Der Brand von Serajewo.
Vermischtes.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'» telegr. «-rresp-udeur-Burea».
Leider stellt sich heraus, daß die ersten Berichte über das Brandunglück nicht übertrieben gewesen sind. Der Gesammtschaden wird aus 100 Millionen geschätzt und wenn man diese Summe auch als ganz bedeutend überschätzt betrachten wollte, so bleibt immer noch genug übrig, um den Brand von Serajewo als den furchtbarsten zu bezeichnen, der seit Langem in unserer an Riesenbränden so reichen Zeit oorgekommen ist. Erfreulicher Weise hat sich nach übereinstimmenden Meldungen herausgestellt, daß keine Brandlegung stattgefunden hat, daß vielmehr das Feuer durch unvorsichtiges Umgehen mit Spiritus im Hause des Handelsmannes Schwarz entstanden ist- Am 9- ds. war das Feuer so wett gelöscht, daß die Gefahr der Weiterverbreitung als gehoben angesehen werden konnte. Dagegen ist das Elend unter der obdachlos gewordenen Bevölkerung sehr groß und nur durch Hergabe von Nahrungsmitteln, die in den Militärproviantämtern aufgespeichert waren, konnte der ersten Roth gesteuert werden. Dem Verhalten der österreichischen Soldaten und ihres Befehlshabers, des Herzogs von Württemberg, wird großes Lob gespendet. Husni Pascha, der türkische Grenz- Commissar, war während des Brandes zugegen und mußte aus seinem Hause fluchten, welches ein Raub der Flammen wurde Eine kurze Schilderung der Verhältnisse der bosnischen Hauptstadt, die wir der „N- Fr. Pr." entnehmen, genügt, um dre Große der Catastrophe ermessen zu lassen. Serajewo liegt am Ostausgange der Ebene L>era- jewsko-Polje zu beiden Seiten der Miljacka. Die Stadt, deren größerer Complex auf dem rechten Flußufer gelegen ist, hat einen Flächenraum von mehr als einer halben Quadratmeile. Die Hauptstraßen laufen parallel mit der Miljacka und werden durch eine Unzahl gegen die Höhen zu stets enger und unregelmäßiger werdender Querstraßen verbunden. Während die eigentliche innere Stadt, die sich zunächst an den Fluß anlehnt, aus compacten Häusermassen besteht, löst sich der an den Berglehnen gelegene Stadttheil in zahlreiche, durch Gärten getrennte Gruppen auf. Die Hauser sind großten- theils aus Holz erbaut; der größere, schönere und wohlhabendere Stadttheil, welcher . eben ein Raub der Flammen wurde, liegt am rechten Ufer der Miljacka. Er umfaßt Goldsmtd regt eine Besprechung das serbische, katholische, jüdische und das Handelsviertel. Das serbische Viertel ' ■ -• * Latinluk ist von der schönsten Straße der Stadt, der Franz-Josephs-Straße, durchzogen.
Dieselbe ist meist von europäischen Kaufleuten bewohnt, für die sie auch dre Haupt- , Verkehrsader bildet. An dieselbe schließt sich östlich das Handelsviertel mtt der Kauf- Das Hauptprinctp der Regierung fjafie (Bezestan), das Gebäude des Dellar (Trödlermarkt) und die sogenannte Carsm,
Die Einleitungen zum Ankauf der erforderlichen Ländereien sind getroffen und ] die Arbeiten sollen schon einem Unternehmer zur Ausführung übertragen sein.
KranLreich.
Baris, io. August. Die Münzprägung, die bisher verpachtet war, wird vom 1. Januar ab vom Staate selbst besorgt werden. Die Münze in Bordeaux hört ganz auf und die hiesige wird Staatsanstalt. Zum Ankauf der Prägmaschinen rc. haben die Kammern 900,000 Frcs. bewilligt.
__ Das Zuchtpolizetgertcht von Nizza verurthetlte wegen Bestechung von Wählern den Herzog von Rivoli zu 3000 Frcs. Geldstrafe, und seine Agenten Auguier, Alziari und Dalmas, den ersteren zu 1 Monat, die beiden anderen zu 14 Tagen Gefängniß. __
bekanntlich verbinde. •
Gastein, 12. August. Kaiser Wilhelm ist heute Nachmittag 2 Uhr abgererst. Vor und auf der Treppe des Badeschloffes bildeten zahlreiche Kurgäste Spalter. Die deutschen Kurgäste trugen Kornblumen. Als der Kaiser auf der Treppe erschien, spielte die Kurkapelle: „Heil Dir im Siegerkranz." Die Kurgäste brachten enthusiastische Hochs auf den Kaiser aus, welcher sich grüßend nach allen Seiten verneigte und von vielen Damen Kornblumenbou- quets entgegennahm. Der Kaiser sprach dem Bürgermeister Gruber seine Befriedigung über den ihm in Gastein bereiteten Aufenthalt aus. Es sei ihm hier auch die besondere Freude zu Theil geworden, mtt dem Kaiser von Oester, reich, seinen lieben Neffen, zukammentreffen. Schließlich bemerkte der Kaiser, daß ihm die Kur außerordentlich gut bekommen sei, verabschiedete sich in huldvollster Weise und bestieg hierauf unter fortdauernden Hochrufen den vier- spännigen Wagen. Der Kaiser spendete 500 Gulden für das Armenspital von Gastein.
Wien, 12. August, Abends. Die amtliche „Wiener Zeitung" vom Mittwoch veröffentlicht kaiserliche Handschreiben an den Vorsitzenden des Ministerraths, v. Stremayr, und den Minister des Innern, Graf Taaffe, datirt München, 10. August, mittelst welcher der Kaiser die unterm 11. Juli erbetene Amtsentlaffung des ctsleithanischen Gesammtministeriums annimmt und den Grafen Taaffe mit der Bildung des neuen Ministeriums beauftragt, deffen Anträgen ehestens entgegensetzend.
— Die „Polit. Corr." meldet aus Konstantinopel: Der Sultan hat dem österreichischen Botschafter sein Bedauern und seine Theilnahme angesichts d-s Unglücksfalles in Serajewo ausgedrückt und die Ueberzeugung ausgesprochen, d>e österreichisch-ungarische Regierung werde Alles thun, um die Folgen des Unglücksfalles zu lindern.
Darmstadt, 11. August. Die Großh. Regierung beabsichtigt definitive Anstellung von je einem Landwirthschaftslehrer für jede der drei Provinzen des GroßherzogthumS. Als Gehalte sind - wohl etwas gering gegriffen - 2400 AL in Aussicht «enommen. Di- hiesige Lehrerinnenbtldungsanstalt wird in diesem Semester von 56 Damen, einschließlich der Hospitanten, besucht, wovon 30 der ersten und 26 der zweiten Seminarclaffe angehoren.
' _ Am Samstag Abend gegen 9 Uhr brach nach einer stattgehabten Erplosion, bei welcher ein Arbeiter verletzt wurde, in der Merk'schen Fabrik und zwar in der AbthcUung, wo Tanin hergestellt wird, Feuer aus. Doffelbe zerstörte die fraglichen Jnnenraume sowie den Dachstuhl, nahm jedoch, Dank der Thätigkeit unserer wackeren Turnerfeuerwehr, der Bauart des Etabliffements und einem wolkenbruchartigen Regen kerne bedeutenderen Dimensionen an. Leider wurden zwei Feuerwehrleute verletzt. Als Currosum wollen wir mrtthetlen, daß im Jahre 1867 und zwar in denselben Räumen, gleichfalls an einem Samstag Abcnv ein Brand ausbrach, der einen ähnlichen Verlauf nahm unv bei dem auch ein Feuerwehrmann zu
Schaden kam.
Offenbach, 11. August Wie vor Kurzem die Zeitungen meldeten, wurve am 6. Juli l. I. Abends in Straßfurt auf offener Straße ein Mord verübt und ging Töer Tb ater, welcher seither steckbrieflich verfolgt worden ist, flüchtig. Heute gelang es nun der hiesigen Polizei, den Mörder, der sich nach Offenbach gefluchtet hatte. zu ermttteln und zu verhaften. Der. selbe wird an den Untersuchungsrichter in Straßfurt ausgeliefert. (Off. Z fl )
Marbura 6. August. In der Nacht vom 4. zum 5. August d. I. ist nach dem ,,H. W.^ der ganze Bestand der Gerichtskaffe zu Amöneburg mittelst Einbruchs gestohlen toOrbenmü6I6aufen 10. Aug. Eine schreckliche Katastrophe hat sich diesen Nachmittag in . . / uf biesiaem Meßplatz eröffneten Bude des beliebten Taschenspielers
Aaollon »uattraam Es war gegen Ende einer um 4 Uhr Nachmittags beginnenden Vorstellung, Ävlöklich'de/lekte der ^mpkitheatralisch sich erbebenden Plätze auf dem sich Hunderte von WpÄ! in dtchtaedränaten Mafien nebeneinander befanden, zusammenbrach und AlleS Kopf ? L MnabfKirste. Ein- schreckliche Verwirrung folgte diesem Hugen;
LV aber alSbald schaffte sich aus dn Tiefe emp7r, was noch heile Glieder hatte wobei natürlich die in Unterst Liegenden noch manchen Stoß bekamen. Endlich kam auch die Reibe an^ die lekteren an Diejenigen, die verwundet waren und denen Hülfe geleistet werden mußte: ibte w fe6t ni<6 nicht qcnau b.k-nnt, b°ch w-iß man, daß ,chn--r-a «rtounbti nur etataao SBtrfonen finb, n-Shr-nb gottlob fern Tobessall äu °--,-ichn-n ift.
m , rliN Der Steuer-Jnspector H. bierselbst fuhr vor etwa drei Wochen nach Holland, um seine ftrau die sich bei den Eltern aufhielt, abzuholen. Am vergangenen Freitag bei der Mckretse saß er mit sttner Frau allein im Gou^, als auf einer kleinenHolland., ch-nl Stat on ein blonder anständig gekleideter Mann in den Wagen sprang, die Tbur hastig binter sich schloß und sich selbst auf die Erde setzte. Ehe H. und seine erschreckte Frau noch dazu kamen den änderbaren Pafiagier näher zu betrachten, ging der Zug ab und cs, war dem Ehepaar vorbe- Kalten eine schreckliche Viertelstunde zu verleben. Der neu hinzugekommene Pafiagier rutuhte alsbald auf ben En zu Frau H. heran, machte ibr in aller Form mit kreischender Stimme eine Liebeserklärung und wurde schließlich so zudringlich daß H. "Adem^qen-
bom «udrinalicken eine kräftige Obrfeige und machte sich auf einen Kampf mit dem äugen
Derselbe zog sich abe7 schüchtern in eine Ecke zuruck und weinte.
Berlin, 12. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt die Notiz verschiedener Blätter, die Admiralität habe seiner Zeit über die Leistungsfähigkeit Leurner's bet der Londoner Botschaft sehr eingehende Erkundigungen etn- gezogen, sei unrichtig. Die Vermittelung der Botschaft sei weder in die er Richtung, noch überhaupt bet dem Abschluffe des Contractes zwischen der Ad- miralität und Leutner tn Anspruch genommen, sondern alle Verhandlungen dtrecl zwischen den beiden Contrahenten geführt worden.
London, 12. August. Unterhaus.
der egyplischen Angelegenheit an, bezüglich welcher er die Einmischung zu Gunsten der Gläubiger mißbilligt. Schatzkanzler Northcote vertheidigt Nubar Nailba Wilson Blianieres und Vivian. Das Hauptpr.nc.p --- —eg.erun^ VMUi ------~ P sti ■.
i Im Interesse der Gläubtaer zu interveniren. Die Regierung d. l). ber Markt. In der Kaufhalle - einem mtt Kreuzgangen versehenen, aus Bruch-
sei keineswegs, tm Interesse oer ^^auoiger zu ftei;cn erbauten Hause - sind größtentheils Schnittwaarenhandler etablirt- Die
wurde lediglich zufällig und durch den Zwischenfall der Einmischung überhaupt ^röb[erI Ue ein Aeichfalls aus Stein erbautes Riesengebäude, enthält Verkaufsbuden
aenöthiat, gegen die Maßregeln des Khedtve zu interveniren, welche geeignet oon 6änbIern a(Ier Art. Die Carsia mit ihren zahllos aneinandergereihten Waaren-
”rtTpn kte Gläubiaer zu benachtheiltgen. Der Grund der Intervention der und Verkaufsgewölben und Werkstätten gruppirt sich um die beiden genannten Gebäude,
britischen Regierunj, war nur, di- Mißverwaltung uni> Anarchie E-ypt-ns zu Sie W
verhindern. Alle Informationen hatten erwiesen, daß bie 93eflre6uiigen von ,Y ^.^0 Carsia bildet den Stapelplatz nahezu für alle in den Verkehr
Nubar's Cabinet weit beffere Zustände für das egyptische Volk geschaffen haben fommenben Handelsartikel und hat große Depots für Manufactur- und Colonial-
würden. England und Frankreich hätten zwar zugegeben, daß der Khedive waaren, für Getreide, Mehl und dergleichen. Ein Brand in diesem Sladttheile is mtt
berechtigt war, seine eigenen Minister zu en,lasten allein alle^ Umstände erwv- Rücksicht^au^den Bau^Haus^r^nb Hutt-^u^b^
stE?' ermangelte die Art hi» ifdhp rät™e8?a„^।'na"di ten«Ärten ««Mltnlffen nijt gebacblc“'^n.®evaie»o ift leit
lichkeit. Northcote weist die Beschuldigung zuruck, daß England die türkische seinem Bestände vier Mal und zwar im Jahre 1480,1644, 16o6 unb 1687 burch Feuers.
Herrschaft über Egypten wieder in's Leben gerufen habe. England habe die brünste eingeäschert worben._________
Frage niemals amtlich der Pforte unterbreitet; allein der Sultan besaß das ■=—------------ .
volle Recht der Absetzung eines Vasallen, der die Besitzung dem Ruine zufuhrte. L o k a l e s.
Der neue Ferman laffe die Erbfolge unberührt, unterlaße aber die Contra- Gießen, 13. Aug. (Schwurgerichtsveryandlung vom 12 August.) Kari Bischoff
~Cr ncuc .0 ; ; Sil Ulkö« aUmo hpr Rsorte — Die irische von Bönstadt, wohnhaft in Friedberg, wurde wegen schweren Diebstahls in eine Zuchthausstrafe
hirung auswärtiger Anleihen ohne Genehmigung der Psorre. iriilp 1 sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren
Universttätsbill wird In dritter Lesung ohne Abstimmung angenommen.. Xrtbiut ' °
Berlin, 12. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." reproducirt einen Die Zahl der Todesfälle in der Woche vom 3. bis 9. August war in un,ercr Stadt
Artikel der Times" vom 2. ds.. welcher das Petersburger Blatt „Neue Zeit" I eine ganz ungewöhnlich hohe, doch wurde dies nicht etwa durch eine epidemisch auftrctende veranlaßte, russische Publikum gegen Deutschland und den Fürsten Äs-
marck aufzuhetzen und bemerkt gegenüber einem Paffus, worin es heißt, daß cing nUT 2 Stunden alt, an einem Bildungsfeblcr). Von Kindern, die das erste Lebens- beim Hervortrelen eines bestimmten Gegensatzes zwischen Rußland und den w b.reitg überschritten haben, starben 4 (Gehirnentzündung, Diphtheritis, Bronchicnentzundung,
Westmäckten Deutschland unter dem Einfluß Btsmarck's schließlich immer zu Brustfellentzündung je eins). Von eItoa^^^cttcn ^anen 0, 4 °n ßungt^
GuTu des Westens entschie-en habe; es bleibe nur die Annahme übrig, daß f^inbMt, 2 an M-rsschwäche, «n Sunynentiunbung, flenboettfieber, Schtagfluß unb Ml der Verfasser des „Times"-Artikels entweder keine Ahnung von den Congreß- I le etne------------------------------------------------------
Verhandlungen habe oder als Engländer es den Jntereffen Englands ent
sprechend finde, die Verstimmung der Panslavisten gegen Deutschland zu schüren I Darmstadt, 12. August. Die Nubier sind heute abgeretst, sehr befriedigt von der und zwischen beiden Ländern zu Hetzen. Wenn russische Blätter Lügen der- freundlichen Aufnahme, die sie in Darmstadt gefunden. Darmstadt gut, Gießen gut,Mamz
zu verdecken, daß sie die schuld auf Fremde schieben. Das englische Blatt _ bem Griesheimer Schießplatz hat sich heute Vormittag bei dem Uebungsschießen habe diese Entschuldigung nicht. Die Streitfragen zwffchen Rußland und den brandenburgischen Festungsartillerie ein großes Unglück ereignet. Eine Granate crepirte beim Westmächten auf dem Congreffe betrafen Datum, die Dobrudscha, die Kriegs- Einsetzen in das Geschütz, riß einem Soldaten der Bedi-nungsmannschaft.den Kopf, emem an-
kosten, Sofia und überhaupt die bulgarische Grenze. In allen diesen Punkten deren die Hand weg. Ein Lieutenant wurde durch ein Sprengstuck an der Brust sihwer verletzt,
neigte Deutschland die Schale zu Gunsten Rußlands. Ueberhaupt stellte Ruß- -- — • ■ ----
lanb auf dem Congreffe keinen Antrag, welchen Deutschland nicht unterstützte. Russischer als Rußland zu sein, war nicht die Aufgabe der deutschen Politik. Was Rußland nicht den Muth hatte zu fordern, darauf mußte es natürlich verzichten; die obigen Forderungen hat ihm nur Deutschland durchgesetzt.
Daß die deutsche Regierung hierbei auf Dankbarkeit und Anerkennung russischer- seits gerechnet, sei kaum anzunehmen. Wäre dies der Fall, so habe in diesem Punkte allerdings die deutsche Politik geirrt; dieselbe sei aber wohl überhaupt nicht nach Berechnung der Zukunft, sondern nach den Intentionen des Kaisers nach Maßgabe der Freundschaft geführt, welche die Monarchen beider Länder
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