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26S. Donnerstag den 13. November ISTS^

Kießmcr Wueiger Jnjtijb AMsblM für de« Kreis Gieße«.

, , - PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

tOeda<ttS«Sbvres«r l Schulstraße v. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. 2)ur$ die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50

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Amtlicher Hheil.

Bekanntmachung.

Indem ich das Nachstehende zur öffentlichen Kenntniß bringe, ersuche ich bei der Wichtigkeit der Sache die Herren Bürgermeister, die Jntereffenten m »».-«« M I..W» »,>«»« «*-

fiepen, um vuv vr. Boekmann.

Abschrisl.

Landes - Pferdezucht - Verein.

Sonntag den 16. November, Nachmittags 2'/- Uhr, soll zu Hungen im Solmfer Hof

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werden zur Th-ilnahme ergebenst eingeladen. Vorstand.

Darmstadt, den 4. November 1879. _______________ .----- ----- --

An die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.

(TS. dt>r Martini dis fälliaen Backt- und Holzaelder, sowie der Beiträge zu den Forstdtener-Besoldungen hat bis zum 25. laufenden

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Gießen, am 10. November 1879. GroßherzogltcheS Rentamt G.eszen. ____

politischer Hheil.

Der Nothstand in Sberschlesren.

Vor zwanzig Jahren schrieb ein deutscher Volkswtrth die kühnen Worte: Während die Chroniken des Mittelalters in jedem Jahrhundert ein oder zwei Jahre nennen, in welchen fast ein Dritttheil der ganzen Bevölkerung durch Hungersnoth umgekommen sei, kann seht zwar noch Theuerung, aber keine Hungersnoih mehr eintreten, Dank unseren Trausportmiiteln, da Miß­ernten nur immer einzelne Theile der Erde heimsuchen." Aber die Gelehrten täuschten sich. Noch in allernevester Zeit haben Hungersnöthe in Indien und China Hunderttausende von Menschenleben dahingerafft, und in Deutschland täte stch in dieser Zeit der Hungertyphus in Ostpreußen, im Spessart und in Oberschlesten. Erst unlängst hat die Reoolte in Zabrze, deren Urgrund in materieller Roth lag, den üblen Ruf Oberjchlesiens als traditionelles Ländchen socialer Mißstände uns in's Gedächtntß gerufen; diesmal ertönt der Roth- schrei weniger aus dem industriellen, als aus dem ackerbautreibenden Thetle jener ^'wthietdenden Kreise sind polnisch; sie bilden die sog. Wafferpolackei, sener District, den einst dieKöln. Zeitung" großmüthig an Oesterreich abzu- treten eu pfahl, um den Krieg von 1866 zu verhindern. Umgeben von Deut­schen, Mäbren und Böhmen hat das polnische Volk Oberschlesiens, ein Poll- ijich schon früh vom großen polnischen Stamme abgeriffener Zweig, bis auf die neueste Zett ein kümmerliches Dasein gefristet. Die Polen haben die sau- ^igen und unfruchtbaren Strecken Obeischlesiens bevölkert, welche die Deut­schen verschmähten. Das polnische Gebetbuch ist die Lectüre, die Predigt der ultramontanen Kapläne die einzige geistige Anregung der Wafferpolen und ihre Ideale sind die Kartoffel und der Branntwein. Mißräth die Knollen- frucht, so ist ihr Lebensstand gefährdet.

Die Regierung von Oppeln hat schon vor einem Monate dem Kreistage Vorschläge gemacht zur Verhütung eines in Folge der Mißerntezu befürch­tenden Nothstandes." Die oberschlestschen Zeitungen erwähnten, daß Hungers- uvth und Typhusim Anzuge sind auch die größeren Breslauer Zeitungen gaben den schweren Befürchtungen für die Zukunft, für den Winter Ausdruck. Aus dem Allem geht hervor, daß der Nothstand noch nicht in vollem Umfange ausgebrochen ist, daß es sich also um vorbeugende Maßregeln handelt. Schlimm ist es, daß von amtlicher Seite eine klare Darstellung der Verhältniffe fehlt; c« wäre doch wohl Sache des Herrn Oberprästdeuten und bisherigen Reichs­tags-Vorsitzenden v. Seytewitz, der Regierung und dem Volke klaren Wein einzuschenken, um einerseits Uebertreibungen zu verhüten, andererseits die werk- thätige Hülseleistung des Staates und der Nation zu entfeffeln.

Wenn es sich bestätigt, daß der Reichskanzler in Rußland bedeutende Getreidemaffen auftaufen läßt, um den auch in einigen anderen deutschen Gegenden drohenden Nothständen wirksam entgegenzutreten, so wäre dies ein neue« Zeichen für feine Humanität und umfassende Fürsorge, welche der Reichstag sicherlich billigen würde. Auch verdient Angesichts bedrohlicher An­zeichen von Nothständen eine temporäre Aufhebung der Getreidezölle in Erwä- aun« gezogen zu werden. Ferner könnte der Staat eine freie Zufuhr oder einen ermäßigten Eisenbahntarif für Lebensmittel nach Oberfchlesien eintreten laffen, und endlich an die am schwersten vom Mangel Getroffenen unentgelt­lich Lebensmittel verthellen, sowie ihnen durch Nothstandsdarlehen und Saaten­gut unter die Arme greifen. Die Nothstände herrschen übrigens erfahrnngs- mäßig am schärfsten den ganzen Gürtel der russischen Grenze entlang, beson- ders auch im Posen'schen und in Ostpreußen, und es giebt nur eine Radikalkur Hegen sie: Die Sprengung der chinesischen Mauer, welche Rußland mit seinem wahnsinnigen Absperrungssystem bis an die Grenze Deutschlands vorgeschoben hat l

Aeutschkand.

Darmstadt, 11. Novbr- Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädtgst geruht:

Am 1. Rvvbr. die von dem Herrn Fürsten Karl zu Isenburg-Birstem präsentlrten provis. Reallehrer Dr. August Dieckmann und Dr. Friedrich Scriba zu Offenbach zu Lehrern an der Realschule daselbst zu ernennen.

Berlin, 9. Novbr. Für die bevorstehende Reichstags-Sesston werden von Handels- und Jndustrie-Corporationen aus vielen Thelleu Deutschlands Petitionen vorbereitet, welche sich über di« durch die Bestimmungen des Zoll­tarifs hervorgerufenen Mißstände beschweren. Im Vordergründe der Be­schwerdeführer stehen die Handelskammern der Seestädte, welche Abhülfe in Betreff der Mißstände bei der Zollabfertigung wichtiger Handelsartikel verlan­gen werden. Unter Anderem ergreift die Handelskammer von Bremen m einem Circular an die übrigen die Initiative, beir. des Holzes. Es wird nachgewiesen, daß daselbst, seitdem die Zollpflichtlgkeit de« Holzes Angeführt wurde, zahlreiche Mängel bei der Abfertigung eingetreten sind, die einer Re­medur bedürfen. Die Hauptklage wird darüber geführt, daß keine bestimmten Normen für ble Feststellung des zu verzollenden Holzes bestehen. Die San- delSkammern werven ersucht, Feststellung über das Verhältnis zwischen Metz- brtef und Lrdungssähtgkeit, wie es stch in der Praxis an anderen Plätzen ergiebt, herbetzusühren und Bericht zu erstatten.

Wer zahlt in Preußen die meiste Steuer? Darüber giebt eine von bet Regierung bem Abgeorbnetenhause übergebene Nachweisung Ausschluß, oder auch keinen, wie man das nehmen will. Es stnd nur die Steuersummen an. gegeben und man hat hierüber in Abgeordnetenkreijen Berechnungen ange- stellt. Darnach zahlt Freiherr Karl Mayer v. Rothschild in Frankfurt a. M. den höchsten S euersatz von 70,200 X jährlich, dann kommt Willy v. Roth­schild mit 68,400 JC., Krupp in Essen mit 57,600 zwei Personen im Regierungsbezirk Oppeln mit 32,400 und 27,000 J4, man bezeichnet diese als den Grafen Schaffgotsch und Herrn v. Thiele-Winkler, in Berlin Bleich- täber mit 32,400 Jl., bie Borsig'schen Erben mit 23,400 <X, Oppenheim in Köln mit 25,200 <X, ferner ein hochabliger Rittergutsbesitzer im Regte- mngsbezlrk Münster mit 23,400 X, zwei Bankiers in Köln mit je 21,600 einer in Berlin mit 18,000 .X, einer im Regierungsbezirk Potsbam mit 16,200^, zwei im Regierungsbezirk Oppeln mit Je 16 200 JL u. s. w. In Preußen beläuft sich die Zahl berjentgen Personen, welche mit einem höheren Einkorn- men als 300,000 Jt. jährlich eingeschätzt sind, auf 51.

Berlin, 10. November. Von, Relchs-Eisenbahn-Amte geht derVoss. Rta " folgende Zuschrift zu:Nach einer telegraphischen Nachricht hat bei ber (Station Bischofsheim der Hessischen Ludwigsbahn am Sonnabend Abend ein Zusammenstoß zweier Züge stattgefunden, welcher leider den Verlust von Menschenleben und schwere Verletzungen zur Folge gehabt hat. Wie wir hören, hat das Reichs-Eisenbahn-Amt Behufs Aufklärung des Sachverhaltes sofort einen Commissar an Ort und Stelle abgesandt."

©efterteidj.

Wien, 10. Novbr. Meldungen derPolit. Corresp." Aus Cettiuje: Der Acjntant des Fürsten von Bulgarien, Oluviev, ist hier eingetroffen zur Ueberbringung eines eigenhändigen Schreibens seines Fürsten an den »urfien von Montenegro. Dem Vernehmen nach stellt ersterer Fürst seinen Besuch 'n CAtinje sür's Frühjahr in Aussicht. - Aus Belgrad: Zwischen Italien und Serbien ist eine Consular-Convention abgeschloffen, wonach Italien aus die bis­her im Verhältniß zu Serbien geltenden Capitulationen verzichtet.