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Atr. 187. Donnerstag den 14. August 1879.

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Ich würde mein Amt sofort

mit meinen Ansichten einver-

ntederlegen, wenn die Regierung nicht mehr standen wäre.

München, 11. August. Der Antrag der Gemeindebevollmächttgten auf Abschaffung des obligatorischen Besuchs der Simultanschulen ist von dem Magistrat heute mit 13 gegen 8 Stimmen abgelehnt worden.

Metz, 10. August. Zur Herstellung eines Abschluffes zwischen dem Fort Kameke bet Wsippy und dem Fort Manteuffel (St. Julien) soll noch tn diesem Jahre ein neues Fort bet St. Eloy in Angriff genommen werden.

Die Kaiser-Zusammenkunft in Gastein.

So sehr von den deutschen wie österreichischen Officiöfen hcroorgehoben worden ist, daß die Zusammenkunft des Kaisers Wilhelm mit dem Kaiser Franz Joseph aller politischen Beweggründe bar sei und einen lediglich freund­schaftlichen Charakter habe, so wenig konnte die öffentliche Meinung von der Ansicht abgebracht werden, daß ihr dennoch eine nicht zu unterschätzende poli­tische Bedeutung innewohne. Die gesammte Preffe des Conttnents hat diesem Gedanken Ausdruck gegeben, obenan die LondonerTimes" tn einem Leitartikel, dessen Gedankengang selbst die officiöfen Telegraphen-Bureaus für wichtig genug hielten, um ihn in alle Welt zu verbreiten. Der politische Jnstinct der Völker trifft bet solchen Anlässen das Richtige, und wenn sie dem Besuche des österreichischen Kaisers jene hohe Bedeutung tnsgesammt zusprechen, so erlangt er sie eben durch diese einmüthige Auffassung der politischen Lage, mögen die Officiöfen verkünden, was sie wollen und die Diplomaten die Sache auf ihre Weise auffassen.

Der Drei-Kaiser-Bund war etwas in's Schwanken gerathen. Sv schön der Gedanke des Wiederauflebens der heiligen Allianz war, er trat einmal, wie man heute nicht mehr ableugnen kann, zuweilen bet concreten Anlässen in einen inneren Widerspruch. Cs wäre müßig, darüber zu debattiren, ob Rußland dabet der alletnschuldige Thetl war; man wird vielmehr in Rechnung ziehen müssen, daß auch die russische Regierung, so despotisch sie ist, gerade in den Fragen der auswärtigen Politik umsomehr eine Conntvenz der öffentlichen Meinung tn Rußland zeigen muß, als die tiefen Zwiste im Innern Rußlands den Boden des Czarenreiches aufgewühlt haben. Nun hat es in Rußland an Verstim­mungen nicht gefehlt, die sich tn Unzufriedenheiten, sowohl Bulgarien als ein­zelnen Bestimmungen des Berliner Vertrages gegenüber, man denke nur an die Räumungsfrage und an das in Rußland wahrlich nicht sympatbisch be­grüßte Vordringen Oesterreichs gegen die Türket, als auch in Bezug auf die ganze Haltung Andrassy's, wie des Fürsten Bismarck äußerte. Letzterem gelang es, die keimenden Differenzen zwischen Oesterreich und Rußland auszugleichen. Bald darauf trat aber in Rußland eine große Unzufriedenheit gegen die deutsche Politik auf, die sich zu einer sehr bedenklichen Hetzerei tn der russischen Presse steigerte. Es fällt gerade den Russen sehr schwer, die Protektormiene Deutsch­land gegenüber obzulehnen; ihr eigentlicher Haß richtet sich gegen die That- sache, daß die deutsche Politik der Bedeutung des deutschen Reiches gemäß selbstständiger, als früher ist, und es zuweilen auch Rußland gegenüber für zweckmäßig findet, die alte Idee des Kaisers Nikolaus, daß Deutschland von Rußlands Gnaden extstire, kräftig zu verleugnen.

Die gemeinsamen Interessen Rußland gegenüber haben nun offenbar die deutsch-österreichische Freundschaft gefestigt. Der Bund der beiden mittel­europäischen Reiche bildet eine feste Friedensgarantie nach Osten und nach Westen. Die Idee dieses neuen Völkerbundes ist populär geworden, weil sie offenbar auf überaus natürlicher Grundlage beruht. Und hiervon muß man ausgehen, um die überaus herzliche Kaiser-Zusammenkunft in Gastein politisch richtig zu würdigen. Sie ist in Deutschland, wie in Oesterreich hoch sympathisch begrüßt worden, weil sie offenbar das feste Band zwischen den beiden Völkern, welche nicht die deutsche Frage entzweit hatte, jetzt, wo sich das Deutschthum als ein Bindemittel politischer Freundschaft erweist, noch fester geschlungen hat, indem sie der herzlichen Einmüthigkeit der Monarchen einen glänzenden Ausdruck gab. ______________

Deutschland.

Darmstadt, 10. August. Wie alljährlich, so werden auch tn diesem Jahre nach den Manövern Mannschaften von untadelhafter Führung nach zweijähriger Dienstzeit zur Disposition des Regiments beurlaubt und dabei Rücksicht darauf genommen, ob die Söhne ihren Angehörigen zur Unterstützung nothwendig sind. Diejenigen Eltern, welche glauben Anspruch auf besondere Berücksichtigung bei diesen Beurlaubungen erheben zu können, würden sich hier­nach bei Zeiten zu melden haben.

Darmstadt, 10. August. Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz har auf die Anfrage eines Landgerichts der Provinz Starkenburg, dahin gehend, ob die in § 204 des Deutschen Gerichtsverfassungs-Gesetzes erwähnten Geschäfte (Mahniachen, Zwangsvollstreckungen und Concurse) als Ferienfachen zu betrachten seien, am 23. v. M. Entscheidung des Inhaltes gegeben, daß jene Rechtssachen, insoweit solche nicht schon als Geschäfte der freiwilligen Gerichtsbarkeit in den Ferien verhandelt werden können, nach Maßgabe des letzten Absatzes des § 202 des Gerichtsverfassungs-Gesetzes zu behandeln seien. Es kann demnach das Gericht auf Antrag jene Rechtssachen, soweit sie beson­derer Beschleunigung bedürfen, als Feriensachen bezeichnen und die gleiche Be- fugniß hat bet Collegialgerichten, vorbehaltlich der Entscheidung des Gerichts, der Vorsitzende desselben.

Darmstadt, 11. August. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beil. Nr. 19) enthält:

1. Verzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Großherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität zu Gießen im Winterhalbjahre 1879/80 gehalten werden unb am 3. November ihren Anfang nehmen.

2. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Büdingen, die Nicht­erhebung des letzten Ziels der Umlage der Gemeinde Dudenrod pro 1879 betreffend.

3. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Bensheim, Niederschla­gung des 3. und 4. Zieles der Communal-Umlagen der israelitischen Reli­gions-Gemeinde Seeheim pro 1879 betreffend.

4. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Diebura, die Umlagen der israelitischen Religions-Gemeinde zu Ober-Klingen für 1878 betreffend.

5. Ordensverleihungen.

6 Concurrenzeröffnung. Erledigt ist: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Horchheim mit einem Gehalte von 900

Darmstadt, 12. August Das heute ausgegebene Großh. Regierungs­blatt Nr. 34 enthält die Allerhöchste Verordnung, die allgemeinen Staatsprü­fungen im Finanzfach und den technischen Fächern betreffend.

Berlin, 10. August. Den großen Manövern, welche im September in Frankreich stattfinden, werden auch preußische Officiere beiwohnen, und zwar sind commandirt zu dem Corpsmanöver im Departement Dordogne und Seine- Jnferteure: der General-Major Graf v. Waldersee, Chef des Generalstabes des 10. Armee-Corps, Major Freihr. v. Schleinitz vom Generalstabe des 11. Armee-Corps, Major Freihr. v. Neubronn vom 1. Garde-Feldartillerie- Regiment ; zu den Hebungen der französischen Cavallerie-Division in dem De­partement Seine-Marne: Oberst Graf v. Alten, Commandeur des Regiments der Garde du Corps, Major Schnackenberg vom 2. hessischen Husaren-Regi- ment Nr. 14 und Premier-Lieutenant Graf v. Pourtales vom Garde-Cuirassier- Regiment.

Berlin, 11. August. Der Kaiser gedenkt nach der Rückkehr von Gastein, sofern die inzwischen eingetretene herbstlich kühle Witterung nicht etwa wieder eine Aenderung der Bestimmungen nothwendig machen sollte, bis auf Weiteres seine Residenz in Babelsberg zu nehmen.

Die Vorbereitungen zu dem im September nach Berlin einzuberufen­den Städtetage werden sehr eifrig betrieben. Derselbe wird, derMagdeb. Ztg." zufolge, weit stärker besucht sein, als im Mai d. Js. Die eigentliche Politik wird vom Städtetage allerdings ferngehalten werden. Das Programm desselben wird eben nur in der Stellungnahme der deutschen Städte zu dem Zollprogramm des Fürsten Bismarck, insbesondere zu den Fleisch- und Getreide­zöllen bestehen. Es wird auch Anregung zur Bildung eines deutschen Städte­bundes gegeben werden, der sich das Streben nach Beseitigung der Zölle auf Lebensrnittel zur Aufgabe stellen wird.

Von der Wirkung der Eisenzölle zeugt das nachstehende, unter dem 5. d. Mts. von 9 Eisenwerken in Varel, Oldenburg, Brake, Augustfehn, Leer und Norden versandte Circular.Die unterzeichneten Firmen beehren sich hierdurch, Ihnen mitzuthetlen, daß sie sich bei der gegenwärtigen Lage der Productionsverhältnisse, welche die Einhaltung der unverhältnißmäßtg gesunke­nen Waarenpreise nicht ferner gestatten und mit Rücksicht auf die Wirkung des seit Juli wieder eingeführten Roheisenzolles veranlaßt gesehen haben, die zur Zeit geltenden Preise ihrer Handelsgußwaaren für die von heute ab ein­gehenden Aufträge um 2 Mk. pro 1000 Kilogramm zu erhöhen."

Wenn man völlig berechtigt ist, Alles, was bezüglich der Münzfrage in die Ocffentlichkeit gelangt, auch mit Zweifeln aufzunehmen, so wird man doch gut thun, daran festzuhalten, daß mehr oder minder bemerkenswerthe Aenderungen auf diesem Gebiete geplant sind, und die ihrer Zeit soungnä­dig" aufgenommene Interpellation im Reichstage doch ihre Berechtigung hatte. Doppelwährung heißt bereits ein ausgegebenes Stichwort; es sind gegenwär­tig Erhebungen im Gange, und zwar schon seit längerer Zeit, die sich in aller Stille vollziehen und deren Resultate immerhin früher oder später als Richtschnur für eineReform-Gesetzgebung" dienen können. Zweifellos hängt mit allen diesen Dingen die Erhaltung der Thalerstücke zusammen. (K. Ztg.)

Berlin, 12. August. Die Ungewißheit, in welcher Richtung der neue Cultusminister Pnttkamer vorgehen werde, ist rascher beseitigt worden, als man dachte. In Cöslin hat die Einweihung des neuen Gymnasiums statt­gefunden, zu welcher auch Pnttkamer sich eingefunden hatte. Dem öffentlichen Act der Einweihungsfeierlichkeiten folgte ein Festdiner, bei welchem Cultus­minister Pnttkamer eine Rede hielt. In derselben sagte er, wie dasTage­blatt" meldet, ungefähr Folgendes: Ich bitte nicht zu viel von mir zu er­

warten. Ich stehe in politischer wie religiöser Beziehung auf entgegengesetztem Standpunkte wie mein Herr Amtsvorgänger. I", ~ '

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