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erkranken, während eines Zeitraumes von sechs Wochen die erforderliche Kur und Verpflegung gewähren auf Fabrik«'beiter land- und forstwirthfchast' liche Arbeiter ausgedehnt, und daß statt sechs Wochen drei Monate gef tzt werde. Dagegen hat der Magistrat 4) dem Vorschlag zugestimmt, daß zur Erleichterung des Beweise- der Landarmen Ei^e>.schatt, diese nicht nur ange- »ommen werd n soll, wenn der Unterstützte keinen Unterstützungswohnsitz hat, sondern auch, wenn ein solcher sich nicht ermitteln läßt. Ebenso ist der Magi­strat einverstanden, 5) daß dem Gesetze eine Besttmmuna einzesügt werbe, wonach es in ähnlicher Weise, wie es nach dem preußischen Gesetze vom 21. Mai 1855, Art. 13, der Fall war den Behörden wiederum die Be fugntß beigelegt wird, Personen, deren nicht arbeitsfähigen Angehörigen öffent­liche Unterstützung gewährt werden muß, ohne vorgängige gerichtliche Procedur zur Arbeit innerhalb oder außerhalb eines Arbeitshauses anzuhalten.

Irankreich.

Paris, 11. Mat. In einer privaten Versammlung hielt heute Cl6- menceau, Führer der äußersten Linken, eine Rede, worin er sein Programm entwickelte. Darnach verlangt derselbe Freiheit der Preffe, der Versammlung und der Vereinigung; Säcularisation des Unterrich's ; Abschaffung der Obedtcnz- Briefe; Reduction des Militärdienstes; Ve.pflichtung der Seminaristen zum Militärdienste; Abschaffung der Seminar-Stipendien; Trennung der Kirche vom Staat; Einkommensteuer. Der Redner kritiflrte sodann des Längeren das Verhalten der Regierung in verschiedenen Fragen und schloß mit den Worten: Es ist Zeit, in eine wahre republik mische Politik einzulenken, und Spaltungen in der republikanischen Partei zu vermeiden.

Fiußland.

Petersburg. Der hiesige Correspondent derWiener Abendpost" schreibt zur Situation: Was die fremden Zeitungen über hiesige Zustände berichten, ist fast ausnahmslos aus der Luft gegriffen. Namentlich haben die Gerüchte, als ob Rußland von den Nihilisten rnintrt sei und am Vorabende einer Revolution stände, keinerlei Begründung. Die endlich, wenn auch etwas spät, erlaffenen energischen Maßregeln dienen dazu, das Publikum zu beruhigen. Seit den vom General Gurko ergriffenen strengen Verordnungen haben keine Demonstrationen mehr stattgefunden. Höchst übertrieben ist es, wenn ein Pariser Blatt sich schreiben läßt, die Zahl der allein hier Verhafteten belaufe sich auf 4700, von denen mm aus Mangel an Platz die meisten habe nach Kasan und Saratow schaffen müffen. Im Ganzen wurden etwa 20J0 Per­sonen gefänglich eingezogen. Von diesen wurden viele nach dem ersten Verhöre entlasten, einige Hundert wurden aus Mangel an Platz in der Nacht in die Casematten von Dünaburg geschickt. Unter den Hiergebliebenen. welche sich auf die Gefängniste der Gensd'armerie, des lithauischen Schlostes und der Festung vertheilen. hofft man die meisten Führer der Ntbtllstenba.de arretirt zu haben. Die Erbitterung des Volkes gegen die Verschwörer ist kaum zu beschreiben. Wehe dem Nihilisten, welcher unseren durch den schweren Wach­dienst erbitterten Dworniken (Hausknechten) in die Hände fallen sollte.

Moskau, 11. Mai. Der hiesige General'Gouverneur erließ eine Verfügung in Betreff des Waffe, Handels und des Waffenbesitzes. Dieselbe ist der in Petersburg erlaffenen ähnlich.

Rumänien.

Bukarest, 11. Mai. Gegenüber den bei der Wahlpropaganda von gewisser Seite ausgegangenen Behauptungen, das Cabmet Bratiano hätte hegen das Ausland eine Verpflichtung hinsichtlich der Judenfrage etngegangen, veröffentlicht das Amtsblatt ein (Kommunique, wonach die Regierung keinerlei Verpflichtung übernommen hat und worin diese Gerüchte als Verläumdungen bezeichnet werden, welche geeignet seien, Ruhestörungen im Lande heibetzuführen - nd die Landkstntereffen zu gefährden.

Telegraphische Depeschen.

Wagner s telegr. Tvrrespoudenj-Buresrr.

Paris, 12. Mat. Die Journale glauben im Allgemeinen an keine Krisis, ehe die betr. Fragen vor die Kammern kommen. DieR^publique francaise" möchte den Sturz des Ministeriums vermieden sehen, weil sie nicht sicher ist, daß ein anderes Ministerium es bester gemacht haben würde. Das Blatt bemerkt, das gegenwärtige Cabinet stehe mit seinen Anschauungen li der Mitte der Majorität von beiden Kammern und mit diesen Majoritäten lüste regiert werden.

Baden-Baden, 12. Mat. Ihre Maj. die Kaiserin ist Nachmittags 1 Uhr 45 Min. nach (Koblenz abgereist.

Berlin, 12. Mai. DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht eine noth- gedrungene Erklärung der Berliner Maschinenbau - Actiengesellschaft Schwartz- kopff, worin dieselbe die Behauptung Richters ui der Retchstagssitzung vom 5. Mai, daß sie noch vor einigen Wochen Locomotiven au die Warschau- Wiener Bahn 8500 Mk. billiger, als an die oberschlesische Bahn verkauft habe, für absolut unwahr erklärt.

Die betr. Bundes! atbs-Ausschüste haben heute die Vorlage, betr. die Erhebung provisorischer Zölle (da- Sperrgesetz) mit unbedeutender Abänderung angenommen. DaS Tabaks-Nachsteuergesetz wird dadurch in keiner Weise berührt.

Stuttgart, 12 Mai. DerStaats-Anz." meldet: Die Vermähl lung des Herzogs Georg von Leuchtenberg mit der Prinzessin Therese von Oldenburg hat gestern in Gegenwart der Majestäten und des Hofes programm­mäßig ftattgefmiden.

Rom, 12. Mri. In dem beute gehaltenen (Konsistorium wurden zu Cardinälen ernannt: Fürstbischof Färstenberg, die Erzbischöfe Haynald, Deeprez und Pie, die Professoren Pecct und Hergenröther, Pater Newman, der Domi­nikaner Zigliera und zwei Bischöfe. Ferner wurde verkündet die Ernennung von elf Bischöfen in Italien, zwei in England, zwei in der Türkei, Forlani's zum Bischof von (Katrarr* und von sechs Bischöfen in partibus in fidelium. Die neu ernannten Cardinäle leisteten den vorgefchriebeneli Eid.

Petersburg, 12. Mai. Nachrichten aus Peru zufolge brach in Irbit am Freitag Abend bei starkem Winde eine Feuersbrunst aus, wodurch der beste Stadttbeil zerstört wurde. Der Schaden ist sehr groß.

Berlin 12. Mai Reichstag. Fortsetzung der ersten Berathung der Tabaksteuer- Gesetze. v. Schmid (Württemberg) wendet sich gegen die Ausführungen v. Marschalls und Kiefer's und betont, daß die Tabaksteuer nicht nach den Forderungen der In­teressenten, sondern nach den Bedürfnissen des Reiches bemessen werden müsse. Diese Bedürinisie seien stark gewachsen und konnten nur durch inbirecte Steuern befriedigt

werden, daber sei die Vorlage gerechtfertigt- Das Monopol werde auch von Redners politischen Freunden verworfen; da das Monopol aber ausgeschieden, bleibe nur die Gewichtssteu r übrig. Redner legt die Vorzüge des GewiLtesteuersystems dar und spricht die Ansicht aus, daß die Tabakindustrie die Sätze der Vorlage vertrage, erklärt sich indeß gegen die Licenzsteuer. Meyer (Schaumburg-Lippe) protestirt gegen jeden Gedanken der Wiederbelebung des Monvpol-Projeetes, untersucht die verschiedenen Steuersysteme und betont die Nothwendigkeit, die Frage definitiv zur Lösung zu bringen. Er fordert eine Herabsetzung der Sätze, spricht gegen die Nachsteuer und bezeichnet die Licenzsteuer als ganz verwerflich. Bundes-Commissar Geh. Finanzrath Schomer wendet sich gegen verschiedene Bemängelungen der Vorlage, rechtfertigt namentlich die Licenzsteuer mit Hinweis auf andere Staaten, wo dieselbe erhoben werde, und vertheidiat die Nachsteuer.

Lender wendet sich nachdrücklichst gegen die Vorlagen, insbesondere gegen die Licenz- und die Nachsteuer. Fritzsche i Socialdemokrat) spricht gegen jede Tabak­besteuerung, verbreitet sich über die Stellung der socialdemokratischen Partei zu der Wirthschaftsreform überhaupt und erklärt, dieselbe werde nur ausnahmsweise Zölle für solche Industrie bewilligen, die besonders stark gesährdet seien. Buhl schlägt vor, um die Härten der Nachsteuer vermeiden und zugleich die Speculation einzuschränken, daß ein Uebergangsstadium mit niedrigen Sätzen für mehrere Jahre geschaffen werde' Während Bubl's Rede tritt Fürst Bismarck ein. Köpfer «endet sich gegen die Vorlage. v. Puttkamer (Löwenberg> verwahrt sich dagegen, daß die Monopolfrage durch Annahme des vorliegenden Gesetzes definitiv beseitigt sein solle, und spricht sich gegen jede Ermäßigung der Eingangsabgaben von Tabak aus. Die Vorlage wird hierauf nach dem Anträge Lowe's (Bochum) an eine besondere Commission von 28 Mit­gliedern verwiesen. Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr.

London 12. Mat, Abends. Unterhaus. Auf Befragen Baxter's er­klärt Bourke, die Regerung w'ffe nichts von einem Uebereinfommen zwischen der Türkei und Rußland wonach die Türkei auf das Recht, Garnisonen am Balkan zu haben und Plätze in Ostrumelten zu besetzen, verzichtete. Colontal- Mtnister H cks Beach erklärt: Die Boers lösten am 18. April ihr Lager auf und k hnen friedlich heim. Die (Konferenz Bärtle Frere's mit ihrer Obrig­keit ist glücklich abgelaufen. Nortbcote theilt mit, die Pstngstferien des Hauses würden vom 27 Mai bis 9. Juni dauern.

Lokales.

Kiesten, 13. Mai. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung am Donn erstag den 15. Mai 1879, Nachmittags 4 Uhr:

1. Gesuch des Turnvereins um miethweise Ueterlassung des Balcon-Zimmers der Turnballe

2. Gesuck der Schützengesellschaft um Ueberlasiung eines Schießplatzes.

3 Den städtischen Bauplan betreffend.

4. Gesuch des Heinrich Baum um Bauerlaubniß.

5. Gesuch des Jacob Reitz von Gießen um Bauerlaubniß.

6. Kostenden eturen.

7. Die Stellung der Rechnung für das Jahr 1W7K.

8. Die Weidenvflanzungen am Ufers-Brunnen.

9. Die Zolltarifvorlage.

Gießen, 13. Mai In dem am 15. d. in Kraft tretenden Sommerfahrplan der Naffauischen Eisenbahn ist auch die Strecke Lollar-Wetzlar ausgeführt. ES zehen täglich auf derselben drei Züge nach beiden Richtungen Die Fahrzeit beträgt 70NO Minuten (Lollar- Gießen-Wetzlar nur die Hälfte), directen Anschluß an die Züge der Main Weser-Bahn hat nur ein Zug von Wetzlar, so daß auf Personenverkehr wohl nicht viel zu rechnen ist.

Gießen, 13. April. Die Einladung des Berliner Magistrats an sämmtliche deutsche Städte mit mehr als 10,000 Einwohnern zum Städtetage, welche in gleichlautenden Schreiben an die betreffenden Stadtbehörden abgegangen, ist vom Oberbürgermeister v. Forckenbcck unter zeichnet und bat folgenden Inhalt:

Auf Anregung einer größeren Anzahl von städtischen Behörden haben wir uns ent­schlossen, die bedeutenderen deutschen Städte zu einer Zusammenkunft einzuladen, in welcher gemeinsame Schritte gegen die drohenden Getreide- und Viehzölle zu berathen sind. Ist eS doch unzwetfelbaft, daß gerade die städtischen Behörden in dieser Frage als Hauplvertreter der Consumenten dastehen, denen sonst, im Gegensätze zu den rührigen und mächtigen Produccnten, jedes Organ, sich geltend zu machen, fehlt. Hat auch schon manche Stadtbehvrde ihrer Pflicht, die Einwohner vor der drohenden Gefahr zu schützen, durch Petitionen an den Reichstag zu genügen gesucht, so wird ein gemeinsames Votum kurz vor dem Augenblicke der Entscheidung doch noch von besonderem Gewichte sein, und zwar um so mehr, als in neuerer Zeit und nach I jenen ersten Petitionen, zahlreiche und gewichtige Kundgebungen für eine Erhöhung der bean­tragten Getreide- und Viehzölle vorliegen Die Versammlung wird am 17. d. Mts., Vor­mittags 11 Uhr im Festsaale unseres Rathhauses stattfinden. Am Abend vorher finden sich bi? Theilnehmer ebendaselbst zu einem zwanglosen Zusammensein ein."

Vermischtes.

Darmstadt, 10 Mai. Wir erhalttn von zuverlässiger Seite Mitthetlung über den von uns derWormser Ztg " entlehnten Artikel betr. des vonDarmstädter Firmen" für die Notleidenden im Spessart angekauften Weins, welchertotal gefälscht" sein sollte. Nach der uns vorliegenden Nr. 117 derAschaffenburger Ztg." wäre dieN. W. Z." (soll diese W.- KürzungWormser" oderWürzburger" bedeuten? D. X ) die Stamm-Quelle der rundlau­fenden Notiz und bemerkt dazu dieAschaffenburger Zeitung" wörtlich:Diese Notiz ist absolut unwahr. Das hiesige Hilfscomite hat weder in Darmstadt noch sonstwo Wein angekauft. Ein uns weiter zugesttllter Privatbricf besagt,der Vorsitzende des Central-Hilfscomitös für den Spessart, Herr Bürgermeister Medikus in Aschaffenburg, erkläre, daß die obige derAschaffenb. Ztg." entlehnte Richtigstellung durchweg zu bestätigen sei. Nach dem Brief scheint die Ver­unglimpfung derDarmstädter Firmen" ihre Geburtsstätte in Würzburg zu haben. Wohl etwas gewöhnlicher Brobneid!

DieWeser-Zeitung" schreibt: Eine neue Erfindung von praktischer Bedeutung und außerordentlicher Tragweite wurde kürzlich von Eowper, einem bekannten Mechaniker und Tele- graphenbauer in England, gemacht Es ist dies ein wirklicher Telegraph, d. h. eine in die Ferne schreibende Maschine. Der Absender einer Depesche bewegt seine Feder auf dem Prä­paraten Papier des Apparats und gleichzeitig mackt auf der anderen Station eine zweite Feder genau dieselben Züge und Bewegungen, als ob sie durch eine unsichtbare Hand geführt würde. Im Februar d I. wurde bereits auf diese Weise zwischen London und Brighton in Gegenwart des Redaeteurs der englischen ZeitschriftNature" telegraphirt. Das exaetc Arbeiten de8 neuen Instruments grenzte an's Wunderbare. Die Feder des Apparats auf der Empfangsstation machte Bewegungen, als ob sie durch ein geistig belebtes Wesen geführt würde Demnächst sollte der Apparat von Cowper weitere Proben seiner Tüchtigkeit vor der Gesellschaft der Telegraphen-Jnzenieure Englands ablegen. DieNature" gibt bereits ein facftmilirtel Specimen of telegraphic writing, welches der zwischen Westminster und Brighton thätige Apparat geschrieb.n hatte. Dicic Uebertragung der Handschrift' des Absenders in daS Tele­gramm ist namentlich für die Handelswelt von großer Wichtigkeit."

London, 5. Mai. (Cholera und Hungersnoth in Indien.) Aus Kalkutta wird unterm 4. d. gemeldet: Das heurige große Khumb- oder Duodeeennialfest in Hurdwar droht in seinen Folgen ebenso traurig zu werden, wie dasjenige von 1*67 war. Es versammelten sich 75O,i'OO bis 1,<i"0,UOii Pilger und ungachtet der von den Behörden getroffenen Vorsicht- maßregeln brach die Cholera vor dem Sckluffe der Messe in Heftigster Weile aus. Die zurück- kehrendcn Pilgerschaaren tragen nun die Krankheiten in verschiedenen Richtungen nach ihrer Heimath und die Eholeraausbrüche werden bereits aus Delhi, Umritsur, Rawul-Pinbi und anderen Ortschaften NordindienS gemeldet. In letzterwähnter Station sind einige ErkrankungS- fälle unter den europäischen Truppen vorgekommen. Ein Erlaß der Regierung von Bombay hebt Bevorstehen großen Nothstandes in gewissen Distrieten des östlichen Deecan hervor, wo die Bevölkerung sich noch nicht von der Hungersnoth vor zwei Jahren erholt hat und tfaab sächlich über feine Hülfsquellen gebietet. Sir Richard Temple hat bereits die öilbune eines HülfSfondS angeregt Großer Notbstand herrscht auch in Kattywar und circa 5000 hunger­leidende Einwohner dieser Provinz sind nach der Stadt Bombay geflüchtet. In Unterbengalen ist Regen nock immer sehr von Nöthen. Die Berichte aus den Theediftricten lauten etwas beffer-

Schi Weber ietii. Mitgetheilt von dem Agenten deS Norddeutschen Aoyd E. W. Dictz in Gießen.

Ncwyork, 9. Mai. Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Donau, Capt. R Bussius, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 27. April von Bremen und am 29. April von ©ouhamyton abgegangen war, ist heute 2 Uhr Morgen- wohlbehalten * hier angekommen