England.
London, 9. Septbr- lieber das Schicksal des unglücklichen Majors Cavagnart kann kein Zweifel mehr bestehen; er ist der dritte britische Gesandte, der dem mörderischen Anfalle der Bevölkerung Kabuls zum Opfer gefallen ist. Etwa 38 Jahre ist es her, daß die Ermordung Sir Alexander Barnes' nach der ersten Eroberung deS Landes durch die Engländer bewies, daß die Afghanen im Begriffe standen, sich gegen die Fremden zu erheben. Die englischen Befehlshaber lichen sich die Warnung indeß nicht gedient sein und 7 Wochen später erlitt Sir William Macnaghten das nämliche Schicksal wie sein Vorgänger. Bei beiden Gelegenheiten fielen drei britische Osficiere an der Seite ihrer Vorgesetzten. Jetzt ist auch Sir Pierre Louis Napoleon Cavagnari dem Versuche zum Opfer gefallen, die Afghanen an Ort und Stelle durch einen britischen Residenten beaufsichtigen zu laffen. An Warnungen, daß solches Schicksal sie erwarte, haben es die dem afghanischen Kriege entgegengesetzten j Politiker, darunter viele mit afghanischen Verhällniffen vertraute indische Be- r amte und Osficiere, nicht fehlen laffen.
Rußland.
Petersburg, 10. Septbr. Das „Journal de St. Petersbourg" schreibt: Wir finden in russischen und auswärtigen Zeitungen Informationen über angeblich bereits decretirte Veränderungen im höheren diplomatischen Corps Rußlands. Wir glauben zu wtffen, daß diese Mtttheilungen bis jetzt keinen officiellen Charakter haben.
Telegraphische Depeschen.
«aguer's telegr. UOrrespoudeuz-Bureau.
Wien, H. Septbr. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstanstinopel: Die Antwort Savfet Pascha's auf der gestrigen Conferenz weist die Unmöglichkeit der Fortführung der Verhandlungen nach, wenn Griechenland das 13. Protokoll für die Pforte als verbindlich ansieht. Letztere beantragt, auf die Berathung einzugehen, um gemeinsam die von dem Congresse vorgeschlagene Delimitation mit den thatsächlichen Verhältniffen in Einklang zu bringen. Die griechischen Bevollmächtigten schienen im Laufe der Debatten von der Anerkennung des obligatorischen Charakters des 13. Protokolls Seitens de? Pforte abstehen zu wollen, vertagten jedoch die endgiltige Erklärung und behielten sich selbst die Bestimmung des Tages der nächsten Conferenz vor.
London, 11. Septbr. Der „Standard" meldet aus Bombay: Es geht daS Gerücht, daß der Emir von Afghanistan von den aufständischen Afghanen getödret worden sei. Ein anderes Gerücht besage, der Emir habe sich selber entleibt. Eine anderweitige Bestätigung dieser Gerüchte liegt noch nicht vor.
Leipzig, 11. Septbr. Bet den Wahlen zur sächsischen Abgeordnetenkammer siegte im Leipziger Landbezirk definitiv der Socialist Liebknecht, im Zwickauer Landbezirk der von den Socialisten aufgestellte Kandidat Advocat Puttrick in Leipzig.
Konstantinopel, 11. Septbr. In der gestrigen Conferenz bezüglich der griechischen Grenzfrage trugen die türkischen Commtffäre die Antwort auf die letzte griechische Erklärung vor. Nach längerer Debatte erklärten die griechischen Commiffäre, hierüber an ihre Regierung berichten zu müffen.
Petersburg, 11. Septbr. Das „Journal de St. Petersbourg" widerlegt die aus Wien gemeldete Nachricht von der angeblichen Absendung eines russischen Curiers nach Belgrad, welcher dem Fürsten von Serbien Instructionen der russischen Regierung bringen solle.
Danzig, H. Septbr. In seinem gestrigen Toaste bei der Festtafel im Artushofe sprach der Landesdirector Wehr den Dank der Provinz und der Stadt für den Besuch des Kaisers aus, welcher der erste in der Provinz nach ihrer selbstständigen Gestaltung sei und versicherte, daß die neue Provinz in alter Treue und Anhänglichkeit an den Kaiser und König und sein Haus sich auch ferner zeigen werde. Der Toast schloß mit einem dreifachen Hoch aus den Kaiser, worin die Versammlung unter den Klängen der Nationalhymne begeistert etnstimmte. Der Kaiser erwiderte, auf die ausgesprochenen Gesinnungen eingehend, daß er sich gefreut, den Wünschen der Provinz gemäß, derselben die alte Selbstständigkeit wiedergegeben zu haben. Waö die neuesten Ereignisse betreffe, so wolle er nur bemerken, daß Alles nur Gottes Werk und er deffen Werkzeug zur Ausführung gewesen sei. In diesen Empfindungen trinke er aus das Wohl und die Selbstständigkeit der Provinz Westpreußen und ihrer Hauptstadt Danzig. — Das gestrige Abendfest im Franziskanerkloster ist glänzend verlaufen. Der Kaiser, die Prinzen, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin erschienen nach 9 Uhr. Der Kaiser, welcher die Uniform des 1. Leibhusarenregiments trug, blieb bis 11 Uhr und nahm daselbst das Souper ein. Die Straßen, welche der Kaiser auf der Rückfahrt zum Gouvernementsgebäude passtrte, waren tageshell erleuchtet. Die Abreise des Kaisers nach Stettin erfolgte heute früh um 8V2 Uhr.
London, 11. September. „Daily News" meldet aus Lahore vom 10. ds.: Die Brigade des Generals Mafley rückt in größter Eile gegen Kabul vor, um sich mit den Truppen des Generals Roberts zu vereinigen. Man hofft, daß der allgemeine Vormarsch gegen Kabul in 14 Tagen beginnen werde.
Haag, ll- September. Hier find günstige Meldungen aus Atchin eingegangen. Expeditions-Colonnen sind aufgelöst. Mehrere Häuptlinge haben ftib unterworfen. Die Eingeborenen kehren in ihre Kampongs zurück.
Stettin, ll- Septbr. Se. Maj. der Kaiser ist um 4*/4 Uhr Nachmittags hier eingetroffen und am Bahnhofe feierlich empfangen worden. Derselbe hielt, den Kronprinzen an seiner ecite, unter dem Jubel der Bevölkerung seinen Einzug in die prächtig geschmückte Stadt und stieg im Schlöffe ab. Auf der Fahrt von Danzig nach Stettin wurden Sr. Majestät die erhebendsten Huldigungen der aus meilenweiter Entfernung zusammengeströmten Bevölkerung dargebracht. Die Aufstellung der Behörden, Vereine, Schützen, Krieger und Schuljugend setzte sich von Station zu Station fort. Se. Majestät stieg mehrmals aus und erfreute sich namentlich an der Schuljugend, wobei er wiederholt Kindern die Hand reichte.
Lokales.
Gießen, 12. Septbr. (Sin Louis, welcher mit seiner Dulcinea (beide aus Darmstadt) unter falschem Namen sich in einem hiesigen Gasthaus einlogirte und unlautere Zwecke in der Stabt vorhatte, wurde gestern Abend ertappt und vorläufig eingesteckt.
— Ein durchgegangener Faselochse versetzte heute Morgen die Bewohner des Gartfelds in große Aufregung. Nach mehrfachen Versuchen das Ungeheuer zu fesseln, wobei sich äußerst drollige Fluchtscenen ereignet haben sollen, gelang es schließlich den Ochsen an einen Wagen fcstzubinden und zu knebeln.
Vermischtes. ,
— Das Tabak rauchende Publikum wird es vielleicht interessiren, über die zeitgemäße^, durch ein deutsches Reichspatent geschützte Erfindung des Kaufmanns W. Imhoff in Casje etwas zu hören. Dieselbe besteht in einer neuen Art von Tabakspfeifen, welche dazu eingerichtet sind, die im Tabaksrauch enthaltenen Gifte aufzufangen und zu neutralisiren und somit deren Einführung in den menschlichen Organismus zu verhüten.
Die Sache selbst ist kurz folgende: Das Pfeifenrohr besteht aus zwei, durch eine Hornnuß verbundene Rohrtheile, von denen bas untere derart verstärkt ist, um eine 16 Millimeter starke sogenannte Entmkotinisirungspatrone aufzunehmen. Diese Patrone, aus halbkreisförmig geschnittenen und stufenweise rechts und links angebrachten Filzstückchen konstruirt, hat nun vermöge ihrer Präparation die oben erwähnte Eigenschaft, beim Durchcirculiren des Rauchs die in demselben enthaltenen Tabaksgifte festzuhalten und zu neutralisiren.
Durch diese Procedur wird im Weiteren nun noch die für jeden Tabakraucher hochzuschätzende Eigenschaft erzielt, daß der bekannte, in Rohr und Spitze sich sonst ansetzende klebrige und stark riechende Schmier nicht mehr vorkommt und den Umgang mit der liebgeworbencn Tabakspfeife somit wesentlich angenehmer macht.
Michelstadt, 9. Septbr. Vor einiger Zeit ereignete sich in einer benachbarten kleinen Ortschaft der kaum glaubliche Vorfall, daß ein Bauer, der schon einige Tage den Getränken allzu reichlich zugesprochen, seiner Frau eröffnete, daß er heute noch „Blut sehen" und entweder sie oder der „Braune" sterben müffe Da half fein Zureden, der Halbtrunkene versetzte dem armen Pferde, das er aus dem Stalle holte, einen Messerstich in die Brust, in Folge deffen es dem Wasenmeister zur Tödtung übergeben werden mußte. Der Mann gehört gewiß unter Curatel. (N. H. W.)
Ober-Hainbrunn, 7. Septbr. Gestern Abend brach dahier gegen 9 Uhr in der Scheuer von Georg Werner IV. Feuer aus, wodurch sämmtliche darin befindlichen Erntcvor- räthe, ein Wagen re verbrannten. Da keine Feuerspritze vorhanden war, so gerieth auch das mit der Scheuer zusammengebaute Wohnhaus in Brand und wurde ebenfalls ein Raub der Flammen. Der Schaden ist sehr empfindlich, da nichts versichert war. — Hoffentlich wird cs nicht ungerügt hingehen, daß Gr. Bürgermeisterei Rothenberg, nachdem dieselbe durch einen Boten Nachricht vom Brande erhalten, die Feuerspritze, an der auch Hainbrunn Antheil hat, nicht herbeibringen ließ; denn wäre dieselbe zur Stelle gewesen, so hätte man leicht die Wohnung i noch retten können.
Köln, 7. Septbr. Der vorgestrige Hamburg-Kölner Schnellzug ist in Folge der Aufmerksamkeit des Zugpersonals einer großen Gefahr entgangen. Kurz hinter Münster erblickte der Lokomotivführer Busch (aus Osnabrück) mitten auf dem Geleise haltend einen schwer br ladencn Heuwagen; er gab sofort das Haltsignal und den Bremsern gelang es, den dahin- sausenden Schnellzug einzuhalten, daß er vom Augenblick des Bremsens höchsten noch 60 Meter zurücklegte. Der Zug war von Reisenden stark besetzt, die erst in der letzten Sekunde merkten, welche Lebensgefahr sic liefen. Wie wir vernehmen, trifft die Verschuldung im Wesentlichen die Einrichtung der Zugbarriere; der Heuwagen war bei beiderseits geöffneten Barrieren auf daS Geleise gefahren und während er mitten auf dem Geleise stand, wurden von dem entfernt liegenden Wärterhaus die beiden Barrieren nahezu gleichzeitig geschloffen, so daß sowohl Weiterfahrt tote Umkehr unmöglich war.
— Zur Abwehr der Uebertheuerung veröffentlicht die „Deutsche Landes-Zeitung" mit der Bitte um Weiterverbreitung folgende Liste. Nach derselben betragen die durch den neuen Zolltarif wirklich verursachten Preissteigerungen, aber auch nur bet Bezug der betreffenden Maaren aus dem Ausland, pro Pfund bei
Wetzen, Roggen, Hülsenfrüchten
V2 4
Gerste.......
/4
II
Ltqueuren ......
6
II
Essig.......
0
n
Wein in Fässern.....
4
H
Geschlachtetem Fletsch, Wild, Geflügel
4V-
II
Apfelsinen u. dergl. . . . .
0
II
Rosinen......
0
II
Häringen......
0
ff
Kaffee und deffen Surrogate, mit Aus
nahme von Cichorien
2'/-
ff
Käse .......
5
Mühlenfabrikate (Graupe, Gries, Mehl) .
1
ff
Reis.......
i/r
Rohtabak......
301/a
II
Cigarrren ......
45
11
Rauchtabak......
57
Thee.......
14
II
Zucker.......
0
II
Petroleum......
3
Schmierseife......
0
Fester Seife......
2i/2
ff
Wenn sich jede Hausfrau und jeder Raucher diese Zahlen fest einprägt, so werden sie sich vor Uebertheuerung leicht schützen können, und es wird nicht so leicht geschehen, daß Händler mit dem ganzen Betrag des jetzigen Zolles ohne Anrechnung deS früheren, die Kunden zu belasten sich erdreisten.
Schi (Feber lebt. Mttgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyv
(£. W. Dietz in Gießen.
Newyork, 9. Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Weser, Capt. A. Jäger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 27. August von Bremen und am 30. August von Southampton abgegangen war, ist heute 9 Uhr Morgens wohlbehalten hier angekommen.
Southampton, 9. September. Der Postdampfer Main, Capt. I. Barre, vom Nord» deutschen Lloyd in Bremen, welcher am 30. August von Newyork abgegangen war, ist heilte 10 Uhr Morgens wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southamptcn bestimmten Paffagiere, Post und Ladung 12 Uhr Mittags die Reise nach Bremen fortgesetzt Der Main überbringt 117 Paffagiere und volle Ladung.
Handel und Verkehr.
Limburg, 10. Septbr. (Fruchtmarkt.) Rotber Weizen JL 17.80, Weißer Wetzen JL 17.20, Korn JL 10.50, Gerste JL 9.45, Hafer, JL 8.—, Erbsen JL—, Kartoffeln JL -• (Durchschnittspreis pro Malter.)
Lauterbach (Oberheffen), 8. September. An heutigem mit 368 Stück befahrenen Markte zeigte sich für Rindvieh Kauflust und wurden höhere Preise erzielt. Man bezahlte für Ochsen 36—44 Carolin das Paar, Kühe (0 — 14 Carolin das Stück. Schweine, wovon nur 202 Stück zugeführt waren, gingen mit Ausnahme von Ferkeln und kleinen Läufern, die vernachlässigt blieben, zu höheren Preisen lebhaft um. Nächster Markt 29. September.
Irischbäcker in Gießen.
Sonntag, den 14. September. Wilhelm Hartmann, Neustadt. Emil Noll, Löwengaffe. Ludwig Seil, Neue Bäue.
Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinde zuGiehen.
Gottesdienst:
Sonntag den 14. September.
Morgens: Pfarrer Schlosser. — Nachmittags: Pfarrvtcar Schönet.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 14. bis 20. September besorgt Pfarrer Schlosser.
Montag, den 15. September:
Dekanatssynode des Dekanats Gießen. — Gottesdienst um 9 Uhr.


