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Baron Haymerle habe bereits mit ihm im Ministerium und außerhalb des­selben unter der nämlichen Fahne gekämpft und dieselben Ideen vertheidigt. Andrasiy sprach die Ueberzeugung aus, daß für seinen Nachfolger und die Beamten des Ministeriums normale Zeiten wtedcrkehren und daß die Gefahren, welche die Monarchie bedrohten, beseitigt seien; er bat, seinen Nach­folger so zu unterstützen, wie die Beamten ihn unterstützt hätten. Hierauf erfolgte die Vorstellung der Beamten bei dem Baron Haymerle, welcher auf die Ansprache von Caltces erwiderte, er habe bas erfolgreiche Werk des Grafen Andrassy fortzusetzen und hoffe fick durch das Vertrauen der Beamten unterstützt zu sehen.

Die Reform deS deutschen Handwerks.

Man kann im Grunde von einer Gewerbefreiheit im deutschen Reiche eben­sowenig sprechen, als von einer Preßfreiheit oder Kirchenfreiheit. Ueberall schieben sich besondere Gesetze undOrdnungen", die durch allerlei Verordnungen, zu denen Ver­waltungsbehörden greifen,ergänzt" werden. Wir besitzen für Deutschland eine Ge­werbeordnung, die bereits mehrfacheNovellen" erlebt hat, deren jede bekanntlich nur neue Beschränkungen gebracht hat; dazu traten andere Gesetze, neue Verwaltungsmaß­regeln, auch polizeiliche Verordnungen, welche indie Ordnung" eingreifen. Wir er­innern uns an die Lehrlingsfrage, an die Arbeitsbücher und Arbeitszeugnisse, an die Regelung der Koalition und des Genossenschaftswesens, an die Fabrikgesetzgebung an die gewerblichen Schiedsgerichte u. s. w. Alle diese neuen Einrichtungen haben unleug­bar viel Wohlthätiges gebracht, und es wird ihre Wirksamkeit, je mehr sie sich emlebt und resormirt wird, desto mehr Gutes schaffen, was Jedermann, vor Allem das Hand­werk selbst, anerkennen muß. Essind das Gesetze, und diesen zu gehorchen, ist Bürgerpflicht, ob sie gut oder schlecht sind- .

Ganz anders liegt aber die Frage wegen der Errichtung neuer Innungen. Zur Zeit wird für eineReu-Innung", wie sie der bekannte Führer der Rationalliberalen und Oberbürgermeister von Osnabrück, Miquel, entworfen hat, für die Normalstatuten der neuen Osnabrücker Schuhmacher-Innung von vielen Behörden, besonders vom preußischen Staatsministerium, Reclame gemacht. Der Herr Oberbürgermeister Miquel, der sich in der Jnnungssrage kluge und weise dünkt, hat sicher den redlichsten Willen und die beste Absicht, dem deutschen Handwerk zu helfen, es wird aber die Zeit kommen, in welcher man, falls nämlich die Miquel'sche Mißgeburt einerNeu-Innung" wirklich dem ganzen deutschen Handwerkerstände als Zwangsjacke angezogen werden soll, sein Andenken keineswegs segnen wird. Vielmehr sagen schon jetzt viele freisinnige und einsichtige Handwerksmeister, daß die Miquel'sche Neu-Innung mit oder ohne Zwang nicht ein Haar besser sei als die alte Zunft.

In der That begegnet man in ihr allen alten Bekannten aus der seligen Zunft­zeit, dem alten Meisterrecht, dem Ausschluß bestrafter Gewerbsgenossen mit aller alten Ketzerrichterei, dem alten Meisterstück, wenn es sich auch alsGesellenstück" einführt, ja sogar die Sanctionirung von Arbeitsaussperrungcn, durch welche Gesellen zu ewiger Arbeitslosigkeit, für vogelfrei erklärt werden können. Nur die alte Wanderschaft wird nicht wieder aufgewärmt. Wo bleibt da die gerühmte Gewerbefreiheit. Was Miquel geschaffen hat, ist Stückwerk, es bringt uns nur den Kampf Aller gegen Alle, wie er tn der Zunft bestand, zurück.

Vor Allem aber ist zu bedenken, daß es sich hier nicht um eine gesetzliche Basis handelt, sondern daß man das deutsche Handwerk gewissermaßen unter der Hand, lediglich auf dem Verwaltungswege reformiren will. Der Staat mischt sich hier ganz unberechtigt in die privaten Angelegenheiten der Gewerbe und des Handwerks ein; er befürwortet irgend eine ihm plausibel erscheinende oberbürgermeisterliche Idee, ohne zu bedenken, daß eine l ebenso olle Organisation sich nur aus dem Handwerk selbst herausbilden kann, daß es sich nicht um das Interesse der Meister allein, sondern um das zu regelnde gegenseitige Interesse von Arbeitgeber und Arbeit­nehmer handelt, welche? offenbar höher steht, als ein staatlicher Zwang, höher als jeder mit Strafandrohungen und unserer ganzen Zeitrichtung widerstreitende Zwang. Daß die Jnnungssrage noch gar nicht spruchreif ist, bekunden Autoritäten, wie z. B. der um die Geschichte des deutschen Handwerks verdiente Appellationsgerichtsrath v. Huber- Liebcnau in Nürnberg, wie denn überhaupt in Süddeutschland das Miquel'sche Project nirgends Sympathien findet. Herr v. Huber-Liebenau befürwortet jenen Ncu- Jnnungen gegenüber vielmehr eine Erweiterung der Gewerbevereine, welche in Gau- verbänden sich einigen und in einer ReichSgewerbekammer eine vertretungsfähige Spitze finden können. In Norddeutschland hat man mit Recht in ähnlicher Weise auf die trefflich wirkenden, bereits organifirten, aber leider noch lange nicht genug verbrieten und anerkannten Hirsch-Duncker'schen Gewerkoereine hingewiesen. Jedenfalls sind solche Ideen viel lebensvoller, als die galvanisirten Jnnungs Leichen. Gerade jetzt tritt bei der Ausführung des Miquel'schen Planes noch hinzu, daß ihn die gewerbliche Reaction auszubeuten vermag, und somit übereilt die Jnnungssrage nicht gelöst, sondern nur in neuen kranken Formen fortgeschleppt wird. Auf alle Fälle ist Gefahr im Verzüge, und nur zu wünschen, daß das deutsche Handwerk die Reform, die man ihm aufbringen will, selbst in die Hand nimmt.

Lok a l e s.

Gießen, 10. October. Am Samstag den 4. October fand die Ausloosung der Schöffen für die Periode October 1879 bis ult. December 1880 Statt. Im Nachstehenden bringen wir die Sitzungstage innerhalb dieser Periode sammt dem Verzeichniß der Schöffen, welche an den bestimmten Tagen zu fungiren haben.

Als Schöffen werden zugezogen:

Zu den SitzungStagen am 14., 16., 21., 23. und 28. October die Herren Liqueurhändler Meyer Katz von Steinbach und Fabrikant Karl Friedrich Koch in Gießen

Am 30. October, 4., 6., 11. und 13. November die Herren Jnstitutsvorsteher Dr. Franz Kübel von Gießen und Fabrikant Arnold Müller von Gießen

Am 18., 20., 25., 27. November und 2. December die Herren Lederhändler Konrad Ohler von Gießen und Landwirth Jacob Kreiling IV. von Heuchelheim.

Am 4., 9., 11., 16. und 18. December die Herren Levi Meyerfeld von Gießen und Hüttenbcamter Franz Wilhelm Feller von Lollar.

Am 23. und 30. December 1879, 6., 8. und 13. Januar 1880 die Herren Kauf­mann Ferdinand Angust Wehn von Gießen und Rentner Theodor Wortmann von Gießen.

Am 15., 20., 22., 27. und 29. Januar die Herren Gemeinveeinnehmer Heinrich Senling I. von Alt-Buseck und Maschinenassistent Karl Ouerner von Gießen.

Am 3., 5., 10 , 12. und 17. Februar die Herren Kaufmann Heinrich Flick von Gießen und Berqaffeffor Alexander Schulz von Gießen.

Am 19., 24. und 26. Februar, 2. und 4. Marz die Herren Affeffor t. P. Heinrich Karl Gebhardt von Gießen und Bterbraueretbesitzer Georg Heß von Gießen.

Am 9., 11., 16, 18. und 23. März vie Herren Rentner Ludwig Bücking von Gießen und Gemeinderinnehmer Maid III. von Watzenborn.

Am 30. März, 1., 6., 8. und 13. April die Herren Techniker Otto Bergen von Gießen und Gemeinveeinnehmer Johannes Belten VII. von Groß-Lmden.

Am 15., 20., 22. und 27. Aprü die Herren Weinhändlcr Adolf Ziuser von Gießen und Buchhalter Heinrich Freitag von Gleßen.

Am 29. April, 4., 11. und 13. Mai die Herren Fabrikant Karl Engel von Groß- Linden und Fabrikant August Ackermann von Gießen.

Am 18., 20, 25. und 27. Mat die Herren Buchhändler Otto Roth von Gießen und Fabrikant Friedrich Dröscher von Gießen.

Am 1., 3., 8. unv 10. Juni die Herren Kaufmann S. A. Blumenfeld von Gießen und Fabrikant Ang. Schlefstnger von Gießen.

Am 15., 17., 22. und 24. Juni die Herren Kaufmann Hermann Mettenheimer von Gießen und Stavtverordneter Louis Kauf von Gießen.

Am 29. Juni, 1., 6. und 8. Juli die Herren Essigfabrikant Eduard Silbereisen von Gießen und Bauunternehmer Anton Petri von Gießen.

Am 13., 15., 20. und 22. Juli die Herren Spezereihändler Ferdinand Hoffmann von Gießen und Spezereihändler Adolf Michel von Gießen.

Am 27. und 29. Juli, 3. und 5. August die Herren Banquter Sigismund Heichel­heim von Gießen und Kaufmann Friedrich Koch von Gießen.

Am 10., 12., 17. und 19. August die Herren Kaufmann Georg Wilhelm Liebrich von Gießen und Kaufmann Ludwig Fronhäuser von Gießen.

Am 24., 26., 31. August und 2. September die Herren Universitätsrcntamtmann Karl Schmidt von Gießen und Fabrikant Hermann Homberger von Gießen.

Am 7., 9., 14. und 16. September die Herren Hüttenbesitzer Georg Buderus von Lollar und Kaufmannn Ferdinand Bapst von Gießen.

Am 21., 23., 28. und 30. September die Herren Hauptsteueramtsassistent Karl Reinhardt Franck von Gießen und Rittmeister Victor Hugo von Rabenau von Gießen.

Am 5., 7., 12. und 14. Octoder dir Herren Fabrikant Karl Klingspor von Gießen und Spezereihändler Christian Wallenfels von Gießen.

Am 19., 21., 26. und 28. October die Herren Univerfitätssecetär Friedrich Schäffer von Gießen und Fabrikant Georg Throm von Gießen.

Am 2., 4., 9. und 11. November die Herren Gemeindeeinnehmer Anton Dern III. von Lang- Göns und Controleur Heinrich Wagner von Gießen.

Am 16., 18., 23. und 25. November dir Herren Commis Georg Emil Möhl von Gießen und Fabrikant Georg Ferdinand GaU von Gießen.

Am 30. November, 2., 7. und 9. December die Herren MechanikuS Franz von Gehren von Gießen und Gastwirth Heinrich Schadeck III. von Lollar.

Am 14. und 16. December die Herren Gutsbesitzer Karl Schlenke auf Hardthof und Schreiner Kaspar Jung IV. von Klein-Linden.

Am 21. und 23. December die Herren K- Schlenke und Oeconom Joseph Güngerich von Groß-Buseck.

Am 28. und 30. December die Herren Kaspar Jung IV. und I. Güngerich.

Verwischt es.

Berlin. Im Vorzimmer eines hiesigen Standesbeamten spielte sich vyr einigen Tagen folgende heitere Szene ab. Ein 28jährigcr Handwerker erschien daselbst mit seiner verlobten Braut, die bereits 47 Sommer zählt, um das Aufgebot zu bestellen. Die Braut hatte dem Handwerker erzählt, daß sie erst einmal verheirathet gewesen und seit vier Jahren Wittwe sei Bei der von dem Standesamts-Diener vorgenommenen Durchsicht der Papiere der Braut stellte sich aber heraus, daß dieselbe bereits 3 Ehemänner gehabt. Der erste war gestorben, die zweite Ehe wurde gerichtlich getrennt, während der dritte Ehegatte daS Schicksal des ersten getheilt hatte und ebenfalls gestorben war. Von der dreimaligen Verheirathung seiner Vraut hatte nun der Bräutigam, wie schon bemerkt, keine Ahnung. Sein Gesicht verfinsterte sich immer mehr, als er die Unterhaltung zwischen dem Standesamtsdiener und seiner Zukünftigen anhörte. Ich komme gleich wieder", mit diesen Worten entfernte er sich plötzlich, seine Braut tn Stan­desamt zurücklaffend. Es war bereits eine halbe Stunde verfloffen, da öffnete sich die Thür des Standesamts und herein trat nicht der Bräutigam, sondern ein -- Dtenstmann, der an Frau Malwine H . . . . einen Brief abzugeben hatte. Dies war die Braut. Hastig erbrach sie das Couvert und entfaltete demselben einen Zettel, auf welchem mit Bleistift Folgendes nieder- geschrieben war:Liebe Malwine! Da Du mich mit Deinen früheren Männern betrügen wolltest, so erkläre ich hiermit unsere Angelegenheit erledigt. Briefe werden nicht mehr ange­nommen. Dein Geld kriegst Du per Post. Die Reparatur an der Klingel, dafor will ich nichts haben. Gemein ist es einen anständigen Mann so bet der Nase zu führen. Adtö. Fritz R......." Dem Dienstmann war der Brief in einer dicht beim Standesamt be-

legenen Destillation von dem betrogenen Bräutigam übergeben worden. Nachdem diekalt ge­stellte" Braut Den verhängnißvollen Absagebrief gelesen, warf sie denWisch", tote sie ihn nannte, zur Erde und entfernte sich schleunigst.

Handel und Verkehr.

Limburg, 8. October. (Fruchtmarkt.) Rother Weizen JL 19, Weißer Weizen <^0.-, Korn 12.10, Saatkorn JL 0, Serfte JL 10.10, Hafer, JL 7.35, Erbsen , Kartoffeln JL. (Durchschnittspreis pro Malter.)

Zrischbiicker in Gießen.

Sonntag, den 12. October. Edvard Noll, Neustadt. Daniel Rühl, a» Rathhaus. Heinrich Faß, Ludwigsplatz.

Kirchliche Anzeigen

der evangelisch en Gemeinde ;u Gießen.

Gottesdienst:

Sonntag den 12. Oktober.

Morgens: Pfarrer Schlosser. (Feier deS heiligen Abendmahls.) Nachmittags: MUprediger Dr. Bichhold.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 12. bis 18. October besorgt Pfarrer Schlosser.

Auszüge aus den Kirchenbüchern sind während der Zett der Vacanz der I. Pfarrei ohne Rücksicht auf die AmtSwoche bei Pfarrvicar Schöner (OswaldSgarten) zu bestellen.

Allgemeiner Anzeiger.

Grünberger Gallusmarkt.

Der diesjährige Gallusmarkt wird am 15. und 16. d. M dahier abgehalten und zwar am ersten Tag als Schweine- und Krämermarkt und am zweiten Tag nur als Krämermarkt.

Indem wir zu recht zahlreichem Besuch einladen, bemerken wir zugleich, daß Dienstag den 14., Mittags 1 Uhr, die Verloosung ver Stände stattfindet.

Grün berg, den 6. October 1879.

Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg.

6551) Pracht.

Die Alice-Schule

beginnt Montag den 13. Oktober, Vormittags 10 Uhr.

6644) Der Vorstand.

Turnverein.

Sonntag den 12. Oct ober 1879:

Turnlahrl nach Manzenberg.

Abmarsch Morgens präcis 8 Uhr von der Turnhalle.

6621) Der Turrrwart.

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