die Truppen defilirten vor dem Präsidenten der Republlk und wurden von der Menge beifällig begrüßt.

DieAgence Havas" meldet aus Kairo: Der Khedive verstand sich zur Zulassung einer Controle der Finanzen. Bezüglich der internationalen Liqui« dations-Commission nehmen die Verhandlungen ihren Fortgang; man glaubt, dieselben werden zu einem Einverständniß führen. Im Verwaltungspersonal, der Provinzen werden Veränderungen vorgenommen. Die Ernennung von zwei Jnspectoren für Ober- und Nieder-Egyplen ist vollzogen. Der Khedive begibt sich Donnerstag nach Alexandrien.

Vermischtes.

. Q 9. Juli. Ueber die diesjährigen Herbstübungen der Gr. Division erfährt

dasTagbl." Nachstehendes: Die Regimentsübungen der Infanterie-Regimenter Nr. 115 116, 117 finden auf den betreffenden GarnisowExercierplätzen, die Regimentsübungen des Jn- anterie-Regiments Nr. 118 bet Ober-Hilbersheim zu Mitte resp. Ende August statt. Kieran ckließen sich die Brigade-Uebungen der 49. Infanterie-Brigade bei Darmstadt auf dem Gries­heimer Schießplätze in der Zeit vom 29. August bis 2. September und die der 50. Jnfanterie- vrigade bei Ober-Hilbersheim vom 1. bis 5. September an. Die Dragoner-Regimenter

Folgen der Petroleum Versteuerung.

Ueber die Wirkungen der Einführung eines Petroleum-Zolles, insbesondere ans den Berkehr, geht derDeutschen Handelszeitung" von einem großen Colonial- waaren-Händler folgende Mittheilung zu: Der Gedanke, das Petroleum zum Gegenstände eines Finanzzolles zu machen, ist ein sehr unpractischer. Wer sich nur einigermaßen um die Verzollungsart der Maaren und um die Einrichtung der Räume 5? i r Provinzial-Zollämtern gekümmert hat, muß wissen, daß die Verzollung des Petroleums die Errichtung von besonderen Petroleum-Lagerhäusern an allen Orten bedingt, wo sich em Zollamt erster Classe befindet. Mit Ausnahme der Seestädte und Berlins, welche solche Lagerhäuser besitzen, entbehren alle Städte dieser Räume und es roir-der Zoll-Verwaltung sein, aller Orten derartige Gebäude zu errichten. Es ergibt sich die Nothlvendigkeit davon schon aus der Feuergefährlichkeit des Petroleums, das in den bestehenden Packhöfen und Zoll-Abfertigungsstellen nicht gelagert werden darf, und aus der Gefahr für werthvolle Lager-Gegenstände, wie t ,2C durch Berührung mit Petroleum, ja schon durch den Petroleum­geruch beschädigt oder werthlos zu werden. Die Thatsache, daß schon jetzt in letzterer Beziehung mancherlei vorkommt, was seitens der Zollbehörde verhindert und seitens Kaufleute nicht geduldet werden sollte (daß z. B. an Stellen, wo eben ein leckendes

TI k- öelbgen hatte, unmittelbar darauf Kaffeesäcke gelagert werden rc.) beseitigt nicht die Nothlvendigkeit der Erbauung besonderer Lagerhäuser für Petroleum auf Kosten, des Staates. In den meisten Städten bestehen nun bestimmte, manchmal recht rigorose polizeiliche Vorschriften über die Anlage solcher Petroleum-Lager. Hundert r e r, oon allen bewohnten Gebäude n, also auch von dem Bahnhofe, dürfen ste allem errichtet werden und müssen genau nach Vorschrift eingerichtet sein. Bei einer derartigen Entfernung vom Bahnhofe ist es selbstverständlich unmöglich, daß das Petroleum-Lagerhaus von den Beamten des Zollamtes mit besorgt wird, sondern cs muß die Anstellung eines aparten Beamten-Personals für dasselbe erfolgen Abgesehen von der Vertheuerung der Kosten der Zollämter durch die Errichtung besonderer Lager­häuser und die Anstellung besonderer Beamten für das Petroleum stellt sich nun noch eine weitere Vertheuerung dadurch heraus, daß Polizei-Vorschriften die Zahl der Petroleum-Gebinde, welche Händler im Innern der Stadt, resp. in ihrem Verkaufs­räume lagern dürfen, auf ein Minimum beschränken. In manchen Städten beträgt die höchste zulässige Zahl der Barrels zwei, so daß der Händler, welcher täglich zehn Faß Petroleum verkauft, sich täglich in fünf Raten, ä zwei Faß das Petroleum be­schaffen muß. Soll das aus einem von den bewohnten Bahnhofsräumen um WO Meter entfernten Lagerhause geschehen, so wird das in größeren Städten oft einen Eommis und ein Gespann fast den ganzen Tag in Anspruch nehmen um die zehn Fässer im Werthe von 270 bis 360 <M. zusammen in sein Verkaufs-Local schaffen zu lassen. Der Händler wird diese Kosten neben der Steuer selbst auf den Preis des Petroleums auf­schlagen müssen, um bestehen zu können, und die Rechnung ist nicht zu hoch gegriffen welche die Vertheuerung des Petroleums durch einen Zoll von 6 JL per metr. Ctr. auf W pro Kilogramm veranschlagt. Bei einer solchen Preiserhöhung würde aber das Petroleum, je nach der Entfernung des Consumtions-Ortes von den Jrnport- Seestadten, um 5070pCt. verteuert werden. Daß der Handwerker- und Bauernstand bei ihrem starken Petroleum-Consum durch diese Vertheuerung besonders stark betroff-n wird, liegt auf der Hand.

Lokales.

Gießen, 14. Juli. Der akademische Gesangverein feiert am Schluffe der nächsten Woche sein 60jähriges Stiftungsfest. Zu diesem Zwecke werden zwei Eoncerte ver­anstaltet und zwar wird am 25. Juli in der Stadtkirche bas Oratorium Paulus von Men- delssohn aufgeführt, während am 26. Juli in Wenzel's Garten ein Künstlerconccrt stattfinden wird, ausgeführt von den anwesenden Solisten, verbunden mit einigen vorzüglich besetzten Streichquartetten., Das Kirchenconcert wird diesmal schon um 4 Uhr feinen Anfang nehmen damit den auswärtigen Besuchern hinlänglich Zeit geboten ist, an demselben Abend wieder in ihre Heimath zurückzukehren. Das zweite Concert in Wenzel's Garten wird von 5 bis 7 Uhr abgehalten und folgt darauf ein Banket, woran alle mitwirkenden Sänger und Sängerinnen mit ihren nächsten Angehörigen Theil nehmen können. Schon etrculirt eine Liste zur Einzeich- nung für feste Plätze zu beiden Concerten, zunächst bei den Angehörigen der Mitglieder des Akademischen Gesangvereins, sowie der Mitwirkenben zweier anderer Vereine, wie auch bei den Mitgliedern des Concertvereins. Bei dem voraussichtlich starken Andrange zu den beiden Con- ccrten ist es zweckmäßig, sich rechtzeitig für Karten zu Sperrsitzen zu sorgen. Es ist Sorge getragen, daß für auswärtige Besucher, welche sich frühzeitig melden, so weit wie möglich Plätze reservirt werden. Der Preis der Karten für beide Concerte zusammen beträgt 5 Mark. Für das Kirchenconcert Zl/z Mark, für das Künstlerconcert 3 Mark. Nähere Bestimmungen über die Plätze auf den Emporbühnen werden demnächst bekannt gemacht werden.

Verschiedene tanzende Jünglinge, welche gelegentlich eines Ständchens in der Sams­tagsnacht in der Schulstraßc ihre Kunst beim Schwingen des Tanzbeins bewiesen, wurden durch die Dazwischenkunft der Schutzmannschaft hieran verhindert. Es wird wohl nachträglich einen Tanzzettel kosten. n

.Der Abwechslung halber wurde verfloffene Nacht vor dem Wallt hör grober Unfug verübt. Schwere Mauerbecksteine wurden abgerissen u. dergl. mehr.

Ein aus der Wirthschaft zum Lenz'schcn Felsenkeller ausgewicsener junger Mann feuerte heute Nacht vor derselben drei Schüffe aus einem Revolver ab. Gegen wen oder wo­hin dieselben gerichtet waren, konnte nicht fcstgestellt werden.

In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde der Aushängekasten des Photo­graphen 25 o b e in den Neuenbäucn von zwei Schlingeln ausgehängt und nach der Wieseck transportirt. Sie wurden an der Absicht, denselben in die Wieseck zu werfen, von zwei Ar­beitern verhindert, warfen den Kasten zur Erde und riffen aus. Der nunmehr mit zerbrochener Scheibe versehene Kasten wurde von den Arbeitern nach der Polize-wache gebracht Das Dienstmädchen, welches vergeffen hatte denselben abzuhänzen, mag sich für den zu ersetzenden Schaden bei den oben Bezeichneten bedanken.

Der Vorstand des landwirthschastlichen Local-Vereins zu Gießen benachrichtigt die Mitglieder desselben, daß Herr Dr. Throm Hierselbst ein Lager künstlicher Dünger, Filiale von Müller L Packard in Wetzlar, eingerichtet hat. Es kann jede beliebige, auch kleinere Quantität von Herrn Dr. Throm zu Fabrikpreisen bezogen werden. Insbesondere wird auf die verschiedenen Superphosphate zur Düngung für Raps und Winterkorn aufmerksam gemacht.