Ausgabe 
13.7.1879 Erstes Blatt
 
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Der Sprecher erklärte, der Fremde sei ein Beamter, welcher in seinem Auf­trage handle. Diese Auskunft ries lebhafte Protestattonen Seitens der irischen Deputirten hervor, welche schließlich ankündigten, sie würden das Verfahren des Sprechers morgen der Begutachtung des Unterhauses unterbreiten.

Berlin, 12. Juli, früh. Reichstag. (Abendsitzung.) In Fortsetzung der dritten Lesung des Zolltarifs werden Nr. 10 (Glas), 11 (Haare) und 12 (Häute) unter Ab­lehnung verschiedener Amendements nach den Beschlüssen zweiter Lesung genehmigt. Zu Nr. 13 (Holz) wird auf Antrag des Grafen Galen eine unerhebliche Erhöhung be­schlossen. Nr. 14 bis 18 werden unverändert genehmigt. (Fürst Bismarck ist inzwi­schen erschienen). Nr. 19, 20 und 21 werden nach unerheblicher Debatte unverändert angenommen. Bei Nr. 22 (Leingarn) kommen Gruetzner und Windthorst auf den Beschluß wegen des Flachszolles zurück. Windthvrst erklärt, der mit einer Stimme Majorität gefaßte bez. Beschluß scheine übereilt; er habe daher einen Antrag einge­bracht, wonach der Flachszoll erst am 1. Juli 1880 in Kraft treten soll, um dem Reichstage in der nächsten Session Gelegenheit zu geben, den Flachszoll wieder aufzu­heben. Nr. 22 wird nach den Beschlüssen zweiter Lesung genehmigt. Zu Nr. 25 (Material- rc. Maaren) wird der Antrag Wolffson's angenommen, daß ausgeschlach­tetes Fleisch für die Grenzdislricte zollfrei gelassen wird. Bei derselben Nummer wer­den die Tabakszollsätze des betr. Gesetzes in den Tarif eingestellt. Bei Nr. 26o 2 wird der Antrag Witte, Stearin rc. mit 8 Mk. zu normiren, angenommen. Hierauf wird die Fortsetzung der Berathung auf Sonnabend 10 Uhr vertagt.

Wien, 11. Juli. Meldung derPoltt. Corresp." aus Bukarest vom 11. d.: Die Regierung erklärte in der Commission und den Sectionen der Kammer, daß sie nur eine solche Lösung der Judenfrage annehme, welche dem Berliner Vertrage entspreche; für jede andere Lösung lehne sie die Verant­wortung vollständig ab. Trotzdem gilt die Annahme der Commissionsanträge für wahrscheinlich.

Paris, 11. Juli. Die Regierung hat bestimmt, daß zur Münchener Gemäldeausstellung mehrere aus dem Museum Luxembourg entnommene Bilder, sowie 20 der besten bei der letzten hiesigen Gemäldeausstellung angekauften Gemälde gesandt werden. Außerdem werden noch einige hervorragende Bilder hiesiger Prtvatsammlungen m München ausgestellt. Zum französischen Com- miffär bei der Münchener Ausstellung ist Berger ernannt worden.

New-Uork, 11. Juli. Weiteren Nachrichten aus Memphis zufolge ist die Bksorgniß wegen des gelben Fiebers im Abnehmen, nachdem die Aerzte erklärt haben, daß der gestrige Erkrankungsfall kein Fall von gelbem Fieber sei. Die Behörden von New-Orleans und Vicksburg ordneten eine strenge 40tägige Quarantäne für die aus Memphis ankommenden Personen an. In den Südstaaten herrscht ungewöhnliche Hitze und sind bereits mehrere Todes­fälle an Sonnenstich vorgekommen.

München, 11. Juli. Der König hat die achtmonatliche Festungs­haft des Dr. Trettenbacher, welche wegen Beleidigung des deutschen Kaisers verhängt war, auf 3 Monat ermäßigt.

London, 11. Juli Unterhaus. Parnell beantragt einen Beschluß, wonach das (tn der vorigen Sitzung zur Sprache gebrachte) Verfahren des Sprechers ohne Präceden) sei und eine Verletzung der Privilegien des Hauses enthalte. Schahkanzler Northcote bringt ein Amendement ein, welches das Verfahren des Sprechers für gerechtfertigt und diesen des Vertrauens und der Unterstützung des Hauses für würdig erklärt (lebhafter Beifall). Parnell^s Antrag wird mit 421 gegen 39 Stimmen verworfen und darauf die Fort­setzung der Beratbung auf die Abendfltzung vertagt.

Lokales.

Gießen, 12. Juli. (Sitzung der Stadtverordneten am 10. Juli.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herr Beigeordneter Heß; von Seiten der Stadtverordneten: die Herren Baist, Grüneberg, Han stein, Homberger, Kauf, Lüdeking, Man, Ad. Noll, Petri, Scheel, Schopbach, Wenzel und Wortmann. Vor Eintritt in dte Tagesordnung wird den Stadtverordneten Kenntniß gegeben von der Danksagung des Vorstands des Vereins für Localgcschichte wegen Ueberlasiung von den Bildern der alten Rathsschöffen und Bürgermeistern an das Museum. Ferner wird der Stand der städt. Schul­anstalten bekannt gegeben, wonach die erweiterte Mädchenschule, Stadtmädchenschule und Stadt­knabenschule von zusammen 1378 Schülern besucht werben. Die Realschule mit einem Lehrer­personal von 19 Köpfen, wird wie nachstehend besucht: Realschule I Ordn. 227 Schüler, II. Ordn. 129 Schüler, Vorschule 283 Schüler, zusammen 639 Schüler. Sodann kommt noch ein Ministerialrescript zur Verlesung, wonach das an Großh. Ministerium gerichtete Baugesuch des Schlossers Herrn H. Baum ablehnend beschieden wird. In dte Tagesordnung ein­tretend bildet Pos. 1 derselben den wichtigsten Punkt der heutigen Verhandlungen. Es betrifft die Reorganisation der höheren Mädchenschule. Diese Frage beschäftigte schon längere Jahre die Stadtverordneten sowohl als eine größere Anzahl hiesiger Einwohner, welche ihren Töchtern eine höhere Ausbildung ertheilt wißen wollten als es nach den jetzt bestehenden Schuleinrichtungen möglich ist. In einem Ministerialrescript vom 15. December 1874 stellte Großh. Ministerium, Abth. f. Schulangelegenheiten, diejenigen Bestimmungen fest, wonach eine Reorganisation zu geschehen habe. Diese Bestimmungen, sowie ein damals vorliegender Plan, wonach sog. Mittel­schulen errichtet werden sollten, wurden von den Stadtverordneten aus verschiedenen Gründen, z. Th. des Kostenpunktes wegen, nicht acceptirt. In neuerer Zeit hat sich nun Herr Realschul­direktor Sold an der Sache angenommen und einen Plan ausgearbeitet, nack welchem mit Aufwendung ganz geringer Kosten von Seiten der Stadt es möglich gemacht ist, daß eine sog. höhere Mädchenschule im Sinne des Ministeriums in unserer Stadt errichtet werden kann. Dem Plan ist wohl derjenige der hiesigen Realschule 1. und 2. Ordnung zu Grunde gelegt. Nach demselben sollen die Schülerinnen der Töchterschule II. Ordnung ihren Lehrcurs mit 14 Jahren, diejenigen der I. Ordnung mit 16 Jahren abschließen Die Schuldeputation hat über den Antrag Sold an eingehend berathen und schlägt denselben zur Annahme vor. Die Deputation hat in diesem Sinne folgenden Antrag gestellt: Es ist vorzuschlagen: 1. daß die Schule in dem Sinne reorganistrt werde, wie Herr Realschuldirector Sold an beantragt hat; 2. ein Curatorium, bestehend aus dem Direktor, dem Bürgermeister, zwei Mitgliedern des Stadtvorstandes und zwei weiteren von diesem zu wählenden sachverständigen Männern, ist in Vorschlag zu bringen. Bei Stimmengleichheit ist ein Antrag als abgelehnt zu behandeln; 3. die Trennung der Abtheilung beginnt regelmäßig mit dem zurückgelegten 9. Lebensjahre der Kinder, d. h. von der 4. Claße von unten an gerechnet; 4. das Schulgeld anlangend, so soll daßelbe bis zur Trennung 32 JL per Kopf betragen, von da an für die zweite Abtheilung 40 JA, für erste Abtheilung 48 JA bis zum Beginne des englischen Unterrichts, von da an 60 JA und in den beiden höchsten Elasten 72 JA; 5. der Direktor der Schule, desten Gehalt nach den Ansätzen des Mintsterial Rescnpts vom 15. December 1874 normirt worden ist, Hot das Inspektorat über sämmtliche städtische Schulen beizubehaltcn. Dieser Antrag wird von der Versammlung angenommen mit den Zusätzen, daß bezüglich der Freistellen sich die Stadt das Recht wahrt, solche nach ihrem Ermesten zu vergeben, sodann daß bezüglich des Besuchs der Schule von mehreren Schwestern es nach den Grundsätzen wie solche bet der Realschule gelten, gehalten werden soll und 3. daß der Gehalt der Lehrer an fragl. Schule nach der bisher üblichen Scala steigen soll mit Ausnahme des Direktors, welcher mit je 300 JA von 4 zu 4 Jahren bis zum Maximalgehalt von 4600 JA besoldet wird. Die Realschule 1. Ordnung hat einen Ueberschuß von 114 ja 50 H erzielt. Nach einem Schreiben der Direktion sollen hiervon 110 JA zur Honorirung für Nachhülfestunden verwendet werden und giebt dte Ver­sammlung ibre Zustimmung. Die Verwaltung der Klaste III b an der Stadtknabenschule wurde Herrn Lehrer Plaut übertragen. Derselbe crbält 900 JA Gehalt und 300 JA Woh­nungs-Entschädigung. Eine Lchrerinnenstelle an der Stadtmädchenschule wurde durch Fräulein Dingeldein besetzt mit dem Gehalte von 900 JA und 200 JA Wohnungs-Entschädigung. - Für den Unterricht schwachsinniger Kinder in hiesiger Stadt wird Herr Lehrer Zörb be­stimmt, welcher den Unterricht (8 Stunden per Woche) für 400 JA Vergütung per Jahr übernimmt. Die Erbauung der Aborte an dem neuen Schulhause für die höhere Mädchen­schule soll nach einem Anträge des Stadtbaumeisters denjenigen Handwerksmeistern übertragen werden, welche den Hauptbau fertigten und zwar zu denselben Accord-Preisen wie bei letzterem. Dte Versammlung stimmt diesem Antrag bei. Ein Theil der Kellerräumc im neuen Schul­hause wird Herrn Ad. Noll zur Lagerung von Tabak vermiethet und soll der Micthprcis

von der Schuldeputation festgestellt werden. Herr Eduard Hanau hat ein Gartenhaus auf seinem Grundstück an der Marburger Straße errichtet und ersucht um nachträgliche Ge­nehmigung, welche ihm gewährt wird. Das Baugesuch des Herrn L. Klinkel, welcher ein Lagerhaus am Schipkapaß erbauen will, soll befürwortet werden. Das Gesuch des Herrn A. Fangmann um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen soll befürwortet werden (8 gegen 7 Stimmen). Die Daudeputation beantragte Ablehnung, weil die Bauver­änderung mehr einem Umbau gleiche und diesem das Gesetz enigegenstünde. Das gleiche Gesuch des Herrn Louis Vogt soll befürwortet werden. Erbbegräbnisse betr. wird einem erneuten Gesuche um Anbringung einer Bank auf einem solchen nunmehr entsprochen. Herr Schirmer acceptirt die ihm in letzter Sitzung von Seiten der Stadt offerirte Summe zur Abtreiung von Gelände an seiner Hofraithe am Wallthor, mit der Bedingung, daß der dort- selbst befindliche Brunnen noch einige Zeit verbleibe. Die Versammlung giebt ihre Zustimmung mit dem Bemerken, daß der Brunnen innerhalb 5 Jahren zu beseitigen sei. Die Bewohner und Anlieger dcr Schießgärten haben ein erneutes Gesuch um eine Straßenanlage an die Ver­sammlung gerichtet, mit zum Theil ermäßigten Forderungen für Gelände. Die Versammlung ist auch heute nicht in der Lage dem Gesuche zu entsprechen. Die nun folgenden 5 kleineren Positionen der Tagesordnung werden im Sinne der Antragsteller erledigt. In Betreff Klage des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Landarmenverband wegen Weigerung von Unterhaltung der Kinder eines hinter das das Unterstützungs-Wohnsitz-Gesetz Verschanzenden, soll die Klage ange­strengt werden. Bei Verhandlung dieser Sache ertrollt sich ein schreckliches Bild von Armuth und Vernachlässigung der Kinder Seitens des Vaters. Derselbe, heißt es in einem Bericht, bringt seinen Kindern täglich einen halben Leib Brod, kümmert sich aber sonst auch gar nicht weiter um dieselben, so daß, wenn sich nicht die mitleidigen Hausleute der schon halb verwilverten Kinder, wovon das älteste 12 Jahre alt, angenommen hätten, dieselben längst verkommen wären. Der Landarmenverband sagt freilich, der Mann sei arbeitsfähig und könne seine Familie er­nähren, können und wollen ist aber ein Unterschied, das ist die andere Frage unter welcher die armen Würmer leiden müßen. Die Stadt, sowie der Frauenverein, haben sich vorderhand derselben angenommen und soll im Uebrigen auch bei Großh. Stadtgericht beantragt werden, daß der Vater derselben nach Dieburg ins Arbeitshaus verbracht werde. Zur Beschaffung von Brennmaterial für die städtischen Anstalten pro 1879/80 wird die hierfür bestehende Commission wiederum bestimmt Die diversen Kostendecreturen werden genehmigt. Zum Schluß wird noch der Versammlung mitgetheilt, daß das diesjährige Jugendfest schon am 11. August im Philosophenwald abgehalten werden soll, motivirt durch die Ferien der Schulen und die Abwesenheit des Herrn R ü b s a m e n in der zweiten Hälfte des August. Die Ver­sammlung ist mit der Verlegung einverstanden, übernimmt ein allrnfallsiges Deficit und gewährt wie üblich das nöthige Holz für die Spielplätze. Es folgt nunmehr geheime Sitzung, in welcher 3 Schutzleute ernannt wurden, an Stelle der abgetretenen Schutzleute Bärrn, Müller I. und Müller II. An deren Stelle wurden ernannt: Friedrich Lang, seither Stadt- gerichts-Diener-Substitut, Adam Hinter, seither Bremser an der Deutz-Gießener-Bahn und Heinrich Horn IX., Schuhmacher, von Steinbach.a.

In der ^Darmstädter Zeitung" erläßt die Direction jder Main-Weser-Bahn zu Cassel eine Bekanntmachung des^Jnhalts, daß die den Besuchern der in Offenbach während der Monate Juli, August und September stattfindenden Landes-Gewerbe-Ausstellung gewährte Fahrpreisermäßigung nur auf diejenigen, zu den Schnell- und Personen-Zügen gelösten Billets 2. und 3. Claße Anwendung findet, welche auf den im Gebiet des Großherzogthums Hessen belegenen Stationen zur Ausgabe gelangen, wozu für den diesseitigen Verwaltungs-Bereich die Stationen Lollar, Gießen, Lang-Göns, Butzbach, Bad Nauheim, Friedberg, Nieder-Wöllstabt, Großkarbcn. Dortelweil und Vilbel zählen.

Zur Illustration des Unterstützungswohnsitzgesetzes, resp. der Ausdehnung über den Be­griff deßelben möge Nachfolgendes dienen: Im Mai d. I. traf eine Familie, bestehend aus 5 Personen, mittellos von Metz, resp. Frankfurt hier ein. Der Mann gab an, vor drei Jahren aus Brasilien, woselbst er begütert gewesen, ausgewandert zu sein, weil seine Familie das dortige Klima nicht habe vertragen können u. s. w Im Laufe dieser drei Jahre sei er mittel­los geworden. Er beabsichtige nunmehr nach Hamburg zu gehen und von da werde ihm Gelegenheit, wieder nach Brasilien zu kommen. Er bat schließlich auch hier um Unterstützung zur Weiterreise, welche ihm mit 1 JA Zehrgeld und den betreffenden Eisenbahnbilletten bis Marburg aus der Kasse, welche die Stadt der Polizeiverwaltung zur Verfügung gestellt hat, auf der Polizei gewährt wurde. Selbstverständlich wurde dem Manne auf seinem Paße vermerkt, daß er hier Unterstützung mit dem betreffenden Betrage erhalten habe. Es ging nun die Sache ganz gut bis Hamburg. In jeder Stadt wurde weiter gesorgt und in Hamburg begab sich die Familie in die sog. Schutzhaft, d. h. wurde vom dortigen Armenverein untergebracht. Dieser Tage langte nun von der Behörde zu Hamburg ein Schreiben des Inhaltes ein, daß sie für die betreffende Familie nach Kräften gesorgt und es ihr gelungen sei, dieselbe billigst nach Brasilien zu beschaffen und sie erlaube sich der Stadt Gießen die Rechnung über Reise­spesen von 980 ja 47 zur Begleichung vorzulegen, weil die Stadl Gießen durch ihre Unterstützung, die sie der Familie gewährt, Unterftützungsort geworden sei! Hübscher kann man wohl das Unterstützungswobnsitzgesetz nicht auslegen. Selbstverständlich wird sich die Stadt wohl hüten, auf diese naive Forderung einzugehen und es zum gerichtlichen Austrag kommen laßen, wo das Resultat gar nicht zweifelhaft sein kann, denn wer beauf» tragte die Hamburger Behörde 980 Jl. für die Reise nach Brasilien zu verausgaben ? Die Stadt Gießen doch jedenfalls nicht, welche durch ihre humane Einrichtung des sog. Stadt­geschenkes von Bedürftigen und auch nicht Bedürftigen vielfach heimgesucht wird.

Gießen 12. Juli. DasMannheimer Tageblatt" schreibt und dies gilt auch für Anderwärts: Der Zoll auf Petroleum, Kaffee rc. wird bereits erhoben und werden die Kauf­leute sich beeilen,aufzuschlagen". Hoffentlich wird man dabei die Kirche im Dorfe laßen. Der Finanzzoll ist im Interesse des Staates, nicht aber im Jntereße des Zwischenhandels bewilligt. Wenn der Höhe des Zolles entsprechend ein Aufschlag von 34 H bei Petroleum erfolgt, so kann dagegen nichts gesagt werden; wenn der Aufschlag aber nur dazu dient, die Speculation auf die Taschen der Consumenten, welch Letztere vorläufig noch keinen Nutzen von der Wirthschaftsreform verspüren werden, zu beleben, so wird sich ohne Zweifel eine Agitation gegen dieses Bestreben geltend machen. Unsere Ladenbesitzer werden aus Rücksicht auf ihre treue Kundschaft, sowie zur Vorbeugung von unangenehmen Reibereien jedenfalls billig denken und handeln.

Vermischtes.

Ein amü santer Proceß wird demnächst vor dem Gerichtshof der französischen Stadt Jßondun zur Entscheidung gelangen. Ein Bauer aus der Umgegend dieser Stadt hatte eines Abends ein Meteor fliegen und fallen sehen und hatte, indem er an den Ort des Falles ging, auch wirklich einen Meteorstein gefunden, der für ihn etwas außerordentlich Seltsames darstellte. Nachdem er vom Lehrer seines Dorfes erfahren Hatto, was sein Fund eigentlich sei, brachte er ihn dem Museum von Jßondun, welches denselben mit 250 Frcs. honorirte. Der Finder hatte indeß seine Rechnung ohne den Eigenthürncr des Feldes gemacht, auf dem der Meteorstein niedergefallen war. Als dieser von dem Handel erfuhr, verklagte er den Finder auf Schadenersatz und verlangte nicht weniger als 10,000 Frcs., denn so hoch schätzte er den Fund. Der Finder seinerseits verwies den Kläger an das Museum von Jßondun, den gegenwärtigen Besitzer des Steines. In dem Proceß, der in der Thal eingeleitet wurde, ist bereits das Streitobject durch den Director des Pariser naturhistorischen Museums, Profeffor Daubray, abgeschätzt worden; nach deßen Gutachten, das eine Art Tarif für Aerolithe auf­stellt, hat bas Museum von Jßondun den Stein genau zu seinem Werthe, 250 Frcs , be­zahlt. Berühmte Advocaten sind bereits engagirt, um die Frage entscheiden zu helfen: Wem gehört der Aerolith?

SchlfFsberleht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd E. W. Dietz in Gieß en.

Baltimore, 8. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Hansa, Capt. H. Hellmers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 18. Juni von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten hier angekommen.

Southampton, 9. Juli. Der Postdampfer Weser, Capt. R. Bussius, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 28. Juni von Ncwyork abgegangen war, ist gestern 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton be­stimmten Paßagiere, Post und Ladung 5 Uhr Nachmittags die Reise nach Bremen fortgesetzt. Die Weser überbringt 175 Paßagiere und volle Ladung. _______

Handel und Verkehr.

Gießen, 12 Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. JA 0,75 bis JA 0,83, Hühnereier per Stück 5 H, Gänseeier, per Stück H, Enteneier, per Scück 56 Käse, per Stück 49 Käsematte, per Stück 3 Erbsen, 1 Liter 20 H, Linsen, 1 Liter 23 H, Tauben, das Paar 70^, Hühner, per Stück JA 1.10, alte Halmen, per Stück JA 1,10, junge Hahnen, per Stück 5090 H, Enten, per Stück JA 1,50, Kartoffeln, per 100 Kilo JA 9.5011, Zwiebeln, per Centner JA 20, Milch per Liter 16 u. 18 Ocksenfleiscb, 70 H per Pfd., Kuh und Rindfleisch 5660 H, Hammelfleisch 6070 H, Schweinefleisch 5660 Kalbfleisch 4650 H. Kirschen per Pfd. 1016