Theodor Kattenhorn zu Freudenberg bei Siegen die erste Lehrerstelle an der erweiterten Volksschule zu Grünöerg, dem Johann Karl Ortwein aus Srock- hausen die Stelle des Pedellen an dem Gymnasium zu Büdingen, am 16. Mai wurde dem Schullehrer Johannes Ploch zu Weickartshain die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Seibertenrod, dem Schulamts-Aspiranten Friedrich Hein- reich Dornes aus Nieder-Flörsheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lehnheim übertragen; an dems. Tage wurde dem Nicolaus Hauck aus Schaafheim das Patent als Geometer 2. Klasie für den Kreis Dieburg ertheilt; am 17. Mat wurde der von dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Wertheim- Rosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Höllerbach präsentirte Schulamts-Aspirant Georg Treusch aus Reichelsheim i. O. bestätigt.
8. Militärdienstnachrichten.
9. Dienstentlassung.
10. Charakterertheilungen.
11. Ruhestandsversetzungen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 10. Mat den Matertalverwalter Christian Wachs- muth zu Bad Nauheim unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste auf setn Nachsuchen, am 14. Mat den Landgerichts-Assessor bet dem Landgerichte Langen Theodor Amend, am 17. Mai den Buchhalter bet der Hauptstaatskaffe Heinrich Haller auf setn Nachsuchen bts zur Wiederherstellung seiner Gesundheit tn den Ruhestand zu versetzen.
Am 14. Mat wurde der Schullehrer an der Volksschule zu Worms Johann Baptist Sturm auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, am 24. Mat wurde der Schullehrer an der Gemetnde- schule zu Ortenberg Karl Hoffmann auf setn Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen mtt Eifer und Treue geleisteten Dienste, der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Geiß-Rtdda Heinrich Ludwig Ahn aus sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt.
12. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Die französisch-reformirte Psarrstelle zu Neu-Isenburg, dotattonsmäßtger Gehalt 1181 «X, das Präsen- tationsrecht zu dieser Stelle steht der evang. Kirchengemetnde zu Neu-Isenburg zu. Eine mtt einem evang. Lehree zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde- jchule zu Egelsbach mit einem nach dem Dtenstalter zu bemeffenden Gehalte von 1000—1500 eX jährlich. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Roden mit einem Gehalt von 1000—1200 «X Die Stelle eines Steigers 1. Klaffe auf der Braunkohlengrube Ludwtgsboffnung bet Melbach mtt einem Gehalt von 1200 eX; Bewerber, welche im Besitze der erforderlichen markschetderischen Kenntniffe sein muffen, haben ihre Anmeldung binnen 3 Wochen einzuretchen. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dauernhetm mit einem Gehalt von 900 «X Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stangenrod mit einem Gehalt von 900 «X Eme mtt einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Alten-Buseck mit einem Gehalt von 900 «X Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lebrerstelle an der Gemeindeschule zu Dorndiel mit einem Gehalt von 900 cX Die mtt einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schönnen mit einem Gehalt von 900 «X, das Präsentationsrecht steht dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach zu.
13. Sterbefälle. Gestorben sind: am 30. April der Friedensrichter t. P. Justtzrath Franz Adam Ernst Hoffmann zu Mainz; am 10. Mai der evang. Pfarrer Karl Schenk zu Nieder - Saulheim; am 12. Mat der Schullehrer August Kunze zu Offenbach; an dems. Tage der Schullehrer Hetnrtch Schlechtweg zu Pfeddersheim; am 15. Mai der Milttärpensionär Jacob Demmer zu Sprendlingen; am 18. Mai der Registrator i. P. Ferdinand Htsgen zu Darmstadt; am 20. Mat der evang. Pfarrer Georg Fuchs zu Appenheim.
Berlin, 10. Junt. Der Meldung verschiedener Blätter gegenüber, Bayern sei auf dem Londoner Telegraphen-Congreß durch den Vorstand der Telegraphen-Abthetlung, Gumbert, vertreten, wird bemerkt, daß Gumbert nicht als Vertreter Bayerns, was nach der Reichsverfassung überhaupt nicht angängig fein würde, sondern in gleicher Eigenschaft wie die übrigen Delegirten als Vertreter Deutschlands auf dem Telegraphen-Congreffe zu sungiren hat.
— Auf die Nachricht, daß der deutsche Dampfer „Luxor" tn Callao ohne genügend bekannten Grund festgehalten worden ist, wies die kaiserliche Regierung ihren Vertreter in Lima telegraphisch zur Berichterstattung über die Sachlage, sowie zur Verwendung für die Freilassung des Schiffes an.
Kelheim, 10. Juni. Die Wanderversammlung der bayerischen Land- wirthe ist über die Anträge des Frhrn. v. Thüngen-Roßbach auf Erlaß einer Dankadresse an den Reichskanzler für den energischen Schutz der Landwtrth- schäft und ferner die bayerische Regierung zu ersuchen, die Bestrebungen des Reichskanzlers auf Vereinheitlichung der Eifenbahntartfe und zur Beseittgung der Differentialtarife aufs Kräftigste zu unterstützen, wegen der späten Einbringung dieser Anträge und des Zeitmangels gegenüber der hohen Wichtigkeit und der Tragweite derselben zur Tagesordnung übergegangen.
Hefterreich.
Wien, 10. Juni. Den der „Polit. Corresp." zugehenden authentischen Nachrichten über die Räumung Bulgariens und Ostrumeltens zufolge begann dieselbe am 26. Mat mit der Einschiffung der Ruflen in Burgas. Die blaue Brigade der 30. Division geht in Eilmärschen nach Burgas, ebenso das 9. Corps; daselbst leitet General Skobeleff persönlich den Rücktransport der Truppen. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Philippopel: Das Directo- rtum ernannte in 28 Bezirken Vorstände, von welchen 21 Bulgaren, 4 Griechen und 3 Türken sind. In den gemischten Bezirken werden die drei hervorragendsten Functionäre aus den drei Nationalitäten entnommen. — Aus Athen wird der „Polit. Corresp." gemeldet: Frankreich, unterstützt von anderen Mächten, lud die griechische Regierung ein, die Entsendung von Commiffären nach Konstantinopel zu beschleunigen.
Irankreich.
Marseille, 10. Juni. Nachrichten aus Algier zufolge griffen etwa 1000 Insurgenten am Montag Morgen Porte Redar, das von zwei Compagnien Jäger und einer Escadron Spahis verthetdtgt wurde, an. Die Insurgenten wurden zurückgeschlagen, verloren an 50 Todte und wurden von den Spahis verfolgt.
Rußland.
Petersburg, 10. Juni. Proceß Solowjeff. Die Aussage Solowjesfts
über seinen thätigen Verkehr mit Mitgliedern der Socialistenpartei in Petersburg und im Innern strmmt mit dm bez. Inhalt des Anklageactes überein. Die Zeitung „Semlja e Wolja" habe er von einem Unbekannten bezogen. Nach Solowjeff's Verhör folgte eine kurze Unterbrechung der Sitzung, wonach das oberste Gericht zum Zeugenoerhör schritt. Der Besitzer eines Waffenladens, Eduard Wenig, erkannte den ihm vorgezeigten Revolver, welcher zum Attentat gebraucht war; der Revolver sei bei ihm von Dr. Weimar gekauft. Zeuge Wirenk erkannte in Solowjeff denselben Mann, welcher später Patronen zu diesem Revolver kaufte. Dr. Weimar sagte aus: der Revolver sei dem von ihm gekauften nur ähnlich, nicht derselbe. Der Ankauf des Revolvers geschah auf Bitte eines Patienten Weimar's, welcher Sewastianoff hieß, welchen Weimar seitdem nicht wiedergesehen hat, auch nicht näher fennt Nach Weimar folgte das Verhör der Schwester und des Bruders Solowjeff's. Helene Solowjeff wurde beim Eintritt in den Sitzungssaal sofort von einem hysterischen Anfall getroffen und behufs ärztlicher Hülfe weggebracht. Der Bruder des Angeklagten, Nikolai Solowjeff, sagte aus, daß sein Bruder mit ihm niemals offenherzig gesprochen und nicht erklärt habe, woher er die verbotenen Schriften bekomme.
Griechenland.
Athen, 10. Juni. Die Regierung gedenkt weder die Kammern etnzu- berusen, noch aufzulösen. Der französische Geschäftsführer übergab der Regie- rung gestern die Einladung zur Ernennung von Commiffarten zur Wiederaus- nähme der Verhandlungen über die Grenzregulirung. Die Regierung versprach, nächstens die Einladung zu beantworten.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. Torrespoudenr-Bure««.
Berlin, 11. Juni. Die Stadt ist bis in die entlegensten Vorstädte mit Flaggen, Guirlandeu, Kränzen von Laub und Tannengrün, Büsten, Btld- niffen des Katserpaares, Transparenten und Sinnsprüchen festlich geschmückt. Alle Straßen sind fett frühem Morgen von einer festlich gekleideten Menge durchwogt. Aus den Provinzen fand ein maffenhafter Zuzug statt. Die Straße unter den Linden, namentlich bei dem kaiserlichen Palais, war schon früh Morgens von einer Kopf an Kopf gedrängten Menge angefüllt. Bis jetzt herrscht schönes Wetter. Eben fand auf dem prachtvoll geschmückten Dönhofs- platze bte Don über 2000 Sängern und Musikern ausgeführte Festmorgenmusik statt. Die Studenten ziehen mit Fahnen nach ihren Sammelplätzen, um bet der Festfahrt des kaiserlichen Paares nach der Schloßkapelle die Bildung des Spaliers zu übernehmen.
— Die Majestäten nahmen um 10*/2 Uhr die Glückwünsche der unteren Hofbeamten und der Hofdienerschaft entgegen und empfingen gegen 11 Uhr im Palais die Glückwünsche der kronprinzlichen Familie, der Großh. badenschen Herrschaften und des Großherzogs von Sachsen. Aus den anläßlich der Goldenen Hochzeitsfeter in der Armee erfolgten zahlreichen Ernennungen find von oberen Chargen hervorzuheben: Ernannt zu Generalen der Infanterie v. Obernitz. Großherzog von Heffen, Fürst v. Waldeck und Fürst v. Schwarzburg-.Sonders- hausen; zu General-Lieutenants v. Los, Prinz Heinrich v. Heffen, Erbprinz v. Hohenzollern, v. Drigalsky, v. Beckedorff, v. Schmeling, v. Maffow, v. Flatow, v. Barby, v. Albedyll und v. Tilly.
— Kanonendonner verkündete die um 12 Uhr 40 Minuten vollzogene Einsegnung des Kaiserpaares anläßlich der Goldenen Hochzeit. Die Auffahrt Ihrer Majestäten und der Fürstlichkeiten nach dem Schloß vollzog sich unter unermeßlichem Jubel und begeisterten Zurufen der Kopf an Kopf gedrängten Menschenmaffen. Beim Eintritt in die Kapelle wurde das Kaiserpaar von der Geistlichkeit empfangen. Der Kaiser, die Kaiserin an der linken Hand führend, bestieg den Haut-pas, wobei hinter dem Kaiser der Minister des königlichen Hauses und die dienstthuenden Adjutanten, hinter der Kaiserin die Oberhof- meisterin, die Palast« und Hofdamen Stellung nahmen. Alsdann vollzog Hofprediger Kögel die Einsegnung. In der ganzen Umgebung des Schloßes bildeten die Studenten der Universität und Gewerbe-Akademie mit zahlreichen Bannern und Musik-Corps Spalier. — Don Kiel, Nürnberg, Leipzig und anderen großen Städten wird gleichfalls über glänzende Feier des Festes berichtet.
— Bei der Einsegnung der Majestäten hatte Hofprediger Kögel die Textesworte untergelegt: Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größeste unter ihnen. Die Einsegnung selbst lautete im Anschluß an die Textesworte: Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht. In Seinem Namen, aus Seiner Fülle, zu Seiner Ehre will aller Segen gespendet und empfangen sein. Der Herr, der unseres Glaubens Hort ist, der Deinen Bund getragen und gesegnet hat bis heute, Er segne und behüte Dich! Der Herr, der die Liebe ist und sich mit Seinem Kreuz, Wort und Geist bekannt zu Dir durch 50 Jahre, Er taffe leuchten über Dir Setn Angesicht und sei Dir gnädig! Der Herr, der unsere Hoffnung ist im Leben und im Sterben, und dem, der Treue hält, die Krone des Lebens verheißt, Er erhebe Sein Angesicht auf Deinen Ausgang und Eingang und gebe Dir Seinen Frieden! Amen. — Anläßlich der heutigen Feier bewilligte der Kaiser für hülfsbedürftige würdige Bewohner Berlins 10,000 Mark aus der Chatoulle.
— Die Cour des diplomatischen Corps, sowie deffen Glückwünsche, nahmen die Majestäten vor dem Throne stehend entgegen. An der Spitze der demnächst folgenden Fürstinnen und Gemahlinnen hoher Würdenträger stand die Fürstin 'Bismarck. Hierauf folgten die Fürsten, demnächst das Staatsministerium, an dkffen Spitze Fürst Bismarck, der auf eine einladende Bewegung des Kaiser näher trat und seine persönlichen Glückwünsche darbrachte, den besonders huldvollen Dank des Kaiserpaares empfangend. Für den Vorstand des Reichstages führte Präsident v. Seydewitz das Wort, indem er dem Hersteller des deutschen Reiches den Dank des deutschen Volkes darbrachte.
Für den Landtag hielt der Herzog von Ratibor die Beglückwünschungs- Ansprache, für die Generalität Graf Moltke, dem sehr herzlich von Kaiser und Kaiserin gedankt wurde. Hierauf folgten die Provinzial-Deputationen. Der Kronprinz hatte sich an die Spitze der Pommer'sche« Deputation und Prinz Carl an die Spitze der Deputation der Stadt Flatow gestellt.
Für Berlin hielt Bürgermeister Duncker die Ansprache; er erinnerte an die Verbindung der altpreußischen Tugenden mit der deutschen Wissenschaft, welche Friedrich Wilhelm III. inaugurirte durch ewig denkwürdige Thaten, die Preußen befähigten, Deutschlands Einheit zu schaffen und sein Anrecht an die Kaiserkrone begründeten. Der Kaiser erwiderte, indem er Seinen Zusammen-


