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gewinnt unter den Gubernialständen Rußlands wie in der Presse größere Ver­breitung. Den vier ständischen Gubernial-Versammlungen, welche den Ezaren in an chn übersandten Adressen mehr oder weniger offen um Verleihung einer Repräsentattv-Dersassung gebeten haben, hat sich ferner trotz Mimsterialver- bots und Aussicht aus Verbannung nach Sibirien die ständische Versammlung dks Gouvernements Rntn angeschloffen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespoudenr- Bureau.

Berlin, 10. März. Das Befinden Sr. Maj. des Kaisers, welcher eine gute Nacht hatte, ist heute besser, der Husten geringer; die Anschwellung an der Hüfte zertheilt sich immer mehr. Heute Mittag empfing der Kaiser den Feldmarschall Graf Moltke, der gestern hierher zurückgekehrt ist.

Wien, 10. März. Meldung derPolit. Correip." aus Bukarest: Die auf eine motivirte Resolution in der Judenfrage abzielende Haltung der Minorität der Kammer führte zur Stellung der Cabinetsfrage. In der gestri­gen vertraulichen Kammersitzung erklärte Bratiano, der Berliner Vertrag habe nur das Prtnctp der Gleichheit aller Religions-Bekenntnisse statuirt und Ru­mänien habe dieses Princtp angenommen, dagegen würden die national öcono- mischen Interessen vor Judenüberfluthung durch Spectalgesetze gesichert werden müssen. In Folge dieser Erklärung wurde der Antrag auf eine nicht moti- virte Resolution angenommen.

Pesth, 10. März. Die Lage in Szegedin ist unverändert, der Wafler- staud stationär. ,

Kairo, 9. März. Der Präsident des neuconstituirten Ministeriums, Mohamed Tewfik, der Minister des Auswärtigen Zulfikar und die Minister Wilson und Blignieres sind auf ihren Posten verblieben und erhalten je zwei Stimmen im Cabinet. Der Khedive nimmt an der Geschäftsleitung Theil. Nubar Pascha gehört dem Ministerium nicht an.

London, 10. März. Nachrichten aus der Capstadt vom 18. Februar zufolge war die Lage im Natal-Lande wenig verändert. Oberst Pearson be­hauptete feine verschanzte Stellung bet Ekowe, 30 Meilen jenseits der Grenze des Zulu-Landes; derselbe schlug bedeutende Streitkräfte der Zulus mit großen Verlusten zurück und verfolgte sie bis zu ihrem befestigten Lagerplatz. Oberst Wood erbeutete eine größere Anzahl Vieh. Der Gesundheitszustand der britischen Truppen ist ein befriedigender. Der Präsident des Oranje-Frei- staats richtete an Sir Bärtle Frere ein theilnehmendes Schreiben anläßlich ves Unfalles der britischen Truppen. Die Lage im Transvaal-Lande ist wegen feindseliger Haltung mehrerer Häuptlinge der Eingeborenen beunruhigt.

Petersburg, 10. März. Lorts-Melikoff berichtet telegraphisch aus Astrachan vom 9. d.: Epidemie-Kranke sind nicht vorhanden. Die Desin- section der Gräber und Kirchhöfe, die Taxation des zu verbrennenden Eigen- thums und Aflainisirung des Territoriums nehmen ungestört ihren Fortgang.

Genf, 10. März. Der russische Feldmarschall, Fürst Bartatinskt, ist gestern Abend 9 Uhr ohne vorausgegangenes längeres Unwohlsein Hierselbst gestorben.

Kopenhagen, 10. März. Der Postdampfer aus Korsoer ist heute Morgen in Kiel erngetroffen und Mittags mit voller Ladung wieder von dort abgegangen, mußte aber nach dreistündigem vergebltchem Versuche nach Kiel zurückkehren.

Pesth, 10. März, Abends. Sämmtliche Sectioncn des Unterhauses, mit Ausnahme der sechsten, in welcher wegen Stimmengleichheit kein Beschluß zu Stande kam, haben den Gesetzentwurf betreffs Jnarticulirung des Berliner Vertrags angenommen. Amtlich, wird aus Szegedin von heute Nachmittag 5 Uhr gemeldet: Das Wasser nur noch in schwacher Zunahme begriffen. Die untere und obere Schutzlinie sind gerettet. Durch Aufwand großer Arbeitskraft werden die Dämme derart erhöht, daß man Szegedin als gerettet betrachten kann. Die Stimmung der Bevölkerung ist eine bessere und eilen Tausende zur Arbeit heran.

Konstantinopel, 11. März. Reuf Pascha meldet der Pforte, daß 6 türkische Bataillone in Adrianopel eingerückt und von der Bevölkerung gut ausgenommen sind.

Lokales.

Gießen, 11. März. Wie wir vernehmen, wird das 11. mittelrheinische Turnfest dieses Jahr in Offenbach abgehaltcn und scheint daflelbe dem ersten im Jahre 1860 in Offenbach abgehaltenen Kreisfeste nicht nachstehen zu wollen, da daffelbe mit der Landes Gewerbe-Aus- stcllung jedenfalls zusammenfällt. Der Vorstand des Offenbacher Turnvereins hat sich durch Cooptatton angesehener Bürger als Festcomite constituirt und sind die Vorarbeiten im vollsten Gange.

Wegen Mangel an Raum müssen wir den Bericht über das letzte Concert des Concert- Vereins bis zur folgenden Nummer zurückstellen.

Bet dem nahenden Frühjahr und den dadurch bedingten Gärtnerarbciten in den Anlagen unserer Stadt und speciell derNeuen Anlage" sei ein Mahnwort an die Eltern gerichtet: Ihre Kleinen nickt auf den neu hergerichteten Beeten und ge­reinigten Rasenplätzen herumtummcln zu lassen. In anderen Städten findet man häufig in den Anlagen Plakate mit der Aufschrift:Diese Anlagen sind dem Schutze des Publikums empfohlen." Unsere Stadtverordneten bewilligen jedes Jahr eine größere Summe

zur Verschönerung und Instandhaltung der Anlagen, um dem Publikum Rechnung zu tragen. Sorge nun auch das Publikum dafür, daß das Dargebotene respectirt werde und handhabe das Publikum in gegebenen Fällen die Polizei, damit die richtige Polizei nicht Gelegenheit bekommt, gegen Uebertretungen einzuschreiten. Eltern aber, welche ihre Dienstboten mit den Kleinen in'S Freie schicken, mögen dafür besorgt sein, daß die Untergebenen mehr auf die Kleinen als auf Größere Acht geben.

Den Besitzern von Spielkarten dürfte es anzurathen sein, in Bälde ihre noch nicht gestempelten Karten mit dem Reichsspielkartenstempel versehen zu laffen, da mit dem 31. d. M. der Termin abläuft. Später kann eine Nachstempelung nicht mehr stattfinven.

Hießen, 11. März. Tagesordnung für die Stadtoerordneten-Sitzung Donner­stag den 13. März 1879, Nachmittags 4 Uhr.

1) Den Viehtransport an Sonn- und Feiertagen betreffend.

2) Die Vertheilung der Krug'schen und Lony'schen Stiftungs-Zinsen.

3) Gesuch wegen Ueberlassung eines Schulsaales für die Uebungen des evangeli­schen Kirchengesang-Vereins.

4) Die Bleichleihen betreffend.

5) Das Feuerlöschwesen betreffend.

6) Die Anschaffung von Feuereimern.

7) Die Besteuerung des Weins.

8) Die Ausstellung des allgemeinen Bauplans.

9) Gesuch des Bauaufsehers Körner um Bauerlaubniß.

10) Gesuch des Konrad Rinn HI. um Erlaubniß zur Erbauung eines Badchauses.

11) Gesuch des Maschinenfabrikanten Heyligenstädt um Erlaubniß zur Erbauung einer Werkstätte.

12) Gesuch des Glasermeisters Bierau um Erlaubniß zur Erbauung eines Hinter­hauses.

13) Gesuch des Spenglermeisters Schneider um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen.

14) Gesuch des Wilhelm Schäfer um Erlaubniß zur Anlegung einer Einfrie­digung.

15) Gesuch des Christian Helm um Erlaubniß wegen Abführung von Wasser. 16) Gesuch wegen Entfernung der Barriere in der Wetzsteingasse.

17) Die Instandhaltung der Friedhofsmauer.

18) Die Instandhaltung der Einfallstcine in den Straßengossen.

19) Den Garten am neuen Realschulgebäude betreffend.

Vermischtes.

Rinteln, 8 März. DasSchaumb. Kreisbl." enthält folgende interessante Zigeuner- gcsckicktc:Mit Gunst, daß ick mag hereintreten, Gott ehren Handwerk, Meister und Gesellen!" Guten Morgen Geselle!"" antwortete Meister Schmied in Algesdorf, vom Feuer umschauend, den Gruß des vermeintlicken Gesellen undSchön' Dank" vollendete den Gesellengruß der Schmiede ein Zigeunerweib.Mit Gunst, Meister," fuhr es darauf in seiner Rede fort,mit Gunst, Meister, ich gratulire, viel Glück, viel Glück, ich habe es in den Karten gelesen, 600 Thlr. liegen irgendwo in Ihrem Garten vergraben. Kommen Sie in die Stube, ich will sehen auf welchem Platz " Mit offenem Munde folgte der Schmied. Die Zigeunerin legt nun hier diesem und seiner Ehehälfte die KartenHier, dies Herzen- ist der Schatz und er liegt in der Richtung" dabei zeigt sie hinter sich in den Gartenund zwar Eckstein- Zehn mal Eckstein-Zwei 20 Schritt von hier"; und auf Carcau-Drei zeigend, erklärte sie weiter:3 Fuß unter der Erde." Den Schatz aber bewachen drei Engel, ein schwarzer, ein grauer und ein weißer, die müssen wir herunterbannen, dann haben wir das viele Geld. Hierzu ist nöthig, daß wir die Engel schmieren. Dies geschieht zunächst mit einer Seite Speck. Sir müssen mit Ihrer Frau 3rnal Nachts um 12 ohne ein Wort zu sprechen zu mir nach Sachsen- Hausen kommen, und zwar nächsten Freitag, Freitag über 8 und endlich über 14 Tage. Das erste Mal bringen Sie besagten Speck und 15 Thlr. mit, das zweite Mal nur 14 Thlr. und zwei Kinder und das dritte Mal wieder 14 Thlr. und das Abendmahlskletd der Frau und dann Würste und Schinken nach eigenem Ermessen. Wenn Sie aber ein Wort über die Sache sprechen, können wir den Schatz nicht heben." Die Kartenschlägerin packt ihre Utensilien zusammen und verläßt das Haus. Dreimal wandern an den folgenden Freitagen Schmied und Frau nach Sachsenhausen und bringen derkünnigen Frau" die zur Schatzhebung nöthigen Sachen. Am folgenden Freitage Nachts um die Geisterstunde soll der Schatz gegraben werden. Die Zigeunerin kam. Im Garten wurde ein Licht aufgehängt und eine Glocke, dann rüstig gehackt und gegraben. Plötzlich schallte die Glocke:Halt!" Man ging inS Haas legte die Karten.O Unglück! der Schatz ist 20 m. gesunken und der Teufel sitzt jekt selbst darauf und bewackt ibn. Schmied Du hast gesprochen."Ja, als ich das Geld geliehen, habe ich den Bauern gesagt, daß ich die Engel damit vom Schatze schmieren wolle""Dann geht'S noch, ein Stück Leinwand von 20 m. und ein neues Betttuch verscheuchen den Teufel und heben da« Geld, aber erst über 8 Tage." Sie nahm Beides und ist seitdem verschwunden. Der Schmied war aber so dumm, dieses auszuplaudern, wodurch ihm natürlich jede Hoffnung auf Hebung des Schatzes verloren gegangen ist. Ja! die Dummen werden nicht alle! Geschehen zu Algersdorf, Amt Nodenberg, im Jahre des Heils 1*79.

Handel und Verkehr.

Gießen, 11 März. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 80-85 A, Hühnereier, per Stück 5 H, Enteneier, per Stück 6 Käse, per Stück 48 H, Käsematte, per Stück 3 Erbsen, 1 Liter 20 H, Linsen, 1 Liter 24 Tauben, da« Paar A 1 10, Hübner, per Stück A 1.50, Hahnen, per Stück A 2, Enten, per Stück A - X Kartoffeln, per 100 Kilo A 56. , Zwiebeln, per Ctr. A 9-10. Ocksenfleisch 70 per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 5660 Schweinefleisch 58-60 H, Kalbfleisch 5056 Hammelfleisch 6070 H.

Frankfurt, 10. März (Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1 A 38, Nr. 2 A 36, Nr. 3 A 30, Nr. 4 A 26, Nr. 5 A 20. Roggenmehl % (Berliner Marke) A 21.50, do. I (Berliner Marke) A 19.50-20, do. II (Berliner Marke) A 14.5015.50. Weizen, effektiv hiesiger ab Bahnhof hier A 20 50, ab unserer Umgegend A 19.7520, do. fremder je nach Qualität A 19.5020.50, Roggen, je nach Qualität A 13 5015.50, Gerste A 17-18.50, Hafer A 12.50 14, Kohlsamen A 2729, Erbsen A 1927, Wickm A 1416, Linsen A 1736, Bohnen, weiße, 18-20, Roggenkleie A 9.50-10, Weizenkleie, grobe und feine A 78, Rüböl, detail, A 68. Stimmung. (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zoügewicht 100 Kilo.)

Frankfurt, 10 März. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Angetriebm waren ca 350 Ochsen, 190 Kühe und Rinder, 200 Kälber und 250 Hämmel. Die Preist stellten sich: Ochsen 1. Qual. A 6768, 2. Qual. A 6065, Kühe 1. Qual. A bis 6?, 2. Qual. A 49-52, Kälber 1 Qual. A 6261, 2. Qual. 556 f, Hammel 1. Qual A 6063, 2. Qual. A 54-58 per 100 Pfund Fleischgewicht. Schweine da» Pfund 52 H. ____________________________

Allgemeine Bekanntmachung.

Betreffend: Die Parcellenvermessung in der Gemarkung Gießen.

1553) Es wird zur öffentlichen Kenntniß der betheiligten Grundbesitzer gebracht, daß

Donnerstag den 13. d. M.

die Regultrung der Flur- und Gewann - Grenzen in den Gewannen am Nahrungsberg fortgesetzt wird.

Gießen, den 11. März 1879.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen

A. Bramm. Loose

zur Geflügel - Ausstellung am 13., 14. und 15. April sind ä 40 4 in der Expedition d. BI. zu haben.

Wiederverkäufer gesucht und erhalten dieselben hohen Rabatt.

r Anzeiger.

Holzoersseigerung

in der Oberförsterei Schiffenberg.

Donnerstag den 20. März l. I. sollen in dem Domanialwald- district Tempel versteigert werden:

129 Nadelstämme von 15 bis 28 Ctm. Durchmesser und 10 bis 18 Meter Länge 47,44 Festm.

120 Nadelderbstangen 9,33 Festm.

Scheiter. Knüppel. Stöcke. Reisig. Raummeter. Wellen.

Nadelholz 247 385 389,6 4400

Die Zusammenkunft ist auf der Chaussee von Gießen nach Hansen, unter halb des Forstgartens am Wegweiser, Vormittags 9 Uhr präcis.

Gießen, den 10. März 1879.

Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg.

I. V. d. O.:

1523) Joseph, Forstaccessist.